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Vögel – mühelos durch die Lüfte

Wohl kaum eine Tiergruppe hat die Fantasie der Menschen so beflügelt wie die Vögel – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Denn die Mühelosigkeit, mit der Vögel sich in die Lüfte erheben, Berge und Wüsten, Meere und Land überqueren können, hat wohl zu allen Zeiten eine große Faszination ausgeübt. Bester Beweis sind die zahlreichen Mythen, die sich mit dem Traum vom Fliegen beschäftigen. Der bekannteste Mythos ist sicherlich die Geschichte von Ikarus und Dädalus, die mithilfe von selbst gebastelten Schwingen aus ihrer Gefangenschaft in Kreta flohen. Ikarus kam jedoch im Übermut der Sonne zu nahe, das Wachs, das die Federn zusammenhielt, schmolz und er stürzte ins Meer.

Dass es unmöglich ist, den Luftraum wie die Vögel durch Muskelkraft zu erobern, mussten auch die Pioniere der Luftfahrt erkennen. Der Erfolg stellte sich erst ein, nachdem man dem Prinzip des Vogelfluges auf die Spur gekommen war: dem Zusammenspiel von Vor- und Auftrieb. Der Auftrieb entsteht dadurch, dass über den gewölbten Flügeln die Luft schneller strömt. Deshalb entsteht dort ein Unterdruck, der die Flügel anhebt. Den Vortrieb besorgt bei den Vögeln ebenfalls der Flügelschlag, bei Flugzeugen dagegen der Propeller. Der Vogelkörper ist dem Fliegen perfekt angepasst: stromlinienförmiger Bau, hohle, leichte Knochen, ein Federkleid, das eine feine Regulierung der Luftströmung gestattet, ein starkes vierkammeriges Herz, kräftige Brustmuskeln und ein äußerst leistungsfähiges Kreislauf- und Atmungssystem.

Heute gibt es über 9000 Vogelarten, die über alle Erdteile und Weltmeere verbreitet sind. Nicht wenige haben einen besonderen Bezug zum Menschen – sei es als Nutztiere wie Hühner, Gänse und Enten, als Kulturfolger wie Schwalben und Amseln, als Jagdgesellen wie Falken und Adler oder als Heimtiere wie Haustauben und Ziervögel. Nicht wenige wurden aber auch durch den Menschen an den Rand des Aussterbens gebracht, wie etwa viele Greifvogelarten.

Albatrosse: Flugkünstler der Hochsee

Was sind Röhrennasen?

Vögel, die zur Ordnung Procellariiformes gehören. Der ungewöhnliche Name ist auf die charakteristische Bildung des geraden, an der Spitze abwärts gebogenen Schnabels zurückzuführen: Die Nasenöffnungen sind zu langen, dem Schnabel eng anliegenden Röhren ausgezogen. Außerdem haben alle Arten stark entwickelte Nasendrüsen, die überschüssiges Salz ausscheiden, das die Vögel beim Trinken und mit ihrer Nahrung aufnehmen.

Zu den Röhrennasen gehören die Albatrosse, Sturmvögel, Sturmschwalben und Tauchsturmschwalben – allesamt hervorragende Segelflieger und Hochseebewohner, die nur zum Brüten an Land gehen. Etwa zwei Drittel der bislang 105 bekannten Arten leben auf der Südhalbkugel, einige ziehen im Südwinter nach Norden.

Bei vielen Arten dieser Ordnung ist eine weitere Eigentümlichkeit zu finden: Sie bilden im Magen ein öliges Sekret. Dieses ranzig riechende Magenöl wird bei Gefahr hochgewürgt und dem Feind entgegengespritzt, aber auch zur Reinigung des Gefieders verwendet. Darauf ist vermutlich auch der starke Moschusgeruch zurückzuführen, der von den Vögeln ausgeht.

Welches sind die größten Albatrosse?

Größter Vertreter der Familie und damit auch größter Meeresvogel überhaupt ist mit einer Flügelspannweite von 3,50 Metern der Wanderalbatros (Diomedea exulans). Er ist südlich des Äquators zu Hause und verbringt sein Leben vorwiegend in der Luft, wobei er weite Strecken zurücklegen kann: Beobachtet wurden Flüge von 3500 bis 15 000 Kilometern, was rund 900 Kilometern am Tag entspricht. Die Vögel brüten nur alle zwei Jahre ein einziges Ei aus. Der Jungvogel, der monatelang umsorgt werden muss, wird u. a. mit Magenöl gefüttert. Ansonsten besteht die Nahrung der Vögel vorwiegend aus Tintenfischen, die von der Wasseroberfläche aufgenommen werden, aber auch Krebse und Fische werden nicht verschmäht. Wanderalbatrosse trinken – wie alle Seevögel – Meerwasser und scheiden das überschüssige Salz über Nasendrüsen aus.

Übrigens: Albatrosse orientieren sich während ihrer langen Flüge an der Sonne, den Sternen und dem Magnetfeld der Erde. Als Meister des Segelfluges können Albatrosse ohne einen einzigen Flügelschlag stundenlang gleiten, indem sie die Luftströmungen über der bewegten Meeresoberfläche perfekt ausnutzen. Dabei können sie Geschwindigkeiten von durchschnittlich 80 Kilometern in der Stunde erreichen.

Wie leben Sturmvögel?

Sturmvögel sind sehr vielseitig im Hinblick auf ihre Ernährungsweise: Walvögel (Gattung Pachyptila) können ihre Nahrung ausseihen, Eissturmvögel (Fulmarus glacialis) sind typische Abfallbeseitiger, Schneesturmvögel (Pagodroma nivea) dagegen suchen sich ihre Nahrung ausschließlich im Packeis. Einige Mitglieder der Sturmvögel zählen zu den geselligsten Vögeln überhaupt. Besonders in südlichen Meeren mit großem Planktonvorkommen wurden Schwärme aus Hunderttausenden von Vögeln gesichtet, aber auch beim Nisten lieben sie die Geselligkeit.

Die Sturmvögel sind eine sehr artenreiche und vielfältige Familie. Einige, wie z. B. die Riesensturmvögel (Gattung Macronectes), ähneln kleineren Albatrosarten, andere, wie viele Sturmtaucher (Gattung Puffinus), können ähnlich wie die Tauchsturmvögel recht gut tauchen und unter Wasser schwimmen.

Übrigens: Auf den Färöer und in Japan gelten Sturmvögel als Delikatesse. Dort werden jedes Jahr Tausende von Jungtieren wegen ihres fetten Fleisches gefangen.

Weshalb werden Sturmschwalben auch St.-Peters-Vögel genannt?

Es gibt verschiedene Erklärungen: Sturmschwalben (Familie Hydrobatidae) nehmen Nahrung von der Wasseroberfläche auf und tauchen dabei einen oder beide Füße ein. Fischer meinten wohl, sie wandelten wie Petrus »auf den Spuren Jesu« über das Wasser. Vielleicht wurde aber auch nur der englische Name »Storm Petrels« falsch übertragen.

Die nur knapp 25 Zentimeter langen Sturmschwalben sind die kleinsten Seevögel. Dennoch beherrschen sie unter anderem den Rüttelflug, also das Fliegen auf der Stelle mit schnellen Flügelschlägen. Ihr Heimfindevermögen ist ausgezeichnet: Problemlos finden sie von ihren mehrere Tausend Seemeilen entfernten Winterstandorten auf hoher See zum vorjährigen Brutplatz zurück.

Welche Feinde haben Albatrosse?

Die größten natürlichen Feinde – v. a. der Jungvögel – sind Tigerhaie, doch am meisten gefährdet sind die Vögel heute durch die Langleinenfischerei. Die reißfesten, bis zu 130 Kilometer langen Kunststoffseile sind mit bis zu 30 000 beköderten Haken bestückt. Stürzen sich die Vögel auf die Köder, bohren sich die Widerhaken durch Schnabel und Hals, so dass die Tiere unter Wasser gezogen werden und ertrinken. Auch die Auswüchse der menschlichen Zivilisation in Form von Plastikabfällen, Verschmutzung des Meeres durch Öl, Chemikalien und Schwermetallen bedrohen die Lebensräume dieser eleganten Gleiter.

Wussten Sie, dass …

Seevögel einen geschätzten Dünger produzieren? Es ist der Guano, den übrigens Alexander von Humboldt 1804 aus Südamerika nach Europa mitbrachte.

der Rußalbatros (Phoebetria palpebrata) im Mittelpunkt einer Legende steht? In den aschgrau gefärbten Vögeln sollen die Seelen ertrunkener oder bei Sturm über Bord gegangener Seeleute weiterleben.

Sturmtaucher sehr alt werden können? Bislang gilt in Freiheit ein Alter von 55 Jahren als Rekord.

Wat- und Möwenvögel: An Küsten und Binnengewässern

Leben Möwen nur am Meer?

Nein, auch im Binnenland sind sie anzutreffen. So kann man beispielsweise Silbermöwen (Larus argentatus) im Winter häufig auf Mülldeponien und in Häfen begegnen, wo sie auf Abfälle hoffen. Diese an der deutschen Nordseeküste häufigste Möwe, die zu den Großmöwen zählt und sich zur Brut in oft riesigen Kolonien zusammenfindet, sucht ansonsten Strand und Watt nach Nahrung ab und frisst neben Würmern und Krebsen gerne Muscheln, die sie zum Öffnen auf Felsen fallen lässt. Wird die Nahrung knapp, scheut sie sich nicht, die Eier oder Küken ihrer Artgenossen zu rauben. Da Möwenkot ein guter Dünger ist, wurde die Silbermöwe auf einigen Nordseeinseln unter Schutz gestellt.

Silbermöwen leben oft in Gesellschaft von Lachmöwen (Larus ridibundus), der in Europa vermutlich häufigsten Möwenart. Wie sie zu ihrem Namen gekommen ist, ist nicht genau bekannt; auf jeden Fall bezieht er sich nicht auf ihr Geschrei. Die Lachmöwe ist im Winter oft in Häfen und Städten zu sehen und folgt auch gerne dem Pflug auf den Feldern.

Welche Möwenarten finden wir in Europa?

Neben der Lachmöwe v. a. die Mantel-, die Dreizehen- und die Sturmmöwe. Die größte europäische Möwenart ist mit 1,70 Meter Spannweite und einer Körperlänge von 76 Zentimetern die Mantelmöwe (Larus marinus). Sie ist an den fast schwarzen Deckflügeln, denen sie ihren Namen verdankt, leicht zu erkennen. Wenn es um ihre Nahrung geht, ist sie wie alle Möwen nicht wählerisch: Neben Abfällen frisst sie auch Eier und Jungtiere anderer Vögel, erbeutet aber auch Singvögel, Enten und sogar Silbermöwen.

Die Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla) ist die einzige Möwe, die außerhalb der Brutzeit auf das offene Meer hinauszieht. Der kleine, zierliche Vogel ist an seinen schwarzen Beinen und schwarzen Flügelspitzen gut von der ähnlichen Sturmmöwe (Larus canus) zu unterscheiden. Als Nistplatz bevorzugen Dreizehenmöwen schmale Simse an steilen Felswänden. Um nicht abzustürzen, verharren die Jungvögel meist regungslos, den Blick auf den Felsen gerichtet.

Wen rauben Raubmöwen aus?

Andere Seevögel, denen sie oft die Nahrung abjagen. Dabei bedrängen sie Möwen, Seeschwalben und Kormorane, ja sogar Albatrosse so lange und so heftig, bis diese die aufgesammelte Nahrung von sich geben. Die Raubmöwen ergreifen die Nahrung dann in gewagten Sturzflügen noch über dem Wasser. Sie fressen auch Aas und Abfall und stellen an Land Insekten sowie kleinen Säugern nach.

Der stärkste Räuber unter ihnen, der die Größe eines Bussards erreicht, ist die Große Raubmöwe oder Skua (Stercorarius skua). Sie erbeutet in ihrem Verbreitungsgebiet sogar Enten, indem sie ihr Opfer zu wiederholtem Tauchen nötigt und dann das ermattete Tier mit einem Biss des starken Hakenschnabels tötet; ihre scharfen Krallen werden dabei nicht als Waffen eingesetzt. In der Antarktis zählen die in dunklem Braun gefärbten Skuas zu den größten Eier- und Jungvogeldieben und überwältigen auch junge Pinguine.

Was zeichnet Seeschwalben aus?

Seeschwalben sind wendige und elegante Flieger. Mit ihrem spitzen Schnabel, ihren schmalen Flügeln und dem langen, oft gegabelten Schwanz haben diese Möwenvögel große Ähnlichkeit mit den im Binnenland lebenden Schwalben. Rekordverdächtig sind auch die Wanderungen, die einige Arten unternehmen, wie z. B. die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisea): 33 000 bis 35 000 Kilometer legt sie zwischen ihren Brutgebieten im hohen Norden und dem Überwinterungsquartier in der Antarktis zurück – und das zweimal pro Jahr! Auf diese Weise lebt sie sozusagen immer im Sommer, da sie sowohl den nördlichen als auch den südlichen Polarsommer »mitnimmt«.

Seeschwalben ernähren sich vorwiegend von Fischen, die einige Arten im Stoßtauchen erbeuten, im Wasser lebenden Krebstieren, Insekten und Würmern. Die Rußseeschwalbe (Sterna fuscata) allerdings taucht nicht, sondern nimmt im Flug die Fische von der Wasseroberfläche auf. Die meisten der etwa 40 Arten dieser Familie sind in den Tropen und auf der Südhalbkugel zu Hause. Die Raubseeschwalbe (Hydroprogne caspia) brütet aber auch an unseren Küsten. Sie ist die größte Seeschwalbenart und an ihrem gewaltigen, leuchtend roten Schnabel weithin zu erkennen. Ihre Nester sind an flachen Kies- und Sandufern auch an Gewässern im Binnenland zu finden.

Welche Arten sind typische Watvögel?

Der Austernfischer, der Sandregenpfeifer, der Steinwälzer und der Säbelschnäbler.

Austernfischer (Haematopus ostralegus) ernähren sich hierzulande nicht von Austern, wie ihr Name nahelegt, denn sie sind häufige Brutvögel an der deutschen Nord- und Ostseeküste – und dort gibt es keine Austern. Vielmehr muss der Austernfischer mit Strandkrabben, Strandschnecken und Plattmuscheln vorlieb nehmen, die er mit seinem Schnabel wie mit einem Meißel geschickt aufbricht. Seine Hauptnahrung sind jedoch Pierwürmer, die er aus ihren Wohnröhren herauszieht.

Ebenfalls an der Küste brütet der Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula). Anders als bei Fluss- und Seeregenpfeifer, seinen Verwandten aus der Familie der Regenpfeifer (Charadridae), sind seine Beine orange, ebenso der halbe Schnabel. Die Sandregenpfeifer zeigen ein ungewöhnliches Brutverhalten: Während das Männchen die schon größeren Jungvögel noch in der einen Hälfte des Nestes füttert, brütet das Weibchen in der anderen Hälfte bereits das zweite Gelege aus. Droht dem Nest Gefahr, täuscht einer der Altvögel vor, krank oder verletzt zu sein, und lockt den Feind so vom Nest weg. Dieses »Verleiten« ist ein in der Vogelwelt häufig zu beobachtendes Verhalten. Ein interessantes Mitglied der Regenpfeiferfamilie ist auch der Steinwälzer (Arenaria interpres), der seinen Namen zu Recht trägt: Er dreht nämlich Steine um und frisst die unter diesen verborgenen Kleintiere. Dabei bewältigt der Steinwälzer Steine von bis zu 180 Gramm – obwohl er selbst gerade einmal 100 Gramm auf die Waage bringt.

Weshalb ist der Schnabel des Säbelschnäblers so merkwürdig gebogen?

Der lange, dünne, nach oben gebogene Schnabel ist eine perfekte Anpassung an seine Ernährungsweise. Auf der Suche nach Nahrung durchwaten Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta) seichte Gewässer und bewegen dabei den leicht geöffneten Schnabel hin und her, um Krebse, Würmer und Insekten auszuseihen.

Die geselligen Säbelschnäbler sind nur an Salzwasser zu finden, da sie sich ausschließlich von im Schlick lebenden Kleintieren ernähren. Sie brüten oft in lockeren Kolonien zusammen mit Austernfischern, Seeschwalben und Lachmöwen und wenden den gleichen Trick an wie Sandregenpfeifer, um Feinde von ihrem Nest fernzuhalten: Sie lenken diese durch vorgetäuschte Schwäche ab.

Wer verbirgt sich hinter dem Namen »Himmelsziege«?

Die Gemeine Bekassine oder Sumpfschnepfe (Gallinago gallinago). Die Männchen vollführen über ihrem Brutrevier oft spektakuläre Sturzflüge. Dabei erzeugt der Luftzug an den äußersten Schwanzfedern, den sog. Schallfedern, ein meckerndes Geräusch, dem die Bekassinen den Namen »Himmelsziege« verdanken. Die Sumpfschnepfe gehört zu den Regenpfeifervögeln, die sich feuchte Wiesen und Wälder, Sumpfgelände und Moore als Lebensraum erobert haben. Anhand der längslaufenden Zeichnung ihres Kopfgefieders ist sie leicht von der Waldschnepfe (Scolopax rusticola) zu unterscheiden, die eine Querzeichnung trägt. Der Lebensraum der Bekassine sind bodenfeuchte Wälder, wo sie Deckung und Nahrung findet. Mit ihrem langen Schnabel spürt sie Würmer, Schnecken, Insekten und deren Larven im Waldboden auf und zieht sie wie mit einer Pinzette heraus.

Übrigens: Waldschnepfen sind auch heute noch ein beliebtes Jagdwild.

Welches ist der größte Schnepfenvogel in Europa?

Der Große Brachvogel (Numenius arquata). Er hat eine Körperlänge von 50 bis 60 Zentimetern, ein Gewicht von bis zu 900 Gramm und eine Flügelspannweite von fast einem Meter. Typisch für ihn, wie für alle Brachvögel, sind die langen Beine und der nach unten gekrümmte Schnabel, vor allem aber sein auffälliger Singflug mit den melodischen Flötenrufen und Trillern, den er während der Balzzeit zeigt.

Die Standorttreue dieser imposanten Vögel macht sie besonders anfällig für Eingriffe in ihren Lebensraum, beispielsweise durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Inzwischen wird der Große Brachvogel in Deutschland zu den stark gefährdeten Arten gerechnet und steht unter Schutz.

Wer ist für seine waghalsigen Flugmanöver berühmt?

