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Kleine Inseln – große Vielfalt

Ein Duft von Thymian, Salbei und wildem Fenchel liegt in der Luft, der Himmel erstrahlt im tiefsten Blau und ein farbenfrohes Blütenmeer erstreckt sich über Wiesen und Felder: Es ist Frühling auf Malta, der geschichtsträchtigen kleinen Inselgruppe im Mittelmeer. Gerade einmal 316 km² misst der maltesische Archipel, der aus den drei Inseln Malta, Gozo und Comino sowie einigen kleineren, unbewohnten Eilanden besteht. Seine strategisch günstige Lage im Zentrum des Mittelmeers hat im Laufe der Geschichte viele Begehrlichkeiten geweckt: Zahlreiche Eroberer haben sich das Land untertan gemacht, darunter die Phönizier, Römer, Araber, Normannen, der Johanniterorden, Franzosen und schließlich die Briten. Sie alle hinterließen ihre Spuren auf den Inseln und sorgten für die einzigartig schillernde Kultur des Landes.

Valletta


Ein Muss für alle Kulturfans ist Maltas Hauptstadt Valletta (www.visitvalletta.com), benannt nach dem französischen Johanniter-Großmeister Jean Parisot de la Valette, der die Verteidigung der Inseln während der Großen Belagerung 1565 leitete. Die gesamte Stadt zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO, hat ihre Kandidatur als Kulturhauptstadt Europas 2018 eingereicht (www.valletta2018.org) und auf ihren knapp 1 km² Gesamtfläche erstaunlich viel zu bieten. Die St. Johns Co-Cathedral, 1573 erbaut vom ersten maltesischen Architekten Gerolamo Cassar, setzt jeden Besucher in Erstaunen: Das reich geschmückte Innere der Kirche kontrastiert mit der eher nüchternen, festungsartigen Fassade. Im Oratorium befindet sich das wertvollste Gemälde der Insel, die “Enthauptung Johannes des Täufers des italienischen Meisters Caravaggio.

Auf keinen Fall verpassen sollte der Besucher Vallettas den Großmeisterpalast, Sitz des maltesischen Parlaments, das barocke Manoel Theatre, das Nationalmuseum für Archäologie und das Centre for Creativity im St. James Cavalier. Vom Upper und Lower Baracca Garden genießt man einen wunderbaren Blick über den Grand Harbour, den größten Naturhafen Europas, und auf die gegenüberliegenden Three Cities Vittoriosa, Senglea und Cospicua. Diese drei Städte sind wie Valletta von eindrucksvollen Festungsmauern umgeben, die seinerzeit die Johanniter zum Schutz gegen muslimische Angriffe errichtet hatten.

Zum Shoppen laden die Republic und die Merchant Street in Valletta ein. Am Abend und bis in die Nacht ziehen neue Bars, Restaurants und Cafés ein unternehmungslustiges Publikum an. Am Kreuzfahrtterminal Valletta Waterfront (www.vallettawaterfront.com) finden sich zahlreiche angesagte Bars und Restaurants.

Wer es etwas ruhiger mag, sollte sich nach Mdina, der alten Hauptstadt und dem ehemaligen Adelssitz Maltas, begeben. Die sogenannte “stille Stadt (“the Silent City) ist für den öffentlichen Straßenverkehr gesperrt und hat von ihrem mittelalterlichen Charme bis heute wenig verloren. Mdina liegt auf einem der höchsten Punkte Maltas, ist ebenfalls von einer Festungsmauer umgeben und bietet den wohl besten Blick über die Insel. Ein Besuch der stillen Stadt lohnt vor allem in der Abenddämmerung, wenn die Paläste und St. Pauls Kathedrale bereits stimmungsvoll beleuchtet sind und in den schmalen Gassen der Geist vergangener Zeiten erwacht.

