wissen.de
You voted 2. Total votes: 140
wissen.de Artikel

Analphabeten in Deutschland

Ohne Lesen und Schreiben in einer Welt voller Buchstaben

E-Mails, Bücher, den Beipackzettel eines Medikaments: Den meisten von uns erscheint es ganz selbstverständlich, lesen zu können. Analphabeten, so glauben wir, gibt es höchstens in den Entwicklungsländern – dort, wo viele Kinder nicht in die Schule gehen können. Doch das ist falsch: Auch bei uns in Deutschland kann fast jeder zehnte Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben. Wie aber kommt es dazu? Und was kann man tun?

Kleinbuchstaben des Alphabets in Schreibschrift
Rund 7,5 Menschen in Deutschland sind funktionelle Analphabeten.

Wir alle haben als Analphabeten angefangen: Die meisten von uns lernen erst in der Vorschule oder der ersten Klasse allmählich das Alphabet kennen und dann einzelne Wörter, später Sätze zu lesen und schreiben. Als komplett "alphabetisiert" gilt ein Kind üblicherweise ab der dritten Klasse.  Dann kann es selbstständig Texte lesen und schreiben.

Doch 7,5 Millionen Menschen in Deutschland können genau das nicht – obwohl sie bereits erwachsen sind. Sie gelten als funktionale Analphabeten. Das bedeutet, dass ihre Lese- und Schreibfähigkeiten weit unter dem in unserem gesellschaftlichen Alltag liegt. Ihre Fähigkeiten liegen meist auf dem Niveau eines Erstklässlers. Oft können die Betroffenen einzelne Wörter erkennen, doch bei längeren Sätzen oder gar ganzen Texten geraten sie ins Stocken. Auch verstehen sie nicht immer, was sie gerade gelesen haben.

Die Ursachen: Krankheit, Elternhaus, Legasthenie

Wie aber kann es bei uns dazu kommen, dass jemand nicht Lesen oder Schreiben kann? Die Gründe sind vielfältig, wie Studie zeigen. Manche Betroffene haben wegen einer Krankheit oder häuslichen Problemen im ersten Schuljahr so oft gefehlt, dass ihnen schlicht die Basis für alles weitere fehlt. Sie schaffen es dann nicht mehr, das Verlorene aufzuholen und hinken dann im Unterricht so weit hinterher, dass sie irgendwann innerlich aufgeben.  Einige schummeln sich dann nur noch so durch oder werden sogar in die Sonderschule geschickt, als vermeintlich Lernbehinderte.

Auch die fehlende Förderung in der Familie spielt eine Rolle: Oft stammen die Analphabeten aus bildungsfernen Elternhäusern. Haben die Eltern keinen Schulabschluss, so laufen ihre Kinder verstärkt Gefahr, nur eingeschränkt lesen und schreiben zu lernen, wie eine Studie ergab: Hatten beide Eltern keinen Abschluss, waren 56 Prozent ihrer Kinder von funktionalem Analphabetismus betroffen. Besonders schwer haben es Kinder, wenn sie aus eher bildungsfernen Schichten kommen und zusätzlich unter einer Legasthenie leiden: Weil ihnen dann eine gezielte Förderung fehlt, werden rund die Hälfte von ihnen später zu funktionalen Analphabeten.

Funktionaler Analphabetismus kommt aber auch häufiger bei Menschen vor, die als Erwachsene aus Krisen- oder Kriegsgebieten nach Deutschland kommen. Sie haben nie Lesen und Schreiben gelernt, weil es wegen Armut, Krieg oder anderen Notsituationen nicht  möglich war oder es schlicht keine Schule gab.

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
NPO
You voted 2. Total votes: 140