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Hongkong: Die verborgenen Naturschätze der Metropole

Hongkong verbinden die meisten von uns mit Hochhäusern, wimmelnden Menschenmassen und in jüngster Zeit auch den politischen Protesten gegen China. Doch die Millionenmetropole hat auch ihre grünen, ursprünglichen Ecken. Viele der rund 200 Inseln Hongkongs sind unbewohnt und bergen einzigartige Naturlandschaften und geologische Schätze. Der Sai-Kung-Distrikt von Hongkong ist sogar ein Geopark der UNESCO.

Hongkong, Asiens Weltstadt an der chinesischen Südküste, lebt von ihren Kontrasten. Hier treffen östliche Tradition auf westlichen Lebensstil, glitzernde Wolkenkratzer auf ursprüngliche Naturlandschaften und Gourmetküche auf Street Food. Die Stadt ist einer der weltgrößten Finanzplätze und rund sieben Millionen Einwohner nennen die Stadt ihr Zuhause – nirgendwo sonst ist die Bevölkerungsdichte so hoch.

Doch Hongkong umfasst weit mehr nur als das geschäftige Treiben einer Großstadt. Rund 200 Inseln, davon viele unbewohnt, bilden die ruhige grüne Seele der Stadt und bieten nur wenige Fährminuten vom Zentrum entfernt unvergessliche Erlebnisse in der Natur.

Korallengärten vor den Toren der Metropole

Hätten Sie beispielsweise gewusst, dass es in Hongkong mehr Korallenarten gibt als in der gesamten Karibik? Ein Viertel der marinen Biodiversität Chinas lebt in den Gewässern Hongkongs, obwohl das Gebiet weniger als 0,03 Prozent der Küstenlinie des Landes ausmacht. Eine besonders große Vielfalt und der üppigste Korallenbewuchs finden sich rund um die vorgelagerten Inseln zwischen Mirs Bay und Port Shelter im Nordosten des Territoriums. Zu diesen besonders korallenreichen Gebieten gehören Tung Ping Chau, Crescent Island, Bluff Island und Sharp Island, sowie der Hoi Ha Wan Marine Park, ein großes Schutzgebiet in der Nähe von Sai Kung.

Dort ist auch der in den USA geborene und in Hongkong lebende Ökologen und National-Geographic-Explorer Jonathan Cybulski häufig anzutreffen. Er untersucht und fotografiert Korallengärten und Felsformationen in Sai Kuing und sammelt dabei wertvolle Daten über die Meereswelt Hongkongs und ihre Geschichte. Korallen sind empfindliche Lebewesen, die bei unter bestimmten Temperaturen und Wasserqualität überleben können – umso faszinierender, dass sich ausgerechnet in unmittelbarer Nachbarschaft der Metropole Hongkong so artenreiche Korallengärten erhalten haben.

Vulkanische Relikte und einzigartige Säulen

Doch das Gebiet von Sai Kung ist nicht nur wegen ihrer Korallen, der einsamen Strände und tropischen Natur eine Besonderheit. Dieser „Garten Hongkongs" ist auch ein offizieller Geopark der UNESCO. Der Geopark, der sich von den berühmten Inseln der Ninepin-Gruppe im Süden bis nach Tung Ping Chau im Norden erstreckt, erinnert auf eindrucksvolle Weise an die geologische Vergangenheit des Territoriums. Denn 85 Prozent Hongkongs wurden durch Supervulkan-Ausbrüche vor 140 bis 165 Millionen Jahren geformt.

Von dieser feurigen Vergangenheit zeugen bis heute zahlreiche Felsformationen, geologische Aufschlüsse und die teils bizarren Landschaften einiger Inseln. Jeder Pfad und jede auffällige Formation hat ihre einzigartige Geschichte und bietet Einblicke in eine vulkanische Geschichte.

Sichtbar werden die vulkanischen Schichten unter anderem an den Steilküsten dieser Insel, wo sie zwischen der kräftigen Vegetation und dem tiefblauen Wasser ein dünnes Band aus orangefarbenen Felsen bilden.

Besonders auffällig sind einige kleine Inseln, die von achteckigen, wie gemeißelt aussehenden Säulen überzogen sind. Sie sind beim Erkalten des Magmas entstanden. Ungewöhnlich an ihnen ist jedoch, dass sie nicht aus Basalt bestehen wie andere Magmasäulen dieser Art, sondern aus Rhyolith. Solche Säulenformationen gibt es nur an sehr wenigen Orten auf der Welt – sie machen Hongkong und sein Umland zu einem einzigartigen Fleck Erde.

Zwischen Geisterinsel und Hochhäusern

Neben den Naturwundern hat der Geoparks aber auch einige kulturelle Attraktionen zu bieten, darunter die "Geisterinsel" Yim Tin Tsai. Die Insel liegt eine 15-minütige Fährfahrt von Sai Kung Town entfernt und ist berühmt für ihr unheimliches, verlassenes Dorf, ihre üppigen Mangroven und die Salzpfannen, die ihr ihren Namen geben ("Kleine Salzpfanne" auf Kantonesisch). 2015 wurde sie durch die UNESCO mit dem Asia-Pacific Award for Cultural Heritage Conservation ausgezeichnet.

"Es ist einer dieser Orte, an denen man sich völlig entfernt fühlt von dem, was man sich unter Hongkong vorstellt", erzählt Jonathan Cybulski. "Man hat dieses wunderschön baufällige alte Dorf, weite offene Flächen, man geht über einen Kamm und sieht die Salzpfannenfelder direkt in einem Tal vor sich und stellt sich die Frage: 'Wo bin ich?' Es ist unglaublich." Nach Ansicht des Ökologen gibt es  nirgends in Hongkong und vielleicht sogar nirgendwo weltweit einen Ort mit einer so faszinierenden Vielfalt an Natur und kulturellen Attraktionen wie Sai Kung.

Die Kombination aus Natürlichem und vom Menschen Geschaffenen, von Ländlichen und von Urbanem ist für Hongkong ebenso typisch wie einzigartig. In nur wenigen Stunden gelangt man von vulkanischen Tropeninseln zu einem der am dichtesten besiedelten Orte der Welt.

Quelle: noble Kommunikation, Hong Kong Tourism Board

NPO, 08.04.2021
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