wissen.de Artikel
Gaming heute: Zwischen Mobile Games, KI und barrierefreien Spielwelten
Eine vielfältige Spielewelt
Gaming umfasst längst sehr unterschiedliche Formate. Auf Smartphones finden sich kurze Casual Games ebenso wie komplexe Rollenspiele, Strategiespiele oder umfangreiche Multiplayer-Titel. Am PC und auf Konsolen reicht das Spektrum von erzählerischen Einzelspieler-Abenteuern über Renn- und Sportsimulationen bis zu Shootern, Strategiespielen und großen Online-Welten.
Browsergames funktionieren ohne klassische Installation, MMORPGs verbinden Spieler in dauerhaft angelegten virtuellen Welten, während E-Sport-Titel auf Wettbewerb, Reaktionsvermögen und präzise Eingaben ausgerichtet sind. Auch digitale Glücksspielangebote gehören zur heutigen Online-Landschaft. Ein Beispiel dafür ist BingBong.de. Das Online Casino mit 1 € Einzahlung verfügt über eine deutsche Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele.
Daneben reicht die Palette von Puzzle- und Kartenspielen bis zu Simulationen, die immer komplexer und realistischer werden. Technische Entwicklungen haben dabei manches, was früher speziellen Trainings- oder professionellen Umgebungen vorbehalten war, als spielerische Erfahrung ins Wohnzimmer gebracht: Flugsimulationen können mit detaillierten Cockpits und realitätsnaher Steuerung arbeiten, Rennspiele lassen sich mit Lenkrad und Pedalen bedienen, und Wirtschaftssimulationen bilden ganze Unternehmen oder Verkehrssysteme nach. Dazu kommen zahlreiche Mischformen, die Elemente verschiedener Genres verbinden.
Die Vielfalt betrifft damit nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch die Bedürfnisse und Vorlieben der Spieler. Ein Strategiespiel verlangt andere Entscheidungen als ein Rennspiel, ein Rollenspiel andere Fähigkeiten als ein Geschicklichkeitsspiel. Entsprechend unterscheiden sich auch die Informationen, die während des Spiels erfasst werden müssen: Karten, Figuren, Entfernungen, Geschwindigkeiten, Symbole, Menüs oder Bewegungen können für den Spielverlauf entscheidend sein. Genau daraus ergibt sich eine weitere Frage der modernen Spieleentwicklung: Wie lassen sich diese unterschiedlichen Spielwelten so gestalten, dass möglichst viele Menschen sie nutzen können?
Wenn Sound das Bild ergänzt
Die Vielfalt des Gamings zeigt sich nicht nur bei Genres und Plattformen, sondern auch bei den Menschen, die digitale Spiele nutzen. Unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse stellen dabei eigene Anforderungen an die Gestaltung von Spielen. Auch barrierefreies Gaming setzt hier an. Gemeint sind Spiele, die so entwickelt oder angepasst werden, dass auch Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen sie nutzen können.
Für blinde und sehbehinderte Spieler betrifft das etwa Informationen, die in vielen Spielen über den Bildschirm vermittelt werden. Wo andere Spieler eine Figur, einen Weg oder einen Gegenstand unmittelbar sehen, müssen diese Informationen über andere Sinne zugänglich werden.
Eine zentrale Funktion übernimmt dabei das Audio. Geräusche können nicht nur Atmosphäre schaffen, sondern konkrete Informationen übermitteln. Ein bestimmter Klang kann anzeigen, dass eine Aktion möglich ist, ein Gegner angreift oder ein Gegenstand aufgenommen wurde. Räumliches Audio kann darüber hinaus vermitteln, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt und wie sich eine virtuelle Umgebung anordnet. Besonders deutlich zeigt sich das zum Beispiel bei The Last of Us Part II. Das Spiel bietet eine Sprachausgabe für Bildschirmtexte sowie zusätzliche Audiohinweise für Erkundung, Bewegung und Kämpfe. Geräusche können etwa auf erreichbare Vorsprünge, Durchgänge oder bestimmte Interaktionen aufmerksam machen. Im Kampf lassen sich unter anderem Angriffe von Gegnern und Treffer akustisch kennzeichnen. Ergänzend können Vibrationen des Controllers bestimmte Ereignisse signalisieren. Die Informationen werden damit nicht einfach vorgelesen; sie werden teilweise in ein anderes Wahrnehmungssystem übersetzt.
