Wissensbibliothek

Bäume – mehr als nur Holzlieferanten

»Mitnichten ist der Baum zuerst Same, dann Spross, dann biegsamer Stamm, dann dürres Holz. Man darf ihn nicht zerlegen, wenn man ihn kennenlernen will. Der Baum ist jene Macht, die sich langsam mit dem Himmel vermählt.« Dieses Bewusstsein, dem der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944) hier Ausdruck verleiht, scheint in unserer von Nützlichkeitserwägungen und analytischem Denken geprägten modernen Welt mehr und mehr abhanden zu kommen. Und dennoch: Der Anblick eines knorrigen, von Wind und Wetter gezeichneten Baumveteranen lässt kaum jemanden unberührt.

Bäume gedeihen überall dort, wo es genügend Niederschläge gibt und die Sommer ausreichend warm sind. Finden sie optimale Bedingungen vor, besiedeln sie vielfach ausgedehnte Areale. Als Wälder bedecken sie mehr als ein Viertel der Erdoberfläche. Schon von ferne präsentieren sich viele Bäume majestätisch, mit oft ausladenden Kronen, die auf mächtigen Stämmen ruhen. Genau dies definiert einen Baum: eine aus verzweigten Ästen aufgebaute Krone auf einem Stamm.

Im Lauf des langen Lebens eines Baums – Bäume können leicht mehrere Hundert Jahre alt werden – legt der Stamm beträchtlich an Länge und Umfang zu. Es gibt ausgesprochene Riesen, die mehr als 100 Meter hoch werden, etwa die kalifornischen Mammutbäume oder die australischen Eukalyptusbäume, die zu den größten Landlebewesen gehören. Ihre dicken, verholzten Stämme helfen ihnen, der enormen Kraft eines Sturmes zu widerstehen und die oft riesigen Kronen zu tragen, die nicht selten ein Gewicht von einer Tonne und mehr haben.

Vielen Tieren bieten Bäume einen reich gedeckten Tisch. Vor allem Insekten fressende Vögel mit ihren spitzen, dünnen Schnäbeln können hier reiche Beute machen. Andere nutzen ihre Krone oder hohlen Stämme als Nistplatz. Aber auch Pilzen, Algen, Flechten und anderen Pflanzen dienen Bäume als Lebensraum – sei es als Kletterhilfe, um ans Licht zu gelangen, oder als Wasser- und Nährstofflieferant. Auch für den Menschen sind Bäume lebenswichtig. Sie liefern nicht nur Rohstoff für Möbel- und Holzindustrie, sondern wirken vor allem durch die stetige Verdunstung von Wasser ausgleichend auf das Klima.

Nadelbäume: Immergrüne, dunkle Wälder

Woran lassen sich Fichten und Tannen unterscheiden?

An ihren Nadeln und Zapfen. Bei Fichten (Gattung Picea) hinterlassen die Nadeln nach dem Abfallen deutliche, stielartige Blattkissen oder -höcker am Zweig, bei Tannen (Gattung Abies) verbleiben dagegen nur runde, flache Narben. Wenn die Bäume schon reife Zapfen tragen, verraten sie auch hiermit ihre Gattungszugehörigkeit: Bei Tannen stehen die reifen Zapfen aufrecht, bei Fichten dagegen hängen sie mit der Zeit herab. Nach der Reife fallen sie bei den Fichten als Ganzes herab, während sie bei den Tannen zerfallen, die Zapfenspindel aber am Zweig verbleibt. Außerdem ist die Borke der Fichte von rotbrauner Farbe, weshalb sie auch Rottanne genannt wird, die der Tanne dagegen ist silbergrau.

Weshalb sind Fichten beliebte Forstbäume?

Weil sie nur geringe Ansprüche an den Boden stellen und vor allem sehr schnell wachsen. Die Gewöhnliche Fichte (Picea abies) beispielsweise nimmt in Deutschland als häufigster Waldbaum ein Drittel der Waldfläche ein. Sie ist nicht nur an ihren natürlichen Standorten zu finden, sondern wurde seit dem 18. Jahrhundert vielerorts gezielt zur forstlichen Nutzung angepflanzt. Der wegen seiner charakteristischen rotbraunen Schuppenborke auch Rottanne genannte Nadelbaum wächst schnell und kann bis 50 Meter Höhe erreichen. Mit dem enormen Massenzuwachs der Gewöhnlichen Fichte hält in Europa kaum eine andere Baumart Schritt. Das helle, leicht zu bearbeitende Holz lässt sich vielfältig verwenden, als Bau- und Möbelholz ebenso wie für die Herstellung von Papier oder Zündhölzern.

Übrigens: Die Weißtanne (Abies alba) ist in der Waldflächenstatistik nur unter ferner liefen zu finden und ihre natürlichen Bestände gelten sogar als gefährdet. Die 30–50 Meter hohe Baumart war früher in mittleren Gebirgslagen Mittel- und Südeuropas weit verbreitet und wurde durchaus auch als Forstbaum angepflanzt. Doch ihre Ansprüche an den Boden sind recht hoch, außerdem braucht sie reichlich Luftfeuchtigkeit und reagiert sehr empfindlich auf Schadstoffe in Luft und Böden.

Welche Nadelbäume produzieren essbare Samen?

Verschiedene Kieferngewächse. Am bekanntesten sind hierzulande sicherlich die Pinienkerne. Sie stammen von der 15–20 Meter hohen Pinie (Pinus pinea), die im gesamten Mittelmeerraum, Kleinasien und auf den Kanarischen Inseln wächst und an ihrer schirmförmigen Krone leicht zu erkennen ist. Schon die alten Römer kultivierten die Pinie wegen ihrer essbaren Samen, die sie gerne in Honig einlegten. Die Italiener nennen sie »Pinoli«, stellen Süßigkeiten daraus her oder fügen sie geröstet Pastagerichten bei. Ähnlich wie Pinienkerne schmecken die Kerne der Zirbelkiefer oder Arve (Pinus cembra), die in den Alpen bis an die Baumgrenze emporsteigt. Zirbelnüsse dienten im Alpenraum früher als Nahrungsmittel.

Die in den westlichen USA und in Mexiko heimische Zuckerkiefer (Pinus lambertiana), die stattliche 55 Meter erreicht, liefert nicht nur essbare Samen, sondern auch einen Zuckerersatz. Wird der Stamm der Bäume verletzt, scheiden sie eine zuckerhaltige Masse aus, das »kalifornische Manna«, das den nordamerikanischen Indianerstämmen einst als Süßstoff diente.

Werfen Nadelbäume ihre Nadeln niemals ab?

Doch. Bei den immergrünen Vertretern wie Kiefern, Tannen und Fichten geschieht dies nur relativ unauffällig. Sie werfen ihre Nadeln, die mehrere Jahre alt werden können, nach und nach ab. Dagegen verlieren Lärchen (Gattung Larix) als einzige Nadelbäume in jedem Herbst ihre gesamten Nadeln. Auf diese Eigenart verweist z. B. der botanische Name der Europäischen Lärche, der Larix decidua lautet: Der Zusatz »decidua« bedeutet »abfallend«. Ihre volle Schönheit entfalten Lärchen im Herbst, wenn sich ihre Nadeln goldgelb färben.

Übrigens: Im Wellnessbereich sind die ätherischen Öle der Nadeln und Zweige von Fichten besonders gefragt. Fichtennadelbäder helfen bei Nervosität, Schlafstörungen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Für die medizinische Anwendung, etwa bei Sportverletzungen, hat sich besonders das Öl der Latschenkiefer (Pinus mugo) bewährt, das ebenfalls aus den Nadeln gewonnen wird.

Zeigen Tannenzapfen tatsächlich das Wetter an?

Ja. Nicht nur die reifen Zapfen der Tannen, sondern auch diejenigen von Kiefern, Fichten und Lärchen lassen sich als zuver lässige Wetterpropheten nutzen. Sie sind natürliche Hygrometer, also Luftfeuchtemesser. Bei hoher Luftfeuchtigkeit, die oft nahenden Regen ankündigt, bleiben sie fest geschlossen. Unter trockenen, warmen Bedingungen dagegen geben sie ein Schönwettersignal, denn dann spreizen sich die Schuppen weit ab, um die Samen freizugeben. Das kann sich aber innerhalb weniger Stunden wieder umkehren, falls ein Wetterumschwung bevorsteht.

Die beschriebenen Reaktionen auf die Luftfeuchtigkeit lassen sich auch an einem abgetrennten Zapfen beobachten. Befestigt man ihn auf einem Holzbrett, steckt einen Trinkhalm zwischen die Schuppen und klebt diesen unten fest, wird er zum richtigen Wetterzeiger: Beim Schließen der Schuppen bewegt sich der Halm nach oben und verkündet nahendes Schlechtwetter, beim Öffnen wandert der Trinkhalmzeiger nach unten und lässt auf sonnige Tage hoffen.

Wie entstehen die Jahresringe?

Durch das unterschiedliche Wachstum im Sommer und im Winter. Mit Beginn der Vegetationsperiode im Frühling bildet die Wachstumsschicht (Kambium) nach innen große Zellen, die den Holzteil anwachsen lassen (Frühholz). Zum Herbst hin werden diese Tochterzellen immer kleiner (Spätholz), bis schließlich die Zellteilungen aufhören und der Baum sein Wachstum einstellt. Ein weiterer Jahresring beginnt zu entstehen, wenn im nächsten Frühling wieder größere Holzzellen gebildet werden, die an die kleinen aus dem letzten Herbst anschließen. An dieser Stelle ist die Jahresringgrenze als ein scharfer Übergang zu erkennen.

Jahresringe stehen für das Alter eines Baums, verraten aber auch etwas über die spezifischen Umweltbedingungen, unter denen ein Baum herangewachsen ist. Breite Ringe zeigen z. B. ein kräftiges Wachstum an, schmale Ringe verweisen auf schlechte Jahre mit vielleicht hohem Schädlingsbefall oder wenig Regen. Ovale Ringe mit einem unterschiedlich starken Wachstum deuten darauf hin, dass der Baum an einem Hang gestanden hat oder starkem Wind von einer bestimmten Seite ausgesetzt war.

Wo beherrschen Nadelbäume die Landschaft?

In der Taiga. Entlang des nördlichen Polarkreises erstreckt sich das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde, das nur von Atlantik und Pazifik unterbrochen wird. Dabei handelt es sich um ein viele Millionen Hektar umfassendes, immergrünes Band, das überwiegend aus Nadelbäumen besteht und sich von Skandinavien über Sibirien bis zur Beringstraße und weiter über große Teile Kanadas und Alaskas hinzieht. Insgesamt wachsen in diesen Wäldern über 50 Prozent aller weltweit vorkommenden Koniferen, wobei Fichten-, Kiefern-, Tannen- und Lärchenarten den Hauptteil ausmachen.

So artenarm die Taiga im Vergleich etwa zum tropischen Regenwald auch erscheinen mag, für das Leben auf der Erde haben die riesigen Nadelwälder des Nordens vermutlich eine sehr wichtige Bedeutung. Zwar ist die genaue Rolle, die die Taiga für das globale Klima spielt, im Einzelnen noch nicht erforscht, aber es steht fest, dass die gewaltigen, in weiten Teilen noch ursprünglichen Wälder der Luft tagtäglich durch Fotosynthese ungeheure Mengen Kohlendioxid entziehen und in ihren Stämmen, Ästen und Blättern speichern. Daher sieht man es auch mit einer gewissen Besorgnis, dass allein in Nordamerika zwischen 1990 und 2000 eine Waldfläche von der Größe der Schweiz durch Abholzung verloren gegangen ist. Auch im europäischen Teil Russlands fallen der Kettensäge jährlich etwa 15 000 Hektar Taigawald zum Opfer.

Weshalb stirbt der Wald?

Weil die Luftschadstoffe zunehmen. Eine der Hauptursachen des sog. Waldsterbens ist Schwefeldioxid (SO2), das als Verbrennungsprodukt aus Kraftwerken, Industrieanlagen und Heizungen in die Luft entweicht. In höheren Konzentrationen kann es zum einen die Spaltöffnungen der Blätter und damit den Wasserhaushalt der Bäume beeinträchtigen; zum andern verursacht es beim Eindringen in die Blätter schwere Wuchsstörungen. Lösen sich die Luftschadstoffe im Regen, bilden sich Schwefel- und Salpetersäure, der Niederschlag ist folglich säurehaltig (»saurer Regen«). Dieser schädigt nicht nur Außenhaut und Wachsschichten der Blätter, sondern er führt auch dazu, dass der Boden nachhaltig versauert. Dadurch gehen wichtige Pflanzennährstoffe verloren, gleichzeitig werden pflanzenschädliche Stoffe freigesetzt. Darüber hinaus wird auch die Lebensgemeinschaft mit Bodenpilzen, auf die gerade Nadelbäume stark angewiesen sind, stark gestört oder gar zerstört.

