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Dry January: Was bringt der Alkoholverzicht für einen Monat?

Der Januar ist für manche Menschen im wahrsten Sinne des Wortes ein ernüchternder Monat. Die Festtage sind vorbei, der Jahreswechsel geschafft und vielen liegen Gans und Rotwein noch schwer im Magen. Der richtige Zeitpunkt, um sich in etwas Abstinenz zu üben und auf Alkohol zu verzichten. Diese Idee hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Trend entwickelt, doch was genau steckt dahinter?
JFR, 07.01.2022

Ein beliebter Neujahrsvorsatz ist der Verzicht auf Alkohol. Und sei es nur für einen Monat.

GettyImages, BrianAJackson

Dry January bedeutet übersetzt trockener Januar, und meint umgangssprachlich für den Monat Januar auf Alkohol zu verzichten. Dieser Trend startete vor einigen Jahren ursprünglich als offizielle Gesundheitskampagne in Großbritannien und ist heute auch in Frankreich und der Schweiz verbreitet. Doch zum ersten Mal erwähnt wurde dieser Trend schon im Jahr 1942, als die Regierung Finnlands im Zuge ihrer Kriegsvorbereitungen zum "sober january" aufrief.

Gesundheit steht im Vordergrund

Dass Alkohol in irgendeiner Weise schädlich ist, merkt man spätestens am nächsten Tag, wenn Kopfschmerzen und Übelkeit als Folge eintreten. Doch wie genau schädigt Alkohol unseren Körper eigentlich langfristig? Studien zeigen, dass chronischer Alkoholkonsum zu Schäden am Gehirn und zum  Verlust von Gehirnsubstanz führen kann. Viele weitere Organe des Verdauungstrakts oder das Herz werden beim Alkoholverzehr geschädigt, wobei vor allem die Leber stark betroffen sein kann. Durch ständigen Alkoholkonsum kommt es dazu, dass die Leber verfettet und das Organ dadurch in seinen Funktionen eingeschränkt ist. Im schlimmsten Fall kann sich eine Leberentzündung oder Leberzirrhose entwickeln.

Rajiv Jalan ist Leberspezialist am University College London und fand in einer Studie heraus, dass Probanden, die unter normalen Umständen regelmäßig Alkohol tranken und für die Studie fünf Wochen auf Alkohol verzichteten, 15 Prozent weniger Leberfett aufwiesen als vorher. Das belegt, dass schon eine relativ kurze Pauseim Alkoholkonsum der Leber messbar guttun kann.

Auch wenn sich so mancher "liquor store" in England vielleicht schon über die Einbußen im Januar geärgert hat, steht damit außer Frage dass der Alkoholverzicht viele Vorteile für die Gesundheit unseres Körpers hat.

Wenn das alle machen, mach ich es auch

Wie Internettrends das eben so mit sich bringen, sind sie meist viel erfolgreicher darin, Menschen zum Mitmachen zubewegen, als zum Beispiel eine Plakatkampagne wie "Kenn-dein-Limit".

Alkoholverzicht ist schließlich deutlich einfacher, wenn die Menschen aus dem eigenen sozialen Umfeld mitmachen. Das Phänomen Gruppendruck bekommt im Falle des "Dry January" sogar eine positive Bedeutung. Zwar sollte nicht jeder Internettrend mitgemacht werden, jedoch lenkt diese Aktion die Aufmerksamkeit auf ein unterschätztes Problem und sensibilisiert die Menschen für das Thema Alkoholsucht.

Wem der Verzicht auf Alkohol trotzdem schwerfällt, kann mit ein paar Kniffen das eigene Gehirn austricksen: Es kann zum Beispiel helfen, Wasser aus einem Weinglas zu trinken, sowie das abendliche Glas Wein durch ein anderes Ritual oder ein anderes leckeres Getränk zu ersetzen.

Kann das auch nach hinten losgehen?

Der Dry January sollte aber auf keinen Fall als Freifahrtsschein verstanden werden. Es wäre schließlich fatal, wenn manche Menschen den Verzicht auf Alkohol im Januar als Einladung verstehen, den Rest des Jahres alle Hemmungen in Bezug auf Alkoholkonsum zu verlieren. Manch einer spricht in diesem Zusammenhang schon vom Jojo-Effekt, den die meisten von herkömmlichen Diäten kennen. Weiterhin ist nicht zu unterschätzen, dass der Körper nach einem Entzug heftiger auf Alkohol reagiert.

Dennoch scheint die Botschaft der medizinischen Erkenntnisse klar: Jeder Tag ohne Alkoholkonsum bedeutet eine Erholung für die Leber und ist in jedem Fall förderlich für die Gesundheit!  Doch über den zeitweisen Verzicht hinaus ist es langfristig wichtig, ein generelles Bewusstsein für den eigenen Alkoholverzehr zu entwickeln und die Häufigkeit des Konsums nicht nur im Januar, sondern auch im Rest des Jahres kritisch zu hinterfragen.

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