Der Kiebitz (Vanellus vanellus). Während der Balzzeit zeigt das Männchen halsbrecherische Flugkünste: Im Sturzflug wirft es sich auf den Rücken, schlägt laut rufend purzelbaumähnliche Rollen und schießt trudelnd herab, bis es den Sturz kurz vor dem Boden abfängt. Bemerkenswert ist ein Verhalten, das als »Scheinnisten« bezeichnet wird: Das Männchen führt vor dem Weibchen scharrende Bewegungen in einer imaginären Nistmulde aus und spreizt dabei den Schwanz so auffällig, dass der Kiebitz in einigen Gegenden auch »Wiesenpfau« genannt wird. Hauptnahrung der Kiebitze sind Insekten, Schnecken und Würmer, die sie mit Bodenklopfen oder Fußtrillern aus dem Boden locken.

Der früher häufig vorkommende Vogel, dessen Eier einst als Leckerbissen galten, ist in Deutschland inzwischen trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen selten geworden. Wie viele Vogelarten, die auf Feuchtgebiete angewiesen sind, leidet er vor allem unter der Trockenlegung von Mooren und Sümpfen. Und die intensive Bewirtschaftung von Wiesen und Feldern verhindert oft, dass der Nachwuchs in Ruhe aufgezogen werden kann.

Übrigens: Das »Kiebitzen«, also das mehr oder weniger aktive Zuschauen bei Skat und anderen Spielen, hat seinen Namen nicht von dem Vogel Kiebitz, sondern stammt wohl aus der alten »Gaunersprache« Rotwelsch und bezeichnete dort das gemeinsame Begutachten des Diebesguts.

Gab es Pinguine auf der Nordhalbkugel?

Zumindest dem Namen nach, denn der 1844 ausgerottete Riesenalk hieß wissenschaftlich Pinguinus impennis. Alke sind eine Unterordnung der Wat- und Möwenvögel. Der Riesenalk wurde bis zu 80 cm lang und bis zu 5 kg schwer. Seine Flugfähigkeit hatte er gänzlich verloren. Für die Herkunft des Wortes »Pinguin« gibt es u. a. die Erklärung, es stamme aus dem Walisischen und bedeute »Weißer Kopf«. Riesenalk und »echte« Pinguine haben zumindest weiße Flecken am Kopf.

Übrigens: In unseren Breiten gibt es zwar keine echten Pinguine aus der Familie Spheniscidae, doch das Verbreitungsgebiet dieser Tauchspezialisten ist keineswegs auf die südlichen Polargebiete beschränkt: Der Galapagos-Pinguin (Spheniscus mendiculus) lebt auf der gleichnamigen, zu Ecuador gehörenden Inselgruppe und damit direkt am Äquator.

Wussten Sie, dass …

Möwenküken sofort nach dem Schlüpfen laufen und schwimmen können? Dennoch bleiben sie meist im Nest sitzen und werden von den Altvögeln gefüttert.

das Kreischen der Silbermöwen mehrere Bedeutungen hat? Es ist sowohl ein Warnruf, der Feinde einschüchtern soll, als auch ein Begrüßungsruf; Jungvögel kreischen auch lautstark nach Futter.

Welcher Seevogel brütet in Erdhöhlen?

Der etwa 30 Zentimeter große Papageitaucher (Fratercula arctica) aus der Familie der Alken (Alcidae). Unübersehbar ist sein breiter bunter Schnabel, der jedoch außerhalb der Brutzeit schwarzweiß ist. Papageitaucher leben auf dem offenen Meer und kommen nur zur Aufzucht des Nachwuchses an Land. Die größte Population der Welt brütet in Island. Das Nest für das einzige Ei wird in Kaninchenröhren oder selbst gegrabenen Erdlöchern, oft auch in Felsspalten angelegt. Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Fischen, aber er verspeist auch verschiedene Weich- und Krebstiere.

Bei welcher Gelegenheit wird der Schnepfenkönig gekürt?

Bei der Schnepfenjagd verlieh man besonders erfolgreichen Jägern diesen Titel; mitunter wurden sie auch mit eigens geprägten »Schnepfenpfennigen« und »Schnepfendukaten« geehrt. Schnepfen waren als Wildgeflügel schon immer geschätzt. Wohl deshalb war die Schnepfenjagd so beliebt, aber wahrscheinlich auch, weil das Aufspüren der recht versteckt lebenden, hervorragend getarnten Waldschnepfe und die Jagd auf die im Zickzack fliegende Bekassine eine Herausforderung für jeden Schützen ist.

Wussten Sie, dass …

der Pazifische Goldregenpfeifer (Pluvialis dominica fulva) bei seiner jährlichen Wanderung eine Strecke von über 3500 Kilometern zurücklegt und damit den Rekord im Nonstopflug hält?

der Stelzenläufer (Himantopus himantopus) im Verhältnis zu seiner Körpergröße die längsten Beine aller Vögel hat? Sie machen 60 Prozent seiner Körpergröße von 43 Zentimetern aus.

Störche und Verwandte: Auffällig lange Beine

Welcher Reiher kommt bei uns am häufigsten vor?

Der Graureiher (Ardea cinerea). Wie alle Reiher ernährt er sich vorwiegend von Fischen, aber auch Amphibien und Kleinsäuger, die er mit seinem langen, dolchförmigen Schnabel blitzschnell aufspießt, gehören zu seinem Nahrungsspektrum. Reiher sind Bewegungsjäger, das heißt, sie können Tiere nur fangen, wenn diese sich bewegen. Verhält sich die Beute jedoch still, wird sie schlichtweg übersehen. Reiher sind an ihrer Haltung sofort zu erkennen: Im Flug und beim Lauern auf Beute halten Reiher ihren Hals in der typischen S-Form gebogen.

Übrigens: Schon 1586 berichteten Chroniken von einer Jahrhunderte alten Reiherkolonie an der Jagst, um die sogar ein »Reiherkrieg« entbrannte, da Reiher damals als Hochwild galten. Und Hochwild war den »hohen Herren«, also den Adligen, zur Jagd vorbehalten, während das Niederwild auch von der »niederen« Bevölkerung erlegt werden durfte; besonders beliebt war damals die Reiherjagd mit Falken.

Wie schützen Reiher ihr Gefieder vor Nässe?

Im Gegensatz zu anderen Vogelarten fetten Reiher ihr Gefieder nicht mit Öl ein – ihre Bürzeldrüse ist verkümmert –, sondern mit Puder, das von speziellen Puderdunen produziert wird. Hinter diesen speziellen Dunen verbergen sich stetig von der Basis nachwachsende, verästelte Federn des Untergefieders, die an ihren Spitzen zu Puder zerfallen. Um den Puder besser verteilen zu können, benutzen sie die Kralle der Mittelzehe, die zu einer »Putzkralle« mit gezähntem Rand umgebildet ist. Der Puder hält das Gefieder glatt und wasserabstoßend und reinigt es gleichzeitig. Er übernimmt also bei den Reihern – ebenso wie bei Papageien, Tauben, Tukanen, Rallen und Steißhühnern – die Aufgabe des wachsartigen Öls der Bürzeldrüse, das andere Vogelarten zur Gefiederpflege einsetzen.

Bekannter als die Puderdunen sind die Schmuckfedern, die viele Reiher während der Brutzeit an Rücken, Halsansatz und Kopf tragen. Diese Prachtfedern wurden besonders dem Silberreiher (Casmerodius albus) und dem Seidenreiher (Egretta garzetta) zum Verhängnis, da sie früher bei adligen Damen als Hutschmuck sehr beliebt waren. Feinde unter ihren tierischen Nachbarn haben erwachsene Reiher nicht, Eier und Jungtiere jedoch sind durch Nesträuber, darunter vor allem Saatkrähen, gefährdet. Die jungen Reiher gehören nämlich zu den Nesthockern, die so lange im Nest bleiben, bis sie ihre Flugfähigkeit erlangt haben.

Welcher Vogel steckt hinter der »Moorkuh«?

Die Rohrdommel, deren dumpfe, laute Rufe ihr im Volksmund den Namen »Moorkuh« oder auch »Wasserochse« eingebracht haben.

In unseren Breiten heimisch sind die Rohrdommel (Botaurus stellaris) und die Zwergrohrdommel (Ixobrychus minutus). Letztere ist nicht nur die kleinste Reiherart, sondern weist noch eine Besonderheit auf: Als einzige in der Reiherfamilie tragen Männchen und Weibchen ein unterschiedlich gefärbtes Federkleid.

Dommeln führen ein heimliches Leben an schilfbestandenen Ufern langsam fließender oder stehender Gewässer. Bei Gefahr nehmen sie, wie übrigens viele andere Reiherarten auch, die typische sog. Pfahlstellung ein: Sie recken Hals und Schnabel senkrecht nach oben, so dass sie zwischen den schlanken Schilfstängeln so gut wie unsichtbar sind. Übrigens: Rohrdommeln waren einst ein beliebtes Federwild, stehen heute aber unter Naturschutz. Größere Rohrdommelbestände sind noch am Neusiedler See in Österreich zu finden.

Warum sind Störche so beliebt?

Störche sind nicht erst seit heute bekannt und beliebt. Im 17. und 18. Jahrhundert begrüßten in manchen Städten die Turmwächter die ersten Störche mit Trompetenschall, galten sie doch als Glücksboten, was noch in dem volkstümlichen Namen Adebar (Glücksbringer) anklingt, aber auch als Kinderbringer. Sie wurden in Märchen verewigt – wer kennt nicht »Kalif Storch«? –, sind aber auch mit abergläubischen Vorstellungen verknüpft. So soll es einer Bauernregel zufolge bald regnen, wenn der Storch nach langer Trockenheit auffallend schmutzig ist. Und eine frühe Abreise der Störche in den Süden wurde als Vorzeichen für einen frühen Wintereinbruch gedeutet. Wenn man den ersten Storch des Jahres sieht, sollte man Geld in der Tasche haben, dann hat man angeblich das ganze Jahr über reichlich Bares.

Sind Störche ortstreu?

Ja, zumindest die Weißstörche (Ciconia ciconia); sie kehren stets zu ihren alten Horsten zurück und bauen diese Jahr für Jahr weiter aus. Die großen bis sehr großen Stelzvögel, die etwa 1,10 Meter Körperlänge und eine Flügelspannweite von rund 2,20 Metern erreichen, haben sich dem Menschen eng angeschlossen, sind sie ihm mit ihren Nestern doch buchstäblich aufs Dach gestiegen. Nahrung finden sie auf feuchten Wiesen und Feldern: Gemessenen Schrittes schreiten sie das Gelände ab und packen ihre Beutetiere, zu denen Frösche, Mäuse, Schnecken und Insekten, vor allem aber Heuschrecken gehören, blitzschnell mit dem großen spitzen Schnabel.

Übrigens: Weißstörche verständigen sich durch das weithin hörbare Schnabelklappern, das ihnen auch den Namen »Klapperstorch« eingebracht hat. Dieses Begrüßungsritual wiederholt sich jedesmal, wenn einer der beiden Partner zum Nest zurückkommt.

Weshalb sind Störche hierzulande so selten geworden?

Weil viele ihrer Nahrungsgründe zerstört wurden. Damit die Jungstörche im Nest aber satt werden, müssen die Eltern pro Kopf ein Pfund Futter erbeuten. Solch ein reichliches Nahrungsangebot bieten nur Sumpflandschaften sowie feuchte Flussniederungen mit nassen Wiesen und Teichen, denn die Übergangszone zwischen Wasser und Land ist besonders artenreich. Doch vor allem in Westeuropa wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Flüsse begradigt, sondern auch Feuchtgebiete trockengelegt, um intensive Landwirtschaft betreiben zu können. Damit wurde nicht nur artenreicher Lebensraum vernichtet, sondern auch die Nahrungsgrundlage der Störche, die sich während des Brutgeschäfts nicht weit vom Nest entfernen.

Um die Zahl der Störche konstant zu halten, muss ein Paar jährlich zwei Junge großziehen. Das ist z. B. in Deutschland und den Niederlanden nicht mehr gewährleistet, weil es nicht genug Nahrung gibt. Wenn hier dennoch eine Zunahme der Störche registriert werden kann, so ist dies der Zuwanderung von Vögeln aus Osteuropa zu verdanken. Die letzte internationale Zählung hat erfreulicherweise gezeigt, dass der dramatische Rückgang der Storchenpopulationen gestoppt ist: Gab es 1934 in Deutschland noch 9035 Brutpaare, so waren es 1988 nur noch 2949, 2002 jedoch bereits wieder 4197.

Ziehen alle Störche im Winter nach Afrika?

Nein, manche überwintern auch in Indien. Die meisten der in Nordeuropa brütenden Weißstörche brechen jedoch Ende August in ihre afrikanischen Winterquartiere auf. Dabei wählen sie – je nach Ausgangsort – zwei unterschiedliche Routen: Die westlichen Störche fliegen über Spanien und Gibraltar nach Westafrika, die östlichen Populationen bevorzugen die Strecke über den Bosporus, Libanon und Ägypten. Als gute Segler nutzen sie die vom Land aufsteigenden Luftströmungen, vermeiden aber offenes Wasser. Dabei legen sie Strecken von 10 000 km zurück.

Übrigens: Die Mitteleuropäer fragten sich lange vergebens, wohin ihr Glücks- und Kinderbringer Adebar im Herbst entflieht – bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Däne auf die Idee kam, Störche zu beringen. Nun konnte man ihre jährlichen Wanderungen nachvollziehen. In den afrikanischen Savannen treffen die Weißstörche dabei häufig auf einen Verwandten, den Marabu (Leptoptilos crumeniferus), der zu den Kropfstörchen – den Aasfressern der Familie – gehört. Kennzeichen sind der nackte, aufgeblasene Kropfsack und der große, keilförmige Schnabel. Im Flug, aber auch aufgrund ihres fast nackten Kopfes haben Marabus eine gewisse Ähnlichkeit mit Geiern.

Wie ernähren sich Flamingos?

Die Nahrungsaufnahme der Flamingos, ist einzigartig unter den Schreitvögeln. Je nach Leistungsfähigkeit ihres Filterschnabels ernähren sich die Arten unterschiedlich: von winzigen Algen oder kleinen Krebsen bis hin zu größeren Weichtieren, die sie aus dem Wasser herausfiltern.

Diese Filtertechnik wird durch einen speziell konstruierten Schnabel möglich, der ungefähr in der Mitte einen scharfen Knick aufweist. Der Unterschnabel ist groß und geräumig, der Oberschnabel ist klein und liegt wie ein Deckel auf. Das Schnabelinnere ist dicht mit Lamellen besetzt. Zur Aufnahme der Nahrung senken Flamingos den Kopf und durchkämmen mit nach unten zeigender Schnabeloberseite das flache Wasser. Dabei ziehen sie ihre Zunge zurück, so dass ein Sog entsteht, der das Wasser und mit ihm Nahrungsteilchen in den Schnabel strömen lässt. Pressen die Vögel anschließend die Zunge nach vorne, wird das Wasser durch die Lamellen herausgedrückt, während die Nahrungsteilchen hängen bleiben.

Ideale Verhältnisse finden die Vögel an Brack- und Salzwasserseen, in denen sich z. B. Salinenkrebse (Artemia salina) oft massenhaft vermehren. Zum Trinken benötigen Flamingos allerdings salzarmes oder salzfreies Wasser. Ist Trinkwasser knapp, fangen Flamingos das über ihr Gefieder herabrinnende Regenwasser auf.

Übrigens: Flamingos können bis zu 1,30 Meter groß und 2,8 Kilogramm schwer werden.

Wie kümmern sich Flamingos um ihre Jungen?

Sie füttern sie zunächst mit einer leuchtend rote Nährflüssigkeit, die die Altvögel im Schlund absondern. Sie hat einen ähnlich hohen Nährwert wie Milch. Erst nach etwa 70 Tagen ist der Filterschnabel der Jungvögel voll funktionsfähig, so dass der Nachwuchs eigenständig nach Futter suchen kann.

Flamingos nisten in großen Kolonien und bauen ihre kegelförmigen Nester aus Lehm und Sand, wobei ihnen der unförmig wirkende Schnabel erstaunlich gute Dienste leistet: Wie mit einem Bagger schieben die Vögel den Schlamm zusammen und klopfen ihn mit dem Oberschnabel fest. Die Jungen haben leuchtend rote, dicke Beine, auf denen sie in den ersten Tagen noch nicht stehen können; ihr Daunenkleid ist weißgrau.

Welche Flamingoarten sehen wir im Zoo?

Meist sind Flamingos der Gattung Phoenicopterus anzutreffen, etwa der Rosaflamingo (Phoenicopterus ruber) oder der Chileflamingo (Phoenicopterus chilensis). Ihre Heimat sind die salzhaltigen und bis zu 4000 Meter hoch gelegenen Seen Boliviens und Perus.

Wussten Sie, dass …

Reiher, Störche und Ibisse auch als Stelzvögel bezeichnet werden? Der Name bezieht sich auf ihre langen Beine, die ein kennzeichnender Unterschied zu anderen an und im Wasser lebenden Vögeln sind.

Stelzvögel sich bei Gefahr anders verhalten als Laufvögel? Sie rennen nicht weg, sondern fliegen auf.

Weshalb »reihern« Reiher?

Auf keinen Fall weil sie Magenprobleme haben! Reiherjunge werden meist von beiden Elternteilen gemeinsam betreut. Nach der Jagd bringen die Altvögel das Futter für den Nachwuchs im Magen zum Nest, wo sie es direkt in den Schlund der Jungtiere oder ins Nest erbrechen – sie reihern. Ältere Jungvögel lösen den Würgereiz bei den Eltern aus, indem sie deren Schnabel seitlich packen und nach unten ziehen. In der Umgangssprache hat sich der Begriff »reihern« für »sich übergeben« eingebürgert.

Wussten Sie, dass …

die volkreichste Flamingokolonie in Nordwestindien zu finden ist? Wenn die große Salzwüste bei Kutch überflutet wird, finden sich dort oft mehr als 120 000 Brutpaare ein.

Flamingos und Störche bei Wind und Kälte gern auf einem Bein stehen? Damit verhindern sie, dass über die ungefiederten Beine zu viel Körperwärme verloren geht.

die nördlichste Brutkolonie von Flamingos in Nordrhein-Westfalen liegt? Im Zwillbrocker Venn brüten etwa 40 Tiere, die im nahen Holland überwintern.

Welcher Storch wurde einst als heilig verehrt?

Der Heilige Ibis (Threskiornis aethiopica) galt den alten Ägyptern als Verkörperung des Gottes Thot – des Gottes der Wissenschaft und der Schreibkunst – und genoss damit hohes Ansehen. So wurden Ibisse auf eigenen Friedhöfen beigesetzt oder Herrschern mit ins Grab gegeben. Die 50 bis 90 Zentimeter großen, im Alter völlig schwarzen Vögel sind in flachen Binnen- und Küstengewässern des afrikanischen und asiatischen Kontinents heimisch. Einst bei steigender Nilflut in Ägypten weit verbreitet, kommt der Ibis dort seit Anfang des 19. Jahrhunderts als Brutvogel nicht mehr vor.