Gelbliche bis bräunliche Blätter, bei Nadelbäumen mehr oder weniger starker Nadelfall – das waren und sind die ersten, oft noch unspezifischen Anzeichen der Schäden. Zunehmend verkahlen dann die Äste, bei Nadelbäumen in Stammnähe, bei Laubbäumen an der äußeren Krone. In der Folge werden die Astspitzen von Laubbäumen dürr, Fichten lassen die Zweige schlaff herabhängen (»Lamettasyndrom«) und Tannen bilden ausgeprägte flache Storchennestkronen an der Stammspitze. Typische Symptome sind auch in großer Zahl gebildete »Angsttriebe« auf den Astoberseiten. Schließlich sterben bei Nadelbäumen die Wipfel ab, bei Laubbäumen große Teile der Krone.

Was ist Harz?

Ein Gemisch nichtflüchtiger Kohlenwasserstoffe, das an der Luft zu einer glasartigen, gelblich bis bräunlich gefärbten Masse erstarrt. Harz enthält immer auch ätherische Öle – flüssige und sehr leichtflüchtige Kohlenwasserstoffgemische. Als Balsam werden solche Harze bezeichnet, deren Gehalt an ätherischen Ölen besonders hoch ist und die lange zähflüssig bleiben, statt zu verhärten. Auf der Basis von Harzen und Balsamen werden z. B. Terpentin, Lacke, Firnisse und Kolophonium hergestellt.

Bäume produzieren Harz vor allem dann, wenn sie verletzt werden. Denn der zähflüssige Stoff ist ein effektiver Wundverschluss, der verhindert, dass beispielsweise Bakterien eindringen und Krankheiten verursachen.

Wussten Sie, dass …

Lärchen das feinste Harz liefern? Als »venezianisches Terpentin« war es früher ein verbreitetes Volksheilmittel gegen Lungen- und Hautkrankheiten.

Bernstein von Kiefern stammt? Er ist das fossile Harz von Kiefern, die vor 30–50 Millionen Jahren im heutigen Ostseeraum wuchsen.

die Latschenkiefer ihren Namen ihrer Wuchsform verdankt? Sie gedeiht im Gebirge noch an der oberen Waldgrenze, allerdings dann meist niederliegend (»latschend«) bis verkrüppelt.

Wussten Sie, dass …

Kiefern den »Schwefelregen« verursachen? Sie verteilen im Mai und Juni ihre Pollen so zahlreich und weitläufig, dass sie in Kiefernwaldregionen fast wie gelber Niederschlag vom Himmel fallen.

Tannen die Hitliste der Weihnachtsbäume anführen? Am beliebtesten ist inzwischen die Nordmanntanne (Abies nordmanniana), dann folgt der jahrelange Spitzenreiter, die Blaufichte oder »Blautanne« (Picea pungens ’Glauca‘).

Wo wächst der seltenste Baum der Erde?

In Australien. Erst 1994 entdeckte man in einer unwegsamen, feuchten Sandsteinschlucht der Blue Mountains 20 ausgewachsene Exemplare der Wollemi-Kiefer (Wollemia nobilis). Weitere Vorkommen kennt man nicht, sie sind damit die seltensten Bäume der Erde. Ihren genauen Standort hält die australische Regierung geheim, damit ihr Vorkommen am Naturstandort nicht gefährdet wird. Bemühungen, den Baum in Kultur zu vermehren, sind erfolgreich, so dass interessierte botanische Gärten bald mit Jungpflanzen versorgt werden sollen. Die Gehölze wachsen schlank säulenförmig, bis 35 Meter hoch, ihre Rinde ist von unzähligen schwammartigen Knöllchen bedeckt. Die Bäume gehören zu den Araukariengewächsen, einer Familie, die in früheren Erdzeitaltern wesentlich weiter verbreitet war als heute.

Zypressengewächse: Bäume des Lebens

Weshalb sind Zypressen am Mittelmeer so häufig?

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist die Zypresse (Cypressus sempervirens), deren ursprüngliche Heimat die Gebirge des östlichen Mittelmeerraums sind, durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit für das heiße, trockene Klima dort bestens geeignet. Zum anderen gilt sie dank ihrer immergrünen Erscheinung und ihres langen Lebens im mediterranen Raum seit alters her als Symbol der Trauer und der Ewigkeit. Deshalb werden die attraktiven Bäume in Südeuropa häufig auf Friedhöfen angepflanzt; man findet sie aber auch am Rand von Alleen oder in Parks. Doch Zypressen werden auch als Forstbäume kultiviert. Denn das duftende, schwere und sehr dauerhafte Holz ist als Tischler- und Werkholz sowie für Drechslerarbeiten sehr begehrt; so stellte man schon im alten Ägypten aus Zypressenholz Särge her.

Übrigens: Nicht immer haben Zypressen die bekannte schmale, pyramidenartige Form, die wir als typisch für die Länder Südeuropas empfinden. Es gibt auch Varietäten mit schirmförmiger und sogar mit hängender Wuchsform.

Was ist die »Zypresse des Nordens«?

Es handelt sich um den Gemeinen Wacholder (Juniperus communis var. communis). Diesen volkstümlichen Namen verdankt er seinem säulenartigen Wuchs. Bis zu zehn Meter hoch und 100 Jahre alt wird dieser Charakterbaum der trockenen Heideflächen der norddeutschen Tiefebene, der auch an steilen Hängen der Schwäbischen Alb anzutreffen ist. Er braucht viel Licht, stellt jedoch wenig Ansprüche an den Boden – wie seine Verbreitung hierzulande zeigt.

Die widerstandsfähigen Sträucher liefern ein begehrtes Gewürz: die Wacholderbeeren. Im Sauerkraut gelten sie als nahezu unverzichtbar, als Würze für Fleischgerichte wie Sauerbraten und Wild geben sie diesen Speisen erst den richtigen Pfiff. Geschmack und Würzkraft hängen jedoch stark davon ab, wo die Sträucher wachsen; die besten Qualitäten kommen aus Italien.

Wer atmet mit dem Knie?

Die Sumpfzypressen (Gattung Taxodium). Rund um die Stämme mit zimtfarbener Rinde erscheinen seltsame, fast schon surrealistisch anmutende Gebilde. Es sind sog. Wurzelknie, senkrecht aufragende holzige Auswüchse, die sich aus den horizontal wachsenden Wurzeln entwickeln. Die Wurzelknie können bis zu 1,50 Meter über die Wasseroberfläche hinauswachsen und ermöglichen als Atemwurzeln dem Baum das Überleben auf überschwemmten Standorten, da sie wie Schnorchel die Sauerstoffversorgung sichern.

Wie groß ist der höchste Baum der Erde?

Mit über 112 Metern gilt der Küstenmammutbaum »Stratosphere Giant« als größter Baum der Erde. Er steht im Humboldt Redwoods State Park in Kalifornien. Küstenmammutbäume (Sequoia sempervirens), auch Küstensequoien genannt, überragen zwar die ihnen verwandten Mammutbäume (Sequoiadendron giganteum), aber die Dicke ihrer berühmten Vettern erreichen sie mit einem durchschnittlichen Stammdurchmesser von sieben Metern nicht.

Im Sequoia National Park an der Westküste der USA steht nämlich »General Sherman«, ein Mammutbaum mit einem Stammumfang von 25,9 Metern und einer Wuchshöhe von über 83 Metern. Mit einem Volumen von 1560 Kubikmetern ist er einer der mächtigsten Vertreter seiner Zunft – genauso wie der »General Grant« im King's Canyon National Park, der eine Wuchshöhe von über 81 Metern, einen Umfang von 27,7 Metern und ein Volumen von 1360 Kubikmetern erreicht.

Die letzten Vorkommen dieser hölzernen Wolkenkratzer, deren Stämme gegen Insektenfraß und Pilzbefall immun sind und die selbst Feuersbrünste schadlos überstehen, müssen heute in Schutzgebieten vor den gefräßigen Kettensägen der Holzindustrie bewahrt werden.

Wie werden Lebensbäume genutzt?

Auf verschiedene Weise. Wie ihr intensiver Duft nach Kampfer und Salbei verrät, enthalten ihre Blätter und Zweige ätherische Öle; sie sind heute in der Parfümindustrie sehr gefragt. Hierzulande ist vor allem der Abendländische Lebensbaum (Thuja occidentalis) als Zierbaum beliebt, von dem es über 140 Kulturformen gibt. Anspruchslos, schnellwüchsig, schnittverträglich und vor allem auch kostengünstig zu erwerben, frieden Thujenhecken allerorten Gärten ein.

Für die Indianer im pazifischen Nordwesten der USA waren Lebensbäume – genauer der Riesenlebensbaum (Thuja plicata) mit seinem schnurgeraden Stamm von bis zu 55 Metern Höhe – einst die wichtigsten Waldbäume. Aus seinem leichten, aber dauerhaften Holz mit den langen, geraden Fasern schnitzten sie Totempfähle und Kanus oder stellten sie lange Bretter her, und aus seiner Rinde flochten sie Netze und Decken. Urwälder aus Riesenlebensbäumen gibt es heutzutage nur noch als Reste in wenigen entlegenen Nationalparks.

Hat die Wacholderbeere medizinischen Nutzen?

Ja. Juniperi fructus, wie die blauschwarze Beere wissenschaftlich korrekt heißt, liefert die Droge, die Bestandteil vieler Tees ist. Man trinkt sie zur Anregung der Nierenfunktion und zur Entwässerung, außerdem wird sie Tinkturen gegen Gelenkentzündungen, chronischen Hautleiden und Blähungen zugesetzt. Das Wacholderbeeröl findet sich in Einreibungen gegen Rheuma wieder und wird zum Inhalieren bei Bronchitis genutzt. Übrigens: bei der »Beere« handelt es sich eigentlich um einen Zapfen, der von den miteinander verwachsenen, fleischigen Samenschuppen gebildet wird.

Wann wurden lebende Urweltmammutbäume entdeckt?

Im Jahre 1944. Bis dahin war Metasequoia glyptostroboides ausschließlich als fossile Konifere bekannt und galt als ausgestorben. Doch 1944 entdeckten Forscher im Westen Chinas einen lebenden Bestand der schnell wachsenden, bis 60 Meter hohen, widerstandsfähigen Bäume. Ihre Nadeln sind sommergrün und färben sich im Herbst auffallend gold- und rostfarben.

Wussten Sie, dass …

der Virginische Wacholder das rote Zedernholz liefert? Es wird für die Herstellung edler Bleistife verwendet.

Wacholder als Hüter des Übergangs vom Diesseits zum Jenseits galt? Alten Überlieferungen zufolge wacht er deshalb an den Eingängen zu Zwergenhöhlen.

»El Arbol« eine berühmte Sumpfzypresse ist? Schon Alexander von Humboldt (1769–1859) war von der gewaltigen Mexikanischen Sumpfzypresse (Taxodium mucronatum) beeindruckt, die es auf einen Umfang von 58 Meter bringt.

Eiben: Selten und giftig

Wieso sind Eiben heute in freier Natur so selten?

Weil ihr festes, aber nachgiebiges Holz bei den Bognern zur Herstellung von Bögen, Lanzen und Armbrüsten besonders gefragt war und ist. Auf diesen wichtigen Verwendungszweck verweist bereits der Name »Eibe«, denn das althochdeutsche »iwa« bedeutete sowohl »Eibe« als auch »Bogen«. Auch Robin Hood soll einen eibenen Langbogen – die wichtigste Kriegswaffe Englands während des Mittelalters – besessen haben! Der große Bedarf dezimierte die ausgedehnten englischen und schottischen Eibenbestände bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts so stark, dass Eibenholz aus dem Alpenraum, Polen und Spanien eingeführt werden musste.

Eiben sind übrigens hauptsächlich über die nördliche Hemisphäre bis hin nach Südostasien verbreitet. Die Gemeine Eibe (Taxus baccata) ist der einzige Vertreter dieser Familie in Mitteleuropa. In Deutschland sind Eiben in der freien Natur nur noch selten anzutreffen. Dabei müssen sie einmal weit verbreitet gewesen sein – noch heute zeugen Ortsnamen wie Eibelstadt, Ibenheim oder auch Eibsee davon. Durch den Raubbau in vergangenen Jahrhunderten sind die Bestände jedoch so dezimiert worden, dass die Eibe heute vollständig unter Naturschutz gestellt ist.

Seit wann wird Eibenholz genutzt?

Pfahlbautenfunde aus der Steinzeit zeigen, dass die Menschen bereits damals das schwere, elastische und sehr widerstandsfähige Eibenholz schätzten, um daraus Schüsseln, Löffel und Kämme herzustellen oder es als Bauholz zu nutzen. Im Mittelalter gab es dann einen regelrechten Raubbau an den vorhandenen Eibenwäldern. Unzählige Bäume wurden gefällt, um daraus Waffen herzustellen. Nürnberger Händler verkauften zwischen 1531 und 1590 mehr als eine halbe Million Eibenbögen, vorwiegend nach England.

