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LEXIKON

Städtebau

die räumliche und bauliche Gestaltung städtischer Ansiedlungen. Städtebau umfasst den Bau oder die Sanierung einer Stadt oder eines Stadtteils. Die politischen Wertvorstellungen verschiedener historischer Gesellschaften lassen sich im Städtebau sofern Städte unverändert erhalten bleiben ablesen.
Man unterscheidet die Städte vornehmlich nach ihrem Straßensystem, etwa dem hippodamischen Rastersystem (Milet), dem Mehrstraßentyp der Gründerstädte (Gründungen der Ordensritter im Mittelalter), dem sternförmig auf das Schloss gerichteten Straßensystem der landesfürstlichen Zeit oder dem verästelten orientalischer Städte. Erst die sprunghafte Zunahme des Kraftfahrzeugverkehrs brachte etwas grundsätzlich Neues in den Grundriss der Städte.
Mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Schleifen vieler Stadtbefestigungen begannen die Städte „auszuufern“, meist entlang den Landstraßen, und gliederten sich nur noch nach ihrer Funktion in Wohnviertel, Industrieviertel, Regierungsviertel u. a. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmten Wasserversorgung und Vollkanalisierung der Städte mit ihren Ansprüchen an den Straßenbau den Städtebau weitgehend. Gegen die dadurch bedingte vornehmlich ingenieurmäßige Betrachtung des Städtebaus wandten sich gegen Ende des Jahrhunderts Architekten, die nun ästhetische, soziale, hygienische und soziologische Aspekte in die Diskussion brachten. Die Bewegung führte weiter über die Gartenstadt-Idee, die in Deutschland vor allem in einigen Zechenkolonien des Ruhrgebiets sichtbaren Ausdruck fand, zum Begriff des „interdisziplinären Städtebaus“ im 20. Jahrhundert. Nach dem 1. Weltkrieg fand die Idee der Trabantenstädte rings um eine Großstadt (Breslau, 1911) ebenso ihre Anhänger wie die Vorstellung von der Bandstadt entlang den Nahverkehrslinien und Straßen. Viel Beachtung fanden Anfang der 1920er Jahre Le Corbusiers Hochhaus-Ideen. Sie hatten die Innenstadtverdichtung und ganze Hochhaussiedlungen zur Folge, ohne allerdings Wege zu einer neuen Gesamtkonzeption der Stadt zu weisen.
Erst nach 1945 entwickelte sich der Gedanke der multilateral geordneten Stadtregion. Ihre Gestaltung als einheitliches Ganzes mit dem Übergewicht landschaftlicher Elemente führte nach dem allgemeinen Trend, Wohn- und Produktionsbereiche immer mehr an die Peripherie zu verlegen, zur Stadtlandschaft mit zunehmend entvölkerten alten Stadtkernen und einem hohen Flächenverbrauch (Bodenversiegelung) im Umland (Suburbanisierung).
In jüngster Zeit wird Städtebau nach „Planungssystemen“ verschiedener Art mit Computern („virtual cities“, „sim-cities“) betrieben. Die Komplexität städtischer Strukturen und die Unberechenbarkeit menschlichen Verhaltens lassen sich aber wohl nie hinreichend durch Rechner simulieren.
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