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LEXIKON

Schwierigkeiten in den Kolonien

Schwierigkeiten in den Kolonien
Konquistador Lope de Aguirre sagt sich in einem berühmten Brief 1561 von seinem König Philipp II. von Spanien los und kritisiert die Zustände in den Kolonien Südamerikas:

König Philipp, Spanier, Sohn des unbesiegbaren Karl, Lope de Aguirre, dein allergeringster Untertan, alter Christ, von Eltern mittleren Standes, in meinen guten Zeiten Edelmann ... Während 24 Jahren habe ich dir große Dienste geleistet bei der Unterwerfung der Indianer von Peru und der Gründung von Ortschaften in deinem Dienst ...

Ich glaube wohl, christlicher König und Herr ..., dass jene dich täuschen, welche dir über dieses Land schreiben, da du ja so fern davon lebst. Daher zeige ich dir ... an, was nach Recht und Redlichkeit so guten Untertanen zusteht, wie du sie in diesem Land hast, obgleich ich mich, weil ich die Grausamkeiten deiner Richter, Vizekönige und Gouverneure nicht länger ertrage, zusammen mit meinen Kameraden ... von allem Gehorsam dir gegenüber losgesagt ... habe, und entschlossen bin, dir in diesen Ländern den grausamsten Krieg zu machen, den unsere Leute durchstehen können.
Halte nicht so viel von den großen Verdiensten deiner Richter, über die sie berichten. Es sind Fabeln; außer sie nennen Verdienst, aus deiner königlichen Kasse 800 000 Pesos für ihre Laster und Schlechtigkeit ausgegeben zu haben...
Besonders groß ist in diesen Ländern die Willkür der Mönche ... Ist doch da keiner, der sich weniger als ein Gouverneur dünkt. Schau, König, glaube nicht, was sie dir erzählen ... Wenn du wissen willst, was sie hier für ein Leben führen: Sie treiben Handel, machen Geschäfte, erwerben Güter und verkaufen die Sakramente, sind Feinde der Armen, Ehrgeizige und Schlemmer, so dass ein Mönch, und wäre er der geringste, über alle diese Länder zu befehlen beansprucht.
Dafür...hast du, König, die Schuld, weil...du nicht achtest, was du deinen Untertanen schuldest. Denn wenn du nicht auf sie schaust...wird es mit der Regierung nie gut geraten...
Die Mönche...hausen in den besten Wohnungen. Ihr Leben ist sehr rau; denn ein jeder von ihnen hat als Buße in seinen Küchen ein Dutzend Mädchen und ebenso viele Burschen, die für sie fischen und Rebhühner jagen."
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