Das braunrote Eibenholz ist noch fäulnisresistenter als das der Eiche, lässt sich gut bearbeiten und dunkelt ebenholzartig nach. Bis ins hohe Mittelalter ließen Burgherren Eiben rings um ihre Wehranlagen pflanzen, um genügend Material für die Waffenherstellung verfügbar zu haben.

Sind alle Teile der Eibe giftig?

Ja, bis auf den roten Samenmantel sind alle Teile der Eibe giftig: 50 bis 100 Gramm Eibennadeln genügen angeblich, um einen Menschen zu töten. Verantwortlich für die toxische Wirkung ist das Taxin, eine Mischung verschiedener Alkaloide, das Herzstillstand hervorruft. Das Gift ist in allen Teilen des Baumes enthalten, auch in den Samen, nicht aber im roten Fleisch des becherförmigen Samenmantels, der die Samen umhüllt. Entfernt man diese, ist der klebrige, süßlich schmeckende Samenmantel sogar essbar. Im Alpenraum verarbeitete man ihn früher mancherorts sogar zu Mus. Auch Vögel, die von den leuchtend roten Beeren angelockt werden, können diese unbeschadet verzehren. Sie scheiden nämlich die Samen unversehrt wieder aus, die dann sofort zu keimen beginnen.

Eibengift wirkt nicht auf alle Lebewesen in gleicher Weise: Wiederkäuern wie Kühen oder Ziegen schaden Eibennadeln im Allgemeinen nicht und Rehe fressen Eibenzweige sogar besonders gern. Für Pferde dagegen ist eine Menge von etwa 500 Gramm bereits tödlich.

Seit wann weiß man um die Giftigkeit der Eibe?

Die Giftigkeit der Eibe war schon in der Antike bekannt. Bei Kelten und Römern war der Baum den Todesgöttinnen geweiht. Die Kelten verwendeten Giftpfeile, die mit einem Absud aus Eibengrün getränkt waren. Dass jedoch schon der Schatten der Eibe schädlich sei, wie behauptet wurde, gehört ins Reich der Legenden.

Verschiedene Eibenarten finden sogar in der Medizin Verwendung: In Japan beispielsweise werden die Nadeln der Japanischen Eibe (Taxus cuspidata) gegen Diabetes eingesetzt. Und die Rinde der Pazifischen Eibe (Taxus brevifolia) enthält einen viel versprechenden Wirkstoff gegen einige Krebsarten.

Welcher Inhaltsstoff macht Eiben für die Medizin interessant?

Taxol. Dieser Stoff, der eine erstaunliche Wirkung bei Brust- und Eierstockkrebs zeigt, findet sich in der Rinde der Pazifischen Eibe (Taxus brevifolia), die in den USA beheimatet ist. Es ist ein Zellgift, das das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen verhindert. Für die Therapie einer einzigen Patientin werden etwa zwei Gramm Taxol benötigt – und um diese zu gewinnen, müssten zwei Bäume gefällt und die Rinde aufgearbeitet werden. Um die bereits bedrohten Bestände der Pazifischen Eibe zu schonen, wählt man deshalb einen anderen Weg: Die Nadeln von Taxus baccata enthalten nämlich eine verwandte Substanz, aus der Taxol künstlich hergestellt werden kann. Aus ihren – immer wieder nachwachsenden – Zweigen wird heute der Rohstoff für das Krebsmittel gewonnen.

Wussten Sie, dass …

die Eibe der einzige Giftbaum Europas ist?

die Eibe der einzige Nadelbaum ist, der keine Zapfen besitzt?

Eiben sehr alt werden? Das älteste Exemplar soll über 2000 Jahre alt sein, es steht im schottischen Fortingall.

die Eibe zusammen mit dem Buchsbaum das härteste Holz aller einheimischen Bäume aufweist?

Ginkgo biloba: Ein lebendes Fossil

Was ist einzigartig am Ginkgo?

Seine Blätter und die männlichen Geschlechtszellen. Steht man einem Ginkgo (Ginkgo biloba) zum ersten Mal gegenüber, fallen seine ungewöhnlichen Blätter auf: Fächerförmig, mit feinen Nerven durchzogen und in der Mitte mit einem Einschnitt versehen, erinnern sie an die Fiederblätter mancher Farnarten. Auch die Tatsache, dass die männlichen Geschlechtszellen dank einer Geißel frei beweglich sind, rückt ihn eher in die Nähe der Sporenpflanzen wie Farne, Moose und Algen. Andererseits geht jedoch die Befruchtung wie bei den Samenpflanzen vonstatten: Gelangen die männlichen Geschlechtszellen auf die Samenanlage, wächst ein Pollenschlauch bis zur Eizelle. Auch die Struktur des Ginkgoholzes ist dem der Samen tragenden Koniferen sehr ähnlich.

Übrigens: Die Samen des Ginkgo kann man essen; in China und Japan werden sie geröstet oder zu Suppen und anderen gekochten Speisen verarbeitet.

Seit wann gibt es den Ginkgobaum?

Die Urahnen des Ginkgobaums tauchten bereits vor rund 280 Millionen Jahren auf, seine direkten Vorfahren sind allerdings erst etwa 80 Millionen Jahre später belegt. Angesichts seiner altertümlichen Merkmale wurde der Ginkgobaum schon von Charles Darwin als »lebendes Fossil« angesehen, dessen Stammbaum weit in die Erdgeschichte zurückreicht. Ihre Blütezeit entfalteten die Ginkgogewächse im Erdmittelalter vor ca. 150 Millionen Jahren, als sie in schätzungsweise über 100 Arten auf der gesamten Nordhalbkugel, aber auch im heutigen Chile, in Südafrika, Teilen Australiens und in Neuseeland verbreitet waren. Vor rund 70 Millionen Jahren existierten bereits Arten, die sich von dem heutigen Ginkgo biloba nicht mehr unterscheiden. Sie waren noch bis vor rund fünf Millionen Jahren Charakterbäume der Laubmischwälder Nordamerikas und Europas. Heute gibt es nur wenige Überlebende an natürlichen Standorten: Das letzte Refugium liegt im Tien-Mu-Shan-Gebirge im Südosten Chinas.

Was macht die Heilkraft des Ginkgo aus?

Seine Inhaltsstoffe helfen bei vielen Altersbeschwerden wie Gedächtnis- und Durchblutungsstörungen. Mit Pflastern aus Ginkgoblättern heilt man Wunden. Tee aus Ginkgonüssen wird bei Asthma, Husten und bei Nervosität verordnet. Die Wirkungsweisen führen Mediziner auf ein Gemisch aus besonderen Pflanzenstoffen (Biophenole) zurück. Die Samen werden wegen ihres Gehalts an Ginkgolsäure auch als Heilmittel gegen Tuberkulose eingesetzt: Diese vermag noch in starker Verdünnung das Wachstum von Tuberkulosebakterien zu hemmen.

Die Heilkraft des Ginkgo ist seit Jahrtausenden bekannt, denn so lange wird er bereits in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. In der westlichen Medizin sucht man mit Ginkgo-Extrakt vor allem Konzentrations- und Lernstörungen, ein nachlassendes Gedächtnis und Altersverwirrtheit sowie periphere Durchblutungsstörungen zu behandeln. Auch bei Rauschen, Pfeifen, Schwindel oder Klingeln im Ohr (Tinnitus) erzielen Heilkundige mit Ginkgo Erfolge. Die Inhaltsstoffe dieses Baumes schützen die Nervenzellen und erhalten oder verbessern die Gehirnfunktion, indem sie kleine und kleinste Blutgefäße erweitern, welche die Nerven versorgen. Mit Ginkgopräparaten soll es sogar gelungen sein, bei Alzheimer-Patienten den Abbau der Hirnfunktionen erfolgreich hinauszögern.

Wo wird der Ginkgo als heilig verehrt?

In China und Japan. In Japan beispielsweise stehen die Baumveteranen unter Naturschutz, oft wachsen sie auf Anhöhen in der Nachbarschaft von Tempeln und Gräbern, manche überragen die Ortschaften als Wahrzeichen. Japaner verehren die Bäume wegen ihrer Lebenskraft und Wunderverheißung. Als Wohnort von Geistern ist der Baum hoch geschätzt und gefürchtet zugleich. Seit Jahrhunderten erbitten Menschen Hilfe beim Ginkgo: Bauern erflehen von ihm Regen für den Reisanbau, Frauen bitten um Milch zum Stillen der Kinder – Ginkgos fanden und finden sich auf diese Weise in Volkserzählungen, Mythen und Geschichten wieder.

Auch in Kunst und Malerei hat er seinen festen Platz: In unzähligen Gemälden und Zeichnungen tauchen Ginkgomotive auf, und in vielen Gedichten wird er gepriesen. In der europäischen Dichtkunst hat ihm Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ein literarisches Denkmal gesetzt: Er sah in dem zweilappigen Laub ein Sinnbild für das Eins- und Doppeltsein und verfasste mit »Ginkgo biloba« eines der schönsten Liebesgedichte.

Wussten Sie, dass …

der Ginkgo auch noch unter anderen Namen bekannt ist? Er heißt auch Entenfußbaum, Elefantenohrbaum, Silber- oder Hügelaprikose, Fächerblattbaum, Mädchenhaarbaum, chinesischer Tempelbaum, Vierzig-Taler-Baum oder Goethebaum.

ein Ginkgo die Atombombe von Hiroshima überlebte? Bereits ein Jahr nach dem Abwurf der Atombombe 1945 schob sich aus der Wurzel ein neuer Spross, obwohl der Baum nur einen Kilometer vom Explosionszentrum entfernt gestanden hatte.

Wann kam der Ginkgo nach Europa?

Etwa 1750, nachdem ihn der Naturforscher Engelbert Kämpfer (1651 bis 1716) im Jahr 1712 erstmals beschrieben hatte. Zunächst als kostbarer Exot in den botanischen Gärten von Utrecht und Leiden gehegt, avancierte der Ginkgo im Laufe der Jahrhunderte zu einem beliebten Park- und Alleebaum; einer der ältesten Ginkgobäume Deutschlands – 1796 gepflanzt – kann übrigens im Schlosspark Dyck im Rheinland bewundert werden.

Eichen: Brotbaum, Forstbaum und Symbol

Was verstehen wir unter »der Eiche«?

Wenn in Mitteleuropa von »der Eiche« die Rede ist, dann handelt es sich eigentlich um zwei Arten: die Stieleiche (Quercus robur) und die Traubeneiche (Quercus petraea). In Deutschland machen sie zusammen etwa zehn Prozent der Waldfläche aus.

Bei der Stieleiche sitzen Blüten und Früchte (also die Eicheln) zu ein bis drei Paaren an einem langen grünen Stiel. Dies und die blaugrünen gelappten Blätter sind ihr Erkennungszeichen. Als Lichtbaum der mittleren und tiefen Lagen wächst sie häufig in lockeren Laubmischwäldern, zuweilen auch in Auen und Flussniederungen. Ihr Stamm bleibt nicht bis in den Wipfel erhalten, sondern verzweigt sich gewöhnlich in der Krone zu dicken, knorrigen Ästen.

Die Blätter der Traubeneiche sind weniger tief gelappt als die der Stieleiche und sitzen an längeren, allerdings gelblichen Stielen. Wichtigster Unterschied zur Stieleiche: Bei der Traubeneiche erscheinen die Eicheln »traubig« zu mehreren an einem kurzen Stiel. Traubeneichen sind in ganz Europa und Anatolien verbreitet. Es sind anspruchslose Bäume, die auch auf trockenen, steinigen Böden gedeihen. Ein weiterer Unterschied zur Stieleiche ist der Stamm, der meist gerade bis zum Wipfel durchläuft. Beide Eichenarten werden etwa 20 bis 30 Meter hoch.

Was zeichnet die Roteiche aus?

Die Roteiche (Quercus rubra) ist eine nordamerikanische Eichenart, die besonders robust und schnellwüchsig ist. Wegen des rasanten Wachstums von bis zu zwei Meter pro Jahr wird sie in Europa nicht nur als Parkbaum mit herrlicher Herbstfärbung, sondern auch als Forstbaum gepflanzt. Erkennbar ist die Roteiche an ihren besonders großen Blättern, die eine Länge bis zu 20 Zentimeter erreichen und tiefer eingeschnitten sind als bei anderen Eichenarten. Außerdem erscheinen die Eicheln einzeln oder zu zweit an kurzem Stiel.

Warum ist Eichenholz so begehrt?

Vor allem, weil es dem Holz aller anderen einheimischen Bäume in Härte und Haltbarkeit überlegen ist. Eichenholz schwindet nur mäßig, es muss jedoch vor der Verarbeitung sehr lange trocknen, da es zur Rissbildung und zum Aufwerfen neigt. Es wird vor allem als Bauholz und für Möbel verwendet. Unentbehrlich sind auch Eichenfässer bei der Herstellung von Hochprozentigem, da sie Sherry, Whiskey und Barrique-Weinen ihren unverwechselbaren Charakter verleihen. Als »Mooreiche« wird Eichenholz bezeichnet, das über Jahrhunderte in Mooren und Sümpfen gelegen hat. Es wird meist zufällig, etwa beim Trockenlegen der Moore, entdeckt. Die in das Holz eingedrungenen Inhaltsstoffe des Moorwassers lassen es stark nachdunkeln und machen es ganz besonders hart.

