Lexikon
Utopie
Geistesgeschichte
Utopie (Kulturtabelle).sgm
| Autoren | Werke |
| Platon (427 v. Chr.–347 v. Chr.) | Politeia (um 387–376 v. Chr.) |
| Sir Thomas More (1477–1535) | Utopia (1516) |
| Francis Bacon (1561–1626) | Nova Atlantis (1627) |
| Tommaso Campanella (1568–1639) | Der Sonnenstaat (1602) |
| Savinien Cyrano de Bergerac (1619–1655) | Mondstaaten und Sonnenreiche (postum 1657, 1662) |
| Jonathan Swift (1667–1745) | Gullivers Reisen (1726) |
| Johann Gottfried Schnabel (1692–1752) | Wunderliche Fata einiger See-Fahrer (Insel Felsenburg) (1731–1743) |
| Henry David Thoreau (1817–1862) | Walden oder Leben in den Wäldern (1854) |
| Herbert George Wells (1866–1946) | Der erste Mann auf dem Mond (1901) |
| Jewgenij I. Samjatin (1884–1937) | Wir (1924) |
| Franz Werfel (1890–1945) | Stern der Ungeborenen (1946) |
| Aldous L. Huxley (1894–1963) | Schöne neue Welt (1932) |
| George Orwell (1903–1950) | 1984 (1949) |
| William Golding (* 1911) | Herr der Fliegen (1954) |
| Arno Schmidt (1914–1979) | Die Gelehrtenrepublik (1957) |
Seit dem 19. Jahrhundert knüpfen viele Utopien an tatsächliche Entwicklungen an, die sie im Sinne des Fortschrittsoptimismus weiterdenken. Die Utopie wird von nun an in einer fernen, aber erreichbaren Zukunft angesiedelt (so schon in L.-S. Merciers „Das Jahr 2440“ 1770), während die frühen Utopien die ideale Gesellschaft meist in einem fiktiven fernen Land darstellten. Man erhofft sich von der Verbindung technisch-wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts eine Aufhebung fast aller Formen von Mangel und Unterdrückung (H. G. Wells, E. Bellamy). Utopien dieser Art spielten eine bedeutende Rolle bei der Entstehung sozialistischer Theorien. Die sog. Utopisten des frühen 19. Jahrhunderts (u. a. R. Owen, C. Fourier) sahen in der Abschaffung des Privateigentums die Voraussetzung einer gesellschaftlichen Ausnutzung der neuen technischen Möglichkeiten. In den USA wurden vor dem Bürgerkrieg (1861–1865) utopische Entwürfe von einigen Lebensgemeinschaften in die Tat umgesetzt (Shakers; Ephrata-Gemeinschaft). Während Marx seine Lehre in Abgrenzung von diesem „utopischen Sozialismus“ als wissenschaftlich begriff, hielten einige neuere, vom Marxismus beeinflusste gesellschaftskritische Theoretiker (T. W. Adorno, E. Bloch, H. Marcuse) am Begriff der Utopie fest, um die Gesellschaftstheorie nicht auf die bloße Nachzeichnung einer unvollkommenen Realität einschränken zu müssen.
Auch im 20. Jahrhundert wurden viele an Wissenschaft und Technik orientierte Utopien entworfen, etwa von B. F. Skinner und R. B. Fuller. Bereits im 19. Jahrhundert entstanden aber auch die ersten antitechnischen Utopien, die die Rückkehr zu naturnahen Lebensformen und handwerklichen Produktionsweisen propagierten (H. D. Thoreau, C. A. Gilman, W. Morris). Die durch den technischen Fortschritt ermöglichte totalitäre Unterdrückung wurde später wiederholt in negativen Utopien (sog. Dystopien) oder Gegenutopien dargestellt (J. London, J. I. Samjatin, A. Huxley, G. Orwell, K. Vonnegut, R. D. Bradbury, W. Golding, M. Atwood). Eine Sonderstellung nehmen satirische Utopien und Dystopien ein.
Eng verwandt mit der utopischen Literatur ist die Sciencefiction.
Wissenschaft
Lebende Bauten
Architekten und Ingenieure entwickeln Bauwerke aus lebenden Pflanzen. Das ist nicht nur umweltfreundlich, sondern bietet noch etliche weitere Vorteile. von HARTMUT NETZ Kann man ein Gebäude pflanzen? Ja, versichern die Verfechter der Baubotanik. Die Protagonisten dieser noch jungen architektonischen Disziplin errichten Bauwerke...
Wissenschaft
Bildschirmzeit
Wie wirkt sich die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen auf ihr Gehirn und die sprachliche Entwicklung aus – und wann besteht Suchtgefahr? von DANIELA LUKAßEN-HELD (Text) und RICARDO RIO RIBEIRO MARTINS (Illustrationen) Nahezu jedes neu auf den Markt gekommene Medium hat die Gesellschaft immer schon in zwei Lager geteilt:...