Greifvögel: Verehrt und verfolgt

Weshalb sind Greifvögel für ein Ökosystem so wichtig?

Weil sie erheblich zur Gesunderhaltung des Wildbestandes in ihrem Lebensraum beitragen. Denn sie sprechen vor allem auf Tiere an, die in ihren Bewegungen behindert sind, so dass ihnen überwiegend kranke und alte Tiere zum Opfer fallen. Dank ihrer sprichwörtlichen scharfen »Adleraugen« sind Greifvögel in der Lage, ihre Beute oft aus großer Höhe zu erspähen. Mit der Nahrung nehmen sie oft unverdauliche Bestandteile wie Federn und Haare auf; sie ballen sich im Magen zusammen und werden von den Vögeln als Speiballen oder Gewölle ausgeschieden, die genaue Auskunft über ihr Nahrungsspektrum geben.

Greifvögel sind auch für den Laien eindeutig an ihrem kurzen, hakig gebogenen Schnabel und den starken, langzehigen Füßen mit den scharfen Krallen zu erkennen. Allen gemeinsam ist die Fähigkeit, lebende Beutetiere, meistens Zugvögel, zu erjagen. Weihen und Wanderfalken z. B. legen jedes Jahr Tausende von Kilometern zurück, um in ihre Überwinterungsgebiete und im Frühling wieder zu ihren Brutplätzen zu gelangen. Bei ihren Flügen nutzen sie geschickt die Thermik, also die warmen, aufwärts gerichteten Luftströme, mit deren Hilfe sie sich in weiten Kreisen immer höher schrauben, um dann im Gleitflug vorwärts zu fliegen. Vor allem die Geier haben die Kraft sparende Kunst des Gleitens zu höchster Perfektion entwickelt und bleiben stundenlang in der Luft.

Welcher Vogel ist der König der Lüfte?

Der Steinadler (Aquila chrysaetos), der mit seiner imposanten Spannweite von bis zu 2,30 m zu den größten Vögeln Europas gehört. Die langen, breiten Schwingen mit den leicht nach oben gebogenen Spitzen charakterisieren ihn als hervorragenden Segler, der bei der Suche nach Futter oft stundenlang am Himmel kreist. Dennoch ist der Steinadler für seine Größe ein wendiger Flieger. Besonders eindrucksvolle Flugmanöver zeigen die Adler während der Balz: Sie lassen sich beim sog. Girlandenflug mit der Thermik hoch hinauftragen, um dann mit kurzen Abschwüngen eine Reihe von Bögen zu fliegen; oder sie machen Sturzflüge auf den tiefer fliegenden Partner, der sich dann auf den Rücken dreht und den Herannahenden mit vorgestreckten Fängen abwehrt.

Wie viele Steinadler brüten in den Alpen?

In den letzten Jahren wurden im gesamten Alpengebiet wieder etwa 1100 Brutpaare gezählt. Obwohl der Steinadler als Lebensraum einsame felsige Gegenden mit steilen Felswänden bevorzugt, hat ihm der Mensch stark zugesetzt. Anfang des 20. Jahrhunderts in den Alpen fast völlig ausgerottet, scheinen sich die Bestände inzwischen wieder langsam zu erholen. Dieser Erfolg ist vor allem den strengen Schutzbestimmungen und dem rückläufigen Einsatz von Pestiziden zu verdanken.

Übrigens: Steinadler können recht große Tiere wie Hasen, Füchse, Marder und Rehkitze erbeuten, ihre Hauptnahrung sind jedoch Murmeltiere; im Winter verschmähen sie auch Aas nicht. Berichte, denen zufolge Steinadler auch kleine Kinder schlagen, stammen indes aus unseriösen Quellen und gehören ins Reich der Fantasie.

Welche Adler fangen Fische?

Der heute selten gewordene Fischadler (Pandion haliaetus) sowie der Seeadler (Haliaetus albicilla).

Der Fischadler ist der einzige Greifvogel, der sich ausschließlich von Fischen ernährt. Als Fangtechnik bedient er sich des Stoßtauchens: Aus einer Höhe von 10 bis 50 Metern stürzt er sich nach kurzem Rüttelflug mit angewinkelten Flügeln und vorgestreckten Fängen in einem Winkel von 45 bis 90 Grad ins Wasser, greift sich den Fisch und erhebt sich mit schweren Flügelschlägen wieder in die Luft, während er sich das Wasser aus dem Gefieder schüttelt. Da er häufig kranke Fische erbeutet, ist er für Fischzüchter eher von Nutzen als eine Last.

Auf der Speisekarte des Seeadlers stehen neben Fischen auch Wasservögel. Ein kurzer, keilförmiger Schwanz, ein mächtiger gelber Schnabel und eine Flügelspannweite von bis zu 2,5 Metern kennzeichnen den größten Greifvogel Europas. Als Küstenvogel war er einst im Norden Eurasiens weit verbreitet und sogar an der Ostsee anzutreffen. Aber Pestizide und Schwermetalle, die sich in den Fischen anreichern, ließen die Bestände ebenso zurückgehen wie »Liebhaber«, die seine Eier aus den Nestern entfernten und ihn trotz Verbots als begehrte Trophäe weiterhin abschossen. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland etwa 360 Brutpaare gezählt.

Ist der Weißkopfseeadler vom Aussterben bedroht?

Heute zum Glück nicht mehr. Aber wie dem europäischen Seeadler, erging es seinem nordamerikanischen Vetter: Vor allem die starke Bejagung und Umweltgifte wie DDT brachten den Weißkopfseeadler (Haliaetus leucocephalus) an den Rand der Ausrottung, bis er 1973 unter Schutz gestellt wurde und sich der Bestand des amerikanischen Wappenvogels wieder erholen konnte.

Übrigens: Bei den nordamerikanischen Indianern genoss der Weißkopfseeadler hohes Ansehen. Stammesmitglieder, die sich besonders ausgezeichnet hatten, durften Adler töten und sich als Zeichen der Tapferkeit mit ihren Federn schmücken.

Was ist ein Terzel?

Ein männlicher Habicht, der etwa ein Drittel leichter ist als das bis zu 120 Gramm schwere Weibchen. Der bevorzugte Lebensraum des Habichts (Accipiter gentilis) ist der Nadelwald. Da er ein sehr wendiger, auf kurzen Strecken sogar außerordentlich schneller Flieger ist, kann er seine Beute auch noch in dichtem Gebüsch mühelos verfolgen. Zu seinen Beutetieren zählen Rebhühner, Elstern, Kaninchen, Ringeltauben und Rabenkrähen. Dass er auch Haushühner und anderes Zuchtgeflügel nicht verschmäht, hat ihm seinen schlechten Ruf als Hühnerdieb und die erbitterte Verfolgung durch den Menschen eingebracht, so dass er unter Schutz gestellt werden musste. Andererseits ließ seine Wendigkeit den Habicht bereits im Mittelalter zu einem begehrten Vogel für die Beizjagd werden.

Am besten sind Habichte im zeitigen Frühjahr zu beobachten, wenn sich die Paare zur Balzzeit in die Lüfte schrauben, immer wieder hinabgleiten und erneut aufsteigen. Ansonsten führen sie als Waldbewohner ein eher unbemerktes Leben.

Übrigens: Zur Gattung Habichte (Accipiter) gehört auch der Sperber (Accipiter nisus), ein schneller Überraschungsjäger, der die gleichen Lebensräume wie sein großer Vetter besiedelt. Er bevorzugt als Beute kleinere Vögel wie Finken, Ammern, Stare und Sperlinge, das Weibchen kann auch Vögel bis Taubengröße schlagen. Im Vorderen Orient werden Sperber auch heute noch vor allem für die Beizjagd auf Wachteln eingesetzt.

Wie gut kann ein Bussard sehen?

So gut, dass er noch aus drei Kilometern Entfernung erkennen kann, ob ein Kaninchen mit den Ohren zuckt – einem Menschen mit sehr guten Augen gelingt dies lediglich auf eine Entfernung von 100 Metern! Mäusebussarde (Buteo buteo) sind häufig am Himmel zu sehen, wenn sie sich in ruhigem Segelflug von Aufwinden immer höher tragen und dabei ihren charakteristischen miauenden Schrei ertönen lassen, denn für die Jagd sind sie auf offenes Gelände angewiesen. Wie der Habicht ist der Bussard eigentlich ein Ansitzjäger: Von einer erhöhten Warte wie Bäumen, Zäunen und Pfosten an Straßenrändern aus hält er nach Beutetieren Ausschau, die er dann im Stoßflug fängt. Wie sein Name schon sagt, hat er es vor allem auf Feldmäuse abgesehen.

Wie schnell ist ein Jagdfalke im Sturzflug?

Bis zu 300 Stundenkilometer. Damit sind die Falken (Familie Falconidae) zweifellos die schnellsten und geschicktesten Jäger unter den Greifvögeln. Und so verwundert es nicht, dass sie zu den begehrtesten Beizvögeln gehören – und das seit Jahrtausenden. Vor allem der Gerfalke (Falco rusticolus) aus der Gattung der Edelfalken oder Echten Falken (Falco) gilt seit alters als wertvollster und edelster Jagdfalke, der seinem Besitzer nicht nur Jagderfolg, sondern auch einen hohen Prestigegewinn garantierte.

Gerfalken besiedeln Tundren und Gebirge. Sie sind im Norden Russlands ebenso anzutreffen wie in Island und Skandinavien. Ihre wichtigsten Beutetiere sind Schneehühner, aber sie schlagen auch Lemminge und gelegentlich Schneehasen.

Beherrschen auch andere Falken den Sturzflug?

Ja. Kennzeichnend für die Edelfalken, zu denen auch Wanderfalke (Falco peregrinus), Turmfalke (Falco tinnunculus), Baumfalke (Falco subbueto) und Merlin (Falco columbarius) zählen, ist ihr außerordentlich schneller Flug, vor allem der rasende Sturzflug bei der Jagd. Unangefochtener Spitzenreiter im Langstreckenflug ist der Wanderfalke, der bei seinem Zug in die Winterquartiere mehr als 10 000 Kilometer zurücklegt. Er erbeutet in der Regel nur fliegende Vögel wie Tauben, Stare und Lerchen, die dem im Sturzflug bis zu 300 Stundenkilometer schnellen Jäger nur schwer entrinnen können. Auch der Baumfalke fängt seine Beute in der Luft. Dem schnellen Flieger entkommen auch Mauersegler und Libellen nicht, die er noch im Flug verspeist.

Eine andere Technik des Beutefangs hat dagegen der Turmfalke entwickelt. Er beobachtet seine Beutetiere, überwiegend Feldmäuse, im charakteristischen Rüttelflug, um dann in einem günstigen Moment auf sie herabzustoßen. Turmfalken, die zu den häufigsten europäischen Greifvögeln gehören, sind äußerst anpassungsfähig. In der freien Natur brüten sie bevorzugt in alten Krähennestern, nehmen aber auch mit Kirchtürmen und Hochhäusern vorlieb, so dass sie sich auch die Stadt als neuen Lebensraum erobern konnten.

Weshalb sind Kopf und Hals bei Geiern fast nackt?

Damit sie möglichst wenig verschmutzen, wenn die Vögel sie tief in Kadaver hineinstecken. Denn Geier haben sich, wie viele andere Tierarten auch, auf die Beseitigung von Aas spezialisiert und übernehmen damit eine wichtige Rolle als Gesundheitspolizei. Ihr kräftiger Hakenschnabel ist perfekt dazu geeignet, um Haut und Bauchdecke toter Tiere zu öffnen. Und ihr dehnbarer Magen erlaubt es ihnen, sehr große Mengen auf einmal, sozusagen auf Vorrat, zu fressen. Da ihre Verdauungssäfte sogar mit Giftstoffen fertig werden, können Geier – anders als die meisten Tiere – auch faulendes Fleisch fressen. Den scharfen Augen der Geier entgeht auch nicht die kleinste Beute: Getragen von warmen Aufwinden, ziehen die Vögel hoch am Himmel ihre Kreise und halten Ausschau nach verendeten Tieren. Sobald sich ein Geier absinken lässt, folgen ihm die anderen, bis die ganze Schar um das Aas versammelt ist.

Was ist der Unterschied zwischen Altweltgeiern und Neuweltgeiern?

Während die Altweltgeier zur Ordnung der Greifvögel gehören, werden die Neuweltgeier den Schreitvögeln (Ordnung Ciconiiformes) zugesellt, sind also mit Reihern und Störchen verwandt. Wie die Namen schon andeuten, kommen Altweltgeier in Asien, Europa und Afrika vor, Neuweltgeier sind auf dem amerikanischen Kontinent zu Hause. Der bekannteste und größte Neuweltgeier ist der Andenkondor (Vultur gryphus). Er lebt in den Küstengebirgen des südamerikanischen Kontinents, wo er bis in Höhen von 3300 Metern zu finden ist. Zu seinem Nahrungsspektrum zählen kranke und verletzte Vögel und andere Tiere wie Lamas, aber auch Aas. Seine großen Flügel, die eine Spannweite von bis zu 3,60 Metern erreichen können, weisen ihn als sehr guten Segler aus, der mit einer Flughöhe von bis zu 7000 Metern jeden anderen Vogel weit hinter sich lassen kann.

Welcher Geier benutzt Werkzeuge?

Der Schmutzgeier (Neophron percnopterus); er öffnet die harte Schale der begehrten Straußeneier, indem er Steine darauf fallen lässt. Mit einer Körperlänge von 60 Zentimetern erreicht er etwa die Größe eines Raben und ist damit der kleinste Vertreter der Geier. Schnabel und Gesicht sind gelb, das Gefieder schmutzig weiß. Sein Name bezieht sich allerdings auf die Tatsache, dass er nicht nur Aas, sondern auch Abfälle aller Art frisst; sie findet er zuhauf in menschlichen Siedlungen, in deren Nähe er sich gerne aufhält. Damit leisten Schmutzgeier einen nicht unerheblichen Beitrag zur Eindämmung von Krankheiten.

Übrigens: Auch wenn sie keine Steine schleppen, sind die stärksten Geier der Alten Welt die Mönchsgeier (Aegypius monachus) und die Ohrengeier (Torgos tracheliotus). Ersterer ist in den Mittelmeerländern sowie in West- und Innerasien zu Hause. Seinen Namen verdankt er seiner Halskrause, die an einen Mönchskragen erinnert. Der Ohrengeier ist der größte afrikanische Vertreter der Sippe und bewohnt Halbwüsten und Steppen. Er kann bis zu 1,15 Meter groß und 9,5 Kilogramm schwer werden und eine Flügelspannweite von etwa 2,80 Metern erreichen.

Warum wird der Bartgeier auch »Knochenbrecher« genannt?

Weil er vorzugsweise Knochen frisst. Der Bartgeier (Gypaetus barbatus), der neben Europa auch in Nord- und Südafrika sowie in Ost- und Zentralasien heimisch ist. Mit seinem befiederten Kopf, dem kurzen Hals und dem schwarzen »Spitzbart« unterscheidet er sich bereits äußerlich sehr stark von seinen Verwandten. Auch seine Ernährungsweise ist einzigartig, denn er frisst Knochen. Um an das begehrte Knochenmark heranzukommen, lässt er die Knochen aus großer Höhe auf Felsen fallen, so dass sie zerschellen. In Spanien hat ihm dieses eigentümliche Verhalten den Namen »Knochenbrecher« eingetragen.

In Europa gehört er zu den seltensten Greifvögeln und ist bis auf wenige Bestände, unter anderem in den Pyrenäen, ausgerottet. Vor allem in den Alpen wurde ein regelrechter Vernichtungsfeldzug gegen die »Lämmergeier« geführt, da sie nicht nur Ziegen und Schafe mit Flügelschlägen angriffen und in Abgründe trieben, sondern angeblich auch kleine Kinder raubten.

Übrigens: Häufigster europäischer Geier ist der Gänsegeier (Gyps fulvus), den man vor allem noch in Spanien antreffen kann. Sein Hals ist ungewöhnlich lang und kann bis auf etwa 40 Zentimeter ausgestreckt werden. Damit erreicht er auch Teile tief im Inneren eines Kadavers. Eine weiße, pelzartige Halskrause verhindert, dass bei der Mahlzeit das Körpergefieder beschmutzt wird. Gänsegeier waren bis etwa 1890 auch in den bayerischen Alpen verbreitet, wurden dann aber ausgerottet. In den österreichischen Alpen können sie heute wieder beobachtet werden: Jedes Jahr versammeln sich bis zu 30 Vögel nach der Brutsaison in den Hohen Tauern. Mithilfe von Auswilderungsprojekten versucht man, die imposanten Vögel in Österreich und Frankreich wieder dauerhaft anzusiedeln.

Töten Greifvögel ihre Beute mit dem Schnabel?

Nur die sog. Bisstöter, zu denen beispielsweise auch die Falken gehören. Sie halten das erbeutete Tier mit ihren kräftigen Zehen fest und töten es durch kraftvolles Schließen der beiden Schnabelhälften; die scharfkantige Ausbuchtung des Oberschnabels wirkt dabei wie eine Schneide. Anders die sog. Grifftöter, zu denen unter anderem Bussard, Adler und Milan gehören: Sie töten ihre Beutetiere mithilfe der messerscharfen Krallen; der Schnabel wird lediglich eingesetzt, um die Beute in kleine Stücke zu zerreißen.

Wussten Sie, dass …

es in Australien keine Geier gibt? Ihre Rolle als Aasfresser übernehmen dort die Keilschwanzadler (Aquila audax).

Adler im alten Rom als Symbol der Macht galten? Deshalb trugen die Legionen Adlerstandarten als Heerzeichen voran.

der Weißkopfseeadler das Wappentier der USA ist, während der Bundesadler, das Wappentier Deutschlands, für keine spezielle Adlerart steht?

Wird heute noch mit Greifvögeln gejagt?

Ja, vor allem im arabischen Raum ist die Falknerei oder Beizjagd, wie die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln heißt, ein prestigeträchtiger Sport. Dabei müssen etwa für einen gut ausgebildeten Falken bis zu 10 000 US-Dollar gezahlt werden. Die Beizjagd wird in Asien wahrscheinlich seit 4000 Jahren ausgeübt. Die europäischen Fürsten lernten erst durch die Araber den Umgang mit Greifvögeln und deren Einsatz bei der Jagd kennen. Ihre größte Blüte erlebte die Beizjagd, die Angehörigen des Adels und kirchlichen Würdenträgern vorbehalten war, jedoch im Mittelalter, wie viele Berichte und Bilder belegen.