Bis in die Neuzeit war Eichenholz auch im Schiffsbau besonders gefragt. Bei den alten Seefahrernationen wie England, Holland oder Spanien waren Kriegs- und Handelsschiffe aus Eichenholz – und Eichenwälder damit die Grundlage ihrer militärischen und wirtschaftlichen Stärke.

Wer nutzte Eichenrinde als Rohstoff?

Die Gerber, denen die Eiche früher, wie vielen anderen Berufsgruppen, zum Lebensunterhalt verhalf: Schiffsbauer, Möbeltischler, Zimmerleute, Wagner und Küfer verarbeiteten das wertvolle Holz. Die Gerber nutzten die Gerbstoffe in der Rinde, um aus Tierhäuten Leder herzustellen. Ohne spezielle Behandlung würden Tierhäute hart und brüchig und wären damit unbrauchbar. Mithilfe der Gerbstoffe (Tannine und Gallussäuren), die Wasser entziehend und adstringierend (zusammenziehend) wirken, entsteht daraus jedoch weiches, haltbares Leder.

Zur Gewinnung der Gerbsäuren wurden Stiel- und Traubeneichen im Mai, wenn der Saft zu steigen begann, geschält: Die Rinde wurde ringförmig um den Stamm eingeritzt und abgehoben; diese Gerberlohe enthält bis zu 15 Prozent Gerbstoffe. Manchmal wurden die Bäume auch »auf den Stock gesetzt«, also kurz über dem Boden abgesägt und dann entrindet. Die geschälten Holzstücke dienten noch als Brennholz. Die Wurzelstöcke schlagen wieder aus, wobei mehrere dünne Stämme heranwachsen. Durch diese Art der Bewirtschaftung entstand der charakteristische Niederwald, der heute noch in vielen Gegenden Deutschlands vorhanden ist.

Warum mussten Gerber früher alle im selben Stadtviertel wohnen?

Weil die Lederherstellung mit starken Geruchsbelästigungen verbunden war (und auch heute noch ist). Deshalb wurde die Gerberlohe an die Gerbereien geliefert, die oft in speziellen »Gerbervierteln« konzentriert waren. Dort wurden die Rindenstücke zunächst in Wasser eingeweicht. Dann legte man die enthaarten und entfetteten Tierhäute für viele Monate in diese gerbstoffhaltige Brühe. Während des Gerbvorgangs lagern sich die Gerbstoffe zwischen die Eiweißfasern der Haut, entwässern sie und machen sie haltbar. Nach dem Aufspannen und Trocknen kann das Leder verarbeitet werden.

Traditionell unterschied man die Lohgerber, die robustere Leder herstellten, von den Weißgerbern, die das Leder zu feineren Produkten verarbeiteten. Heute hat das Gerben mit Pflanzenstoffen überwiegend historische Bedeutung oder wird als Hobby gepflegt. Bei der industriellen Lederherstellung werden Chromsalze eingesetzt, die allerdings hochgiftig sind.

Was unterschiedet »männlichen« von »weiblichem« Kork?

Während der ersten 15 bis 20 Jahre ihres Lebens produziert die Korkeiche nur einen wenig brauchbaren »männlichen«, auch Jungfernkork genannten Kork. Er ist äußerst brüchig und nur wenig elastisch. Jungfernkork muss vorsichtig entfernt werden, bis darunter die junge, rotbraune Rinde zum Vorschein kommt. Sie bringt dann im Laufe von mehreren Jahren eine neue Korkschicht hervor, den »weiblichen« Kork. Dieser kann alle zehn bis zwölf Jahre abgeschält werden, bis der Baum etwa ein Alter von 150 Jahren erreicht hat. Er hat dann noch ein langes Leben vor sich, denn Korkeichen können bis zu 400 Jahre alt werden.

Der geerntete Kork wird zunächst getrocknet und dann in kochendes Wasser gelegt, damit er geschmeidig wird. Dann kann er verarbeitet werden, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind: zu Flaschenkork, Fußbodenbelägen, Tapeten, Rettungsringen, Schwimmhilfen und so weiter. Noch die Abfälle finden bei der Herstellung von Linoleum Verwendung. Auch Bauherren interessieren sich zunehmend für Kork, denn er ergibt ein hervorragendes Dämmmaterial, das außerdem völlig frei von Schadstoffen ist.

Stammt der Kork aus der Rinde oder aus der Borke?

Aus der Borke. Der Kork, den die Korkeiche so reichlich bildet, dass er regelmäßig geerntet werden kann, ist die äußerste Schicht des Baumes, die Borke. Sie besteht aus toten Zellen und ist wasserundurchlässig. Man kann sie einritzen und einschneiden, ohne dass es dem Baum schadet.

Die Borke bildet die äußerste Schicht der Rinde, die den gesamten Spross und die Wurzeln des Baumes umhüllt. Ihre innere Schicht wird als Bast bezeichnet, ein weiches Fasergewebe, in dem die Wasser und Nährstoffe transportierenden Leitungsbahnen liegen. Abgestorbene Zellen des Bastes werden zu Borke. Zwischen Rinde und Holz liegt das Kambium, das nur eine Zellschicht dick ist. Seine Aufgabe ist es, neue Zellen zu bilden: An der Außenseite erneuern sie den Bast, an der Innenseite verstärken sie den Holzteil. Das Kambium sorgt also dafür, dass ein Baum allmählich dicker wird – von allen Pflanzen sind nur Bäume zu solchem Dickenwachstum fähig. Irgendwann wird die unelastische Borke zu eng für den wachsenden Baum: Sie platzt auf und reißt ein wie bei der Eiche, ringelt sich in Fetzen ab wie beim Kirschbaum, schält sich ab wie bei der Birke oder löst sich in Schuppen ab wie bei der Kiefer. So erhält jede Baumart ihr charakteristisches »Gesicht«, und das Aussehen der Borke wird damit zu einem wichtigen Bestimmungsmerkmal für Bäume.

Wo findet sich Eichenlaub als Symbol?

In der Bundesrepublik zierte unter anderem Eichenlaub die Rückseite des von 1960 bis 1989 gültigen 5-DM-Scheins, auf allen Pfennigmünzen, der 1-DM-Münze und auch auf den deutschen 1-, 2- und 5-Cent-Münzen findet man einen Eichenzweig mit Blättern und Früchten.

Eichen gelten seit Jahrhunderten als Symbol der Standhaftigkeit, Tugend und Wahrheit. Man pflegte »bei der Eiche« zu schwören, und aus Böhmen wird berichtet, dass unter Eichen gegebene Eheversprechen absolut bindend waren. Loyalität symbolisierten dagegen die Blätter getreu der Redewendung »Wer grüne Eichenblätter trägt, der liebt mit fester, steter Treue«.

Im Nationalismus avancierte das Eichenlaub zum Sinnbild des Sieges und Heldentums: 1813 schmückte es erstmals das Eiserne Kreuz, später auch die Siegermedaillen der Turnfeste. Die Nationalsozialisten bemächtigten sich schließlich seiner als Emblem der NSDAP und später als Hoheitszeichen des Dritten Reiches, das einen fliegenden Adler zeigt, der in seinen Fängen einen Eichenkranz hält.

Gibt es einen »Lebensraum Eiche«?

Ja, den gibt es tatsächlich, denn zahlreiche Tierarten leben auf und von den Eichen, was einige von ihnen schon durch ihren Namen signalisieren. Eichelhäher haben es ebenso wie die Eichhörnchen auf die Früchte abgesehen, die sie als Wintervorrat verstecken. Eichenwickler und Eichenspinner sind Schmetterlinge, deren Raupen am liebsten Eichenblätter fressen. Den Larven von Eichelbohrer und Eichenprachtkäfer dient das Holz der Bäume als Nahrung. Auf abgestorbenen Ästen lebt der Eichenwidderbock, und alte Baumstämme werden von einem Pilz mit Namen Eichhase besiedelt.

Wussten Sie, dass …

eine Eiche zu den ältesten Bäumen Deutschlands gehört? Sie steht in Erle bei Recklinghausen. Das Alter dieser Thingeiche (einer germanischen Gerichtseiche), schätzt man auf 1500 Jahre.

die Germanen ihren Göttern in heiligen Eichenhainen opferten? Die christlichen Missionare fällten jedoch die meisten der heiligen Eichen, um die Machtlosigkeit der heidnischen Götter zu demonstrieren.

Was ist Eichelmast?

Unter Eichelmast versteht man das Mästen von Schweinen mit den Früchten der Eiche. Im Mischwald bilden Eichen mit anderen Baumarten oft charakteristische Gesellschaften. So sind beispielsweise in einem Eichen-Hainbuchen-Wald Stieleiche (Quercus robur), Rotbuche (Fagus sylvatica) und die zu den Birkengewächsen gehörende Hainbuche (Carpinus betulus) versammelt. In solchen lichten Wäldern gedeihen im Unterholz Hasel (Corylus avellana), Vogelkirsche (Prunus avium) oder Weißdorn (Crataegus laevigata). Im Mittelalter wurden solche Eichenwälder als »Hüte«- oder »Hudewald« genutzt, also als Weide für Rinder, Schweine und Ziegen, die sich am Laub gütlich taten. Schweine fraßen jedoch vor allem die Eicheln, was ihr Fleisch besonders fest und wohlschmeckend werden ließ. Auch heute noch werden in Portugal, Frankreich und Spanien Schweine, deren Schinken unter Feinschmeckern berühmt sind, mit Eicheln gemästet.

Rotbuchen: Prägende Baumgestalten

Woran kann man eine Rotbuche erkennen?

Buchen lassen sich vor allem an den bis 30 Meter hohen, geraden Stämmen und der glatten, silbergrauen Borke erkennen. Ihr Wuchsbild hängt jedoch davon ab, wo die Bäume stehen: Frei stehend und weit hinab beastet ist die Rotbuche (Fagus sylvatica), die ein Alter von mehr als 300 Jahren erreichen kann und eine breit ausladende Krone mit tief hängenden Zweigen bildet. Im Waldverband, wo sie oft mit Traubeneiche, Bergahorn oder Weißtanne vergesellschaftet ist, bleiben die schlanken Bäume jedoch bis hoch hinauf unverzweigt und entwickeln eine dichte Krone, die nur sehr spärlich Licht durchlässt.

Die Samen der Rotbuche entwickeln sich aus den Blüten, die im Mai gleichzeitig mit den eiförmigen, fünf bis zehn Zentimeter langen Blättern erscheinen. Diese Samen zeigen einen ganz charakteristischen Bau: In einem verholzenden, weich-stacheligen bzw. filzigen Fruchtbecher sitzen zwei dreikantige, ölreiche Nüsse – die bekannten Bucheckern. Oft wird man jedoch im Herbst vergeblich nach ihnen Ausschau halten, denn die Bäume bringen nur etwa alle fünf Jahre eine reiche Blüte und damit Früchte hervor.

Weshalb ist es in einem Laubwald kühler als außerhalb?

Weil die Bäume Verdunstungskälte erzeugen. An einem heißen Sommertag ist es besonders angenehm, sich im Wald aufzuhalten, wo es viel kühler und frischer ist als in der freien Landschaft. Dieser Effekt beruht auf einem physikalischen Vorgang: Wurzeln, Stamm und Äste der Bäume sind von Leitungsbahnen durchzogen, die bis in die äußersten Spitzen der Blätter reichen. Über sie gelangt das Wasser, das die Wurzeln aus dem Boden aufnehmen, zusammen mit Nährsalzen bis in jeden Zweig und jedes einzelne Blatt. Über Spaltöffnungen in den Blättern, die aktiv geöffnet oder geschlossen werden können, kann das Wasser abgegeben werden. Es verdunstet in der warmen Sommerluft und kühlt sie dadurch ab. Der in den Leitungsbahnen entstehende Sog sorgt dafür, dass der Wasserstrom nicht abreißt. Ein Hektar Buchenwald z. B. kann auf diese Weise bis zu 40 Liter Wasser täglich verdunsten.

Doch der Laubwald leistet noch viel mehr. Denn die Bäume reichern auch die Luft mit dem Gas an, das Menschen und Tiere am Leben erhält: Sauerstoff. Rund 7000 Liter produziert beispielsweise eine Buche pro Tag. Und mit ihrem Blattwerk filtert sie große Mengen Staub aus der Luft, der an den Blättern hängen bleibt und mit dem nächsten Regen in den Boden gewaschen wird. So bindet beispielsweise ein Hektar Buchenwald in einem Jahr die unvorstellbare Menge von 50 Tonnen Staub.

Weshalb sind Rotbuchen geschätzte Forstbäume?

