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Dark Patterns: Wie uns Cookie-Banner manipulieren

Fast auf jeder Website im Internet poppt als erstes ein Cookie-Banner auf – ein Hinweis darauf, dass diese Seite kleine Datenschnipsel auf unserem Rechner platziert. Das Problem jedoch: Wer diese Tracking-Daten nicht möchte, dem wird die Ablehnung der Cookies oft erschwert – eine Zustimmung hingegen ist mit nur einem Klick abgehandelt. Diese als "Dark Patterns" bezeichnete Strategie soll uns zu Einwilligung bewegen. Doch wie legal ist eine solche Manipulation? Und wie kann man sich wehren?
NPO / Verbraucherzentrale NRW, 13.04.2022
Symbolbild Internet Privacy

jdwfoto, GettyImages

Wer eine Webseite zum ersten Mal besucht, kommt an ihnen nicht vorbei: Sogenannte Cookie-Banner sollen uns darüber aufklären, welche persönlichen Informationen diese Seite über uns erhebt. Dies geschieht mithilfe von kleinen Dateien, die auf unserem Rechner deponiert werden. Diese Cookies speichern zum einen Informationen über uns wie unsere IP-Adresse, den Wohnort oder auch Daten, die wir in Web-Formulare eingegeben haben. Für manche Funktionen beispielsweise beim Online-Shopping oder -Banking sind sie sogar unverzichtbar.

Andererseits dienen diese Cookie-Dateien dem Tracking: Sie verraten, welche Websites wir besucht haben und wie lange. Die meisten Websites geben die Cookie-Daten zudem an Drittanbieter weiter, beispielsweise an Werbeanbieter oder spezielle Analysefirmen. Diese können die Nutzerdaten dann auswerten und so relativ weitgehende Nutzerprofile erstellen, die einiges über unsere persönlichen Vorlieben, Surf-Gewohnheiten und Produktinteressen verraten. Auch das verwendete Endgerät, der  Bildungsstatus oder der finanzielle Hintergrund lassen sich mithilfe spezieller Algorithmen aus diesen Profilen erschließen. Dies wiederum kann unter anderem genutzt werden, um personalisierte Werbung einzuspielen, ist aber auch anfällig für Missbrauch.

Wie Cookie-Banner uns manipulieren

Aus genau diesem Grund sind Website-Anbieter seit Einführung der Datenschutzgrundverordnung im Jahr 2018 verpflichtet, Besucher ihrer Seiten über die verwendeten Cookies und ihre Zwecke aufzuklären. Außerdem sollen die Nutzer die Möglichkeit erhalten, Cookies auch abzulehnen. Das Problem jedoch: In der Praxis wird es uns auf den meisten Websites erschwert, Cookies komplett oder zum Teil abzulehnen.

Während die Zustimmung mit einem Klick auf einen großen, meist deutlich hervorgehobenen Button einfach ist, verbirgt sich die Option des Ablehnens oft hinter unauffälligen Textlinks, die beispielsweise als "Einstellungen" betitelt werden. Ein Button "alle ablehnen" direkt auf dem ersten Cookie-Fenster ist hingegen die große Ausnahme.

"Mit Tricks bei der Gestaltung der Cookie-Banner versuchen Unternehmen die Einwilligung der Nutzer zu erschleichen, um an möglichst viele persönliche Informationen zu gelangen, diese zu sammeln und zu verarbeiten", kritisiert Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale NRW.  Experten bezeichnen solche Manipulationsversuche auch als "Dark Patterns". Dabei handelt es sich um Designs, die Nutzer zu einem Verhalten verleiten, das ihren eigentlichen Interessen widerspricht.

Symbolbild Cookie-Tracking
Die Auswertung der in den Cookies gespeicherten Daten dient zum Beispiel der Erstellung von Nutzerprofilen, die wiederum zum Ausspielen personalisierter Werbung genutzt werden.

TarikVision, GettyImages

Ist das noch legal?

Doch wie legal ist dieses Vorgehen? Eigentlich gibt es für die Cookie-Banner feste Vorgaben. So ist es beispielsweise verboten, eine Einwilligung in Form von voreingestellten Häkchen oder Kreuzchen einzuholen. Stattdessen sollen Nutzer aktiv ihre Zustimmung erteilen. Wenn voreingestellt wird, dann daher nur in Aus-Position. "Es muss für Verbraucher genauso leicht sein, Cookies abzulehnen wie sie zu akzeptieren. Nur so kann die unbedachte Preisgabe von Daten verhindert werden", erklärt Schuldzinski.

Weil die Auslegung der bestehenden Gesetze bisher eher lax ist und manipulative Cookie-Banner noch immer weit verbreitet, hat das EU-Parlament den Handlungsbedarf bei Dark Patterns erkannt und fordert in einem aktuellen Gesetzgebungsverfahren zum Digital Services Act ein weitergehendes Verbot der manipulativen Praktiken. Neben Datenschutzeinstellungen soll dies beispielsweise auch bestimmte Tricks bei Werbung in Online-Shops, bei der Annahme und Änderung von AGB oder bei Empfehlungssystemen erfassen.

Klage gegen Google

Gegen bereits bestehendes Recht verstößt nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW einer der ganz großen unter den Internet-Akteuren: Google. Die Cookie-Banner auf den Webseiten der Suchmaschine von Google sind so gestaltet, dass sich Nutzer zum Ablehnen von Cookies erst auf eine zweite Ebene klicken müssen. Dort müssen sie dann mindestens drei verschiedene Kategorien von Cookies einzeln ablehnen, bevor Google diese Einstellungen übernimmt und die Nutzer wieder auf die Startseite zurückgehen können.

Nach Meinung der Verbraucherschützer verstößt Google damit gegen nationale Datenschutz-Regelungen aus dem Telekommunikations-Telemedien-Datenschutz-Gesetz (TTDSG) sowie gegen EU-Recht. Deshalb haben die Experten nun Klage gegen Google vor dem Landgericht Berlin erhoben.

Was hilft gegen Cookies und Tracking?

Was aber kann man gegen unerwünschte Cookies und das Tracking tun? Das Wichtigste ist es, sich nicht manipulieren zu lassen: "Auch wenn es lästig ist, sollten Nutzer die Cookie-Banner nicht eilig wegklicken, sondern sich die Zeit nehmen, die Einstellungen anzupassen", rät Schuldzinski. "Es ist zudem sinnvoll, Cookies von Drittanbietern grundsätzlich im Browser zu deaktivieren. Das beeinträchtigt normalerweise auch keine wichtigen Funktionen der besuchten Webseite."

Wer die Cookies nach jeder Sitzung löscht, kann außerdem verhindern, dass ein dauerhaftes Tracking erfolgt. Eine weitere Option zum Schutz der Privatsphäre ist das Surfen im anonymen Modus – auch "Inkognito-Modus" genannt. Bei diesem werden Cookies geblockt und auch kein Browserverlauf gespeichert.

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