 

Gozo und Comino: Maltas kleine Schwestern

Maltas kleine Schwester Gozo gilt als “grüne Insel des Archipels und besticht vor allem durch seine reizvolle, ursprüngliche Natur und hügelige Landschaft. Von der hoch gelegenen Zitadelle der Hauptstadt Rabat (auch Victoria genannt) hat der Besucher einen sehr schönen Blick über Gozo und kann bei klarer Sicht bis nach Malta schauen. Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Gozos gehört das sogenannte Azure Window (“Blaues Fenster) im Westen der Insel, ein natürlich entstandener, 20 Meter hoher Felsbogen im Meer.

Gozo trägt den Beinahmen “Insel der Calypso, denn der Legende nach soll die schöne Nymphe sieben Jahre lang Odysseus in ihrer Höhle im Norden Gozos gefangen gehalten haben. Vom Höhleneingang aus genießt man außerdem einen wunderschönen Blick über das türkisblaue Meer und den nahegelegenen Strand Ramla Bay

Auf dem winzigen Eiland Comino leben gerade einmal vier Menschen. Die Insel eignet sich für ausgedehnte Spaziergänge, ihre Hauptattraktion ist jedoch die „Blue Lagoon“, eine Bucht mit flachem Wasser, das in der Sonne türkis leuchtet.

 

Geschichte

Malta ist bekannt für seine archäologischen Schätze, die zu den interessantesten der Welt gehören. Erste Spuren von Leben fanden Forscher in der Höhle Ghar Dalam, die eine Vielzahl fossiler Knochen von Zwergelefanten, Nilpferden und Riesenschildkröten aus dem Pleistozän birgt. Die ersten Menschen ließen sich um 5000 v. Chr. auf Malta nieder und kamen höchstwahrscheinlich aus dem 90 km entfernten Sizilien.

Etwa 1000 Jahre später entstanden auf Malta die ersten von insgesamt über 20 Tempelanlagen. Der Ggantija Tempel auf Gozo gilt als das älteste freistehende Bauwerk der Welt: Er entstand etwa 3500 v. Chr. und ist somit noch älter als die Pyramiden in Ägypten! Der Megalithtempel, von 1816 bis 1820 ausgegraben, besteht aus zwei Teilen, die von einer Mauer umgeben sind und eine gemeinsame Fassade besitzen.

Eine ähnliche Form weisen die Tempel aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. auf der Hauptinsel auf: Hagar Qim und Mnajdra im Süden Maltas bestehen aus getrennten, ovalen Räumen und werden von gigantischen Steinblöcken umsäumt, von denen der größte sieben Meter hoch ist und stolze 20 Tonnen wiegt. Der Tempel von Tarxien im Südosten Maltas zeichnet sich vor allem durch seine in die Steinblöcke gravierten Spiralmuster und Tierreliefs aus.

Einzigartig ist das Hypogäum von Hal Saflieni in Paola: Die Grab- und Tempelanlage ist etwa 5000 Jahre alt, liegt zwölf Meter unter der Erdoberfläche und besteht aus einem Netzwerk von Gängen und Kammern auf drei Etagen. Forscher entdeckten die unterirdische Anlage 1902 und fanden dort Tausende von Skeletten.

Dingli Cliffs
(TXT)

Als äußerst mysteriös gelten die Karrenspuren, die in den felsigen Landschaftsteilen Maltas und besonders auffällig nahe der Dingli Klippen auszumachen sind. Archäologen datieren sie auf die Bronzezeit. Über die Herkunft der parallelen Einschürfungen, die sogar Gabelungen aufweisen und an Gleisanlagen von Rangierbahnhöfen erinnern (daher auch der Beiname “Schleifspuren von Clapham Junction, dem Londoner Rangierbahnhof), streiten sich die Forscher allerdings noch. Die Theorien reichen von Transportwegen für Schleifkarren mit Steinkufen bis hin zu Bewässerungskanälen oder laut Erich von Däniken Spuren von Außerirdischen.

 

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