Weil die Bäume u. a. wertvolles Holz liefern. Ihr weißlich-grau bis rötliches, zähes, schweres Holz lässt sich gut bearbeiten, beizen und polieren. Wegen diesen Eigenschaften wird es vor allem in der Möbelindustrie verwendet, aber auch zu Parkett, Sperrholzplatten und Spielzeug verarbeitet. Auch als Brennholz ist das Holz der Rotbuche wegen seines hohen Heizwertes und einer starken Glutbildung sehr gefragt. Darüber hinaus wirken Buchen bodenverbessernd, da sich ihr Laub innerhalb von höchstens zwei Jahren zersetzt und Humus bildet. Ihre tief in das Erdreich hinabreichenden Wurzeln lockern außerdem den Boden auf und erleichtern es so anderen Pflanzen, Fuß zu fassen.

Aber nicht nur das Holz, auch die Früchte der Rotbuche waren sehr gefragt. Früher nutzte man die Bucheckern als Schweinefutter. Zum Mästen trieb man die Schweine eigens in den Wald. In Notzeiten wurden die dreieckigen Samen zur Gewinnung des »Buchelöls« gesammelt, das heute als Speiseöl jedoch aus der Mode gekommen ist. Vom direkten Verzehr der Bucheckern sollte man absehen: Der Verzehr von mehr als 50 Bucheckern kann zu Vergiftungen führen, da die Nüsse Blausäureglykoside enthalten.

Gibt es in Deutschland noch Buchenwälder?

Ja, allerdings beträgt ihr Anteil gerade einmal 14 Prozent an der Gesamtfläche des Waldes von 10,8 Millionen Hektar. Größere Buchenwälder gibt es nur noch in den Mittelgebirgen West- und Mitteldeutschlands sowie auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb.

Wussten Sie, dass …

das Buch seinen Namen der Buche verdankt? Früher wurden aus Buchenholz Tafeln angefertigt, die beschriftet und zusammengeheftet wurden; diese Tafeln haben dem Buch seinen Namen gegeben.

Buchen zu den sog. Schattenholzarten gehören? Sie vermögen sich als Jungpflanzen selbst im dunklen Unterholz allmählich »hochzuarbeiten« und wachsen, sobald sich im Kronendach eine Lücke zeigt, schnell in die Höhe.

Schützen Buchen bei Gewitter?

Nein. Die bekannte Empfehlung »Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen« ist falsch! Nach Erkenntnissen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald werden manche Baumarten nicht seltener vom Blitz getroffen, sondern die Folgen des Blitzschlags für den Baum sind unterschiedlich. Während die dicke, zerklüftete Borke der Eiche das Wasser wie ein Schwamm aufsaugt und so sehr empfänglich für die elektrische Entladung wird, leitet die glatte Buchenrinde den Blitz direkt in den Boden und an dem Baum entsteht kein sichtbarer Schaden. Für denjenigen, der unter dem Baum steht, ist die Gefahr jedoch in beiden Fällen gleich groß, vom Blitz getroffen zu werden.

Kastanien: Anziehende Blüten, leckere Früchte

Wie zeigen Rosskastanien an, dass ihre Blüten bestäubt sind?

Sie ändern die Farbe der sog. Saftmale. Um ihre tierischen Bestäuber anzulocken, bildet die bei uns heimische Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) in Drüsen, die zwischen den Kron- und Staubblättern liegen, den süßen Nektar. Die weißen Blüten tragen am ersten Tag gelb gefärbte Saftmale, die Bienen und Hummeln signalisieren: Hier wartet eine bestäubungsbereite Blüte mit süßer Belohnung. Am zweiten und dritten Tag färben sich die Saftmale dann rötlich, die Nektarbildung hört auf. Damit verliert die Blüte gleichzeitig ihren Reiz für die Insekten. Solche Saftmale sind auch bei den anderen Rosskastanienarten zu finden.

Übrigens: Die Gewöhnliche Rosskastanie gelangte im 16. Jahrhundert zusammen mit Flieder und Tulpen über Konstantinopel zunächst nach Wien und dann ins restliche Mitteleuropa. Seither hat sie sich mit ihren schmucken weißen Blütenkerzen schnell zu einem beliebten Zierbaum entwickelt. Die Botaniker glaubten lange, dass sie ursprünglich aus der Gegend um Konstantinopel kommt. Mittlerweile ist man sich jedoch sicher, dass Rosskastanien im Tertiärzeitalter in den Wäldern Europas verbreitet waren. Einige wenige Restbestände konnten sich seitdem in Nordgriechenland und auf dem Balkan halten. Erst im 19. Jahrhundert hat man diese ursprünglichen Standorte entdeckt.

Sind alle Kastanien essbar?

Nein. Während die Früchte der Rosskastanien ungenießbar sind, liefern die Esskastanien die beliebten Maronen. Früher galten sie als Brot der Armen, das die Ernährung auch dann sicherte, wenn Missernten drohten. Ein Baum liefert bis zu 200 Kilogramm Früchte; 20 bis 24 Kastanienbäume konnten also eine Großfamilie (nebst einigen Ziegen) ernähren. Esskastanien sind reich an Stärke, schmecken jedoch in rohem Zustand mehlig. Gedämpft können sie als Gemüse zubereitet werden, und aus ihrem Mehl lässt sich eine nahrhafte Suppe kochen. Mit ihrem süßlichen Geschmack sind Maronen auch eine delikate Beilage zu Wildgerichten oder Gänsebraten.

Übrigens: Die Esskastanie ist auch ein wertvoller Nutzholzlieferant. Ihr Holz ist sehr haltbar und deshalb auch für den Einsatz im Freien geeignet. Aus Kastanienholz werden z. B. Fassdauben, Weinbergpfähle, Zäune, Parkettböden oder Vertäfelungen gefertigt. Das relativ weiche Holz der Rosskastanien dagegen ist wenig beständig und zieht sich beim Trocknen zusammen. Genutzt wird es etwa als Bauholz oder um daraus Kisten oder Gefäße zu fertigen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Marone und Esskastanie?

Es gibt keinen, denn beide Namen bezeichnen die gleiche Art: Castanea sativa. Ursprünglich stammt die Esskastanie aus Kleinasien. Mit den Römern gelangte sie nach Italien und von dort über die Alpen nach Mitteleuropa und England, wo sie sich vor allem in milden Klimaregionen verbreitete. Die Bäume erreichen eine Höhe von bis zu 60 Metern, haben oft einen mächtigen Stammumfang und können 800 Jahre alt werden. In England soll es sogar einen Bestand von angeblich 1000-jährigen Esskastanien geben. Berühmte Esskastanienwälder sind aus dem italienischen Apennin, aus Nordfrankreich und dem Tessin bekannt.

Wann blühen Esskastanien zum ersten Mal?

Nach 30 Jahren oder später. Erst dann sind sie geschlechtsreif. Auffällig sind die länglichen, dornig gezähnten Blätter und die hellen, lang herunterhängenden männlichen Blütenkätzchen, die etwa Ende Juni erscheinen und einen unangenehmen, fischigen Geruch verströmen. Bestäubt werden die Blüten von Bienen, Ameisen und Käfern. Im Oktober fallen die stachligen Fruchtbecher zu Boden, springen auf und geben die bocksbeutelförmigen braunen Nüsse, die Esskastanien, frei. Eichhörnchen und andere Nagetiere oder Vögel sorgen für ihre Verbreitung. Maronen bevorzugen mäßig trockene bis feuchte Böden und einen halbschattigen Standort.

Welche Inhaltsstoffe der Rosskastanie sind medizinisch von Interesse?

Saponine und Gerbstoffe. Rosskastanien enthalten u. a. das Saponingemisch Aescin, das entzündungshemmend, wassertreibend und venenstärkend wirkt und den Austritt von Blutbestandteilen in die Nachbargewebe verhindert. Dadurch werden Symptome von Venenschwäche wie Schmerzen, Schweregefühl, Schwellung der Beine und nächtliche Krämpfe gelindert. »Rosskastanie« ist daher ein wichtiger Bestandteil vieler Arzneimittel, die bei Gefäßerkrankungen zum Einsatz kommen. Gerbstoffe haben die Eigenschaft, das Gewebe zusammenzuziehen – ein Grund, weswegen Rinde und Samen vor allem der Kalifornischen Rosskastanie (Aesculus californica) in blutstillenden Mitteln genutzt werden.

Wussten Sie, dass …

nach der Esskastanie ein Farbton benannt ist? »Maron« bezeichnet im Deutschen ein »ins Violett gehende Kastanienbraun«; im Französischen und Italienischen steht »marron« bzw. »marrone« sogar ganz allgemein für die Farbe Braun.

man auf Kastanienholz Pilze züchtet? In Japan zieht man auf Baumstümpfen der Art Castanopsis cuspidata den hochgeschätzten Speisepilz Shiitake heran.

Wer holt die Kastanien aus dem Feuer?

Jemand, der eine unangenehme und schwierige Sache erledigt, von der ein anderer profitiert. Die Redewendung wird zuweilen dem deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck zugeschrieben, stammt aber tatsächlich aus einer Tierfabel des französischen Dichters Jean de La Fontaine. Darin überredet ein Affe eine Katze dazu, geröstete Kastanien aus dem Feuer zu holen, die er dann rasch selbst verspeist.

Birken und Erlen: Bäume des Nordens

Weshalb gedeihen Birken noch im hohen Norden?

Weil sie dorthin ausweichen. Die schnell wachsende Birke ist anspruchslos und der frosthärteste Laubbaum, den man kennt. Diese Eigenschaften prädestinieren sie geradezu, waldfreie Flächen als Erste zu besiedeln. Da die Birke viel Licht benötigt und eine geringe Lebenserwartung hat, wird sie schließlich von schattentoleranteren und langlebigeren Arten, etwa Eiche und Rotbuche, verdrängt. Es bleibt ihr daher nichts anderes übrig als dorthin auszuweichen, wo es anderen Baumarten zu nass, zu trocken, zu nährstoffarm oder zu kalt ist. Aus diesem Grund gibt es keinen anderen Laubbaum, der höher oder weiter nördlich wächst als die Birke.

Die mit Abstand häufigste Birke Mitteleuropas hat viele Namen: So heißt sie beispielsweise Hänge-, Sand-, Warzen- oder auch Weißbirke, gemeint ist aber immer nur die eine Art, die allerdings auch in der Wissenschaft zwei Namen besitzt: Betula pendula oder Betula verrucosa. Man findet diesen anmutigen Baum mit dem schlanken Stamm praktisch überall, auch wenn er sandige Böden bevorzugt. Er wird 25 Meter hoch und 40 bis 60 Zentimeter dick. Die Zweige bleiben lange biegsam und verholzen erst spät im Jahr. Das typische Kennzeichen des alternden Baums sind die herabhängenden äußeren Zweige. Durch das ständige Schaukeln der Zweige lassen sich die Pollen im April und Mai weit wegschleudern. Weibliche Kätzchen stehen während der Blütezeit aufrecht und neigen sich später nach unten. Die unbehaarten jungen Triebe sind dicht mit kleinen hellen Warzen besetzt. Die kleinen Blätter sind im Grundriss rautenförmig und verfärben sich im Herbst zu einem prächtigen Goldgelb.

Warum brauchen Erlen Knöllchenbakterien?

Um Stickstoff durch die Wurzeln aufnehmen zu können. Wie andere Pflanzen benötigen auch Erlen dieses Element, können es aber in gasförmiger Form, wie es im Luftstickstoff vorliegt, nicht aufnehmen. Die Lösung des Problems haben die Erlen in einer Symbiose mit Knöllchenbakterien gefunden. Diese bereiten den Stickstoff so auf, dass ihn die Bäume durch die Wurzeln aufnehmen können. Darüber hinaus tragen Erlen mit ihrem Laub dazu bei, den Boden mit wertvollen Stickstoffverbindungen anzureichern. Aus diesen Gründen sind Erlen bei Förstern als Bodenverbesserer geschätzt.

Warum stehen Erlen so häufig an Gewässern?

Durch ihr weit verzweigtes Wurzelwerk stabilisieren Erlen die Uferkanten und verhindern bei Hochwasser Erosionsschäden. Deshalb wurden sie oft zur Begrünung von abgedeckten Mülldeponien, Straßen- und Uferböschungen angepflanzt. Erlen sind Pionierpflanzen auf staunassen Böden, gedeihen aber auch auf Rohböden gut. In solchen Bereichen, die häufig überschwemmt werden, entstehen oft weite Erlen-Bruchwälder.

Welche Erlenart findet sich fast überall in Europa?

Die Schwarzerle (Alnus glutinosa). Sie erreicht eine Höhe von bis zu 25 Metern und ein Alter von maximal 120 Jahren. Ihre Blätter sind in jungem Zustand sehr klebrig und von dunkelgrüner Farbe – auch im Herbst. Die Form der Blätter ist rundlich, grob doppelt gesägt und vorne meist deutlich eingebuchtet. Die Bäume blühen schon früh im Februar oder März bis April, also noch lange, bevor ihre ersten Blätter austreiben. Die Samen reifen im September und Oktober; sie fallen noch weit bis ins Frühjahr hinein aus. Die geflügelten Früchtchen können schwimmen und somit auch auf dem Wasserweg verbreitet werden.