Wussten Sie, dass …

es auch Falken gibt, die nicht jagen? Der Rotkehl-Karakara (Daptrius americanus) etwa frisst hauptsächlich Wespenlarven und -puppen.

der stärkste Greifvogel in Südamerika lebt? Es ist die Harpyie (Harpia harpyja), die bei einem Eigengewicht von etwa fünf Kilogramm Beutetiere von bis zu 30 Kilogramm über eine Strecke von bis zu 80 Kilometern transportieren kann.

Wo gelten Geier als Verkörperung der Unsterblichkeit?

In Indien. Noch heute überlässt man ihnen auf den Türmen des Schweigens in Mumbai die aufgebahrten Toten, die sich – so der Glaube – mit den Vögeln zu neuem Leben »aufschwingen«. Schon bei den alten Ägyptern wie auch bei Türken und Persern galten Geier als Symbol für Elternliebe, da sie ihre Brut liebevoll pflegen. Hierzulande werden sie gemeinhin als Totenvögel und Leichenfledderer verachtet – eine Haltung, die sich auch im Sprachgebrauch niedergeschlagen hat. So steckt etwa hinter der Redewendung »Wie die Geier!« keineswegs Bewunderung für die von vielen Menschen als abstoßend empfundenen Vögel, sondern sie bezieht sich auf ihre offensichtliche Gier, die sie beim Fressen an den Tag legen.

Wussten Sie, dass …

es unter Geiern auch Vegetarier gibt? Der Palmgeier (Gypohierax angolensis) frisst vor allem die Palmnüsse, aber auch Datteln und andere Früchte.

Bartgeier im Winter brüten? Wenn die Jungen dann im Frühling schlüpfen, legt die Schneeschmelze die im Winter umgekommenen toten Tiere frei, so dass ausreichend Nahrung für den Nachwuchs zur Verfügung steht.

Eulen: Lautlose Jäger

Weshalb können Eulen lautlos fliegen?

Das seidige, dichte und dennoch lockere Gefieder, das besonders an Hals und Nacken viel dicker wirkt, als es ist, ermöglicht den Eulen ihren unnachahmlich lautlosen Flug. Die samtartige Oberfläche der Federn ist so weich, dass jegliche Reibungsgeräusche vermieden werden. Außerdem sind die Federn der Flügelkanten, vor allem an den Handschwingen, mit feinen, kammartigen Zähnungen versehen, die den beim Fliegen entstehenden Luftstrom in zahlreiche kleine Wirbel zergliedern, wodurch jedes Geräusch, selbst im Ultraschallbereich, unterdrückt wird. Der lautlose Flug bringt den Eulen zwei Vorteile: Zum einen können sie sich geräuschlos ihrer Beute nähern, zum anderen wird so ihr extrem feines Gehör nicht durch Fluggeräusche gestört, was die Ortung der Beute erschweren würde.

Nicht zuletzt dieser lautlose Flug, aber auch ihre nächtlichen Rufe und ihr ungewöhnliches Aussehen mögen viel dazu beigetragen haben, dass Eulen seit Jahrtausenden im Mittelpunkt von Mythen und Geschichten stehen. Erstaunlich ist dabei, dass sie in unterschiedlichen Kulturkreisen oft Extreme verkörpern: Den einen, wie den Griechen der Antike, galt der Lieblingsvogel der Göttin Athene als Glücksbringer und Hüter der Weisheit, andere Völker verfluchten die Eulen als unheilvolle Nacht- und Totenvögel, die Unglück und Verderben über den Menschen bringen. In vielen Geschichten tauchen Eulen als verwandelte Hexen oder mit Hexen befreundete Wesen auf – und sogar die moderne Kinderliteratur haben sie in Gestalt von Hedwig, der Begleiterin des Zauberlehrlings Harry Potter, erobert.

Welche sind die größten Eulen?

Der Uhu (Bubo bubo), der mit einer Größe von bis zu 73 Zentimetern und einer Flügelspannweite von rund 1,70 Metern die größte heimische Eule ist, und der Riesenfischuhu (Ketupa blakistoni), der mit einer Flügelspannweite von etwa zwei Metern als größte Eule überhaupt gilt.

Am liebsten jagen Uhus in der Dämmerung oder nachts, wobei sie offenes Gelände bevorzugen. Neben Mäusen stehen auch Eichhörnchen, Hasen, Tauben und selbst Rehkitze auf ihrem Speisezettel. Wie alle Eulen werden Uhus von den tagaktiven Vögeln angegriffen, wenn sie sich bei Helligkeit blicken lassen. Dieses aggressive Verhalten der Vögel hat sich der Mensch früher bei der Vogeljagd zunutze gemacht. Nachgebildete oder echte Uhus wurden in einem Käfig oder auf einer Sitzstange präsentiert, um die Vögel anzulocken. In Gefangenschaft können Uhus ein Alter von über 60 Jahren erreichen. In der freien Natur sind ihre Überlebenschancen geringer, denn sie finden kaum noch geeignete Lebensräume – ruhige Waldgebiete mit Felsen und Schluchten – und sind inzwischen streng geschützt.

Das Hauptverbreitungsgebiet des Riesenfischuhus erstreckt sich über Nordchina, Ostsibirien und Japan. Fischeulen sind außer in Asien auch in Afrika zu Hause. Anders als bei den übrigen Uhus sind ihre Füße nicht befiedert – eine Anpassung an ihre spezifische Ernährungsweise. Sie verspeisen nämlich überwiegend Fische, die sie im Flug ergreifen und aus dem Wasser ziehen.

Können Eulen besser hören oder besser sehen?

Beide Sinne sind bei den Eulen hervorragend ausgebildet. Sie sehen ausgezeichnet und ihren Ohren entgeht nichts. Selbst das leise Geräusch umherhuschender Mäuse in der Nacht wird wahrgenommen, so dass sie mit traumwandlerischer Sicherheit auch im Dunkeln Beute machen können. Dieses ausgezeichnete Gehör beruht unter anderem auf beweglichen Ohrmuscheln und der kranzförmigen Anordnung der Gesichtsfedern. Dieser »Gesichtsschleier« verstärkt wie ein Trichter die Schallwellen und lenkt sie zu den unter dem Gefieder versteckt liegenden Ohren. Äußerst hilfreich für die, mit dem räumlichen Hören verbundene Fähigkeit, ein Beutetier ausschließlich mit den Ohren zu orten, ist die große Entfernung zwischen den Ohren. Daher treffen die Schallwellen beim linken und beim rechten Ohr mit einem minimalen Zeitunterschied ein, durch den Eulen die Lage der Geräuschquelle im Raum millimetergenau bestimmen können.

Dank der großen Augen, deren Netzhaut besonders lichtempfindlich ist, können Eulen auch dann ausgezeichnet sehen, wenn wie in der Dämmerung nur wenig Licht vorhanden ist; bei völliger Dunkelheit sehen allerdings auch Eulen nichts mehr. Die Pupille ihrer für Vögel ungewöhnlich großen Augen kann sich fast auf die gesamte Größe der Augen weiten, so dass auch noch der letzte Lichtschimmer aufgefangen werden kann. Einige Eulenarten beherrschen sogar den Blindflug. Ihr Augapfel ist außerdem nicht rund, sondern röhrenförmig. Dieses sog. Teleskopauge ermöglicht einen großen Augendurchmesser, lässt das Auge jedoch unbeweglich werden; deshalb müssen Eulen den Kopf drehen, wenn sie ihre Blickrichtung ändern wollen.

Sind Uhu und Waldohreule verwandt?

Nein, obwohl die Waldohreule (Asio otus) mit ihren auffallenden Federohren einem Uhu sehr ähnlich sieht. Sie ernährt sich vor allem von Mäusen und leistet damit einen nicht unwichtigen Beitrag zur Eindämmung der vermehrungsfreudigen Nager. Besonders viele Mäuse werden für den Nachwuchs benötigt.

Die Jungvögel weisen meist ein unterschiedliches Alter auf, da Eulen bereits nach der Ablage des ersten Eis zu brüten beginnen – weitere Eier folgen, während dieser Brutphase. Auch wenn die jungen Eulen das Nest verlassen, können sie doch noch nicht fliegen und sitzen dann oft auf knapp über dem Boden liegenden Ästen, was ihnen den Namen »Ästlinge« eingebracht hat. Solche Jungvögel sind also nicht, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint, von ihren Eltern verlassen; vielmehr halten sich diese immer ganz in der Nähe auf und füttern den halbflüggen Nachwuchs weiter. Die Jungvögel sind eine beliebte Beute des Uhus.

Warum gilt der Kauz als Totenvogel?

Wenn man so will, war eine Missdeutung der Grund. Früher war es üblich, bei Schwerkranken und Sterbenden nachts ein Licht brennen zu lassen, was zur Folge hatte, dass Käuze – die ja Nachtvögel sind – von der Helligkeit, oder genauer von den herumschwirrenden Insekten angelockt wurden und dabei oft gegen die Fensterscheiben flogen. Ihr typischer Ruf »kuwitt« wurde von den Menschen als »Komm mit!« gedeutet – und so stand der Kauz seit dem Mittelalter in dem Ruf, ein Totenvogel zu sein: Wer ihn rufen hörte, war dem Tode geweiht. Seit dem 16. Jahrhundert bezeichnete man dann Sonderlinge oder Außenseiter als (komische) Käuze oder einfach als kauzig.

Urheber der gellenden »kuwitt«-Rufe ist der Waldkauz (Strix aluco). Auch das tiefe, von vielen als unheimlich empfundene »hu-hu hu«, das besonders in Frühlingsnächten zu hören ist, geht auf ihn zurück. Die häufigste Eule unserer Breiten nistet in Baumhöhlen, verlassenen Vogelnestern und sogar in Fuchsbauten. Waldkäuze gehen ausschließlich nachts auf die Jagd: Mäuse und Vögel sind ihre bevorzugten Beutetiere, aber auch Frösche, Insekten und Schnecken werden nicht verschmäht. Lässt sich ein Waldkauz am Tag blicken, wird er von den Waldvögeln sofort angegriffen – sie »hassen auf ihn«, wie dieses Verhalten in der Fachsprache genannt wird.

Jagen alle Käuze nachts?

Nein, der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) ist am Tag aktiv. Mit einer Größe von knapp 16 Zentimetern ist er der Zwerg unter den heimischen Eulen. Seine Heimat sind ruhige Bergwälder in den Alpen, den Karpaten, in Skandinavien und Osteuropa. Zum Nahrungsspektrum des Kauzes gehören neben Mäusen und Insekten auch Kleinvögel. Ahmt man seinen Ruf nach, kann man prüfen, ob es in der Region Sperlingskäuze gibt: Geraten die Vögel in Aufruhr, so befindet man sich mit Sicherheit in einem Sperlingskauzrevier. Mit etwas Glück lässt sich sogar der Revierbesitzer selbst sehen.

Übrigens: Auch andere Eulen jagen tagsüber, vor allem im Norden lebende Arten wie Sperbereule (Surnia ulula) und Schneeeule (Nyctea scandiaca).

Lebt die Schneeeule im Schnee?

Ja. Die Schneeeule ist mit ihrem überwiegend weißen, mitunter schwach gebänderten Gefieder perfekt an ihren arktischen Lebensraum angepasst. Schneeeulen sind recht groß, sie können eine Körperlänge von 50 bis 68 Zentimetern und eine Flügelspannweite von 1,50 bis 1,70 Metern erreichen. Zu ihren bevorzugten Beutetieren gehören neben Schneehühnern und Enten auch kleine Säugetiere, vor allem Lemminge. Von ihrem Bestand hängt sogar die Größe der Schneeeulenpopulation in einem Gebiet ab: Gibt es viele Lemminge, legen auch die Eulen viele Eier und ziehen entsprechend viele Nachkommen auf. Sind nur wenig Beutetiere vorhanden, verzichten die Vögel oft ganz auf die Brut. Wird im Winter die Nahrung knapp, wandern die Schneeeulen in südlichere Regionen ab.

Weshalb wurden einst Schleiereulen an Scheunentore genagelt?

Weil die Schleiereule (Tyto alba) damals als Hexen- und Teufelsvogel galt, der Feuer, Blitzschlag und Tod verkündet; die toten Vögel sollten davor schützen und zudem das Hausgeflügel vor dem Zugriff des Habichts bewahren.

Die beeindruckenden Vögel mit dem eleganten graubraunen, am Bauch weißen, wie mit Perlen übersäten Gefieder und dem unverwechselbaren herzförmigen Gesichtsschleier werden nur etwa taubengroß und rund 330 Gramm schwer. In Mitteleuropa haben sie sich eng an den Menschen angeschlossen und sind häufig in der Nähe von Siedlungen anzutreffen. Sie brüten am liebsten ungestört in dunklen Nischen, die jedoch einen freien Anflug ermöglichen, beispielsweise in Kirchtürmen, Scheunen, Taubenschlägen, oder sogar auf Dachböden; künstliche Nisthilfen akzeptieren sie gerne.

Trotz des früher verbreiteten Aberglaubens sind die am liebsten in offenem Gelände jagenden Schleiereulen äußerst nützlich: Zu ihren Beutetieren gehören Kleinsäuger wie Ratten sowie Feld-, Wühl- und Spitzmäuse. Manchmal fressen sie sogar Fledermäuse, die sie im Flug fangen.

Sie bleiben zwar in der Regel auch im Winter im Brutgebiet; strenge Winter mit viel Schnee setzen ihnen jedoch sehr zu, denn sie können nur bei einer Schneedecke von weniger als acht Zentimetern die darunter befindlichen Mäuse aufspüren. In schlechten Mäusejahren, wenn das Nahrungsangebot gering ist, geht ihre Zahl dann auch regelmäßig zurück.

Gibt es unterirdisch lebende Eulen?

Ja, die Kanincheneule (Speotyto cunicularia), die vom Südwesten Kanadas bis in den Südosten von Südamerika heimisch ist. Äußerlich ähneln die etwa 18 bis 26 Zentimeter großen Vögel dem Steinkauz, haben aber deutlich längere Beine als dieser und keine Federohren; ein typisches Merkmal sind auch ihre weißen Augenbrauen. Ihren Namen verdankt die Kanincheneule der Tatsache, dass sie meist in unterirdischen Röhren brütet, die von Präriehunden oder Kaninchen angelegt wurden. Droht Gefahr, zieht sie sich in ihre Höhle zurück und ahmt als Abschreckung – offenbar recht erfolgreich – das Geräusch der Klapperschlange nach.

Wussten Sie, dass …

Eulen Gewölle produzieren? Da sie die Beute meist unzerteilt hinunterwürgen, müssen sie unverdauliche Teile wie Knochen, Schuppen, Federn und Haare wieder auswürgen.

Wussten Sie, dass …

der Waldkauz (Strix aluco) von allen Vögeln die besten Ohren hat? Er kann seine Beute aus 100 Metern Entfernung auf einen Grad genau orten.

Eulen die einzigen Vögel sind, deren Nachwuchs blind zur Welt kommt? Die Jungen können erst nach vier bis sechs Tagen sehen.

Eulen ihren Kopf weit nach hinten drehen können? Eine äußerst bewegliche Halswirbelsäule erlaubt Drehungen um bis zu 270°.

Welchen Lebensraum braucht der Steinkauz?

Steinkäuze (Athene noctua), die zu unseren kleinsten heimischen Eulen gehören, bewohnen gerne Streuobstwiesen. Mit ihrem Rückgang verschwand einer seiner bevorzugten Lebensräume, so dass er inzwischen in Mitteleuropa selten geworden ist und als stark gefährdete Art gilt. Steinkäuze sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Auf ihrem Speisezettel stehen vorwiegend größere Insekten, Raupen und Regenwürmer, aber auch Kleinsäuger und Vögel. Bei Erregung zeigt der Steinkauz ein typisches Knicksen und pendelt mit dem Körper hin und her.

Tauben: In unterschiedlichen Lebensräumen

Leben Tauben nur in Städten?

Nein. Die heimische Hohltaube (Columba oenas) ist auch heute noch in lichten Wäldern, alten Parks, Obstgärten und felsigen Gegenden zu Hause – den ursprünglichen Lebensräumen der Tauben. Hohltauben brüten in Baumhöhlen und ernähren sich von Samen und Früchten, die sie unter anderem auf Feldern suchen.

Vollkommen an ein Leben in der Nähe des Menschen hat sich dagegen die Ringeltaube (Columba palumbus) angepasst. Mit einem Gewicht von bis zu 500 Gramm und einer Länge von 40 Zentimetern ist sie die größte und auch die häufigste Taube in Europa. An ihrem schieferblauen Gefieder, dem weißen Nackenfleck und dem weißen Band auf der Flügeloberseite ist sie leicht zu erkennen. Da Ringeltauben mit Vorliebe Früchte, Getreidekörner, Beeren und frische Blätter fressen, können sie in Obst- und Gemüseanbaugebieten erhebliche Schäden anrichten.

Gibt es die Türkentaube nur in der Türkei?

Nein, es ist ihr gelungen, innerhalb eines Menschenalters fast ganz Europa zu erobern. Der Siegeszug der Türkentaube (Streptopelia decaocto), die ursprünglich in Indien und China zu Hause ist, begann 1912, als sie in Serbien auftauchte. 1946 brütete sie bereits in Deutschland, 1955 erreichte sie England und 1964 Island. Türkentauben, deren sandfarbenes bis graubraunes Gefieder im Nacken von dem charakteristischen schwarzen, halbmondförmigen Band geziert wird, sind fast ausschließlich in Dörfern und Städten zu finden. Oft suchen sie mit Stadttauben zusammen in Straßen und auf Plätzen nach Samen, Früchten und fressbaren Abfällen.

Sind Turteltauben verliebt?

Nein, »turteln wie die Tauben« tun sicherlich nur menschliche Liebespaare. Dennoch hat diese Redewendung eine Verbindung mit der Turteltaube (Streptopelia turtur), denn sie geht auf ihr wie »turr, turr« klingendes Gurren zurück. Dieser Ruf, der nur von den Männchen abgegeben wird, hat zwei Funktionen: Zum einen wird damit das Revier markiert und den Rivalen bedeutet, dass sie hier nichts zu suchen haben. Zum anderen aber soll dieser von den Artgenossen offenbar als Zeichen der Stärke interpretierte Laut paarungswillige Weibchen anlocken – die ihrerseits auf der Suche nach möglichst potenten »Samenspendern« sind.

Übrigens: Turteltauben sind lebhafter gefärbt als ihre Verwandten. Neben einem grauen Kopf und einem braunen Rücken verfügen sie über einen auffälligen Halsfleck aus schwarzweißen Streifen und schwarze, rostrot gesäumte Federn auf den Schultern und Flügeldecken. In unseren Breiten sind Turteltauben nur in warmen Gegenden heimisch; den Winter verbringen sie in Afrika. Als Lebensraum bevorzugen sie Parklandschaften in Wassernähe. Ihre Hauptnahrung sind Sämereien aller Art, die sie zum Leidwesen der Bauern auch auf frisch eingesäten Getreidefeldern suchen.