Screenreader und Audiodeskription
Eine weitere Grundlage ist die Sprachausgabe. Screenreader beziehungsweise integrierte Text-to-Speech-Funktionen können Menüs, Texte und andere auf dem Bildschirm dargestellte Informationen vorlesen. Damit wird beispielsweise die Navigation durch Einstellungen oder Inventare möglich, sofern die entsprechenden Oberflächen dafür vorbereitet sind. Das reicht jedoch nicht aus, um eine komplexe Spielwelt vollständig zugänglich zu machen. Ein Screenreader kann einen Menüeintrag vorlesen, aber nicht automatisch erklären, wie eine dreidimensionale Umgebung aufgebaut ist oder wo sich ein Gegner relativ zur Spielfigur befindet. Für solche Informationen sind speziell entwickelte Audiohinweise, räumlicher Klang, Navigationshilfen oder andere Assistenzfunktionen notwendig.
Auch klassische Audiodeskription lässt sich nicht ohne Weiteres aus Film und Fernsehen übernehmen. In einem Spiel verändert der Nutzer die Handlung ständig selbst. Beschreibungen müssen deshalb mit dem interaktiven Geschehen vereinbar sein und dürfen wichtige Geräusche oder Dialoge nicht überdecken. Forschung zur Spielebarrierefreiheit untersucht deshalb unter anderem, welche visuellen Informationen blinde Spieler tatsächlich benötigen und wie diese sinnvoll akustisch vermittelt werden können.
Audio ist allerdings nicht nur für Barrierefreiheit interessant. Geräusche, Musik und räumlicher Klang prägen Atmosphäre und Orientierung. Manche Spiele machen das Hören sogar zum Kern der Mechanik. Blind Drive nutzt binaurales Audio, um das Spielgeschehen über räumlich wahrnehmbare Geräusche zu vermitteln. Auch das angekündigte Coloratura von Nakama Game Studio setzt auf räumlichen Klang, Musik und akustische Hinweise für Orientierung und Rätsel.
Technik wird zum Spielerlebnis
Besonders deutlich wird die technische Bandbreite des Gamings bei Simulationen. Microsoft Flight Simulator 2024 verbindet Höhenmodelle, Luftbilder und Photogrammetrie mit dynamischem Wetter und simuliertem Luft- und Schiffsverkehr. Auch Farming Simulator 25 verknüpft Boden, Wetter, Maschinen und Produktionsabläufe. Rennsimulationen können reale Strecken wiederum per Laserscan vermessen und Unebenheiten oder Steigungen digital abbilden. Technik ist damit längst mehr als die Grundlage für Grafik. Physik-Engines berechnen Bewegungen und Kollisionen, räumliches Audio verändert Geräusche abhängig von Position und Entfernung. Controller übertragen Ereignisse über Vibrationen oder Widerstände, Virtual-Reality-Systeme erfassen Kopf- und Handbewegungen.
Auch künstliche Intelligenz hält Einzug in die Spieleproduktion. Sie unterstützt Entwickler unter anderem bei Programmierung, Übersetzungen, Texten und Tests. Zugleich entstehen Systeme, mit denen Spielfiguren flexibler auf Eingaben reagieren können.
Vom Spiel zur interaktiven Welt
Was dabei entsteht, geht über bessere Grafik oder realistischere Effekte hinaus. Sound kann zur Orientierung werden, physikalische Systeme bestimmen, wie sich eine Umgebung verhält, und KI kann Abläufe und Reaktionen dynamischer machen. Barrierefreie Funktionen zeigen zugleich, dass dieselben technischen Systeme unterschiedlich zugänglich gemacht werden können. Ein Spiel wird damit zunehmend zu einer Umgebung, die auf Wahrnehmung, Eingaben und Entscheidungen der Spieler reagiert. Gerade in offenen Online-Welten, Simulationen und interaktiven Erlebnissen verschwimmt die Grenze zwischen fest programmiertem Ablauf und einem System, das sich während des Spielens verändert.