Lexikon

Diạspora

[
die; griechisch, „Zerstreuung“
]
1. Gebiet, in dem die Anhänger einer Konfession oder Ethnie gegenüber einer anderen in der Minderheit leben; 2. die konfessionelle oder ethnische Minderheit selbst.
Der Begriff Diaspora tauchte erstmals im Judentum auf und bezeichnet diejenigen Gemeindeglieder, die ihren Lebensmittelpunkt zwangsweise oder freiwillig in einem Ort oder Gebiet außerhalb des Heiligen Landes suchen. Mit der Ausbreitung des Christentums erfolgte eine weltweite Zerstreuung des Judentums; so breitete sich die Diaspora ab der römischen Kaiserzeit über Nordafrika nach Spanien aus, seit dem späten Mittelalter entstanden vor allem durch Vertreibung jüdische Siedlungen in Osteuropa, im 19. Jahrhundert wurde Nordamerika zu einem Schwerpunkt der Diaspora. Erst mit der Gründung des Staates Israel 1948 wurde die Diaspora beendet. Dennoch exisieren auch heute noch zahlreiche ausländische Diaspora-Gemeinden mit gleichzeitiger enger Bindung an Israel.
Das Urchristentum hatte den Diaspora-Begriff vom Judentum übernommen, erweiterte ihn aber um den Aspekt der Mission. Besonders im Zuge der Reformation und Gegenreformation bildeten sich Diaspora-Gemeinden heraus: evangelischen Minderheiten in katholischen Gebieten und katholische Diaspora in Gebieten mit überwiegend evangelischer Bevölkerung; daneben entstanden durch Auswanderung aufgrund religiöser Verfolgung Diaspora-Gemeinden in aller Welt, z. B. im 18. Jahrhundert die protestantische Diaspora in Georgia durch Salzburger Auswanderer. Heute legen christliche Diaspora-Gemeinden vor allem Wert auf eine ökumenische Partnerschaft mit der andersgläubigen Mehrheit. Darüber hinaus wird der Begriff Diaspora seit dem 20. Jahrhundert vermehrt auch auf ethnische Minderheiten angewandt, die ihre Heimat durch Krieg, politische oder rassistische Verfolgung verlassen haben. – Die evangelische Diaspora in Deutschland und im Ausland wird vom Gustav-Adolf-Werk Leipzig, die katholische Diaspora vom Bonifatiuswerk Paderborn betreut.
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