Lexikon

Merkantilsmus

[
lateinisch
]
Merkantilsystem
die Wirtschaftspolitik des Staates im Absolutismus vom 16. bis 18. Jahrhundert; in Deutschland verknüpft mit dem Kameralismus. Der Merkantilismus löste die Zunft- und Stadtwirtschaft ab und schuf die Volkswirtschaft des Territorialstaats. Das Ziel dieser Wirtschaftspolitik bestand darin, den Reichtum des Landes zu steigern und dadurch die Macht des Staates zu vergrößern. Die Ablösung des mittelalterlichen Lehnswesens und der Ritterheere durch neuzeitliche Beamtenstaaten mit Söldnerheeren ließ im 16. Jahrhundert Finanzprobleme entstehen, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Die Landesherren brauchten Geld, um ihre Beamten und Soldaten, die prunkvolle Hofhaltung und die Kriegsführung bezahlen zu können, und sie suchten durch wirtschaftspolitische Maßnahmen der Staatskasse neue Einnahmequellen zu erschließen. In diesem Bemühen wurden die Fürsten von Gelehrten unterstützt, die sich mit volkswirtschaftlichen Fragen befassten und praktische Regeln für die staatliche Wirtschaftstätigkeit aufstellten.
Im Mittelpunkt der merkantilistischen Wirtschaftspolitik stand die Förderung des Handels, vor allem des Außenhandels. Die Merkantilisten glaubten, dass eine aktive Handelsbilanz, d. h. ein Ausfuhrüberschuss, notwendig sei, wenn das Land nicht verarmen solle. Mit der Politik eines Ausfuhrüberschusses, die die Geldmenge im Inland vergrößern sollte, wurde das Ausfuhrgewerbe (Manufakturen) begünstigt (Privilegien, Monopole), während die Einfuhr von Fertigwaren und die Ausfuhr von Rohstoffen möglichst gehemmt wurden; Kolonien und Handelskompanien wurden gegründet. Vertreter des Merkantilismus waren die meisten Staatsmänner dieser Zeit, z. B. Karl V., Elisabeth I. von England, O. Cromwell, J. B. Colbert, Friedrich II., Joseph II.
Ein charakteristischer Zug des Merkantilismus ist die Bevölkerungspolitik, deren Ziel die Vermehrung der Bevölkerungszahl und die Intensivierung der Arbeitsleistung der vorhandenen Menschen war. Es wurden Auswanderungsverbote erlassen, ausländische Arbeitskräfte ins Land geholt und kinderreiche Familien unterstützt.
Als Neo-Merkantilismus wird heute eine vorwiegend auf Exportförderung und Verbesserung des Außenbeitrags ausgerichtete Wirtschaftspolitik verstanden.
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