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Gentechnik: Fluch und Segen der Technik

Was ist Gentechnik?

Die Gentechnik umfasst alle Techniken, mit denen genetisches Material (DNA) neu kombiniert und auf andere Organismen übertragen werden kann. Sie gehört zu den Schlüsseltechnologien und ist aus Medizin, Landwirtschaft und Umwelttechnik nicht mehr wegzudenken.

Im Gegensatz zu konventionellen Möglichkeiten der Veränderung von DNA, z. B. durch Züchtung, ist mithilfe der Gentechnik ein gezielter Eingriff in die Erbinformation eines Organismus möglich. So kann mittels gentechnischer Methoden ein spezifisches Gen mit seinen Eigenschaften übertragen werden – auch über Artgrenzen hinweg, was bei der Anwendung herkömmlicher Züchtungsmethoden unmöglich ist.

Wo kommt Gentechnik zum Einsatz?

In verschiedenen Bereichen: In der Pflanzengenetik nutzt man sie, um z. B. Pflanzen durch Nährstoffanreicherung oder höheren Vitamingehalt zu optimieren oder um Nutzpflanzen gegen Schädlinge resistent zu machen. Ein weiteres Teilgebiet ist die Tiergenetik.

Neben diesem »Gene-Farming« finden sich Perspektiven in der Medizin bzw. Pharmazie, nämlich durch gentechnisch basierte Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen (Gene-Pharming). Dadurch werden neue Therapien gegen Krebs, Alzheimer u. a. Krankheiten erwartet. Einige Medikamente, z. B. Insulin, werden schon heute gentechnisch produziert.

Was ist Bt-Mais?

Ein insektenresistenter Mais, der ein Protein aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (B. t.) bildet. Dieses Bakterium ist in der Lage, das giftige Bt-Toxin zu produzieren, das bestimmte Fraßschädlinge schädigt.

Das Protein eignet sich sehr gut als ökologisches, da für Mensch und Umwelt ungefährliches Pflanzenschutzmittel, das auch beim Kartoffelanbau und bei Obst- und Gemüsekulturen sowie ebenfalls beim Anbau von Baumwolle eingesetzt wird. Bt-Mais wird bereits großflächig in den USA kultiviert.

Welche gentechnisch veränderte Pflanze wird am häufigsten angebaut?

Die wirtschaftlich wichtigste gentechnisch veränderte Pflanze (gv-Pflanze) ist die Sojabohne, die auf insgesamt 54,4 Mio. ha in den USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Paraguay, Uruguay, Rumänien, Südafrika und Mexiko angebaut wird. Seit in der EU wegen der Rinderkrankheit BSE das Verfüttern von Tiermehl verboten ist, erlebt der Sojaanbau einen Boom. An zweiter Stelle steht gv-Mais. Gentechnisch veränderte Pflanzen finden sich in insgesamt 21 Ländern, mit steigender Tendenz. Weltweit betrug ihre Anbaufläche 2005 rd. 90 Mio. ha.

Übrigens: In Entwicklungs- und Schwellenländern wie China, Argentinien, Brasilien und Indien ist der größte Flächenzuwachs zu verzeichnen. In Brasilien z. B. vergrößerten sich die Anbauflächen für »Gen-Soja« 2005 von 5 auf 9,4 Mio. ha.

Werden in Zukunft alle Tiere genmanipuliert?

Der Einsatz der Gentechnik in der deutschen Tierzucht ist in absehbarer Zeit nicht vorgesehen. Allerdings wird der Bereich der Gendiagnostik für die Zucht einen hohen Stellenwert einnehmen. Solche Verfahren erlauben es schon heute, Träger von fehlerhaften Genen rechtzeitig zu identifizieren und von der Züchtung auszuschließen.

Seit den 1990er Jahren wird an Verfahren zur Erzeugung gentechnisch veränderter, das heißt transgener Tiere gearbeitet, z. B. der »Krebsmaus«. Forscher hoffen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, beispielsweise über Genfunktionen, Evolutionsvorgänge und die Möglichkeit neuer Therapien gegen Krankheiten.

Welche Bedenken gibt es gegen Gentechnik?

Neben ethischen bzw. religiösen Bedenken, die sich gegen die Tiergenetik oder Eingriffe in das menschliche Erbgut richten, bestehen auch viele Vorbehalte gegenüber Anwendungen in der Landwirtschaft und im Nahrungsmittelbereich (Genfood). Kritiker warnen, dass Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu einer unkontrollierten Ausbreitung dieser Organismen führen könnten und damit zu schwer kalkulierbaren Auswirkungen auf das Ökosystem. Ebenso besteht die Gefahr der Übertragung von Tierkrankheiten auf den Menschen bei Organtransplantationen zwischen Mensch und Tier.

Wussten Sie, dass …

in Deutschland der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen bisher nur auf Versuchsfeldern erlaubt ist? Geregelt wird der Anbau über das Gentechnikgesetz (GenTG).

der Begriff »Grüne Gentechnik« die in der Landwirtschaft eingesetzte Gentechnik und »Rote Gentechnik« die Gentechnologie im medizinischen Sektor beschreibt? »Graue Gentechnik« bzw. »Weiße Gentechnik« beziehen sich dagegen auf die in der Mikrobiologie und in der Umweltschutztechnik angewandte Gentechnologie.

seit 2004 in der EU eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte besteht, auch wenn die Veränderung im Endprodukt nicht mehr nachweisbar ist? Ausgenommen sind Fleisch, Eier und Milchprodukte, da sie selbst nicht genetisch verändert werden, oder Produkte, deren Verunreinigung mit genetisch verändertem Material unter 0,9 % liegt.

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