Lexikon
Dreißig Tyrannen
[Lysander richtete das Regiment der dreißig ein], und zwar in folgender Weise: Der Friedensschluss hatte ihnen [den Athenern] gestattet, in der althergebrachten Verfassung weiterzuleben, und so suchten die Demokraten die Demokratie zu retten, die Vornehmen aber, soweit sie in den Klubs waren, und die Verbannten, die nach dem Friedensschluss wieder heimkehren konnten, wünschten eine Oligarchie. Jene endlich, die nicht an einen Klub angeschlossen waren, aber darum nicht schlechter waren als die anderen, erstrebten eine Verfassung der früheren Zeit ... Ihr Anführer war vorzugsweise Theramenes. Lysander entschied sich für die Oligarchen, und das eingeschüchterte Volk wurde gezwungen, für die Oligarchie zu stimmen ...
Auf diese Weise wurde also das Regiment der Dreißig eingerichtet unter dem Archontat des Pythodoros [404 v. Chr.]. Als sie die Herrschaft im Staate gewonnen hatten, da missachteten sie die sonstigen Beschlüsse hinsichtlich der Verfassung. Sie bestellten 500 Ratsherren und die anderen Behörden aus einer Liste von 1000 ausgewählten Bürgern und nahmen 10 Verwalter des Piräus hinzu, 11 Gefängniswächter und 300 Peitschenträger als Diener, und regierten so die Stadt. Am Anfang begegneten sie den Bürgern maßvoll und schienen sich nach der althergebrachten Verfassung zu richten ... Am Anfang ... beseitigten sie die Sykophanten [Denunzianten] und die, die dem Volk gegen dessen Interesse schmeichelten, Übeltäter und schlechte Menschen waren. Über dieses Vorgehen freute sich die Stadt und meinte, jene täten es um des Wohles des Staates willen.
Als sie aber den Staat fester in ihre Hand bekommen hatten, da schonten sie keinen einzigen Bürger, sondern töten auch die, die an Vermögen, Herkunft und Ansehen hervorragten, um sich die Angst vom Halse zu schaffen und um die Vermögen konfiszieren zu können. Und nach einer kurzen Zeit hatten sie nicht weniger als 1500 Bürger beseitigt."
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