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LEXIKON

Sciencefiction

[saiənsˈfikʃən; englisch, Wissenschaftsdichtung]
Abkürzung SF
Sciencefiction (Kulturtabelle).sgm
Wichtige Autoren und Werke der Sciencefiction-Literatur
AutorenWerke
Jules
Verne
(18281905)
Reise zum Mittelpunkt der Erde (1864); Von der Erde zum Mond (1865); 20 000 Meilen unterm Meer (1870)
Kurd Laßwitz (18481910)Auf zwei Planeten (1897)
Herbert George Wells (18661946)Die Zeitmaschine (1895); Der Krieg der Welten (1898)
Aldous L. Huxley (18941963)Schöne neue Welt (1932)
George Orwell (19031950)1984 (1949)
Robert Anson Heinlein (19071988)Ein Mann in einer fremden Welt (1961); Das neue Buch Hiob (1984)
Arthur Charles Clarke ( 19172008)2001 Odyssee im Weltraum (1968); Rendezvous mit 31/439 (1973); 3001: Die letzte Odyssee (1997).
Isaac Asimov (19201992)Sterne wie Staub (1951); Der fiebernde Planet (1952); Auf der Suche nach der Erde (1982); Nemesis (1989).
Ray D. Bradbury (* 1920)Fahrenheit 451 (1953)
Frank Herbert (19201986)Der Wüstenplanet (1966)
Stanislaw Lem (19212006)Sterntagebücher (1961); Robotermärchen (1969); Solaris (1972)
Kurt Vonnegut (19222007)Schlachthof 5 oder der Kinderkreuzzug (1969)
Arkadi Strugazkij (19251991), Boris Strugazkij (* 1933)Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein (1964); Picknick am Wegesrand (1972)
Herbert W. Franke (* 1927)Zone Null (1972); Flucht zum Mars (2007)
Philip K. Dick (19281982)Träumen Androiden von elektrischen Schafen? (1968)
Michael Crichton (* 1942)Jurassic Park (1990); Vergessene Welt (1995); Beute (2002)
Douglas Adams (19522001)Per Anhalter durch die Galaxis (1979)
seit den 1920er Jahren existierende, in Deutschland erst nach 1945 eingebürgerte Bezeichnung für Werke der Literatur, des Films und des Hörspiels, deren Handlung in einer von fiktiven wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen bestimmten Welt spielt. Die Beziehungen zwischen Sciencefiction und Wissenschaft sind von unterschiedlicher Art: Teils werden gegenwärtige wissenschaftliche und technische Entwicklungen mit eher populärwissenschaftlichem Anspruch in die Zukunft projiziert; teils ermöglichen hypothetische, die Naturgesetze ausschaltende Erfindungen die Darstellung fantastischer Abenteuer; teils dient die technisch-wissenschaftliche Ebene dem Ausdruck abstrakter, manchmal die Technik ironisierender Gedankenspiele. Die Sciencefiction setzt die seit dem 16. Jahrhundert bestehende Tradition der literarischen Utopie fort, von der sie sich nicht eindeutig trennen lässt.
Die Sciencefiction-Literatur entstand im 19. Jahrhundert; damals entwickelten sich auch die für sie bis heute kennzeichnenden Themenfelder wie: technische Manipulation des Menschen (M. Shelley, „Frankenstein“ 1818), Weltraumfahrt und Begegnungen mit Außerirdischen (J. Verne, „Von der Erde zum Mond“ 1865; K. Laßwitz, „Auf zwei Planeten“ 1897), Kriege der Zukunft (G. T. Chisney, „The Battle of Dorking“ 1871). Im 20. Jahrhundert wurde die Sciencefiction zu einer der am meisten gelesenen Literaturformen. Bekannte Autoren: G. Orwell, H. G. Wells, K. Čapek, H. Dominik, A. L. Huxley, R. D. Bradbury, I. Asimov, S. Lem, die Brüder A. N. und B. N. Strugatzkij, K. Vonnegut, P. K. Dick, U. LeGuin. Viele auf das Thema spezialisierte Zeitschriften, beginnend 1926 in den USA mit „Amazing Stories“, trugen zur Verbreitung der Sciencefiction bei. Die optimistische Darstellung des Fortschritts wurde spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg durch antiutopische Werke in Frage gestellt, die die negativen Auswirkungen von technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften auf Mensch und Gesellschaft beschrieben. In den 1960er Jahren hielten psychologische Themen in die Sciencefiction Einzug. In den 1980er Jahren avancierte D. Adams mit seinen satirischen Romanen zum Kultautor; bedeutende Autoren der jüngeren Vergangenheit sind u. a. M. Crichton, C. Sagan, B. Aldiss, J. Vance.