Welche Taube ist das »Rennpferd des kleinen Mannes«?

Die Brief- oder Reisetaube. Die Beschäftigung mit ihr hat eine lange Tradition. Erste Überlieferungen von der Taube als Nachrichtenbotin stammen von etwa 2600 v. Chr. aus dem alten Ägypten. In Deutschland war die Brieftaubenhaltung vor allem bei den Bergleuten im Ruhrgebiet ein beliebtes Hobby. Auch heute noch werden die »Rennpferde des kleinen Mannes« zu Wettflügen auf die Reise geschickt. Bei günstigen Wetterverhältnissen können sie 1000 Kilometer pro Tag ohne Unterbrechung zurücklegen. Dabei erzielen sie Reisegeschwindigkeiten von 50–60 und Höchstgeschwindigkeiten von 100–120 km/h.

Erreicht werden diese Leistungen durch »psychische Motivation«, d. h., die Vögel werden von ihrem Partner oder ihren Küken getrennt, zu denen sie so schnell wie möglich zurückzukehren versuchen. Dabei offenbaren sie ein ausgezeichnetes Heimfindevermögen. Bis heute weiß man nicht genau, woran sie sich orientieren; ohne Zweifel spielt der Sonnenstand eine entscheidende Rolle, möglicherweise aber auch Gerüche und das Erdmagnetfeld.

Übrigens: Ursprünglich wurden Tauben wohl als Fleischlieferanten und wegen ihres Dungs gehalten, der einen wertvollen Dünger abgab. Auch heute werden noch Masttauben gezüchtet, die ein Gewicht von bis zu 900 Gramm erreichen können. Das Fleisch von Jungtauben ist sehr zart und hat ein feines, kräftiges Aroma.

Wie versorgen Flughühner ihre Jungen mit Wasser?

Mithilfe ihres saugfähigen Gefieders. Alle Flughühner ernähren sich von Samen und sind daher gezwungen, regelmäßig zu trinken. Da die Wasserstellen oft weit von den Brutplätzen entfernt sind, haben sie sich zu hervorragenden Langstreckenfliegern entwickelt. Meist sammeln sich die Vögel vor dem Start in lärmenden Schwärmen. Damit sie trotz ihrer kurzen Beine an das begehrte Nass herankommen können, müssen die Ufer der Wasserstellen flach sein.

Dort stillen die erwachsenen Tiere aber nicht nur ihren eigenen Durst, sondern nehmen auch Wasser auf, um die Jungen zu versorgen. Dazu waten die männlichen Vögel bis zum Bauch ins Wasser, kauern sich nieder und schaukeln ihren Körper hin und her, wobei sich das besonders fein strukturierte Bauchgefieder mit bis zu 40 Gramm Wasser vollsaugt. Auch nach einem langen Rückflug in großer Hitze enthalten die Federn noch genug Wasser, um die Jungen ausreichend zu tränken. Dazu stecken die Küken ihren Schnabel tief in das väterliche Gefieder und saugen die lebenswichtige Feuchtigkeit mit melkenden Bewegungen aus.

Sollte man Stadttauben füttern?

Eher nicht, obwohl das Füttern der zutraulichen Vögel nicht der alleinige Grund ist für die massenhafte Ausbreitung. Denn Stadttauben können sich auch deshalb so ungehemmt vermehren, weil in diesem »künstlichen« Lebensraum ihre natürlichen Feinde, vor allem Greifvögel, weitgehend fehlen. Dass viele Menschen die »Ratten der Lüfte« inzwischen als Plage empfinden, hat durchaus seine Berechtigung. Ihre Hinterlassenschaften verschmutzen nicht nur Bürgersteige und Häuser, sondern können auch die für Menschen gefährliche Papageienkrankheit übertragen. Außerdem richtet der ätzend scharfe Taubenkot große Schäden an Gebäuden an. Die Beseitigung dieser Schäden verschlingt Unsummen.

Wussten Sie, dass …

Tauben unter den Vögeln eine einzigartige Trinktechnik haben? Sie saugen nämlich das Wasser einfach auf.

die Wandertaube (Ectopistes migratorius) vom Menschen planmäßig ausgerottet wurde? Die Letzte ihrer Art starb 1914 im Zoo von Cincinnati.

Segler und Kolibris: Hervorragende Flieger

Weshalb nennt man Kolibris auch »fliegende Edelsteine«?

Weil ihr Gefieder in allen Regenbogenfarben zu schillern beginnt, wenn das Licht in einem bestimmten Einfallswinkel darauf fällt. Obwohl die Kolibris wegen dieser leuchtenden Schillerfarben berühmt sind, sind ihre Federn eigentlich grau. Das Geheimnis ihres »Schillerns« liegt in der Feinstruktur der Federn begründet. Lufteinschlüsse in der unterschiedlich dicken Hornmasse der Federstrahlen führen dazu, dass das Licht an der Ober- und Unterseite der Federn unterschiedlich stark gebrochen und so in die verschiedensten Farbtöne zerlegt wird. Die Farbe beruht also nicht – wie bei den meisten anderen Vögeln – auf eingelagerten Pigmenten, sondern auf dem physikalischen Phänomen der Lichtbrechung.

Manche Arten haben sich zusätzlich einen auffallenden Federschmuck zugelegt: Die Schmuckelfe (Lophornis ornata) beispielsweise trägt eine kurze, orangefarbene Federhaube auf dem Kopf und einen rostroten, mit schwarzen Tropfenflecken gemusterten Wangenfächer. Mit besonders langen Schwanzfedern von zehn Zentimetern wartet dagegen die Schleppensylphe (Sappho sparganura) auf, die noch vom Schwalbenkolibri (Cyanolesbia kingi) mit 16 Zentimetern übertroffen wird.

Wie funktioniert die Flugtechnik von Kolibris?

Für ihre spezielle Flugtechnik, den sog. Schwirrflug, bewegen Kolibris ihre relativ kurzen Flügel in rascher Abfolge vorwärts und rückwärts, wobei die Flügelspitzen im Raum eine liegende Acht beschreiben. Auf diese Weise können sie vor einer Blüte »stehen«. Da sich bei Kolibris das Gelenk zwischen Ober- und Unterarm, das unserem Ellenbogen entspricht, sehr nah am Körper befindet, haben die Flügel größtmögliche Flexibilität und Hebelwirkung. Indem die Vögel den Anstellwinkel ihrer Flügel ändern und dabei gleichzeitig Steuerbewegungen mit ihren Schwanzfedern ausführen, können sie sogar rückwärts oder auf dem Rücken fliegen – ähnlich wie ein Hubschrauber.

Ist dieser Schwirrflug anstrengend?

Ja, das ist er. Der Energiebedarf der Vögel ist deshalb zwangsläufig sehr hoch – mit Folgen für ihre Lebensweise: Kolibris sind fast ständig mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt; manche Arten benötigen täglich das Doppelte ihres eigenen Gewichts. Sie ernähren sich jedoch nicht ausschließlich von Blütennektar, sondern fressen auch Insekten. Ihren Flüssigkeitsbedarf decken sie zusätzlich mit Wasser. Wird die Energiezufuhr unterbrochen, etwa während der Nachtstunden, verfallen Kolibris in eine Art Kältestarre, die sich unter den wärmenden Strahlen der Morgensonne wieder löst. Ein relativ großes Herz, das bis zu 1260-mal in der Minute schlägt, ein großes Lungenvolumen und viele rote Blutkörperchen stellen sicher, dass der Stoffwechsel der quirligen Vögel mit genügend Sauerstoff versorgt wird, um die Kraft raubende Lebensweise durchzuhalten.

Wie entstanden die Schnabelformen der Kolibris?

Durch Anpassung an die Nahrungspflanzen. In einem seit unzähligen Generationen andauernden Prozess der Koevolution haben sich die Blüten, die den Nektar bereithalten, und die Schnabelformen so aufeinander zu entwickelt, dass sie wie Schlüssel und Schloss zusammenpassen. Jeder Kolibri kann sich deshalb nur von den Blüten ernähren, an die sein Schnabel in Form und Größe – meist lang und gebogen – optimal angepasst ist. So besetzt jede Art ihre eigene ökologische Nische, und auf diese Weise beobachtet man statt eines Konkurrenzkampfes ein faszinierendes Nebeneinander hunderter verschiedener Kolibriarten und der von ihnen bestäubten Blütenpflanzen. Zum Nachteil für die Vögel wird diese Abhängigkeit allerdings, wenn die betreffende Pflanzenart verschwindet – dann ist auch die Kolibriart vom Aussterben bedroht.

Kolibris in Alaska – ist das möglich?

Ja, der Fuchskolibri hat sich Alaska als Brutgebiet ausgesucht. Deshalb ist er wie andere Arten der gemäßigten und kalten Zonen Süd- und Nordamerikas gezwungen, dem dort sehr harten Winter durch Abwandern auszuweichen. Sobald es kühler wird, macht er sich deshalb auf und fliegt 3600 Kilometer weit ins Winterquartier nach Mexiko – eine beispiellose Leistung für diesen etwa daumengroßen, nur rund drei Gramm leichten Winzling!

Ein ähnlicher Überlebenskünstler ist der Andenkolibri (Oreotrochilus estella), der in Höhen von über 4000 Metern zu finden ist. Dort wächst seine Hauptnahrungsquelle, der buschige Korbblütler Chuquiragua insignis. Im Unterschied zu Arten, die in wärmeren Gegenden heimisch sind, nimmt er seine Nahrung im Sitzen auf. Ruht er länger, sinkt seine Körpertemperatur, damit er noch mehr Energie sparen kann.

Übrigens: Kolibris sind nur in der Neuen Welt zu Hause, wo sie mit 328 Arten die zweitgrößte Vogelfamilie des Kontinents darstellen. Man findet sie vom Süden Alaskas bis nach Feuerland, in heißen und kalten Wüstengebieten genauso wie in den tropischen Regenwäldern am Amazonas; nur ein gutes Dutzend Arten lebt in Nordamerika nördlich von Mexiko.

Tragen die Seglervögel ihren Namen zu Recht?

Nein, denn sie nutzen beim Fliegen nicht die Aufwinde (wie dies beispielsweise die Greifvögel tun), segeln also nicht. Die pfeilschnellen Dauerflieger sind perfekt an ein Leben im Flug angepasst. Ein stromlinienförmiger Körperbau, sichelförmige Flügel, die von besonders kräftigen Flugmuskeln bewegt werden, stark vergrößerte Handflügel und sehr fest gefügte Schwingen ermöglichen es den Vögeln, Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde zu erreichen.

Zu den schnellsten gehören die Stachelschwanzsegler. Ihren Namen verdanken sie den starren, stachelspitzen Schwanzfedern, die ihnen als Stütze dienen, wenn sie sich zum Ausruhen an senkrechte Felswände anhängen – sie können sich nämlich mit ihren kurzen Füßen nicht mehr auf Ästen halten.

Übrigens: Diese Schnelligkeit hat den Halsbandseglern (Streptoprocne zonaris) in Brasilien den Spitznamen »Raketen« eingebracht.

Wofür sind Segler unter Feinschmeckern bekannt?

Für die Schwalbennestersuppe, deren wichtigste Zutat einige Arten der Stachelschwanzsegler liefern. Besonders begehrt sind die tassenförmigen Nester der Tafelsalanganen (Collocalia francica), die nur aus dem erhärteten Speichel der Vögel bestehen. Glanzsalanganen (Collocalia esculenta) und Bergsalanganen (Collocalia brevirostris) nutzen hingegen als Nistmaterial auch Pflanzenteile oder Federn, welche die Nester für Sammler weitgehend wertlos machen.

In den Höhlen des Archipels von Phaangha im Südosten Thailands werden zwischen März und August die napfförmigen, weißen Nester, welche die Vögel aus ihrem zähen, klebrigen, schnell härtenden Speichel anfertigen, eingesammelt. Auf primitiven, schwankenden Bambusleitern unternehmen die Einheimischen halsbrecherische Kletterpartien, um die Schwalbennester mithilfe einer dreizackigen Gabel zu ernten. Obwohl die Nistjäger ihrem Geschäft nur mit einer von der Regierung vergebenen Konzession nachgehen dürfen, scheint der Raubbau nicht verhindert werden zu können. Denn mit dem »weißen Gold Südostasiens« lassen sich im Jahr 5000 bis 6000 Euro verdienen.

Was kennzeichnet Mauersegler?

Vorderhand zeichnen sich Mauersegler (Apus apus) dadurch aus, dass sich ihr Leben weitgehend in der Luft abspielt. Im Sommer, wenn sie aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurückgekehrt sind, kann man die wendigen Flieger auch bei uns in kleinen Trupps über die Dächer jagen sehen; mit ihren charakteristischen schrillen Schreien erfüllen sie die Luft. Von allen Vogelarten sind sie am perfektesten an diesen Lebensraum angepasst: Vor allem bei schönem Wetter schlafen sie sogar im Fliegen, außerdem paaren sie sich in der Luft. Lediglich für die Aufzucht ihres Nachwuchses suchen sie festen Untergrund auf. Viele halten die rußschwarzen Vögel mit dem weißen Kehlfleck für Schwalben, von denen sie sich aber durch die langen, sichelförmigen Flügel deutlich unterscheiden. Die extrem kurzen Beine münden in kräftige Klammerfüße, mit deren Hilfe sich Mauersegler an den meist senkrechten Wänden ihrer in Mauernischen, aber auch in Felsspalten und Baumhöhlen gelegenen Nistplätze festklammern können.

Übrigens: Neben dem Mauersegler ist in unseren Breiten, wenn auch selten, von Ende März bis Mitte Oktober noch der Alpensegler (Apus melba) anzutreffen. Er brütet vorrangig in Gebirgsgegenden und scheint gegenüber Standort und Partner sehr treu zu sein: In der Schweiz wurde ein Männchen beobachtet, das 17 Jahre lang das gleiche Nest aufsuchte, elf davon mit der gleichen Partnerin.

Wann wird die Ernährung für Mauersegler zum Problem?

Wenn nasskaltes und windiges Wetter die Insekten am Fliegen hindert, denn Mauersegler ernähren sich ausschließlich von Insekten, die sie im Flug fangen. Bleibt diese Nahrungsquelle aus, so ist nicht nur ihre Ernährung, sondern auch die ihrer Jungen gefährdet: Altvögel versorgen dann ihren Nachwuchs oft tagelang nicht mit Futter, da sie dem schlechten Wetter durch sog. Wetterflüge zu entfliehen versuchen oder im Nest auf Besserung warten, wobei sie bis zu vier Hungertage überstehen können.

Die Jungen vermögen für eine gewisse Zeit die widrigen Verhältnisse im Hungerschlaf auszuhalten: Bei auf ein Minimum herabgesenkter Körpertemperatur und Atemfrequenz können sie etwa eine Woche ohne Nahrung auskommen, sie verbrennen in dieser Zeit Körperfett und Muskelmasse. Sinkt ihr Körpergewicht jedoch unter 20 Gramm, kommt meist jede Hilfe zu spät. Anhaltend kalte und regnerische Perioden fordern immer wieder einen hohen Tribut unter den Vögeln. Schon in den ersten Augusttagen verlassen sie ihre Brutgebiete und fliegen in den Süden.

Haben alle Kolibris lange Schnäbel?

Nein. Während die meisten Kolibris mit mittellangen Schnäbeln ausgestattet sind, kann der des Schwertschnabelkolibris (Ensifera ensifera) bis zu zwölf Zentimeter lang werden, andere sind mit fünf bis acht Millimetern sehr kurz. Auch die Schnabelformen variieren stark: Manche sind gerade, andere nach unten oder nach oben gebogen. Die Schnabelspitze des Zahnschnabelkolibris (Androdon aquatorialis) ist sogar mit feinen, rückwärts gerichteten Zähnchen besetzt, die Insekten besonders gut festhalten können.

Die Zunge ist oft doppelt so lang wie der Schnabel, kann weit herausgestreckt werden und besitzt eine gegabelte Spitze, die wie eine Doppelröhre geformt ist. Der Nektar wird zunächst durch Kapillarwirkung in den Vorderteil der Zunge gesogen und dann durch Pressen der Zunge gegen die Schnabelinnenwand in Richtung Schlund befördert. Dieser Vorgang kann sich innerhalb einer Sekunde mehrfach wiederholen, so dass eine Blüte in kurzer Zeit leer gesaugt werden kann.

Wussten Sie, dass …

der kleinste Kolibri gerade einmal zwei Gramm wiegt? Es ist die Bienenelfe (Mellisuga helinae), deren Männchen nur sechs Zentimeter lang werden, wobei die Hälfte ihrer Länge auf Schwanz und Schnabel entfällt.

der Rubinkehlkolibri (Archilochus colubris) 26 Stunden ohne Pause fliegt? Auf seinem Flug von der Ostküste der USA, wo er brütet, in das mexikanische Winterquartier überquert er den Golf von Mexiko.

Wussten Sie, dass …

Mauersegler jedes Jahr zwischen Brutplatz und Überwinterungsgebiet etwa 190 000 Kilometer zurücklegen?

Welche Vögel kleben ihr Ei im Nest fest?

Die Baumsegler, die zusammen mit Seglern und Kolibris die Ordnung der Seglerartigen (Apodiformes) bilden. Ihr Nest ist im Verhältnis zur Körpergröße der Vögel das kleinste aller Vogelnester: ein winziger, aus Rindenstückchen und Federn zusammengeklebter »Löffel«, der an einen Ast geleimt wird und nur einem einzigen Ei, das zur Sicherheit ebenfalls festgeklebt wird, Platz bietet.

Übrigens: Baumsegler sind keine so ausgeprägten Dauerflieger wie die Segler. Aber auch sie ernähren sich von Insekten, die sie im Flug fangen. Sie leben auf Bäumen und können somit – anders als die Segler – auch auf Ästen sitzen. Eines ihrer Kennzeichen ist der tief eingeschnittene, gabelförmige Schwanz.

Rackenvögel: Große Schnäbel und buntes Gefieder

Weshalb werden Eisvögel immer seltener?

Dafür sind mehrere Umstände verantwortlich: Erstens rücken ihnen Fischzüchter und Freizeitsportler zunehmend zu Leibe, zweitens werden immer mehr Steilufer befestigt, so dass dem Vogel der Brutplatz genommen wird, und drittens machen ihm strenge Winter, in denen er keine Nahrung mehr findet, zu schaffen. Eisvögel zählen deshalb in Deutschland zu den gefährdeten Arten – und auch zu den schönsten, die die Vogelwelt zu bieten hat. Denn das Gefieder der nur 15 bis 17 cm großen und 35 bis 55 g schweren Vögel ist sehr farbenprächtig: Je nach Lichteinfall schimmern Brust und Bauch rötlichbraun bis orange, Flügel und Rücken dagegen kobaltblau bis türkis.

