Lexikon
Rọkoko
[
das; französisch rocaille, „Muschel“
]Architektur und Dekoration
Die französische Architektur des 18. Jahrhunderts löste sich vom Prunkstil des Barock und entwickelte einen leichten, graziösen Dekorationsstil, der mit seinem Schnörkel- und Rankenwerk das Wesen des Rokoko mustergültig zum Ausdruck brachte. Die Baukunst verzichtete zunehmend auf großartigen Fassadenschmuck zugunsten einer reicheren Ausstattung der Innenräume; der luxuriös gestaltete Salon als Zentrum geselliger Unterhaltung wurde sowohl in höfischer wie in bürgerlicher Umgebung zum beherrschenden Wohnraum-Typus. Es entstanden Schöpfungen, die alle schweren, drückenden und harten Formen in Schwünge, Wölbungen und illusionistische Effekte (Trompe-l’œil) auflösten und durch graziöse Tapeten, leichten Stuck, prächtig-zierliche Möbel, Kristall, Glas, Porzellan zu einer heiter-festlichen Leichtigkeit gelangten. Das Licht sowie die Farben Weiß und Gold spielten im Rokoko-Ornament eine zentrale Rolle; der Spiegel erhielt als raumweitendes Element verstärkte Bedeutung. Beispiele sakraler Rokoko-Architektur sind die Wallfahrtskirche in der Wies bei Füssen von D. Zimmermann oder die Stiftskirche Ottobeuren von J. M. Fischer; für das höfische Rokoko stehen das Schloss Sanssouci bei Potsdam von G. W. Knobelsdorff oder das Residenztheater in München von F. de Cuvilliés.
In der Plastik wurde weiches Material bevorzugt, z. B. Blei oder Silber statt Bronze oder Sandstein. Dekorateure wie J. A. Feichtmayr im Bodenseegebiet, J. B. Straub und I. Günther in Bayern schufen für oft entlegene Dorf- und Klosterkirchen religiöse Bildwerke und Dekorationen. Eine neue Ausdrucksmöglichkeit fand das Rokoko in der Porzellankunst. Hier entstanden Ornamente, die Muschelwerk, Arabesken und Chinoiserien erfindungsreich verbanden.
- Einleitung
- Architektur und Dekoration
- Malerei
- Literatur und Musik
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