Lexikon
Ruhrgebiet
Ruhrrevier; RuhrkohlenbezirkWirtschaftliche Entwicklung
Auf der Grundlage der Bodenschätze, insbesondere der Steinkohlenvorkommen, entstand das Ruhrgebiet im Berührungsraum von Niederrheinischem Tiefland, Münsterländer Bucht und Rheinischem Schiefergebirge. Aus der ursprünglich bäuerlichen Kulturlandschaft, deren Reste mit Wäldern, Äckern und Weiden noch heute das Ruhrgebiet durchsetzen, entwickelte sich ein industrielles Verdichtungsgebiet, das durch Fördertürme, Hochöfen, Halden, Industrieanlagen, Verkehrsbänder und großflächige, zusammenhängende Siedlungsbereiche geprägt war. Neben den reichen Kohlevorkommen förderte auch die günstige Verkehrslage am Schnittpunkt des Rheins mit alten Ost-West-Verkehrsstraßen (u. a. dem Hellweg) den Aufbau und Aufschwung des Ruhrgebiets, der sich nach ersten Abbauversuchen im Tage- und Stollenbau seit dem 13. Jahrhundert etwa seit der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog.
Die Ruhrzone im Süden des Ruhrgebiets (um die Städte Schwerte, Wetter, Witten, Hattingen, Essen-Werden, Kettwig) ist das älteste Bergbaurevier. Nördlich schließen sich die Hellwegzone (mit den Städten Unna, Kamen, Dortmund, Bochum, Essen, Mülheim und Duisburg), die südliche Emscherzone (Castrop-Rauxel, Herne, Gelsenkirchen, Oberhausen), die nördliche Emscherzone (Recklinghausen, Gelsenkirchen-Buer, Gladbeck, Bottrop, Oberhausen-Sterkrade, Duisburg-Hamborn, Moers) und die Lippezone (im Raum um Hamm, Lünen, Datteln, Marl, Dorsten) an. Nach Erschöpfung der Vorkommen im Süden wanderte der Kohlebergbau immer weiter nach Norden bis in die Lippezone, wo die Flöze in einer Tiefe von 600–800 m liegen.
Während das Ruhrgebiet bis 1945 neben dem Bergbau und der Stahlerzeugung im Wesentlichen die Grundstoffindustrie (Metallverarbeitung, Maschinenbau, chemische Industrie) beherbergte, haben sich seither insbesondere auch die Konsumgüterindustrien im Ruhrgebiet angesiedelt. In den 1960er Jahren setzte im Ruhrgebiet durch die Konkurrenz am Weltmarkt – vor allem durch die Förderung und den steigenden Verbrauch anderer Energieträger wie Erdöl und Erdgas sowie durch die fortschreitende Nutzung von Kernenergie – ein tiefgreifender Strukturwandel ein. Neben dem Bergbau, der zunehmend von Zechenstilllegungen betroffen war, trafen die Strukturprobleme insbesondere den Stahlbereich. Heute bestimmen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Petrochemie die Industriestruktur. Dennoch liegt die Arbeitslosenquote in einigen Städten höher als im Bundesdurchschnitt. Besondere Hoffnung wird daher auf den Ausbau des Dienstleistungssektors gelegt. Wesentliche Bedeutung kommt hier der Neugründung (ab 1965) von Universitäten zu; so existieren heute in Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund Universitäten; Hagen verfügt über eine Fernuniversität. Von diesen Hochschulen gehen wichtige Impulse auf die Entwicklung von Forschung und Consulting aus. Innovative gewerbliche Kleinbetriebe siedeln sich vor allem in den angeschlossenen Technologieparks an.
Die hohe Besiedlungs- und Industriedichte stellen hohe Anforderungen an das engmaschige Autobahn- und Schienennetz. Dem Personennahverkehr dienen die S-Bahn-Strecken. Die Binnenschifffahrt ist vor allem für den Transport von Massengütern wichtig. Wesel-Datteln-, Datteln-Hamm-, Rhein-Herne- und Dortmund-Ems-Kanal sind neben dem Rhein die wichtigsten Schifffahrtswege. Mit Duisburg-Ruhrort verfügt das Ruhrgebiet über den größten europäischen Binnenhafen.
- Einleitung
- Wirtschaftliche Entwicklung
- Umweltschutz
- Geschichte
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