Lexikon
Südafrika
Der Apartheidsstaat
1910 vereinigten sich die Kapkolonie, Natal, Oranjefreistaat und Transvaal zur Südafrikanischen Union (Union of South Africa). Sie wurde ein britisches Dominion. 1912 gründeten schwarze Südafrikaner den African National Congress (ANC), um sich gegen die Diskriminierung durch die weiße Oberherrschaft zur Wehr zu setzen. Die Union eroberte im 1. Weltkrieg (1915) Deutsch-Südwestafrika und erhielt vom Völkerbund 1920 ein C-Mandat über dieses Gebiet. Wie die anderen britischen Dominien erlangte Südafrika 1931 mit dem Westminsterstatut die Unabhängigkeit.
Der Wahlsieg der National-Partei (National Party, NP) 1948, die eine konsequente Apartheidpolitik vertrat, bedeutete eine entscheidende Zäsur in der Geschichte des Landes. Die Apartheid stieg zur Staatsideologie auf und wurde in allen Bereichen umgesetzt. Die Schwarzafrikaner erhielten gesonderte Siedlungsgebiete, „Homelands“ („Bantustans“), zugewiesen; in den übrigen „weißen“ Gebieten hatten Nicht-Weiße keine politischen Rechte. Auch im Alltagsbereich setzte das Regime die Apartheid systematisch durch: Trennung der Bevölkerungsgruppen in Schulen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Restaurants, im Umgang der Geschlechter usw.
Der schwarze Widerstand agierte unter Führung des ANC zunächst gewaltfrei. 1960 wurde der ANC verboten und musste sich im Untergrund bzw. Exil neu organisieren. Die Apartheidpolitik führte zur internationalen Isolierung des Landes. Es trat 1961 aus dem Commonwealth aus. Die Republik Südafrika wurde proklamiert. 1964 ließ das Regime Nelson Mandela, den führenden ANC-Politiker, zu lebenslanger Haft verurteilen. 1966 entzog die UNO Südafrika das Mandat über das ehemalige Deutsch-Südwestafrika (Namibia). Der Widerstand gegen das Apartheidregime wuchs. 1976 kam es zu blutigen Unruhen in Soweto. Die Entlassung der Homelands in die staatliche Unabhängigkeit wurde international nicht anerkannt. 1984 wurde unter der Regierung von Pieter Willem Botha (NP) eine neue Verfassung verabschiedet, die neben einem Präsidialsystem bestimmte politische Mitspracherechte für Farbige und Inder beinhaltete. Die Grundlagen des Apartheidsystems blieben aber unangetastet. 1988 schlossen Südafrika, Angola und Kuba ein Abkommen über den Rückzug der kubanischen Truppen aus Angola sowie die Unabhängigkeit Namibias.
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