Was hat Venedig mit Erlen zu tun?

Es wurde zum Teil auf Erlenholz erbaut. Das Holz der Schwarzerle ist in Wasser sehr beständig, ja es wird im Wasser liegend sogar zunehmend härter. Daher wird es gerne für Erd- und Wasserbauten verwendet und kam zum Beispiel in Venedig vielfach zum Einsatz.

Übrigens: Heute erfreut sich Erlenholz wegen seines rötlich-warmen Farbtons als Möbelholz zunehmender Beliebtheit. Früher wurde Holzkohle aus Erlen zur Herstellung von Schießpulver gebraucht. Ferner greift man gerne auf Erlenspäne zurück, wenn es etwas zu räuchern gibt.

Kann man Birkensaft trinken?

Ja. Ein besonders begehrtes Produkt der Birke ist ihr Blutungssaft. Um ihn zu gewinnen, bohrt man ältere Bäume im April zwei bis fünf Zentimeter tief an. Der daraufhin reichlich ausfließende, sowohl Zucker als auch Minerale enthaltende Saft kann als Erfrischungsgetränk oder Haarwasser verwendet werden. Lässt man den Birkensaft vergären, kann daraus auch Birkenwein hergestellt werden. Man sollte jedoch bedenken, dass das Anzapfen dem Baum schadet.

Ist Birkenrinde immer weiß?

Nein, Birken unterscheiden sich voneinander in Form und Größe ihrer Blätter, vor allem aber in ihrem markantesten Merkmal: der Farbe ihrer Rinde. Es gibt Birken mit weißer, cremefarbener, rosa, gelblicher, kupferfarbener, rötlich brauner und brauner Rinde. Diese schält sich ständig, je nach Art mal in feinen papierdünnen Streifen, mal in großen krausen Fetzen. Die Rinde enthält Betulin und Birkenteer, die sie wasserundurchlässig und sehr widerstandsfähig machen. Ihre Verwendung als Papierersatz und zum Bau leichter Kanus durch die Indianer Nordamerikas lag daher nahe. Wegen des hohen Gehalts an ätherischen Ölen lässt sich mit Birkenrinde selbst bei Regen noch ein Feuer entfachen. Birkenteer, das Destillat der weißen Rinde, wurde als Dichtungsmittel, Klebstoff und Konservierungsmittel für Leder, aber auch als Wundheilmittel eingesetzt. In Russland fertigte man aus junger Birkenrinde sogar Schuhe, Gamaschen und Umhänge.

Wussten Sie, dass …

Birkenblätter heilsam sind? Sie enthalten Flavone und Saponine, die Nieren und Blase anregen, ohne sie zu reizen, und werden daher gegen Nieren- und Blasenentzündung, zur Blutreinigung, gegen Rheuma und Gicht angewendet.

manche Pilze bevorzugt unter Birken gedeihen? Wie schon ihre Namen nahelegen, gehen Birkenpilz und Birkenreizker eine enge Partnerschaft mit Birken ein. Aber auch die beliebten Rotkappen und der Fliegenpilz leben in Symbiose mit den Birkenwurzeln.

Goethes »Erlkönig« nichts mit der Erle zu tun hat? Bei der Übertragung einer dänischen Sage ins Deutsche unterlief Johann Gottfried Herder (1744–1803) ein Irrtum, als er »eller-konge« als »Erlkönig« und nicht als »Elfenkönig« übersetzte.

Linden: Imposante Baumveteranen

Woran kann man Sommer- und Winterlinde unterscheiden?

An verschiedenen Merkmalen. Während die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) größere, auf beiden Seiten grüne Blätter trägt, sind die Unterseiten der Blätter von Winterlinden (Tilia cordata) eher blaugrün gefärbt. Bei ihnen sitzt in den Winkeln der Blattadern eine rostbraune Behaarung, die bei der Sommerlinde weiß ist; außerdem ist ihr Blatt insgesamt stärker behaart. Die Blütenstände der Winterlinde erscheinen Anfang bis Mitte Juni. Sie setzen sich aus fünf bis zehn Blüten zusammen, die runde Früchte entwickeln. Die Sommerlinde blüht bereits zwei Wochen vorher; sie hat nur drei bis fünf Blüten pro Blütenstand, aus denen kantige Früchte hervorgehen. Beide Arten bilden stattliche Bäume mit dichten Kronen: Die Sommerlinde wird bis zu 40, die Winterlinde 30 Meter hoch.

Gemeinsam hingegen sind Sommer- und Winterlinden die herzförmigen, an der Basis leicht unsymmetrischen Blätter. Eine Besonderheit sind ihre Blütenstände, deren Tragstiel bis zur Hälfte mit einem dünnen, glattrandigen Hochblatt verwachsen ist. Der gesamte Fruchtstand fällt als Einheit ab. Ihm dient das Hochblatt als Flugorgan, während bei den meisten anderen Pflanzen mit flugfähigen Samen die Flügelbildung unmittelbar an der Frucht erfolgt.

Weshalb sind Linden ökologisch wertvoll?

Sie gehören zu den bodenfördernden Baumarten. Ihr Laub wird sehr schnell zersetzt, so dass sich rasch eine dicke Humusschicht unter den Bäumen aufbaut, die nährstoffarme Böden nachhaltig verbessert. Linden werden auch gern an Steilhängen und auf Steinschutthalden gepflanzt, da sie mit ihren tiefgehenden Wurzeln den Untergrund festigen. Winterlinden allerdings bevorzugen feuchte, gut durchlüftete, mäßig nährstoffreiche Böden in voller Sonne oder im Halbschatten.

Alle diese nützlichen Eigenschaften haben jedoch nicht verhindert, dass Winterlinden im Laufe der vergangenen Jahrhunderte in unseren Wäldern den Buchen, deren Holz als wertvoller angesehen wurde, weichen mussten. Den noch vorhandenen Linden setzen Samen fressende Mäuse, Blattläuse, Honigtaupilze und Luftschadstoffe stark zu. Daher gelten die heimischen Lindenarten als in ihrer Existenz bedroht.

Sind Linden für Hummeln gefährlich?

Im Allgemeinen sind sie das nicht, eine Ausnahme bildet indes die aus Südosteuropa stammende Silberlinde (Tilia tomentosa). Unter den breiten Kronen dieses beliebten Park- und Straßenbaums finden sich oft massenweise Hummeln, die im Begriff stehen zu sterben oder bereits tot sind. Zunächst glaubte man, dass der Baum Nektar produziere, der die Zuckerart Mannose enthält, die für Hummeln giftig ist. Doch Untersuchungen ergaben, dass die meisten Hummeln nur an Entkräftung leiden, und das aus folgendem Grund: Die Hummeln finden im Juli, zur Blütezeit der Silberlinde, vor allem in städtischen Bereichen kaum Nektarquellen. Eine blühende Silberlinde lockt deshalb die Insekten mit ihrem intensiven Blütenduft in Scharen an. Um jedoch zum Futter zu gelangen, verbrauchen die dicken Brummer reichlich Energie – oft mehr, als sie dort in den Blüten wieder aufnehmen können. Zudem konkurrieren die Hummeln mit unzähligen Artgenossen und anderen Insekten um den süßen Saft, weswegen es häufig nicht genug für alle gibt. Und so taumeln immer wieder Hummeln zu Boden, wo sie an Schwäche zugrunde gehen.

Werden Linden medizinisch genutzt?

Ja, und zwar vorrangig die getrockneten Lindenblüten als Tee. Der günstigste Zeitpunkt für die Ernte der angenehm duftenden Blüten ist kurz nach ihrem Aufblühen gekommen, da sie dann den höchsten Wirkstoffgehalt aufweisen. Lindenblüten enthalten vor allem leicht antibiotisch wirkende Flavonoide sowie ätherische Öle, hauptsächlich Farnesol. Gleich nach der Ernte müssen sie an einem luftigen und schattigen Ort getrocknet werden. Danach bewahrt man sie in luftdichten und lichtundurchlässigen Behältern auf. Lindenblütentee aktiviert vorderhand die Schweißdrüsen und das Immunsystem. Außerdem wirkt er beruhigend, weswegen man ihn auch als leichten Einschlaftee trinkt. Darüber hinaus gewinnt man aus Lindenblüten ein ätherisches Öl, das gegen Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Migräne eingesetzt, aber auch manchen Parfüms zugesetzt wird.

Übrigens: Im Altertum wurden nur Rinde und Holzkohle medizinisch genutzt, denen man eine heilkräftige Wirkung nachsagte.

Wo steht die Linde der wiedergewonnenen deutschen Einheit?

In der thüringischen Kleinstadt Niederdorla, dem geographischen Mittelpunkt Deutschlands. Dort pflanzte man 1991 eine Kaiserlinde (Tilia pallida) und knüpfte damit an die Verehrung an, die der Linde seit Jahrtausenden entgegengebracht wird. Einst verehrte man sie als heiligen Baum und glaubte, unter ihr könne die reine Wahrheit ans Licht gebracht werden. Dies ist wohl der Grund, warum unter Linden Gericht gehalten wurde. Noch bis Ende des 18. Jahrhunderts findet sich unter Gerichtsurteilen die Schlussformel »Gegeben unter der Linde«.

Zugleich gab es »Freiheitslinden«, die weithin sichtbar auf Anhöhen standen. Wer ihr schützendes Dach erreichte, durfte nicht mehr angegriffen oder gerichtet werden.

Wussten Sie, dass …

Linden einst Statussymbole waren? Als Prunkbaum der Reichen und Mächtigen kamen sie wohl im 17. Jahrhundert in Mode; noch heute säumen Linden die Zufahrten vieler Schlösser und großer Landsitze.

über 1000 Orte im deutschsprachigen Raum die Linde in ihrem Namen tragen? In vielen Siedlungen wuchs früher eine Linde, meist in der Nähe des Dorfbrunnens, unter der man sich zu Spiel und Tanz traf.

Pappeln: Schlanke Alleebäume

Was zeichnet Pappeln aus?

Ihr rasches Wachstum, weshalb sie für Forstwirtschaft und Holzindustrie von großer Bedeutung sind. Innerhalb von 40 Jahren können Pappeln bereits 30 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von einem Meter erreichen. Dank des schnellen Wachstums ist ihr Holz leicht und sehr weich.

Pappelholz eignet sich hervorragend für Drechsler- und Schnitzarbeiten und wird, wie Weidenholz auch, zur Herstellung der Holländerschuhe (»Klompen«) genutzt. Vor allem aber liefern Pappeln wichtiges Industrieholz, das zu Kisten, Zündhölzern, Sperrholz, Zellstoff und Papier verarbeitet wird. Als Blindholz ist es in der Möbelindustrie die Grundlage für Furniere. Sogar mit den Pappelblättern wussten die Menschen früherer Zeiten etwas anzufangen: Sie verfütterten sie an das Vieh. Und die in der Rinde enthaltenen Gerbstoffe benötigten sie, um sehr strapazierfähige Leder herzustellen.

Wegen ihrer Schnellwüchsigkeit eignen sich Pappeln auch für Aufforstungsarbeiten: Auf Ödland, bei der Rekultivierung von Müllkippen, zur Bodenbefestigung auf Dünen oder bei der Verbauung von Wasserläufen lassen sich die schlanken Bäume problemlos einsetzen. Da manche Pappelarten sehr windbeständig sind, bilden größere Bestände einen ausgezeichneten Windschutz. Einen Nachteil haben sie allerdings: Die schnell wachsenden Bäume entziehen dem Boden viel Wasser und können so den Grundwasserspiegel absenken; außerdem können sie andere Gehölze verdrängen.

Welche Pappel ließ Napoleon als Alleebaum anpflanzen?

Die Pyramidenpappel (Populus nigra ’Italica‘), auch Italienische Pappel genannt, die eine Varietät unserer häufigsten heimischen Pappel, der Schwarzpappel (Populus nigra) ist. Der schlanke, hoch gewachsene Baum stammt vermutlich aus dem Orient und wurde um 1750 von Italien aus nach Mitteleuropa eingeführt. Napoleon ließ ihn in großem Umfang an Straßenrändern anpflanzen. Vor allem seine Heerstraßen soll er mit Pyramidenpappeln gesäumt haben – als Schattenspender für seine Soldaten im Sommer und damit der Straßenverlauf im Winter auch bei Schnee gut zu erkennen war. Noch heute säumen sie viele Landstraßen, wo sie als Windschutz dienen.

