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Elon Musk und Twitter: Eine Chronologie

Mit seiner Ankündigung, den Kurznachrichtendienst Twitter übernehmen zu wollen, machte der Milliardär Elon Musk im April 2022 weltweit Schlagzeilen. Es folgte ein langatmiges Hin und Her zwischen beiden Parteien, bis Musk Ende Oktober schließlich offiziell zum neuen Twitter-Chef wurde. Doch was bedeutet dies nun für die Zukunft des sozialen Netzwerks? Welche Pläne hat der Milliardär mit Twitter?
AMA, 16.11.2022
Symbolbild Twitter

Hintergrund: bigtunaonline, istock.com; Hashtag-Grafik: Lightcome, GettyImages

Der reichste Mensch der Welt zu sein, war dem milliardenschweren Unternehmer Elon Musk offensichtlich nicht genug. Am 28. Oktober 2022 hat er nach langer Debatte außerdem die Leitung von Twitter übernommen – mit Folgen für Angestellte, Nutzer und das Unternehmen selbst.

Auf der Jagd nach dem blauen Vogel

Bereits als normaler Twitter-Nutzer war Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk ein Schwergewicht auf der Plattform. Wenn er einen Tweet absetzte, hörte die Welt zu. Als Reaktion auf seine Tweets haben sich bereits Aktienkurse und der Krypto-Währungsmarkt verändert. Doch diese Reichweite machte ihn nicht automatisch zu einem Fan des sozialen Netzwerks. Musk kritisierte immer wieder, dass Twitter angeblich Demokratie und Meinungsfreiheit untergrabe, weil Falschaussagen gekennzeichnet wurden oder Accounts wie die des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wegen Aufrufen zur Gewalt und antidemokratischen Aussagen gesperrt wurden.

Kurzzeitig hatte Musk deswegen sogar überlegt, seine eigene Social-Media-Plattform zu gründen.  Doch den Plan verwarf er rasch zugunsten eines anderen. Es fing alles damit an, dass der Milliardär Anfang April eine große Menge an Twitter-Aktien kaufte. Ganze 73,5 Millionen Stück zu einem Gesamtpreis von 2,9 Milliarden Dollar wanderten in seinen Besitz und machten ihn damit zum größten Twitter-Aktionär. Kurz darauf sollte er sogar Mitglied des Verwaltungsrates werden, doch Musk weigerte sich. Offenbar schwebte ihm Größeres vor, denn am 13. April startete er spontan einen Übernahmeversuch. Er bot an, alle Twitter-Aktien zu einem Stückpreis von 54,20 Dollar zu kaufen.

Twitter wehrt sich

Doch da spielte der Kurznachrichtendienst nicht mit. Twitter wehrte sich zunächst gegen die Übernahme, saß am 25. April 2022 aber doch mit Musk am Verhandlungstisch. Grund waren die eigenen Aktionäre, die auf die Verhandlungen gedrängt hatten. Twitter nahm schließlich Musks Angebot an. Für rund 44 Milliarden Dollar sollten ihm alle Aktien und damit das komplette Unternehmen gehören. Musk suchte daraufhin Investoren und sammelte über sieben Milliarden Dollar zur Finanzierung des Deals ein.

Doch dann die Wende: Musk schien kalte Füße zu bekommen – angeblich wegen irreführender Angaben der Twitter-Chefs. Von jetzt auf gleich war die Anzahl von Fake-Accounts auf Twitter ein riesiges Thema für ihn. Obwohl das Unternehmen ihm mehrfach versicherte, der Anteil solcher Accounts liege bei weit unter fünf Prozent, machte Musk eine großen, öffentlichkeitswirksamen Wirbel darum. Beobachter interpretieren dieses Verhalten als Versuch, den Preis zu drücken.

Nach zahlreichen Vorwürfen, Drohgebärden und großem Hin und Her ging schließlich die Knaller-Meldung um die Welt: Elon Musk will Twitter jetzt doch nicht mehr kaufen. Doch das ließ Twitter nicht zu. Das Unternehmen wollte Musk vor Gericht dazu zwingen, den geschlossenen Vertrag doch noch zu erfüllen – und reichte Klage ein. Damit überzeugte Twitter den Milliardär anscheinend, denn der war kurz darauf doch wieder im Geschäft und zwar zu den ursprünglich ausgehandelten Kaufbedingungen von 44 Milliarden Dollar.

Elon Musk während eines Interviews zur Twitter-Übernahme, 2022

Steve Jurvetson from Los Altos, USA / CC BY 2.0; cropped Image

Ein neuer Twitter-Chef

Am 28.Oktober 2022 war es schließlich so weit: Musk hat Twitter übernommen. Als erste Amtshandlung knöpfte er sich die Chefetage vor und setzte die bisherigen Führungskräfte allesamt vor die Tür. Und auch vor den anderen Angestellten machte er keinen Halt. Musk entließ rund die Hälfte der circa 7.000 Beschäftigten und denkt sogar über weitere Kündigungen nach.

Für diejenigen, die bleiben dürfen, weht nun ein rauer Wind. Per „Dekret“ des neuen Chefs haben sie ein ausdrückliches Homeoffice-Verbot erteilt bekommen. In einer E-Mail an alle Mitarbeitenden hieß es, dass sie mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro zu erscheinen haben und eine Arbeit aus dem Homeoffice nur von Musk höchstpersönlich erlaubt werden kann.

Eine düstere Zukunft

Doch nicht nur die Angestellten von Twitter müssen um ihre Zukunft bangen, auch für das Unternehmen als Ganzes sieht die aktuelle Lage düster aus.  Schon vor der Übernahme durch Musk hat Twitter rote Zahlen geschrieben. Erklärtes Ziel des neuen Chefs ist es nun, die Plattform wieder in die Gewinnzone zu bringen. Dafür soll unter anderem eine Gebühr für das bisher umsonst verliehene blaue Verifizierungshäkchen an prominenten Accounts dienen.

Doch der Wechsel in der Chefetage hat die finanzielle Situation von Twitter bisher eher weiter verschlimmert. Musk hat nämlich einige große Werbekunden vergrault, die essenziell für die Finanzierung des Unternehmens wären. Grund dafür war seine Vision, die Meinungsfreiheit auf Twitter nur durch die Grenzen nationaler Gesetze zu beschränken. Klingt vielleicht auf den ersten Blick gut, doch diese Regelung würde Twitter zu einem Ort machen, „auf dem Trolle, Rechtsradikale und Menschen, die vor allem beleidigen und bedrohen, den Ton angeben, weil Beleidigungen, Bedrohungen und Lügen in einem gewissen Maße nicht verboten sind“, erklärte Simon Hurtz vom Social Media Watchblog in einem Interview mit dem NDR.

Die Werbekunden befürchten deshalb, dass ihre Anzeigen plötzlich neben anstößigen Tweets auftauchen könnten. Einige große Unternehmen haben daher ihre Werbekampagnen auf Twitter bereits vorübergehend ausgesetzt. Musk ist mittlerweile wieder etwas eingeschert und will die internen Twitter-Richtlinien wahrscheinlich doch nicht komplett außer Kraft setzen. Es ist aber nicht nur das Fernbleiben von Werbekunden, das dem neuen Twitter-Chef zu schaffen macht. Für den Kauf des Unternehmens hat er außerdem einen Kredit über 13 Milliarden Dollar aufgenommen. Darauf muss er jedes Jahr eine Milliarde Dollar Zinsen zahlen. Steigende Kosten und sinkende Einnahmen: Die Aussichten für Twitter sehen also alles andere als rosig aus.

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