Lexikon
Bildung
ursprünglich die (äußere) Gestaltung, seit der Zeit des deutschen Idealismus mit der Bedeutung: innere Formung, Entfaltung der geistigen Kräfte des Menschen durch Aneignung kultureller Werte der Umwelt und der Vergangenheit und ihre Verarbeitung zu einer persönlichen Ganzheit. Der Begriff Bildung wird in dreifachem Sinn verwendet: Er umfasst den Vorgang der Entfaltung, das Bewirken dieser Entfaltung durch Erziehung und Unterricht und ihr Ergebnis (den jeweiligen Grad der Geprägtheit der Persönlichkeit).
Bildungsziel ist in erster Linie die Entwicklung und Förderung geistig-seelischer Anlagen und Fähigkeiten: logisches Denken, Ausdrucksfähigkeit, Tiefe der Empfindung und Willensstärke sollen im selbsttätigen Umgang mit dem Objekt (den Bildungsgütern) entwickelt werden (formale Bildung). Die Bildung soll – unabhängig von Zwecken – einer allseitigen Entfaltung der allen Menschen gemeinsamen Grundkräfte dienen. Im Gegensatz zu Pestalozzi, für den der Bildungsstoff nur untergeordnete Bedeutung hatte, konnte der Neuhumanismus sich Bildung nicht losgelöst von den Werten der griechisch-römischen Kultur vorstellen, die ihm als überzeitlich gültiger Höhepunkt des Menschentums galt. Für W. von Humboldt, den Begründer der klassischen Bildungstheorie des Neuhumanismus, standen neben der Welt des Griechentums jedoch auch die Sprache und Dichtung seiner Zeit als Bildungsgüter im Vordergrund. Dieser vorwiegend literarisch-ästhetische und philosophisch-spekulative Bildungsbegriff wurde zum Leitbild des 19. Jahrhunderts, erfuhr aber unter dem Einfluss einer sich immer pragmatischer ausrichtenden Wissenschaftsentwicklung entscheidende Veränderungen. Höherbewertung des Sachwissens, Vermehrung des Lehrstoffs und Intellektualisierung des Unterrichts machten Bildung immer mehr zur enzyklopädischen Wissensbildung; ihr Besitz wurde oft zum Merkmal einer gesellschaftlichen Schicht.
Heute wird eine Verbindung gymnasialer, polytechnischer und sozialer (politischer) Bildung angestrebt, die verhindern soll, dass junge Menschen auf einseitige Lebensentwürfe festgelegt werden.
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