Lexikon
Dardanẹllen
[
nach der antiken Stadt Dardanos
]im Altertum Hellespont, Meeresstraße zwischen der Halbinsel Gallipoli (europäische Türkei) und Kleinasien, verbindet die Ägäis mit dem Marmarameer; 65 km lang, 1900 m bis 6 km breit, durchschnittlich 50 m tief; starke Oberflächenströmung aus dem Marmarameer (Wasseraustausch zum niveauniedrigeren Mittelmeer), salzreiche Gegenströmung in der Tiefe.
Geschichte
Die Dardanellen hatten schon im Altertum große politische und strategische Bedeutung, als überbrückbare Enge zwischen den Kontinenten für Heere (Xerxes I., 480 v. Chr.; (Alexander der Große, 334 v. Chr.) und als Seehandelsweg der Mittelmeermächte zu den Kornkammern am Schwarzen Meer. 1354 besetzten Osmanen die Dardanellen, wodurch Konstantinopel vom Mittelmeer abgeschnitten wurde. 1774 erreichte Russland freie Durchfahrt durch die Dardanellen für Handelsschiffe, 1833 auch für Kriegsschiffe, die im Krieg für alle anderen Nationen geschlossen sein sollten. 1840/41 beendeten die beiden Konventionen von London die russischen Sonderrechte und verpflichteten die Türkei, im Kriegsfall die Dardanellen für Schiffe aller Nationen zu sperren.
Im 1. Weltkrieg schlugen alle Versuche der Alliierten fehl, die mit deutscher Unterstützung verteidigten Dardanellen zu erobern; 1918 jedoch besetzten die Alliierten die Dardanellen und vergaben die Halbinsel Gallipoli an Griechenland. Die Konvention von Lausanne gab 1923 die Kontrolle der Dardanellen größtenteils, die Konvention von Montreux 1936 gänzlich an die Türkei zurück.
Im Frieden haben nur Handelsschiffe freie Durchfahrt durch die Meerengen, während Kriegsschiffe einer Sonderregelung unterliegen. Im Kriegsfall entscheidet die Türkei nach ihrem Ermessen.
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