Wie lebt unser einheimischer Eisvogel?

Der bei uns anzutreffende Eisvogel (Alcedo atthis), der zugleich der einzige Vertreter der Eisvogel-Familie in Europa ist, besiedelt kleine Flüsse und Bäche, Teiche und Seen, wo er genügend Fische findet, die er im Stoßtauchen erbeutet. Dabei stürzt er sich aus bis zu elf Metern Höhe von seiner Sitzwarte, etwa einem überhängenden Ast, bis zu 60 Zentimeter tief ins Wasser, wobei der Tauchvorgang nur etwa eine Sekunde dauert. Mit seiner Beute kehrt der Vogel auf seinen Ansitz zurück, schlägt sie mehrmals gegen den Ast und verschlingt sie dann mit dem Kopf voran. Als Brutplatz benötigen Eisvögel Steilufer oder Böschungen an Gewässern. Unter Zuhilfenahme von Schwanz und Schnabel graben sie eine leicht ansteigende Bruthöhle, in die das Weibchen meist sieben Eier legt.

Welcher Vogel glänzt mit besonders schönem blauem Gefieder?

Die Blauracke (Coracias garrulus), die hierzulande leider sehr selten geworden ist. Noch bis 1890 brütete sie in der Nähe von Nürnberg und scheint einmal recht häufig gewesen zu sein. Von Albrecht Dürer ist beispielsweise die Studie eines Blaurackenflügels bekannt, die 1525 entstanden ist. Wahrscheinlich hat er einen Vogel auf dem Markt erworben, denn Blauracken galten zu seiner Zeit als Leckerbissen.

Blauracken, die auch als Blauhäher, Blaukrähe oder Mandelkrähe bekannt sind, werden etwa 30 Zentimeter groß und haben einen Schnabel, der länger als ihr Schädel ist und in einer leicht gekrümmten Spitze ausläuft. Namengebend ist ihr glänzend türkisfarbenes Gefieder; Schultern und Rücken sind allerdings kastanienbraun.

Übrigens: Ihre Nahrung besteht aus Käfern, Insekten, Regenwürmern und kleineren Wirbeltieren, außerdem fressen sie auf dem Zug ins Winterquartier Beeren. In Europa brüten Blauracken meist in ehemaligen Spechthöhlen, in Asien und Nordafrika in selbst gegrabenen Erdhöhlen. Blauracken sind Zugvögel, die den Winter in Zentralafrika verbringen. Die Jungtiere bleiben während der ersten Lebensjahre in Afrika, bevor sie die Altvögel in die Sommerquartiere begleiten.

Wer heißt im Volksmund auch Stinkhahn?

Mit diesem wenig schmeichelhaften Namen hat man den Wiedehopf (Upupa epops) belegt. Wie so oft, steckt auch hier ein Körnchen Wahrheit dahinter. Denn die Nestlinge imprägnieren sich mit einem kräftig nach Moschusöl riechenden Sekret aus ihrer Bürzeldrüse gegen mögliche Nesträuber und spritzen ihnen – sollten sie ihnen trotzdem näherkommen – ihren dünnflüssigen Kot entgegen. Seinen lateinischen Namen verdankt der Wiedehopf dagegen dem Balzruf des Männchens.

Mit seinem rötlichen bis zimtbraunen Gefieder und den schwarzweiß gezeichneten Flügeln ist der Wiedehopf unverkennbar. Sein auffälligstes Kennzeichen ist jedoch die lange, aufrichtbare Federhaube mit den schwarzen Spitzen. Der etwa amselgroße Vogel hat einen langen, dünnen Sichelschnabel, mit dem er im Boden nach Maden, Engerlingen, Käfern und Maulwurfsgrillen stochert. Da seine Zunge zu kurz ist, um die Beute in den Schlund zu befördern, wirft er die erbeuteten Tiere in die Luft und fängt sie mit weit geöffnetem Schnabel auf.

Übrigens: Die nur langsam fliegenden Wiedehopfe bevorzugen als Lebensraum offene Landschaften wie Viehweiden, lichte Auwälder, Parks und Obstwiesen in warmen Gegenden. In Deutschland ist der Wiedehopf mittlerweile sehr selten geworden und teilweise sogar vom Aussterben bedroht.

Welche Vögel mauern sich zum Brüten ein?

Die in den Tropen Asiens und Afrikas heimischen Nashornvögel (Familie Bucerotidae), die in Baumhöhlen nisten. Beginnt das Weibchen zu brüten, verschließt es von innen den Höhleneingang, indem es ihn mit einem Gemisch aus Erde, Kot, Gewöllresten und Pflanzenteilen zumauert, die das Männchen heranschafft. Damit ist das Gelege perfekt vor Räubern wie Affen und Schlangen geschützt. Es bleibt nur ein Loch oder ein schmaler Spalt, durch den das Weibchen und später die Jungvögel vom Männchen mit Futter versorgt werden. Die Brutzeit nutzt das Weibchen zum Gefiederwechsel – es mausert sich; während dieser Zeit ist es flugunfähig. Bei manchen Arten verbringen die weiblichen Vögel drei bis vier Monate in ihrem »Gefängnis«, das sie erst mit den flüggen Jungen wieder verlassen.

Übrigens: Allen Nashornvögeln gemeinsam ist ein auffallend großer, gebogener Schnabel, der von einem sonderbaren Helm oder hornähnlichen Aufsatz gekrönt wird, der außer beim Schildhornvogel (Buceros vigil) bei allen anderen Arten hohl ist; Schnabel und Horn sind meist bunt gefärbt. Weitere charakteristische Merkmale der Vogelfamilie sind ein lang gestreckter Körper, ein langer Hals, kurze, breite Flügel und kurze Beine sowie ein oft außergewöhnlich langer Schwanz.

Wie kam der Eisvogel zu seinem Namen?

Die deutsche Bezeichnung »Eisvogel« könnte davon herrühren, dass die Vögel mit ihrem schillernden Gefieder besonders im Winter eine auffällige Erscheinung sind. Poetischer ist die griechische Sage vom Ursprung des Eisvogels: Alkyone, eine Tochter des Windgottes Aiolos, ist die Gattin des Königs Keyx. Als Keyx während einer Seereise ertrinkt, stürzt sie sich aus Verzweiflung ebenfalls in die Fluten. Von ihrer Liebe und Treue beeindruckt, verwandeln die Götter sie und ihren toten Gatten in Eisvögel, in deren angeblicher Brutzeit im Winter Aiolos die Winde schweigen lässt. Aus dem griechischen Namen des Eisvogels »halycon«, was »der auf dem Meer Brütende« bedeutet, wurde später das lateinische »alcedo« abgeleitet, das auch der wissenschaftliche Gattungsname ist.

Wussten Sie, dass …

der zu den Nashornvögeln gehörende und auf Borneo und Sumatra heimische Helmvogel oder Schildhornvogel (Rhinoplax vigil) wegen seines massiven Hornaufsatzes bejagt wird? In China ist das sog. Vogelelfenbein für Schnitzereien, aber auch zur Herstellung von Medizin und Liebeszauber begehrt.

der Eisvogel ein fleißiger Fischfänger ist? Während der Jungenaufzucht bringt er es täglich auf bis zu 200 Tauchgänge.

der Helmvogel den schwersten Schädel aller Vögel hat? Er kann ein Gewicht von bis zu 350 Gramm erreichen.

Hühner, Gänse, Enten: Dem Menschen eng verbunden

Woher kamen die Ahnen des Haushuhns ursprünglich?

Aus Asien, denn die Stammform unseres bekanntesten Eier- und Fleischlieferanten ist das Bankivahuhn (Gallus gallus), eine in Hinterindien und Malaysia heimische Wildform. Die Wildhennen sind dunkelbraun gefärbt und tragen am Hals ockerfarbene Deckfedern. Sie besitzen weder einen sichtbaren Kamm noch Kehllappen. Die wesentlich größeren Hähne schmücken sich mit langen, schmalen Halsfedern und schwarz schillernden Schwanzfedern – allerdings nur, wenn sie in Hochzeitsstimmung sind. Im Sommer werfen sie die Schmuckfedern ab und legen sich ein schlichtes Ruhekleid zu. Unsere Haushähne tragen das bunte Hochzeitskleid dagegen ständig. Bereits um 2500 v. Chr. wurde das Bankivahuhn in Indien domestiziert. Unter den heute etwa 150 bekannten Zuchtformen des Haushuhns finden sich nicht nur Rassen, die besonders gute Fleisch- und Eierlieferanten sind, sondern auch absonderliche Schmuckformen: ohne Schwanz (Klutthuhn), mit befiederten Füßen (Federfüßige Zwerghühner), meterlangen Schwanzfedern (Phoenix) oder Federbärten (Russische Orloff).

Werden unsere Haushühner artgerecht gehalten?

Das Leben der meisten heutigen Haushühner ist gewöhnlich kein Zuckerschlecken: Nur wenige Tiere werden bislang artgerecht im Freien gehalten, wo sie – ihrem natürlichen Verhalten entsprechend – nach Futter scharren, Staub- und Sandbäder nehmen und eine feste Hackordnung ausbilden können. Stattdessen produzieren, in fensterlosen Ställen oder in engen Legebatterien eingepfercht, über 40 Millionen Legehennen in Deutschland jährlich rund zehn Milliarden Eier.

Welcher Hühnervogel wiegt elf Kilogramm?

Das in der Neuen Welt heimische Truthuhn (Familie Meleagrididae). Es wird landläufig nicht zu den Schönheiten seiner Zunft gerechnet: Kopf und Hals sind nackt und von einer rotbläulichen Färbung, die Haut ist rau und mit Warzen bedeckt, von der Stirn hängt ein weicher, fleischiger Hautlappen über den Schnabel. Doch das dunkle Gefieder schimmert metallisch grün, golden und kupfern.

Truthühner sind Bodenvögel und ziehen sich nur zum Schlafen auf Bäume zurück. Neben Pflanzen fressen sie auch Insekten, Spinnen und besonders gerne Heuschrecken. Das Wildtruthuhn (Meleagris gallopavo) ist in 21 US-Staaten zu finden. Die Indianer hielten es bereits vor 1000 Jahren als Haustier und es wird auch heute noch wegen seines Fleisches geschätzt. Benjamin Franklin schlug den Truthahn übrigens als amerikanischen Wappenvogel vor, doch die Wahl fiel – wie bekannt – auf den repräsentativen Weißkopfseeadler.

Übrigens: Das alljährliche Truthahnessen am Erntedankfest (»Thanksgiving Day«) ist eines der wichtigsten Familienfeste in den USA, ähnlich wichtig wie in Deutschland das Zusammenkommen unterm Christbaum.

Wie viele »Augen« hat ein Pfau?

Der Vogel selbst hat natürlich nur zwei Augen, doch als »Augen« werden auch die kreisrunden bunten Flecken bezeichnet, die die sog. Schleppe des Pfauenmännchens zieren. Sie besteht aus etwa 150 Federn – und aus genauso vielen Augen, denn jede dieser verlängerten Schwanzfedern trägt ein Auge. Ihr Zweck ist es nicht nur, die Weibchen zu beeindrucken, sondern auch, Fressfeinde abzuschrecken.

Sind Hühnervögel nur wegen ihres Fleisches und ihrer Eier beliebt?

Nein, die Menschen schätzen noch andere Eigenschaften dieser Vögel. Beispielsweise verwundert es angesichts der Farbenpracht der Pfauen (Pavo cristatus) nicht, dass sie auf der ganzen Welt beliebt sind, ja, sie gelten sogar als die ältesten bekannten Ziervögel. In der indischen Mythologie spielen Vögel allgemein eine große Rolle. Insbesondere wird der Pfau als Sinnbild des Gottes Krishna verehrt und gilt als Vogel des Kriegsgottes, dessen Schrei Regen bringen soll. Dass er außerdem gerne junge Kobras vertilgt und durch laute Rufe die Anwesenheit von Tigern und Leoparden anzeigt, hat sicherlich ebenfalls zu seiner großen Beliebtheit beigetragen.

Übrigens: Die ursprüngliche Heimat der Pfauen sind die Dschungelgebiete in Indien und Sri Lanka. Von Indien aus gelangten sie bereits vor rund 4000 Jahren in das Zweistromland an Euphrat und Tigris und von dort aus in die Länder am Mittelmeer.

Woher stammen die Fasane?

Fasane stammen ursprünglich aus Asien. Ihr deutscher Name leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet »der aus Phasis stammende«. Der Sage nach entdeckten die Argonauten hühnerartige Vögel am Fluss Phasis und brachten sie mit nach Hause. Bereits Griechen und Römer und später auch die Klöster und Fürstenhöfe in ganz Europa pflegten die Zucht des Jagd- oder Edelfasans (Phasianus colchicus). Ab 1100 ist die Fasanenjagd urkundlich belegt und bereits im 16. und 17. Jahrhundert mussten Schutzverordnungen erlassen werden, um den Bestand der Vögel nicht zu gefährden.

Was sind Fasanerien?

Brutstationen. Die Aufzucht der geschätzten Jagd- und Ziervögel wollte man nicht dem Zufall überlassen, und so richtete man die Fasanerien oder Fasanengärten ein. In umzäunten Waldstücken, den sog. wilden Fasanerien, leben und brüten die Vögel wie in der freien Natur. In den »zahmen Fasanengärten« übernehmen dagegen Haushühner oder Puten das Ausbrüten der Fasaneneier. Nach der Aufzucht werden die Tiere ausgewildert.

Übrigens: Weitere beliebte Ziervögel europäischer Fasanerien stammen ebenfalls aus Ostasien. Dazu zählen der Goldfasan (Chrysolophus pictus), der Silberfasan (Gennaeus nycthemerus) und der Diamantfasan (Chrysolophus amherstiae). Vor allem der Goldfasan besticht durch sein prachtvolles Gefieder. In seiner chinesischen Heimat bevorzugt er die Berghänge tiefer Täler in dichten Dschungelregionen als Lebensraum. Er fliegt nur ungern, ist aber ein guter Sprinter. Obwohl er stark bejagt wird, ist er nicht gefährdet, da sich das von ihm bewohnte unwegsame Gelände nicht für eine landwirtschaftliche Nutzung eignet. Eindrucksvoll ist übrigens auch der Balztanz der Hähne, wenn sie mit gesträubter Kopfhaube und Federkragen die Henne umspringen und dabei zischende Laute von sich geben.

Was hat das Birkhuhn mit dem Schuhplattler zu tun?

Das Balzritual, das Birkhähne im zeitigen Frühjahr auf baumlosen Moorflächen oder Waldlichtungen aufführen, gilt als Vorbild für diesen bayerischen Tanz. Bei ihren Scheinkämpfen umkreisen sich die laut kollernden Vögel mit schleifenden Flügeln und aufgefächertem Schwanz und vollführen von Zeit zu Zeit merkwürdig anmutende, von zischenden Lauten (»tschuwi, tschuwi«) begleitete Sprünge. Das erinnert tatsächlich an Schuhplattler tanzende und dabei in die Höhe springende, laut juchzende Burschen auf dem Tanzboden.

Die bis 50 Zentimeter großen und maximal 1500 Gramm schweren Hähne erkennt man an ihrem schwarzblauen Gefieder mit den großen Schwanzfedern, weißen Unterschwanzdecken und einem weißen Flügelband. Außerdem bekommen sie zur Balzzeit leuchtend rote Augenwülste, die »Rosen«. Die kleineren Hennen sind unscheinbar braunschwarz gefärbt. Waren Birkhühner bis ins 20. Jahrhundert hinein noch häufig in Bayern anzutreffen, so ist heute ihre Zahl vor allem durch die Zerstörung ihres Lebensraumes stark zurückgegangen. Gesicherte Bestände gibt es noch in den Alpen sowie im Naturschutzgebiet Lange Rhön.

Wie wirbt ein Auerhahn um die Gunst der Hennen?

Mit außergewöhnlichen Lautäußerungen: Zunächst erzeugt er klackende Geräusche, das Knappen oder Klippen. Darauf folgt ein Ton, der sich anhört, als würde eine Flasche entkorkt. Dieser wird als Hauptschlag bezeichnet. Anschließend kommt es zum sog. Wetzen oder Schleifen, das wie das Schleifen eines Messers auf einem Wetzstein klingt. Wer diesen »Gesang« des Vogels mit dem bloßen Ohr vernimmt, wundert sich über die unmelodischen Laute: Sie scheinen so wenig zu diesem prächtig gefiederten Vogel und seiner eindrucksvollen Balz zu passen. Die wissenschaftliche Auswertung der Balzrufe mit einem Sonagraphen rehabilitiert den Auerhahn jedoch. Es zeigt sich nämlich, dass der Großteil der Laute in einem so niedrigen Frequenzbereich liegt, dass das menschliche Ohr sie nicht mehr wahrnimmt.

Die Lauterzeugung funktioniert dabei wie bei Orgelpfeifen, wobei der Vogel die Luft in einer Röhre im Hals zum Schwingen bringt. Dazu ist die Luftröhre beim Auerhahn verlängert und beschreibt in der Kropfgegend eine lange Schleife. Die Tonerzeugung selbst bewerkstelligt der Vogel durch Vorschnellen der Zunge, mit der er den Luftstrom reguliert. Die Töne werden also völlig anders erzeugt als bei Singvögeln, die für ihren Gesang einen kompliziert aufgebauten Stimm- und Muskelapparat unterhalb des Kehlkopfs besitzen.

Jeder Hahn besetzt auf dem Balzplatz ein bestimmtes Balzrevier, das er gegen jüngere Hähne verteidigt. Fehlt jedoch ein Artgenosse als Herausforderer, kann es vorkommen, dass selbst Spaziergänger attackiert werden. Im Übrigen ist das hingebungsvolle Balzspiel nicht ungefährlich, denn ein Auerhahn im Liebesrausch ist buchstäblich taub für seine Umgebung und damit für Jäger eine leichte Beute.

Wem verdankt das Rebhuhn seinen Namen?

Nicht etwa einer Vorliebe für Weinberge, sondern seinem schrillen Alarmruf »rep rep rep«. Bei Gefahr flüchten Rebhühner (Perdix perdix) nicht, sondern ducken sich dicht auf den Boden. Ihr bräunlich gesprenkeltes Gefieder ist eine gute Tarnung, so dass sie kaum zu entdecken sind. Rebhühner sind außerordentlich nützlich, denn sie ernähren sich nicht nur von pflanzlicher Kost, sondern vertilgen auch schädliche Insekten.

Welche sind die kleinsten Hühner?

