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LEXIKON

Neuhumansmus

eine um 1750 einsetzende Geistesströmung, die erneut auf das Gedankengut der klassischen Antike zurückgriff und nicht eine Nachahmung oder Weiterführung der Antike wie der Humanismus der Renaissance anstrebte, sondern ein lebendiges Streben nach Humanität. Das Ideal des Neuhumanismus ist die Bildung des Menschen zu einer inneren, umfassenden Einheit, die „Erhöhung aller Geistes- und Gemütskräfte zu einer schönen Harmonie des inneren und äußeren Menschen“. Der Neuhumanismus wurde durch J. G. von Herders „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ 17841791 und „Briefe zur Beförderung der Humanität“ 17931797 eingeleitet und von W. von Humboldt, J. W. von Goethe, F. Schiller, F. A. Wolf, J. F. Herbart u. a. weitergeführt. Auf der Grundlage des Neuhumanismus entstand die idealistische Philosophie (J. G. Fichte, F. W. J. von Schelling, F. E. D. Schleiermacher, G. W. F. Hegel), die eine neue „Weltansicht“ (W. von Humboldt) schuf. Der Neuhumanismus entwickelte den Begriff der Bildung; er reformierte das humanistische Gymnasium und brachte es in seine moderne Form. Der Höhepunkt des Neuhumanismus war die Weimarer Klassik mit Schiller und Goethe. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Neuhumanismus von einem neuen Realismus und Positivismus heftig angegriffen.
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