Übrigens: Die Säulenform der Pyramidenpappel kommt dadurch zustande, dass sie sich schon kurz über dem Boden zu verzweigen beginnt, wobei die Äste senkrecht in die Höhe wachsen. Selbst mehrere hundert Jahre alte Bäume weisen Kronen auf, die kaum breiter als zwei Meter sind. Pyramidenpappeln lieben tiefgründige Böden und bevorzugen tiefere Lagen. Sie finden sich nicht nur an Landstraßen, sondern oft auch an Flussufern oder in der Nähe von Bauernhöfen als natürliche Blitzableiter.

Wie verbessern Silberpappeln das Stadtklima?

Sie reinigen die Luft von Staub. Dank ihrer wollig-filzig behaarten Blätter sind Silberpappeln (Populus alba) in der Lage, große Mengen an Schmutzpartikeln aus der Luft zu filtern. Der Staub verfängt sich in den Blatthärchen und wird dann von starken Niederschlägen direkt in den Boden abgewaschen. Silberpappeln leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung in unseren Städten. Man pflanzt sie deshalb immer häufiger in Parkanlagen und vor allem an Straßen an.

Übrigens: Die erst im Mittelalter aus dem Süden nach Mitteleuropa gebrachte Silberpappel ist eine typische Vertreterin der sog. kollinen Stufe, des Hügellandes bis 600 Meter Höhe. Sie kann bis zu 35 Meter hoch werden und – unter günstigen Bedingungen – ein Alter von 300 bis 400 Jahren erreichen.

Trägt die Zitterpappel ihren Namen zu Recht?

Ja, denn ihre Blätter sind ständig in Bewegung. Dieses »Zittern« ist durch den relativ langen und abgeflachten Blattstiel der Zitterpappel (Populus tremula) bedingt. Aufgrund dieser vergrößerten Windangriffsfläche bewegen sich die Blätter schon beim geringsten Hauch. Die Zitterpappel wird auch Espe oder Aspe genannt – so erklärt sich die bekannte Redewendung »zittern wie Espenlaub«. Auch der botanische Gattungsname, der sich vom lateinischen Wort für Volk, »populus«, ableitet, nimmt einer Sage zufolge auf die Zitterpappel Bezug: Die Blätter der Zitterpappeln befinden sich in einem Zustand ständiger Bewegung und Erregung und zeigen so nach Vorstellung der Römer – oder genauer: der politischen Elite Roms – ähnliche Eigenschaften wie das Volk.

Sind Zitterpappeln empfindlich?

Nein, obgleich Zitterpappeln in volkstümlichen Überlieferungen als Symbol der Furcht und des Bangens gelten. Tatsächlich aber ist diese Pappelart ungewöhnlich widerstandsfähig. Sie ist äußerst industriefest und toleriert Abgase ebenso wie das Stadtklima.

Außergewöhnlich ist vor allem ihre enorme Frostresistenz. Selbst die kältesten Winter scheinen Zitterpappeln nichts auszumachen. So hat man festgestellt, dass die Bäume noch Temperaturen von –70 °C überstehen. Empfindlich zeigen sich die sonst fast unverwüstlichen Pappeln allerdings bei heftigem Wind, der die Bäume recht leicht entwurzeln kann.

Was sind Marschpappeln?

Hinter diesem volkstümlichen Namen verbirgt sich die Graupappel (Populus canescens), eine Kreuzung der Silberpappel (Populus alba) mit der Espe (Populus tremula). Die Bezeichnung »Marschpappel« gibt Auskunft über den Lebensraum der Graupappel, die häufig an den Küsten und in den Marschen anzutreffen ist. Graupappeln eignen sich als Pionierbäume für leichte Böden und dank ihrer großen Windbeständigkeit besonders gut als Windschutzgehölz.

Wussten Sie, dass …

Pappeln im Englischen »Baumwollbäume« genannt werden? Die Samen sind mit seidigen, weißen Haaren ausgestattet und werden mit dem Wind verbreitet; häufig ist der Boden unter Pappeln deshalb mit weißer »Pappelwolle« bedeckt, die früher tatsächlich zum Füllen von Kissen verwendet wurde.

Eschen: Berühmte Persönlichkeiten

Woran erkennt man Eschen?

An ihren typischen Fiederblättern, deren sieben bis elf eiförmig-längliche Einzelblättchen mit Kerbrand bis auf das Endblatt ungestielt sind. Typisch sind außerdem die bis in den Winter hinein in dichten Büscheln am Baum hängenden Früchte. Sie sind zungenförmig geflügelt und werden vom Wind verbreitet.

Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ist in ganz Europa und Kleinasien bis zum Kaukasus verbreitet und einer unserer stattlichsten heimischen Laubbäume, der bis 40 Meter hoch werden kann. Sie ist ein typischer Baum der Au- und Schluchtwälder, der auch an Gewässerufern und in Laubmischwäldern vorkommt und in Parks oft als Ziergehölz zu finden ist.

Übrigens: Das widerstandsfähige, helle, gut spaltbare und nicht reißende Eschenholz ist sehr vielseitig einsetzbar und daher eines der wichtigsten heimischen Nutzhölzer. Es wird für Innenausbau und Möbel, Sportgeräte wie etwa Ruder und Barrenholme, Werkzeugstiele, in der Wagnerei sowie im Waggon- und Flugzeugbau verwendet. Wegen des höheren Holzertrags werden vorzugsweise männliche Bäume verarbeitet. Neben Fraxinus excelsior sind vor allem die amerikanischen Arten Fraxinus latifolia und Fraxinus quadrangulata (Blauesche) gute Holzlieferanten.

Gilt die Esche heute noch als Heilpflanze?

Ja, denn von allen Eschenarten diente und dient bis heute primär die Gemeine Esche als Heilpflanze. Sie gehört zu den Bäumen, die in der Naturmedizin wie in der modernen Pharmazie einen festen Platz haben.

Bereits in der Antike nutzte man ihre Blätter als harntreibendes Mittel bei Gicht und Rheuma und verabreichte den Saft der Blätter als Gegenmittel bei Schlangenbissen, die Samen als harntreibendes Mittel bei Ödemen und Rindenaufgüsse bei Beinleiden. In seinem »New Kreuterbuch« von 1554 erwähnt der Hofarzt Kaiser Maximilians, Petrus Mathiolus, die Verwendung von Rindenasche gegen Grind, Räude und Steinleiden, außerdem als Absud bei Gelbsucht. Pharmakologische Untersuchungen belegen die entzündungshemmende, leicht fiebersenkende und schwach schmerzlindernde Wirkung der Eschenrinde, in der wie in den Blättern vor allem Flavonoide, Triterpene und Glykoside enthalten sind. Auch heute noch werden daher Rindenextrakte zur Linderung rheumatischer Entzündungen eingesetzt. In einigen Regionen Deutschlands, Österreichs und auf dem Balkan wird »Eschengeist« hergestellt, ein Mittel zum Einreiben bei rheumatischen Beschwerden.

Wer verehrte die Esche als »Weltenbaum«?

Die Germanen. In vielen Kulturen existiert die Idee eines »Weltenbaums«, wobei die Vorstellungen von einem solchen Baum bereits 4000 Jahre zurück reichen. In Mitteleuropa dürfte der bekannteste Weltenbaum »Yggdrasil« sein, die Weltenesche der germanischen Mythologie aus der Edda. Angeblich verbindet sie die Oberwelt Asgard, das Reich der Götter, mit Midgard, der Erdscheibe, auf der die Menschen leben, und Jotunheim, dem Land der Riesen, sowie den unterirdischen Reichen Hel und Niflheim. Über die Anordnung dieser Regionen in und um die Weltesche gibt es allerdings unterschiedliche Beschreibungen. In den Wurzeln der Weltesche sitzen die drei Nornen, die Schicksalsgöttinnen, die das Schicksal der Menschen und der Götter bestimmen. Über die Regenbogenbrücke kommen die Götter jeden Tag zum Weltenbaum, um in seinem Schatten Gericht zu halten. Auch andere mystische Wesen und Orte sind um die Weltesche oder ihre Wurzeln gruppiert, etwa der Neid-Drache Nidhogg oder der Brunnen der Weisheit.

Welche Eschen sind besonders schön?

Ziergehölze sind neben Fraxinus excelsior ’Pendula‘ mit ihren überhängenden Zweigen, die Weißesche (Fraxinus americana) und die Quirlesche (Fraxinus angustifolia), von denen es zahlreiche Kulturvarietäten gibt. Die in Südeuropa und Kleinasien verbreitete Mannaesche oder Blumenesche (Fraxinus ornus) ist ein niedriger Baum mit glatter, grauer Rinde und runder Krone. Im Gegensatz zur Gewöhnlichen Esche sind bei ihr die Fiederblätter gestielt. Im Mai und Juni schmückt sie sich mit in dichten Rispen zusammenstehenden cremeweißen, stark duftenden Blüten. Die Frucht ist eine längliche Flügelnuss, die etwa zwei Zentimeter lang wird. Aus dieser Eschenart wird das so genannte Manna gewonnen – der zuckerhaltige Pflanzensaft der Mannaesche. Das ist auch der Grund, weswegen sie in Sizilien und Kalabrien in Plantagen kultiviert wird.

Wussten Sie, dass...?

die Zauberstäbe der keltischen Druiden aus Eschenholz waren? Sie sollten gegen die zerstörerische Kraft des Wassers schützen und zur Beschwörung des Regens dienen.

in der indianischen Mythologie die Esche eine wichtige Rolle bei der Erschaffung des Menschen spielte? Der Stamm der Algonkin soll der Legende nach aus einem Menschenpaar hervorgegangen sein, das der Schöpfungsgott dadurch hervorbrachte, dass er einen Pfeil in eine Esche schoss.

im angelsächsischen Raum auf das Fällen von zwei Eschen die Todesstrafe stand?

Stammt das Manna der Bibel von der Mannaesche?

Nein. Das im biblischen Bericht über den Auszug der Israeliten aus Ägypten so wunderbar als Nahrung vom Himmel gefallene Manna hat wahrscheinlich nichts mit der Mannaesche zu tun. Hierbei handelte es sich vermutlich um Honigtau, den die an Tamarisken (Tamarix) saugende Manna-Schildlaus in großen Tropfen abscheidet und der sich absammeln lässt. Seit dem 15. Jahrhundert pflanzte man die Mannaesche vor allem in Sizilien zur Gewinnung von Manna oder Himmelsbrot an. Möglicherweise waren es die Araber – vom 9. bis 11. Jahrhundert Herrscher über Sizilien –, die als Erste den Siebröhrensaft der Mannaesche nutzten. Die Stämme werden so weit eingeritzt, bis ein bräunlicher Blutungssaft austritt. An der Luft härtet er und färbt sich gelblich weiß. Manna enthält 2 bis 2,5 Prozent Trauben- und Fruchtzucker und bis zu 90 Prozent Mannitol, einen süßlich schmeckenden Alkohol, sowie Harz. In der Volksmedizin schätzt man es bei Husten oder als leichtes Abführmittel.

Platanen und Co.: Robuste Stadtbäume

Welche Platanenarten trifft man heute bei uns häufig an?

Die Morgenländische (Platanus orientalis), die Nordamerikanische (Platanus occidentalis) und die Gewöhnliche Platane (Platanus × hispanica) sind in unseren Breiten vor allem als Park- und Alleebäume, die Gewöhnliche Platane auch als Großstadtbaum weit verbreitet.

Die vom Balkan über den Kaukasus bis zum Himalaya heimische Morgenländische Platane brachten bereits die Römer mit nach Südeuropa. Nicht nur dort spenden in vielen Dörfern noch heute ausladende Exemplare an zentralen Plätzen Einheimischen wie Besuchern gleichermaßen Schatten. Das Gegenstück zur altweltlichen Platanenart ist die Nordamerikanische Platane oder Sykomore, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet sich von Kanada bis Mexiko erstreckt. Obwohl sie aus der Neuen Welt stammt, nennt man sie auch Abendländische Platane – ganz im Einklang mit ihrem botanischen Namen, der dasselbe bedeutet. Um 1650 tauchte in Spanien und Südfrankreich eine neue Form auf, die heute die am weitesten verbreitete Platane ist: die Bastard-Platane oder Gewöhnliche Platane. Man nimmt an, dass es sich dabei um eine Kreuzung aus Morgenländischer und Nordamerikanischer Platane handelt.

Weshalb heißt die Gewöhnliche auch Ahornblättrige Platane?

Aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit Ahornlaub. Sie erinnert besonders an den Spitzahorn, dessen botanischer Name Acer platanoides wiederum auf die ähnliche Blattform hinweist. Doch anders als bei diesem sind Platanenblätter mehr breit als lang, grob dreilappig und von nur drei statt von fünf markanten Hauptadern durchzogen. Außerdem stehen sie wechselständig an den Zweigen, also abwechselnd nach rechts und links zeigend, und nie paarweise gegenüber wie bei den Ahornen.

Übrigens: Neben der charakteristischen bunt gescheckten Rinde liefert der Blattstiel ein weiteres unverwechselbares Merkmal der Platanen; jeder ihrer Stiele ist an der Basis breit kegelförmig ausgezogen und hüllt die darunter liegende Triebknospe wie eine Kapuze ein.