Die kleinsten Hühnervögel finden sich unter den Wachteln: Die Zwergwachtel (Excalfactoria chinensis) ist nur zwölf Zentimeter groß und bringt lediglich 45 Gramm auf die Waage. Wachteln waren ursprünglich Bewohner des Graslands, haben sich jedoch an die Kulturlandschaft angepasst und sind heute weit verbreitet. Als Zugvögel sind sie erst ab Mitte Mai in Deutschland anzutreffen. Wachteln wurden nicht nur auf dem Teller geschätzt, sondern waren auch zu Unterhaltungszwecken begehrt: Wettkämpfe zwischen zwei Wachtelhähnen sind etwa bei römischen Festen wohl keine Seltenheit gewesen.

Worin unterscheiden sich Schwimmente und Tauchente?

Schwimmenten holen ihre meist pflanzliche Nahrung durch Gründeln aus dem Wasser; sie werden deshalb auch als Gründelenten bezeichnet. Anders die Tauchenten: Sie haben einen gedrungeneren Körper und besitzen einen geringeren Auftrieb. Das erleichtert ihnen den Vorstoß in größere Tiefen, wo sie sich andere Nahrungsquellen (wie Krebse und Weichtiere) erschließen können. Die bei uns am häufigsten anzutreffende Schwimmente ist die etwa 58 Zentimeter große Stockente (Anas platyrhynchos): Der grün schillernde Erpel mit dem weißen Halsring und das bräunliche Weibchen sind vielen Menschen ein vertrauter Anblick, zumal sie sich gern auf Wasserflächen in der Nähe menschlicher Siedlungen niederlassen. Doch mit einem geschätzten Bestand von etwa zwei Millionen Tieren in ganz Europa entwickeln sich diese Wasservögel zunehmend zu einer Belastung für viele städtische Gewässer. In der freien Natur findet man die sehr genügsame und anpassungsfähige Ente auf Teichen, Flüssen und Seen in ganz Eurasien. Ihr Nahrungsspektrum ist sehr vielseitig: Pflanzenteile, Früchte und Kleintiere gehören ebenso dazu wie Brot und Fischfutter. Das typische Entenquaken bringen übrigens nur die Weibchen hervor. Die Erpel stoßen lediglich ein heiseres »Riäb« aus.

Auffallendster Vertreter der Tauchenten auf unseren heimischen Gewässern ist sicherlich die Tafelente (Aythya ferina). Ihren Namen verdankt diese gesellig lebende Ente mit dem charakteristischen braunroten Kopfgefieder ihrem wohlschmeckenden Fleisch, das sie früher zu einem beliebten Tafelwild machte.

Was sind Eiderdaunen?

Daunenfedern der Eiderente (Somateria mollissima), die als das beste Füllmaterial für Kissen gelten. Sie dienen den Vögeln eigentlich dazu, das Gelege zu schützen: Das Weibchen rupft sich die sog. Dunen am Bauch aus und kleidet damit das Nest aus. Verlässt das Weibchen das Gelege, deckt es die Eier sorgfältig mit den Dunen ab und verbirgt sie so vor Nesträubern. Das Einsammeln der Nestdunen ist freilich sehr mühselig, ergibt doch ein Nest noch nicht einmal 20 Gramm der begehrten Dunen!

Stammt die Hausente von der Stockente ab?

Nein, obwohl die Stockente schon im Altertum domestiziert wurde. Die heutigen Hausenten sind jedoch größtenteils Pekingenten aus amerikanischer Zucht. Eine bekannte Entenrasse ist die Barbarie- oder Flugente, die aufgrund ihres dunklen, recht mageren und wohlschmeckenden Fleisches und ihrer geringen Anfälligkeit gegenüber Krankheiten bei Verbrauchern und Züchtern gleichermaßen geschätzt ist. Ihre Stammform ist die aus Mittel- und Südamerika stammende Moschusente (Cairina moschata).

Sind alle Schwäne weiß?

Nein, der aus Australien stammende und in Europa als Ziervogel gehaltene Trauerschwan (Cygnus atratus) trägt, wie sein Name bereits andeutet, ein dunkles Gefieder; nur die Schwingen sind weiß.

Zahlreicher ist auf unseren Gewässern jedoch der Höckerschwan (Cygnus olor): Sein weißes Gefieder, der s-förmig gebogene Hals und der orangenfarbene Schnabel mit dem schwarzen Höcker kennzeichnen den eleganten Schwimmer. Sein langer Hals ermöglicht es ihm, in einer Tiefe von bis zu einem Meter gründelnd nach Nahrung zu suchen. Höckerschwäne können ein Gewicht von zwölf Kilogramm erreichen und gehören damit zu den schwersten flugfähigen Vögeln. Entsprechend mühsam ist es für sie, sich in die Luft zu erheben oder aus der Luft kommend sicher zu landen.

Übrigens: Es gibt auch gute Sänger unter den Schwänen, u. a. den Singschwan (Cygnus cygnus), den Trompeterschwan (Cygnus buccinator) und den Pfeifschwan (Cygnus columbianus columbianus). Ihre volltönenden Stimmen werden durch eine Luftröhrenschleife ermöglicht, die beim Trompeterschwan besonders lang ist; deshalb kann er einen sehr tiefen Trompetenton erzeugen. Der Singschwan bringt dagegen hohe Töne hervor. Mit einem Gewicht von etwa 13,5 Kilogramm ist der Trompeterschwan der schwerste Entenvogel. In seiner Heimat Nordamerika wurde er sehr stark bejagt und steht heute unter Schutz.

Wussten Sie, dass …

der Pfau in Europa lange keinen guten Ruf genoss? In England etwa galt er als Unglücksvogel und in Deutschland schrieb man ihm den bösen Blick zu.

die Jungvögel des Hoatzin (Opisthocomus hoazin) eine Besonderheit aufweisen? Ihre Flügel sind mit Krallen besetzt, was ihnen eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Urvogel Archaeopteryx verleiht.

alle Hühnervögel gerne in Sand und Staub baden? So verhindern sie, dass sich lästige Parasiten in ihrem Federkleid festsetzen.

Welchen Hühnervogel hielten bereits die alten Griechen als Haustier?

Das Perlhuhn, das ursprünglich aus Afrika stammt. Denn die mittelgroßen Hühnervögel, die ihren Namen den kleinen weißen, an Perlen erinnernden Tupfen im Gefieder verdanken, wurden vermutlich bereits im alten Griechenland domestiziert. Dort entstand auch eine besonders schöne Erklärung für die Musterung ihres Gefieders: Die Perlen sollen nämlich die erstarrten Tränen sein, die die Schwestern des Königs Meleagros beim Tod ihres Bruders vergossen haben.

Über Rom gelangte das Perlhuhn dann nach Frankreich und Italien, wo es auch heute noch vorwiegend gezüchtet wird. Die wilde Stammform des Hausperlhuhns ist das Helmperlhuhn (Numida meleagris), dem man auch heute noch in seinem natürlichen Lebensraum häufig begegnen kann.

Wie finden Schwäne, Gänse und Schwimmenten ihr Futter?

Sie gründeln, das heißt, sie tauchen mit Kopf, Hals und Vorderkörper unter Wasser und recken dabei ihr Hinterteil steil in die Höhe – genauso, wie es das Kinderlied »Alle meine Entchen« anschaulich beschreibt. Auf diese Weise ist es diesem Federvieh möglich, den Boden mit dem sehr empfindlichen Schnabel nach Fressbarem abzutasten und die Nahrung aus dem Wasser zu filtern.

Wussten Sie, dass …

der Begriff »Fasanerie« eine weitere Bedeutung hat? Im Barock wurden auch Lustschlösser oder Anbauten von Residenzen als Fasanerie bezeichnet.

junge Hühnervögel Nestflüchter sind? Sie können bereits kurz nach dem Schlüpfen das Nest verlassen und den Altvögeln folgen.

nur Vögel eine Bürzeldrüse haben? Sie produziert ein wachsartiges Öl, mit dem die Tiere ihr Gefieder pflegen.

Welche Gans wurde 1962 wiederentdeckt?

Die Riesenkanadagans (Branta canadensis maxima), die bis dahin als ausgestorben galt. Sie ist die größte Unterart der in Nordamerika beheimateten Kanadagans (Branta canadensis), die zur Gattung Meergänse (Branta) zählt. In freier Natur leben Kanadagänse auf Feldern und im Grasland in der Nähe von Sümpfen und Seen. Im Flug erreichen Kanadagänse Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 95 Kilometern in der Stunde. Kanadagänse wurden bereits im 17. Jahrhundert in Europa eingeführt und gelten inzwischen als eingebürgert. Ihre kleinste Unterart ist übrigens die Dunkle Zwergkanadagans (Branta canadensis minima), die nur etwa 1,5 Kilogramm schwer und lediglich hausentengroß werden kann.

Wussten Sie, dass …

Meerenten und Säger, die an Küsten und küstennahen Gewässern leben, nach Muscheln, Fischen und anderen kleinen Wassertieren tauchen? Zum Brüten suchen sie allerdings oft Binnengewässer auf.

die Männchen der Eisente sich im Laufe eines Jahres dreimal mausern? Sie tragen außer einem Sommer- und einem Winterkleid zusätzlich ein Ruhekleid.

Rom angeblich von Gänsen gerettet wurde? Der Überlieferung nach weckten die wachsamen Vögel mit ihrem Geschrei die eingeschlafene Burgmannschaft, die einen Angriff der Gallier abwehren und die Stadt so vor der Vernichtung bewahren konnte.

Spechte: Zimmerleute des Waldes

Warum trommeln Spechte?

Es ist ihre Art der Verständigung. Da ihr Stimmorgan für einen echten Gesang nicht ausgebildet ist, ersetzt das Trommeln bei den Spechten den Reviergesang. Dafür schlagen die Vögel rasend schnell mit dem Schnabel gegen hohle Baumstämme oder dürre Äste. Jede Spechtart hat ihren eigenen Rhythmus. Ein geschulter Beobachter kann überdies genau heraushören, ob ein Konkurrent vertrieben werden soll, einem Partner die Bruthöhle gezeigt wird oder die Ablösung beim Bauen oder Brüten ansteht.

Die Hauptbeute der Spechte sind Insekten, die sie mit ihrem Meißelschnabel unter der Rinde oder aus Holz herauspicken und mit der Zunge aufnehmen.

Übrigens: Spechte sind perfekt an ein Leben auf Bäumen angepasst. Ihr keilförmiger Stützschwanz, dessen Federn mit fischbeinartig federnden Kielen versehen sind, gibt ihnen wie ein dritter Fuß beim Klettern den notwendigen Halt. Die kräftigen Kletterfüße mit einer Wendezehe, die je nach Kletterrichtung des Vogels gewendet werden kann, und steigeisenartig gekrümmte Krallen, die das Anfliegen und Klettern an senkrechten Flächen erleichtern, sind weitere hilfreiche Anpassungen an ihren Lebensraum.

Warum schadet das ständige Hämmern den Spechten nicht?

Weil ihr Schädel und ihr Schnabel so gebaut sind, dass die Kraft der Schläge abgefangen wird. Zum einen sind die Knochen, die das empfindliche Gehirn umgeben und schützen, dicker ausgebildet als bei anderen Vögeln. Außerdem befindet sich zwischen den Augen eine knöcherne Scheidewand, und das Stirnbein ist durch Knochenbälkchen verstärkt. Zum anderen fangen die kräftigen Muskeln, die Schnabel und Schädel verbinden, wie ein Stoßdämpfer die harten Stöße beim Aufschlagen des Schnabels ab. Gleichzeitig wird die Stoßenergie in Drehenergie umgewandelt.

Außer dem vielfältig einsetzbaren Meißelschnabel haben Spechte mit ihrer Zunge ein weiteres erstaunliches Werkzeug entwickelt. Sie kann weit herausgestreckt werden, beim Grünspecht (Picus viridis) beispielsweise über zehn Zentimeter, und so auch Larven in tiefen Bohrgängen erreichen. Außerdem ist sie mit einem klebrigen Drüsensekret überzogen und an ihrer Spitze mit Widerhaken besetzt, so dass die Larven und Insekten festkleben bzw. aufgespießt werden können. Einige der heimischen Spechte haben sich eine ungewöhnliche Nahrungsquelle erschlossen: Sie hacken ringförmig angeordnete Löcher in Baumstämme, bis sie die Leitungsbahnen erreicht haben. Der ausfließende zuckerhaltige Saft sammelt sich in den Einschlagstellen, die die Spechte immer wieder aufsuchen, um den nahrhaften Saft mit ihrer Zunge aufzulecken.

Warum sind die Schnäbel der Tukane so riesig?

Die großen Schnäbel erleichtern es ihrem Träger, im Dickicht verborgene oder an Zweigenden liegende Früchte zu erreichen, werden aber auch bei Angriffen auf andere Vögel, deren Nester geplündert werden sollen, als Waffe eingesetzt. Der große Schnabel leistet ferner beim Spielen gute Dienste: Unbeholfen zwischen den Zweigen umherflatternd, schlagen die Vögel die Schnäbel fest gegen die Äste, tragen mit ihnen regelrechte »Gefechte« aus oder werfen sich gegenseitig Beeren zu, die sie geschickt auffangen.

Übrigens: Die Schnäbel der Tukane sind zwar groß, aber sehr leicht, da sie aus wabenförmig verlaufenden Knochenfasern aufgebaut sind.

Können Tukane mit ihren großen Schnäbeln Nester bauen?

Nein, Tukane legen ihre Nester in Baumhöhlen an, die sie aber aufgrund ihres riesigen Schnabels nicht selbst bauen können, auch wenn sie zu den Spechtvögeln gehören. Deshalb sind sie auf natürliche Höhlen angewiesen oder auf Spechthöhlen, deren Eingang sie erweitern.

Übrigens: Tukane (Familie Ramphastidae) sind Bewohner der tropischen Urwälder Mittel- und Südamerikas, wobei ihr Hauptverbreitungsgebiet am Amazonas liegt. Die Grundfarbe des Gefieders ist bei den meisten Arten schwarz, wird aber durch bunte Stellen aufgelockert. Das farbige Gefieder und der oft vielfarbige Schnabel bieten im Kronendach der Bäume eine sehr gute Tarnung. Tukane leben paarweise oder in Gruppen von bis zu zwölf Tieren zusammen.

Welcher Vogel braucht Hilfe, um an seine Nahrung zu gelangen?

Der Schwarzkehl-Honiganzeiger (Indicator indicator). Hat er ein Bienennest entdeckt, so gebärdet er sich so auffällig, dass manche Tiere oder auch zufällig anwesende Menschen aufmerksam werden und dem hin und her fliegenden Vogel folgen. Dieser führt seine unfreiwilligen Helfer bis zum Bienennest, das er zwar ausfindig machen, aber nicht aufbrechen kann. Das besorgt vor allem der Honigdachs für ihn, der es mit seinen kräftigen Klauen aufreißt und den begehrten Honig frisst. Dem Honiganzeiger bleiben die Larven – und das Bienenwachs der Waben. Diese ungewöhnliche »Beute« können die Vögel dank eines Spaltpilzes im Darm verwerten, der das Wachs in Fettsäuren umwandelt.

Wussten Sie, dass …

Tukane auch »Pfefferfresser« genannt werden? Dabei ist lediglich für den Riesentukan (Ramphastus toco) belegt, dass er Paprikaschoten verzehrt.

nicht alle Spechte ihre Nahrung auf Bäumen suchen? Der Grünspecht findet sein Futter auf dem Erdboden, wobei er sich auf Ameisen spezialisiert hat.

andere Tiere von Spechten profitieren? Verlassene oder nicht genutzte Spechthöhlen werden gern von anderen höhlenbrütenden Vögeln, Fledermäusen und anderen Kleinsäugern als Brut- und Schlafplätze aufgesucht.

Was ist eine Spechtschmiede?

Das Esszimmer des Buntspechts (Dryobates major). Zwar verspeist er vor allem die Larven und Puppen von Borken- und Holzkäfern, die als Waldschädlinge gefürchtet sind, im Winter aber stellt er sich auf Nüsse sowie Kiefern- und Fichtenzapfen um. Um an die Samen zu gelangen, nutzt er seine »Spechtschmiede«: Ritzen oder Spalten, in die er die Zapfen festklemmt und dann mit dem Schnabel bearbeitet, bis die Samen freiliegen.

Singvögel: Artenreich und wohl bekannt

Welches Verhalten gab den Sperlingsvögeln ihren Namen?

Das sog. Sperren der Jungvögel: Sobald sich die Elterntiere dem Nest nähern, sperren die Jungen ihren Schnabel weit auf, so dass der leuchtend rot gefärbte Rachen zu sehen ist. Dieses Verhalten ist für die Jungvögel lebenswichtig, denn nur sperrende Junge werden gefüttert, die anderen bleiben in der Entwicklung zurück und gehen schließlich zugrunde. An der arttypischen Rachenzeichnung erkennen die Eltern ihre Jungen. Brutschmarotzer wie der Kuckuck, die ihre Eier in fremde Nester legen, ahmen diese Zeichnung nach, damit die jungen Kuckucke von den Pflegeeltern ebenfalls gefüttert werden.

Übrigens: Die Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) ist die größte und artenreichste Vogelordnung: Sie umfasst rund 5300 der zurzeit über 9000 bekannten Vogelarten der Erde. Alle Sperlingsvögel verbindet eine Reihe von charakteristischen Merkmalen: Ihre Jungen sind Nesthocker und betteln sperrend um Futter; alle sind Landvögel und haben vier Zehen, wobei eine nach rückwärts gerichtet ist und im Sitzen durch das Gewicht des Körpers gesperrt wird, so dass sich die Vögel auch auf dünnen Ästen halten können; weitere Kennzeichen sind der knöcherne Gaumen, der gleichmäßig harte, mehr oder weniger spitz zulaufende Schnabel und der gut ausgebildete Stimmapparat.

Was verrät ein dicker Schnabel?

Dass ein Vogel sich vor allem von Samen ernährt. Birkenzeisig (Acanthis flammea), Bluthänfling (Acanthis cannabina) und Grünfink (Carduelis chloris) etwa können mit ihren recht dicken Schnäbeln auch hartschalige Samen wie Sonnenblumenkerne öffnen. Die Mitglieder der Stieglitzverwandten, einer Unterfamilie der Finken, zeichnen sich durch besonders kräftige Kiefermuskeln und stark kegelförmige Schnäbel aus. So kann z. B. der Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) mit seinem äußerst kräftigen Schnabel sogar Kirschkerne aufbrechen.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Stieglitz (Carduelis carduelis) und Erlenzeisig (Carduelis spinus) haben lange, schmale Schnäbel, die es ihnen gestatten, Samen aus Zapfen von Nadelhölzern zu holen. Besonders gut gelingt dies auch den Kreuzschnäbeln (Gattung Loxia), deren charakteristische gekreuzte Schnabelspitzen ein perfektes Werkzeug sind, um die Schuppen von Fichten-, Tannen- oder Kieferzapfen aufzuhebeln und an die begehrten Samen zu gelangen. Und der Buchfink (Fringilla coelebs) ist sogar mit einem kegelförmigen Allzweckschnabel ausgestattet, mit dem er sowohl Körner, Beeren und Spinnen als auch Insekten zu fressen vermag.

