Lexikon
Musịk
[
griechisch
]Vielfalt der Musik
Die Klassifizierung von Musik entsprechend ihrer vielfältigen Facetten erfolgt aus unterschiedlichsten Blickwinkeln: nach Zweckanwendung (Filmmusik, Tanzmusik, Schulmusik), Aufführungsform (Konzertmusik, Hausmusik), Besetzung (Orchestermusik, Vokalmusik, Blasmusik) oder Kompositionstechnik (Zwölftonmusik, elektronische Musik). Der Versuch, Musik nach ästhetischen Gesichtspunkten zu klassifizieren (Unterscheidung zwischen sog. E-Musik und sog. U-Musik), ist eher unbrauchbar, da sich die Auffassung von Musikästhetik seit dem 20. Jahrhundert grundlegend erweitert hat und nicht mehr nur auf traditionellen Grundsätzen (z. B. Tonalität, feste Instrumentierung, festes Repertoire) fußt, sondern der gegenseitigen Beeinflussung der musikalischen Stile (gerade auch im Bereich Jazz, Pop, Rock) Rechnung trägt.
Die Entwicklung der Musik als Musikgeschichte lässt sich nicht in allen Kulturen gleich gut erfassen und ist für den abendländischen Kulturkreis am besten dokumentiert. Die Periodisierung der abendländischen Musik lehnte sich in der Vergangenheit meist an die Epocheneinteilung der allgemeinen Geschichte, der Kunst- und der Literaturgeschichte an. Inzwischen ist die Forschung zu einer stilgeschichtlich neutralen Einteilung nach Jahrhunderten übergegangen, weil sich die Stil- und Epochenschemata bei zunehmendem Wissensstand als nicht mehr plausibel erweisen. Parallel zu der historischen Gliederung von Musik existiert eine Kategorisierung nach persönlichen, geografischen oder soziokulturellen Gesichtspunkten. So z. B. nach Personalstilen, die sich zunehmend seit dem 17. Jahrhundert entwickelten (Bach’sche Musik, Haydn’sche Musik), oder nach Nationalstilen, die besonders seit dem 19. Jahrhundert in zahlreichen Ländern durch eine Synthese von musikgeschichtlichen Traditionen und individueller Volksmusik entstanden. Eindeutige Werturteile waren mit Begriffen wie „entartete Musik“ im Nationalsozialismus oder „formalistische Musik“ in der UdSSR verbunden.
Außerhalb Europas, insbesondere in Afrika und Asien, haben sich äußerst unterschiedliche und oft hochstehende Musikkulturen entwickelt, deren Existenz durch europäische Einflüsse zum Teil stark gefährdet ist bzw. vielfach zu einem Crossover in Form von Weltmusik geführt hat. Wurden diese Musikkulturen in Europa lange unterschätzt, so werden sie seit dem 20. Jahrhundert besonders durch die Musikethnologie in ihrer historischen, kulturellen und sozialen Bedeutung dargestellt.
- Einleitung
- Geschichte des Musikbegriffs
- Zeitgenössischer Musikbegriff
- Vielfalt der Musik
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