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Weinreben: Frisch wie vergoren beliebt

Welches Klima benötigen Weintrauben zum Reifen?

Weintrauben brauchen mindestens 1300 Sonnenstunden im Jahr und eine Jahresdurchschnittstemperatur, die 9 °C nicht unterschreiten sollte, um zu reifen. Die Früchte des Weinstocks, die botanisch gesehen gar keine Trauben sind, sondern zu den Beerenfrüchten zählen, stellen also recht hohe Ansprüche an das Klima. Entsprechend liegen die Hauptweinbaugebiete auf der Nordhalbkugel ungefähr zwischen dem 40. und 50. Breitengrad; auf der südlichen Hemisphäre wird Wein zwischen 45. und 30. Breitengrad kultiviert.

Übrigens: Die Rebe selbst ist eher genügsam. Da ihre Wurzeln bis zu 20 Meter tief ins Erdreich eindringt, kann sie sogar auf extrem nährstoffarmen und trockenen Böden überleben.

Wie viele Rebsorten gibt es?

Wie viele Rebsorten es inzwischen gibt, weiß niemand ganz genau. Wissenschaftler schätzen, dass es bis zu 10 000 Sorten sind. Die wichtigste Repräsentantin der Rebengewächse ist die Echte Weinrebe (Vitis vinifera). Als eine der Urformen gilt die auch heute noch in den Auenwäldern des Mittelmeergebiets und des südlichen Oberrheins verbreitete Wilde Weinrebe (Vitis vinifera ssp. sylvestris). Sie gehört zu den wenigen Lianen der mitteleuropäischen Flora und steht unter Naturschutz.

Als weitere Urform wird die in Zentralasien heimische Kaukasus-Weinrebe (Vitis vinifera ssp. caucasica) betrachtet: Sie soll die Stammart derjenigen Kultursorten sein, die unter der botanischen Bezeichnung Vitis vinifera ssp. vinifera zusammengefasst werden.

Seit wann wird Wein hergestellt?

Das ist bis heute noch nicht abschließend geklärt, denn die Weinrebe ist neben Getreide eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Bereits den Menschen der Steinzeit waren die schmackhaften Beeren vertraut: Traubenkerne finden sich schon in über 10 000 Jahre alten Abfallhaufen prähistorischer Siedlungen. Im Gebiet des heutigen Syrien wurde gar eine Traubenpresse aus dieser Zeit gefunden und in Georgien entdeckte man 8000 Jahre alte Gefäße zur Aufbewahrung von Wein. Die Ägypter hielten den Weinbau seit Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. bildlich fest und auch in China fand Weinbau nachweislich bereits vor 4000 Jahren statt. Griechen und Römer betrieben in der Antike eine intensive Weinkultur. Die Römer, die schon über 100 Rebsorten kannten, brachten diese noch vor der Zeitenwende aus dem Mittelmeerraum in die eroberten Gebiete West- und Mitteleuropas. Im Mittelalter lag der Weinbau weitgehend in den Händen der Klöster. So legten die Zisterzienserklöster Cluny und Citeaux den Grundstein für den Ruhm der französischen Burgunderweine.

Heute ist Frankreich nach Italien eines der Haupterzeugerländer für Wein, Sekt, Weinbrand und Weinessig, gefolgt von Spanien, den USA, Deutschland und Argentinien.

Werden Trauben nur zur Weinherstellung genutzt?

Nein, Weinreben liefern nicht nur das edle Getränk Wein samt »Nebenprodukten« wie Sekt, Champagner und Weinbrand, sondern bereichern unser Nahrungsangebot auch durch zahlreiche weitere Köstlichkeiten. So sind beispielsweise die im Allgemeinen größeren und saftigeren Tafeltrauben zu Recht als Frischobst beliebt: Sie enthalten Mineralstoffe, Vitamine und Antioxidantien. Getrocknet, als Rosinen, sind Trauben beliebte Zutaten für Backwaren aller Art. Rosinen werden aus hellen Traubensorten gewonnen, die etwas kleineren Sultaninen aus hellen, aber kernlosen Früchten. Korinthen entstehen aus den kernlosen blauschwarzen Trauben der Schwarzen Korinthe (Vitis vinifera var. apyrena). Zibeben sind an der Pflanze getrocknete, kernhaltige, aber besonders große und wohlschmeckende Trockenfrüchte.

Ein weiteres Weinprodukt ist der Essig. Auch er hat in vielen Variationen, ob als milder Balsamico-Essig, als feinwürziger Weinessig oder als aromatischer Gewürzessig, einen festen Platz in der Küche.

Wussten Sie, dass …

auch die Stiele der Trauben noch genutzt werden? Aus ihnen destilliert man sog. Tresterbrände; bekannt ist etwa der italienische Grappa.

die Güte eines Weins nicht nur von der Rebsorte abhängt? Auch die Lage des Weinbergs und sein Boden, die lokalen Klimabedingungen, die Zahl der Sonnentage, Düngung, Rebsorte, Zeitpunkt und Art der Lese spielen dabei eine Rolle.

Stimmt es, dass Wein gesund ist?

Ja, das ist er und das ist auch seit langem bekannt: Bereits der griechische Arzt Hippokrates (um 460 bis um 377 v. Chr.) führte den Wein in die Heilkunde ein und verordnete ihn als Kräftigungsmittel für Genesende, außerdem als Beruhigungsmittel und bei Herz-Kreislauf-Störungen. Heute belegen umfangreiche wissenschaftliche Studien, dass Wein, regelmäßig und in Maßen genossen, der Gesundheit förderlich ist. Die Betonung liegt dabei natürlich auf »in Maßen«. So kann Wein Herzinfarkt und Osteoporose vorbeugen, den Cholesterinspiegel im Blut senken, die Verdauung anregen, die Immunkräfte stärken und zur Entspannung beitragen. Abhängig von der Traubensorte und dem Reifegrad finden sich eine ganze Reihe wirksamer Substanzen im roten Rebensaft. Besonders bemerkenswert sind die Polyphenole aus dem Fruchtfleisch und der Beerenhaut. Sie gelten als Antioxidantien und sollen sogar gegen Krebs wirken. Der Gehalt an Polyphenolen ist in Rotwein übrigens sechs- bis siebenmal höher als in Weißwein.

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