Wie ist der Schnabel der Insektenjäger gebaut?

Je nach Jagdweise unterschiedlich. Die Eigentlichen Fliegenschnäpper (Unterfamilie Muscicapidae) beispielsweise fangen ihre Beute, indem sie sie von einem Ansitz aus anfliegen. Ihr Schnabel ist deshalb flach und breit und öffnet sich zu einem großen Rachen. Grasmücken (Unterfamilie Sylviidae) hingegen haben einen dünnen, feinen »Pinzettenschnabel«, mit dem sie Insekten gut aufpicken können. Ein solcher Schnabel eignet sich auch hervorragend, um in Ritzen und Spalten nach Kleintieren zu suchen, wie es etwa der heimische Kleiber (Sitta europaea) tut.

Mit ihrem an der Spitze hakenartig nach unten gebogenen Schnabel, der dem eines Greifvogels ähnelt, können die Würger (Gattung Lanius) auch große Insekten, ja sogar kleinere Wirbeltiere erbeuten. Ist Nahrung im Überfluss vorhanden, so spießen sie ihre Beute auf Dornen auf oder klemmen sie zwischen Astgabeln ein, was den Vögeln den Ruf eingebracht hat, mordlustig zu sein.

Auf der Speisekarte der Nektarvögel (Familie Nectariniidae), die in den Tropen der Alten Welt zu Hause sind, steht neben Insekten auch Nektar. Ihr Schnabel ähnelt dem der Kolibris: eine dünne, gebogene Röhre mit einer Zunge, die weit herausgestreckt werden kann.

Übrigens: Auch ihr Gefieder schillert in allen Farben. Allerdings beherrschen sie nicht den für Kolibris charakteristischen Schwirrflug, sondern klammern sich bei der Futteraufnahme an die Blüten.

Was töpfert der Töpfervogel?

Sein Nest. Der in Südamerika heimische Töpfervogel (Furnarius rufus) hat sich auf die Errichtung von Lehmbauten spezialisiert. Unermüdlich trägt er zusammen mit seiner Partnerin bis zu 2500 Lehmbrocken zusammen, aus denen er zwei bis 30 Meter über dem Erdboden sein außergewöhnliches Nest »töpfert«, das bis zu 6,5 Kilogramm schwer werden kann und – einzigartig unter allen Vögeln – aus einem Vorraum und einem Nistraum besteht. Auch hierzulande gibt es »Maurer«: Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) errichtet ein Mörtelnest, das sie aus feuchtem Lehm und Stroh mauert sowie mit Federn, Haaren und Grashalmen auslegt.

Wahre Nestbaukünstler sind unter den Webervögeln (Familie Ploceidae) zu finden, die ihre überdachten Behausungen in Büschen, Bäumen oder im Schilf anlegen. Wie geschickt die Vögel zu flechten verstehen, zeigen die Steppenweber (Gattung Textor): Zunächst fertigt das Männchen in einer Astgabel oder zwischen Halmen einen senkrecht stehenden Ring. Dieser wird dann auf einer Seite zur Brutkammer erweitert, während auf der anderen Seite der Eingang und die Einflugröhre angelegt werden. Die Auspolsterung des Nestes übernimmt das Weibchen.

Kann der Schneidervogel nähen?

Ja. Der in Asien heimische Schneidervogel (Ortotomus sutorius) praktiziert eine ungewöhnliche Variante des Nestbaus: Er näht sich sein Nest regelrecht zusammen. Dazu biegt er mehrere an einem Zweig hängende Blätter zu einer Tüte zusammen, stanzt am Rand mit dem Schnabel Löcher hinein und verbindet dann die Blattränder mit aufgelesenen Fäden oder Spinnweben. Der so entstandene Hohlraum wird mit einem Nest aus wolligen Samen und Tierhaaren ausgekleidet.

Wie singen Vögel?

Die erstaunlich vielfältigen Gesänge der unterschiedlichen Vogelarten werden von einem einzigartigen Stimmorgan produziert, das nur die Vögel entwickelt haben: der Syrinx. Sie sitzt im Brustkorb dort, wo sich die Luftröhre aufspaltet, und besteht aus Membranen, die zwischen den Knorpeln der Luftröhre angeordnet sind. Beim Ausatmen werden die Membranen in Schwingung versetzt. Durch besondere Muskeln kann die Spannung der Membranen verändert werden, so dass unterschiedliche Laute entstehen. Verstärkt werden die Töne durch Luftsäcke. Die Leistungen dieses Instruments übertreffen die menschliche Stimme bei weitem, denn Vögel haben einen Stimmumfang von acht Oktaven.

Zu den kunstvollsten Sängern im ganzen Vogelreich zählt der auch bei uns heimische Eurasiatische Zaunkönig (Troglodytes troglodytes). Dieser mit nur knapp zehn Zentimeter kleinste Vertreter der Zaunkönige (Familie Troglodytiae) hat nicht nur eine erstaunlich laute Stimme, sondern beherrscht auch zahlreiche Variationen – von schnellen Tonreihen bis zu langsamen Flötenstrophen. Je nachdem, ob er seinen Gesang zur Einschüchterung von Konkurrenten oder zur Partnerwerbung ertönen lässt, ändern sich die Tonfolgen seiner Lieder.

Lässt sich eine Vogelart immer am Gesang erkennen?

Im Prinzip ja, doch manche Vögel tragen nicht nur ihre eigenen Melodien vor, sondern sind auch begabte Stimmimitatoren. Ein Beispiel ist unser heimischer Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris), aus dessen Gesang ein Vogelkenner bis zu 20 verschiedene Vogelrufe heraushören kann. Die mit den Rohrsängern verwandten Spötter (Gattung Hippolais) sind noch größere Meister der Nachahmung. So nimmt zum Beispiel der Gelbspötter (Hippolais icterina) in seine ausdauernd und laut vorgetragenen Lieder sogar Motive tropischer Vögel auf, die er in seinem Winterquartier gehört hat. Und Stare (Sturnus vulgaris) können nicht nur hervorragend Vogelstimmen, sondern auch verschiedenste andere Geräusche imitieren.

Diese »Sprachbegabung« ist bei ihren asiatischen Verwandten, den Beos (Gattung Gracula), noch ausgeprägter. Vögel in der Obhut des Menschen lernen, dessen Stimme so gut nachzuahmen, dass oft einzelne Worte deutlich zu verstehen sind. Ebenfalls sehr sprachbegabt ist der Kolkrabe (Corvus corax), dessen Syrinx unter allen Vögeln den kompliziertesten Bau aufweist. Der beste Vogelstimmenimitator jedoch, auf den sogar die Artgenossen der nachgeahmten Vögel hereinfallen, ist unser heimischer Eichelhäher (Garrulus glandarius).

Welcher Vogel singt am schönsten?

Nach Meinung vieler die Nachtigall (Luscinia megarhynchos). Erblickt man zum ersten Mal eine Nachtigall, so ist man wahrscheinlich erstaunt, dass ein so zierlicher Vogel einen solch kraftvollen Gesang zustande bringt, der noch im Umkreis von einem Kilometer zu hören ist. Die Fähigkeit zu singen ist Nachtigallen zwar angeboren, aber den artspezifischen Gesang müssen sie erst von Artgenossen lernen. Die Lernphase beginnt ab dem zwölften Lebenstag und dauert etwa bis zum neunten Lebensmonat. In dieser Zeit ahmen die jungen Nachtigallenmännchen den Gesang eines »Lehrers« nach, allerdings nur, wenn sie Sichtkontakt zu ihm haben und ihn seit ihrem zehnten Lebenstag kennen. Aus den im ersten Lebensjahr erlernten Strophen können sie im Laufe ihres Lebens neue Strophen kombinieren. Bei einem guten Sänger hat man 24 verschiedene Motive gefunden, wobei er ein Motiv bis zu 20 Sekunden lang entwickeln konnte.

Die Sangeskunst der Buchfinken (Fringilla coelebs) hat sogar den sportlichen Ehrgeiz der Vogelliebhaber geweckt: Zur Markierung ihrer Reviergrenzen singen Finkenmännchen stets die gleiche Strophe, den berühmten »Finkenschlag«. Im 19. Jahrhundert veranstaltete man regelrechte Gesangswettbewerbe der Finken. Dabei wurden die mit Tüchern verhängten Käfige auf einen Platz gestellt, und die Vögel versuchten mit kräftigem Schlagen – wie man das Singen der Vögel allgemein auch nennt – ihr Revier zu behaupten. Wurden sie langsam näher zusammengerückt, gab ein Hahn nach dem anderen auf und verstummte. Der letzte Sänger wurde schließlich zum Sieger erklärt. Finkenzüchter konnten verschiedenste Schläge unterscheiden, denn die männlichen Jungfinken übernehmen Teile ihres Gesangs von den erwachsenen Finken in ihrer Umgebung, so dass sich unterschiedliche »Dialekte« herausbilden. Für Finken, die ihre Schläge besonders sauber vortragen konnten, wurden oft hohe Summen gezahlt.

Profitieren Vögel von der Nähe des Menschen?

Manche Arten schon, denn ihnen ist es gelungen, die vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft als Lebensraum zu erobern. Die Bindung dieser Kulturfolger an den Menschen kann unter Umständen so groß werden, dass sie nur noch in seiner Nachbarschaft existieren können. Ein Beispiel dafür ist die Rauchschwalbe (Hirundo rustica). Sie lebt seit Jahrtausenden mit dem Menschen eng zusammen und ist heute aus vielen ländlichen Gebieten nicht mehr wegzudenken. Ihre napfförmigen Nester unter Dächern und in Ställen sind ein ebenso typischer Anblick wie die wendigen Flieger selbst, die oft in Gruppen auf Dächern und Fernleitungen sitzen.

Der Kulturfolger par excellence in unserer Vorstellung ist sicherlich der Haussperling (Passer domesticus), besser bekannt unter der volkstümlichen Bezeichnung »Spatz«. Er hat im Gefolge des Menschen fast die ganze Erde erobert. Neben Körnern und Kerbtieren ernährt er sich auch von dem, was Menschen übrig lassen. Die zutraulichen, bisweilen eher zudringlichen Vögel fordern sogar Futter ein, wie jeder bestätigen kann, der einmal in einem Straßencafé von einem »frechen Spatz« angebettelt wurde.

Auch die Rabenvögel haben die Städte und deren Randgebiete erobert, so etwa der Eichelhäher (Garrulus glandarius), der gern in Baumalleen, Grünanlagen und Friedhöfen nistet und eine besondere Vorliebe für Eicheln hat, oder die Elster (Pica pica), die in Gärten und Grünanlagen leicht Beute findet, und die Saatkrähe (Corvus frugilegus), die mit Vorliebe im Schutz von bewohnten Gebieten nächtigt. Die Nebelkrähe (Corvus corone cornix) besiedelte ursprünglich Wälder und ländliche Gebiete, hat dann aber zunehmend die Stadt als hervorragendes Wohnquartier entdeckt, das auch genügend Nahrung liefert.

Weshalb überwintern einige Vogelarten hier und andere im Süden?

Arten wie Spatz, Amsel, Buchfink, Zaunkönig und Blaumeise ernähren sich von Beeren und Körnern, weswegen sie auch im Winter noch genug Nahrung finden. Diese sog. Standvögel können deshalb das ganze Jahr über in ihrem Brutgebiet bleiben. Bei den sog. Teilziehern, zu denen 80 Prozent der heimischen Vogelarten gehören, machen sich nur einige Artgenossen auf den Weg in den Süden, bei den Zugvogelarten bleibt dagegen kein Vogel zurück.

Alle Vögel, deren Nahrungsquellen im Winter versiegen, müssen ihre Siedlungsgebiete verlassen und Regionen aufsuchen, in denen sie überleben können. Manche Arten, wie einige Mitglieder der Finkenfamilie, begeben sich jedoch auch außerhalb der Vogelzugzeiten im Frühling und Herbst auf Wanderschaft, wenn nämlich das Nahrungsangebot knapp wird. Solche unregelmäßigen Wanderungen sind z. B. vom Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirosta) bekannt.

Übrigens: Es gibt nicht nur Vogelarten, die vor dem mitteleuropäischen Winter fliehen, sondern auch solche, die ihn suchen, so überwintern z. B. Nordosteuropäische Saatkrähen häufig in unseren Städten.

Woher wissen Zugvögel, wann sie in den Süden fliegen müssen?

Wer bleibt und wer zieht, bestimmen die Gene. Untersuchungen bei im Käfig gehaltenen Zugvögeln haben gezeigt, dass diese im Herbst von einer starken Unrast, der sog. Flugunruhe, befallen werden. Auch das Zugverhalten, die Zugrichtung, die Orientierung, sogar durch Verdriftung notwendige Kurskorrekturen sind im Erbgut programmiert. Über die angeborene »innere Uhr« werden Zeitpunkt des Aufbruchs und der Beendigung des Zuges sowie dessen Länge gesteuert.

Wie orientieren sich Zugvögel?

Das ist auch heute noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass einige Arten wie etwa Grasmücken und Brieftauben sich nach dem Stand der Sonne bzw. der Sterne richten, die sie mithilfe ihrer »inneren Uhr« genau berechnen können. Dazu messen sie die Veränderungen der Polarisationsebene des Sonnenlichts und vergleichen diese mit einer im Gehirn gespeicherten Gesamtkarte aller Lichtdaten. Am Nordhimmel richten sie sich dabei nach dem Polarstern, am Südhimmel nach dem Sternbild des Orion.

Sind die Sonne oder der Sternenhimmel von Wolken verdeckt, nutzen die Vögel das Magnetfeld der Erde als Bezugssystem. Manche Vögel können auch im Infraschallbereich hören und niedrige Tonfrequenzen bis hinunter zu 0,1 Hertz wahrnehmen. Natürliche Infraschallquellen sind z. B. Meereswellen oder Windströmungen über Gebirgspässen. Einige Vögel orientieren sich auch mithilfe des Geruchs, z. B. Sturmtaucher, oder an auffälligen Landmarken wie Flüssen und Bergen.

Soll man Vögel im Winter füttern?

Dies ist umstritten. Als Argument dagegen wird angeführt, dass die bedrohten Arten nicht davon profitieren. Die Befürworter weisen darauf hin, dass gerade Stadtkinder damit die Möglichkeit haben, Vögel zu beobachten und sich mit ihnen zu beschäftigen. Grundsätzlich sollte man erst dann füttern, wenn Dauerfrost unter –5 °C herrscht und sich eine geschlossene Schneedecke gebildet hat. Da sich die Vögel schnell an eine Futterstelle gewöhnen und sich darauf verlassen, sollte man bei anhaltender Kälte keine Pause einlegen. Ist die Kältewelle beendet, empfiehlt es sich, nach einer Woche auch die Futtergabe einzustellen. Das Futterangebot muss sich an den Nahrungsgewohnheiten der Vögel orientieren: Weichfressern wie Amseln und Meisen kann man Haferflocken oder spezielle Futtermischungen mit Insekten anbieten, Körnerfressern wie Haussperling oder Buchfink Sonnenblumenkerne, Weizen oder Nüsse. Die Futterstelle sollte so eingerichtet sein, dass die Vögel sie nicht mit Kot verschmutzen können.

Wussten Sie, dass …

der Gesang der Singvögel zur Abgrenzung von Revieren und zum Anlocken von Sexualpartnern dient?

der auf den Galapagosinseln lebende Spechtfink (Cactospiza pallida) seine Beutetiere mithilfe eines Stöckchens aus ihrem Versteck herausholt?

es Vogelschnäbel mit Sägezähnen gibt? Der Pflanzenmäher (Gattung Phytotoma) sägt damit Knospen, Früchte und junge Triebe ab.

Was ist ein Brutschmarotzer?

So nennt man Vögel, die nicht selbst brüten, sondern ihre Eier in die Nester anderer Arten legen und ihre Jungen von fremden Eltern aufziehen lassen. Einer der bekanntesten Brutschmarotzer unserer Breiten ist der Kuckuck (Cuculus canorus), der vor allem andere Sperlingsvögel als Ersatzeltern wählt. Verblüffend ist, dass die Eier des Kuckucks oft in Farbe, Größe und Zeichnung denen der Wirtseltern ähneln – obwohl er sie so unterschiedlichen Arten wie Neuntöter, Rotkehlchen oder Bachstelze unterschiebt. Der Jungkuckuck seinerseits leistet ebenfalls einen Beitrag zur erfolgreichen Vermehrung der Art: Er wirft die noch vorhandenen Eier und seine schon geschlüpften Nestgeschwister kurzerhand aus dem Nest, indem er sich diese auf den Rücken lädt, an der Nestwand emporklettert und sie über den Nestrand fallen lässt.

Wussten Sie, dass …

zu den Singvögeln auch ein Wasservogel zählt? Die etwa starengroße Wasseramsel (Cinclus cinclus) ernährt sich vorwiegend von den Larven verschiedener Wasserinsekten, die sie tauchend erbeutet.

nicht nur die Nachtigall nach Einbruch der Dunkelheit singt? Auch das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) lässt mitunter dann seine perlenden, verträumten Lieder hören.

Was ist der Harzer Roller?

Nicht nur ein Käse mit sehr kräftigem Geschmack, sondern auch ein Kanarienvogel, der einst im Harz gezüchtet wurde und eigentlich Harzer Kanarienvogel heißt. Seinen volkstümlichen Namen verdankt er seiner außerordentlichen Sangeskunst. Übrigens: Sein Vorfahr ist, wie der aller Hauskanarienvögel, der auf den Kanarischen Inseln heimische wilde Kanarienvogel (Serinus canaria). Er wurde bereits 1478 von den Spaniern in Europa eingeführt.

Wussten Sie, dass …

Goldhähnchen die kleinsten europäischen Singvögel sind? Sie messen gerade einmal 8,5–9,5 cm und bringen nur wenig über 5 g auf die Waage!

die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) den Langstreckenrekord unter den Zugvögeln hält? Sie legt von den arktischen Brutgebieten in ihr Winterquartier in der Antarktis rund 18 000 km zurück.

die in der Tundra brütenden Bergfinken (Fringilla montifringilla) mitunter in großen Scharen auftreten? Spektakuläre 60 Millionen Vögel zählte man im Winter 1865 in Luxemburg.

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