Einflussreiche Sciencefiction-Filme sind: G. Méliès, „Die Reise zum Mond“ 1902; F. Truffaut, „Fahrenheit 451“ 1966; S. Kubrick, „2001: Odyssee im Weltraum“ 1968; G. Lucas, „Star Wars“ 1977; R. Scott, „Blade Runner“ 1982; A. und L. Wachowski, „Matrix“ 1999.
  • Deutscher Titel: Die Reise zum Mond
  • Original-Titel: LE VOYAGE DANS LA LUNE
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1902
  • Regie: Georges Méliès
  • Drehbuch: Georges Méliès
  • Kamera: Michaut
  • Schauspieler: Georges Méliès, Victor André
Mit seinem Film »Die Reise zum Mond« begründet der Regisseur Georges Méliès ein neues Filmgenre, den Sciencefiction-Film. Er erzielt damit im In- und Ausland einen triumphalen Erfolg.
Der 16-Minuten-Streifen, der sich an dem Zukunftsroman »Von der Erde zum Mond« (1865) von Jules Verne orientiert, schildert die Reise einer Gruppe von Wissenschaftlern zum Erdtrabanten. Ihre Rakete, die von einer riesigen Kanone abgeschossen wird, landet im rechten Auge des Mondes. Die insektenhaften Bewohner des Planeten nehmen die Eindringlinge gefangen. Da die Mondbewohner jedoch bei der Berührung mit der Spitze eines Regenschirms zerplatzen, können sich die Wissenschaftler befreien und mit ihrem Gefährt zur Erde zurückkehren.
Das Motiv einer fantastischen Reise greift Méliès 1904 auch in dem Film »Die Reise durch das Unmögliche« auf. Hier sind es Mitglieder der »Gesellschaft für inkohärente Geographie«, die sich von grotesken Fahr- und Flugapparaten oder auch von einem Eisenbahnzug, der einen Berg hinaufrast, um dann in die Luft zu fliegen ins All tragen lassen. In »Die vierhundert Streiche des Teufels« (1906) dient ein von einem Pferde-Roboter gezogener Sternenwagen als Weltraumgefährt. Weitere utopische Méliès-Filme sind u.a. »Der Tunnel unter dem Ärmelkanal« und »Die Eroberung des Pols«.
Méliès bedient sich einer raffinierten Tricktechnik. Dabei werden alle Mittel der Illusionsbühne Falltüren, Attrappen und unsichtbare Leinen, mittels derer die Darsteller durch die Luft schweben , aber auch filmtechnische Mittel eingesetzt, etwa die Doppelbelichtung, das Stopp-motion-Verfahren und der Kasch, bei dem ein Teil des Films abgedeckt und später belichtet wird. In anderer Hinsicht bleibt Méliès dagegen der Theaterästhetik verhaftet: Er dreht die Tableaus seiner Filme in einer einzigen Einstellung, macht Kamerafahrten nur für einen Trickeffekt und behält immer die gleiche Entfernung zwischen Kamera und abgefilmtem Objekt bei. Auch wenn Méliès„ Filme mit den wild gestikulierenden Darstellern und den gemalten Pappkulissen ein wenig unbeholfen erscheinen, strahlen sie doch einen einzigartigen Charme aus. Da er als einer der ersten Regisseure Filme mit einer fiktiven Handlung inszeniert, hat sein Werk großen Einfluss auf andere Regisseure der Frühzeit, wie es u.a. viele Plagiate belegen.
  • Deutscher Titel: Fahrenheit 451
  • Original-Titel: FAHRENHEIT 451
  • Land: Großbritannien
  • Jahr: 1966
  • Regie: François Truffaut
  • Drehbuch: François Truffaut, Jean-Louis Richard
  • Kamera: Nicolas Roeg
  • Schauspieler: Oskar Werner, Julie Christie, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser
Nach seinem alten Weggefährten Jean-Luc Godard dreht auch François Truffaut einen kritischen Sciencefiction-Film. Vorlage ist Ray Bradburys Roman über einen totalitären Staat von morgen, in dem Bücher verboten sind (der Titel bezieht sich auf die Temperatur, bei der Papier zu brennen anfängt).
Der junge Montag (Oskar Werner) gehört zu einer Brigade, die »Feuerwehr« heißt, aber nur den Auftrag hat, Bücher aufzuspüren und zu verbrennen. Er lernt Clarisse (Julie Christie) kennen, die ihm erstmals Bücher zeigt. Montag beginnt zu zweifeln und flieht mit Clarisse zu den oppositionellen »Buchmenschen« in die Wälder.
Truffaut ist es gelungen, mit wenig technischem Aufwand eine erdrückende futuristische Szenerie zu entwerfen. Es ist sein erster englischsprachiger und sein einziger Sciencefiction-Film.
  • Deutscher Titel: 2001: Odyssee im Weltraum
  • Original-Titel: 2001: A SPACE ODYSSEY
  • Land: GB
  • Jahr: 1968
  • Regie: Stanley Kubrick
  • Drehbuch: Stanley Kubrick, Arthur C. Clarke
  • Kamera: Geoffrey Unsworth
  • Schauspieler: Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester
  • Auszeichnungen: Oscar 1969 für Spezialeffekte
Die Uraufführung von Stanley Kubricks Sciencefiction-Opus »2001: Odyssee im Weltraum« am 3. 4. 1968 in New York markiert einen Meilenstein für das Kino der kommenden Jahrzehnte. Der Regisseur präsentiert nach mehr als drei Jahren Produktionszeit in den Londoner Pinewood-Studios eine visuelle Reise, die ohne Vorbild ist. Die Genauigkeit der technischen Entwürfe viele Jahrzehnte später noch aktuell und die nahezu traumatisierende Wirkung der Bildeffekte setzen Maßstäbe für das Genre des fantastischen Films.
In vier Episoden, die über das Symbol eines rätselhaften außerirdischen Monolithen miteinander verbunden sind, erzählt Kubrick die Geschichte der Menschheit.
Am Anfang stehen Szenen aus der Vorgeschichte. Die Begegnung mit dem Monolithen bringt den Menschen der Vorzeit als Erste technische Errungenschaft das Feuer. Damit kommt auch Neid und Mord unter sie: Im Streit erschlägt einer den Gegner mit einem Knochen.
Das Bild der triumphierend in die Luft geschleuderten Waffe verwandelt sich in die Aufnahme einer Raumfähre, die in der nahen Zukunft einen Offizier zu einer erdnahen Raumstation bringt. Auf dem künstlichen Himmelskörper scheinen die Naturgesetze dem Menschen unterworfen. Doch Militärs und Wissenschaftler sind verunsichert: Auf dem Mond wurde der rätselhafte Monolith entdeckt. Diffus und unerklärbar kündigt sich eine Katastrophe an.
Jahre später gelangt ein Raumkreuzer, gesteuert von dem angeblich unfehlbaren Computer »Hal«, in die Nähe dieses Monolithen. Hals elektronische Intelligenz nimmt plötzlich absurd-bösartige Züge an: Unter scheinheiligen Rechtfertigungen führt der Computer den Tod beinahe der gesamten Besatzung herbei. Ein Astronaut wird bei dem Versuch, ihn zu entmachten, ins All geschleudert. Erst der letzte Überlebende kann nach einem dramatischen Verzweiflungskampf das Elektronenhirn ausschalten.
Für den einsamen Raumfahrer beginnt in dem führerlosen Schiff die eigentliche Odyssee: Durch einen hypnotisch blitzenden Lichttunnel bricht er in unbekannte Dimensionen vor. Bilder aus dem All vermischen sich mit persönlichen Erinnerungen und Visionen: Ein neuer leuchtender Planet in Form einer Fruchtblase mit einem Embryo erscheint vor seinen Augen; losgelöst von Raum und Zeit betritt der Astronaut ein Zimmer, in dem er selbst als Sterbender liegt.
Die visionären Bilder und die aufwändige Tricktechnik sind wegweisend für den Sciencefiction-Film. Besondere Berühmtheit erlangt der Tanz der Raumstation zu Walzerklängen und der dramaturgisch perfekte Musikeinsatz von »Also sprach Zarathustra« des deutschen Komponisten Richard Strauss (1864-1949).
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