Was zeichnet Platanen besonders aus?

Ihre überdurchschnittliche Widerstandsfähigkeit gegen Luftverschmutzung: Platanen, in erster Linie die Gewöhnliche Platane, erweisen sich als ungemein robust und lebensstark. Gerade auch Staub, Ruß, Flugasche sowie gasförmige Schadstoffe aller Art beeinträchtigen ihr Wachstum nur geringfügig. Selbst die stark aufgeheizte Atmosphäre, eine geringe Luftfeuchtigkeit und überaus milde Wintertemperaturen, die eine natürliche Ruhephase verhindern, ertragen die Bäume ohne große Probleme. Ihre Unempfindlichkeit gegenüber Luftverschmutzung und Stadtklima verleiht Platanen das Prädikat einer besonderen Industriefestigkeit bzw. Rauchhärte – im Gegensatz zu vielen anderen Bäumen, die unter den genannten Belastungen mehr oder minder stark leiden. Schon deshalb werden Platanen gern in Städten gepflanzt, wobei ihr attraktives Erscheinungsbild sicher ein weiterer Pluspunkt ist.

Wo kommen Ulmen vor?

Ulmengewächse (Ulmaceae) sind weltweit verbreitet, schwerpunktmäßig trifft man sie jedoch in der gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel an. In Mitteleuropa sind Ulmengewächse am häufigsten durch die Ulmen oder Rüster (Ulmus) vertreten. Die Bäume, die etwa 30 bis 40 Meter hoch und bis über 500 Jahre alt werden können, wachsen typischerweise nicht in Reinbeständen. So mischen sich beispielsweise Feldulme (Ulmus minor) und Flatterulme (Ulmus laevis) in die Auenwälder europäischer Flüsse, die Bergulme (Ulmus glabra) findet sich in Laubmischwäldern vom Hügelland bis zu einer Höhe von 1400 Metern in den Alpen. Mit ihrer Verbreitung bis über den nördlichen Polarkreis hinaus ist letztgenannte Ulmenart diejenige, die am weitesten in Richtung Norden vordringt.

Heute wird vor allem geschätzt, dass die Bäume, ähnlich wie Platanen, selbst schlechte, mit Schadstoffen belastete Luft sehr gut ertragen. Das machte Ulmen zu beliebten Zierbäumen, die in Europa vielfach in Ballungsgebieten entlang von Straßen und auf Plätzen gepflanzt werden. Hierfür verwendet man gern die Holländische Ulme (Ulmus × hollandica), eine Hybride aus Ulmus glabra und Ulmus minor. Ihr nordamerikanisches Pendant ist die Amerikanische Ulme (Ulmus americana), die in weiten Teilen der Vereinigten Staaten und in Kanada denselben Zweck erfüllt.

Durch das Ulmensterben wurden die Bestände jedoch stark dezimiert.

Was ist das »Holländische Ulmensterben«?

Eine verheerende Epidemie, der in Europa und Amerika schon einige Hundert Millionen Ulmen erlegen sind. Diese Krankheit wurde in Europa erstmals in den Niederlanden im Jahr 1919 bekannt. Nur kurze Zeit später registrierte man die vermutlich aus dem Himalaya stammende Erkrankung auch in dem Nachbarland Belgien und dann auch in Frankreich. Von dort aus breitete sich das Ulmensterben schnell aus. Es handelt sich hierbei um eine komplexe Krankheit, bei der mehrere Faktoren ineinandergreifen.

Verursacht wurde sie anfangs von dem Pilz Ophiostoma ulmi. Etwa 40 Jahre später wurde er jedoch durch seinen noch aggressiveren Verwandten Ophiostoma novo-ulmi, der mit Furnierholz aus Kanada einschleppt worden war, abgelöst. Die Sporen der pathogenen Pilze werden zum Großteil von dem Ulmensplintkäfer Scolytus übertragen, der den Bäumen übrigens allein schon durch seine Fraßtätigkeit heftig zusetzen kann. Das Pilzmyzel dringt nun in die Wasser führenden Gefäßbündel der Bäume ein und verstopft diese. Dadurch wird der Wasserfluss unterbunden und der Baum stirbt recht schnell ab. Von den ersten Symptomen, die einen Befall anzeigen – das sind eingerollte Blätter, abwärts gekrümmte Zweigspitzen und Bildung von Wasserreisern, später abgestorbene Äste, vorrangig im Kronenbereich – vergeht oft nicht einmal ein Jahr bis zum vollständigen Tod eines Baums.

Wer verbirgt sich hinter der Scheinakazie?

Die Weiße Robinie (Robinia pseudoacacia). Mit den Akazien (Gattung Acacia) hat der häufig an Plätzen und Straßen anzutreffende Schmetterlingsblütler die gefiederten Blätter und die Dornen gemeinsam, weswegen er im Volksmund auch häufig Akazie heißt. Aber nicht nur der volkstümliche Name, sondern auch der wissenschaftliche weist auf diese irreführende Ähnlichkeit hin, lautet der Zusatz doch »pseudoacacia«, also »Pseudo-Akazie«. Im Gegensatz zur echten Akazie, die in Australien und Afrika zu Hause ist, stammt die Scheinakazie, die bis zu 25 Meter hoch werden kann und einen kräftigen Stamm besitzt, ursprünglich aus Amerika.

Übrigens: Die Robinie entwickelt eine starke Wurzelbrut, so dass ein Baum zahlreiche Ausläufer bildet. Deshalb setzt man sie gerne für die Aufforstung für Ödland ein.

Lässt sich die Robinie wirtschaftlich nutzen?

Ja. Das anspruchslose Gewächs, das auch auf sehr kargen Böden, mit denen ansonsten nur Kiefern zurechtkommen, gedeiht, liefert ein wertvolles, sehr festes und dauerhaftes Holz, das vor allem als Gruben- und Schwellenholz Verwendung findet. Allerdings ist bei der Verarbeitung des Holzes Vorsicht geboten, da vor allem die Rinde der Robinie giftige Stoffe enthält. Werden diese eingeatmet, so kann es zu Vergiftungen kommen, die sich u. a. in Erbrechen, Krämpfen und Schwindelgefühlen äußern.

Welchen Baum findet man zunehmend in Städten?

Den Spitzahorn (Acer platanoides ssp. platanoides). Aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit gegen Industriebelastung erfreut er sich wachsender Beliebtheit bei der Begrünung von Städten.

Mit einer Wuchshöhe von maximal 30 Metern gehört der Spitzahorn zu den mittelgroßen Bäumen. Er bildet eine belaubte eiförmige Krone aus, die mit zunehmendem Alter immer kugeliger wird. Diese Ahornart, die 150 bis 200 Jahre alt werden kann, blüht mit frühestens 15 Jahren zum ersten Mal. Die Blüten des Spitzahorns können entweder männlich, weiblich oder zwittrig sein und erscheinen im April oder Mai. Sein Blatt ist in drei, fünf oder sieben Lappen geteilt und endet in mehreren sehr schlanken, langgestreckten Spitzen. Die Heimat des Spitzahorns erstreckt sich über einen Großteil Mittel- und Osteuropas und reicht von Nordspanien über Mittelfrankreich und Deutschland bis zum Ural.

Wussten Sie, dass …

der Name »Platane« aus dem Griechischen kommt? Er leitet sich von dem griechischen Wort »platys« (breit) her und bezieht sich auf die breiten Kronen und Blätter der Bäume.

in der griechischen Mythologie Platanen dem Göttervater Zeus geweiht sind? Unter der Krone einer heiligen Platane soll Zeus einst Hera geehelicht haben, unter ihr beging er aber auch einen seiner wohl bekanntesten Seitensprünge: Beschirmt von Platanengrün zeugte er mit Europa, die er in Gestalt eines weißen Stiers entführt hatte, gleich drei Söhne, darunter Minos, den sagenhaften König von Kreta.

Lehrte Hippokrates unter einer Platane?

So will es zumindest der Volksglaube. Auf der griechischen Insel Kos kann man heute noch eine uralte Platane bewundern, die ihre Zweige über einen Trinkbrunnen mit byzantinischer Kuppel reckt.

Der Überlieferung nach ist dies derselbe Baum, unter dem bereits Hippokrates (460–375 v. Chr.), der bedeutendste Arzt des Altertums und Vater der Medizin, seine Wissenschaft lehrte. Anders als die antiken Bauwerke um sie herum überlebte diese Platane trotz ihres ausgehöhlten Hauptstamms viele Erdbeben. In Wahrheit dürfte dieser Baum allerdings wohl »nur« sechs oder sieben Jahrhunderte alt sein.

Erscheinen bei Ulmen Blätter oder Blüten zuerst?

Die meisten Ulmen blühen, noch bevor die Blätter ausgebildet werden, von etwa Februar bis März.

Die Bäume werden im Alter von 30 bis 40 Jahren geschlechtsreif und bilden dann alle zwei Jahre Blütenstände aus. Diese bestehen aus fünf bis 25 Blüten, die jeweils von einer unscheinbaren grünlichen Blütenhülle umgeben sind. Aus ihnen entstehen im Mai/Juni geflügelte Früchte, die Chlorophyll enthalten und Fotosynthese betreiben können. Die Früchte werden vom Wind verbreitet und sind nur wenige Tage keimfähig.

Wussten Sie, dass …

die Früchte des Ahorns als Schraubenflieger konstruiert sind? Die paarweise zusammenhängenden Nussfrüchte verfügen jeweils über einen langen, trockenhäutigen Fortsatz, der leicht seitlich angesetzt ist. Dank dieser speziellen Konstruktion geraten die Früchte beim Fall wie Propeller in Rotation und gleiten nun langsam in einem spiralförmigen Sinkflug zu Boden. Die Chance, dabei vom Wind ergriffen und verblasen zu werden, erhöht sich beträchtlich.

Eukalyptus: In Australien heimisch

Wie vermeidet der Eukalyptus Wasserverlust?

Er richtet seine Blätter in Richtung der größten Sonneneinstrahlung aus. Zuweilen werden die australischen Wälder als »schattenlose Wälder« bezeichnet. Diese paradox erscheinende Bezeichnung beruht darauf, dass die Blätter des Eukalyptus immer senkrecht zur Richtung des größten Lichteinfalls hängen und daher viel Licht durchlassen. Auf diese Weise vermeidet die Pflanze, dass ihre Blätter zu stark dem Sonnenlicht ausgesetzt sind und zu viel Wasser verdunsten. Außerdem stehen die Bäume in großem Abstand voneinander und tragen bei Wassermangel nur wenig Laub.

Wie sieht das »Jugendkleid« des Eukalyptus aus?

Die Jugendblätter des Eukalyptus sind meist oval, ungestielt, häufig graugrün bereift und kreuzgegenständig. Bei manchen Arten sitzen sie wie kreisrunde Scheiben auf einer Schnur aufgefädelt, weshalb sie gern in der Floristik eingesetzt werden. Die immergrünen Altersblätter hingegen sind gestielt, spiralig angeordnet und mehr oder weniger sichelförmig. Abgefallene Blätter bilden eine dicke Laubdecke, die nur schwer verrottet. Sie verhindert zusammen mit Stoffen, die von den Wurzeln abgegeben werden, dass andere Pflanzen unter Eukalyptusbäumen gedeihen können. Die Wurzeln dringen auf der Suche nach Wasser sehr tief ins Erdreich ein.

Wann kommen Eukalyptusblüten in die Läden?

Zu Weihnachten, denn die Blüten der Gattung Eucalyptus werden wegen ihrer weißen, gelben oder roten Staubfäden geschätzt. Zur Weihnachtszeit werden in hiesigen Blumenläden Eukalyptuszweige mit graugrün bereiften Blütenknospen angeboten, die oft fälschlicherweise für Früchte gehalten werden. Die eigentlichen Früchte sind jedoch holzige Kapseln, welche die feinen Samen enthalten. Da die Blüten reichlich Nektar enthalten, sind manche Arten eine wertvolle Bienenweiden.

Schaden Buschfeuer den Eukalyptusbäumen?

Nur wenig. An die häufigen Buschfeuer in Australien hat sich der Eukalyptus in bemerkenswerter Weise angepasst: Die großen Bäume tragen ihre Kronen so hoch, dass ein Feuer ihnen nichts anhaben kann. Das auf dem Boden liegende Laub hingegen ist voller ätherischer Öle und facht das Feuer an, so dass der gesamte Unterwuchs mitsamt Samen in Minutenschnelle verbrennt.

Die harten Früchte vieler Eukalyptusarten benötigen sogar solche Feuer, um sich zu öffnen und die Samen entlassen zu können. So stellen diese Arten eine Verjüngung zum günstigsten Zeitpunkt sicher: Licht- und Wurzelkonkurrenz wurden vermindert, und der störende pflanzliche Abfall auf dem Boden hat sich in nährstoffreiche Asche umgewandelt. Unter diesen günstigen Bedingungen können die Keimlinge mit enormer Geschwindigkeit wachsen.

Gedeiht der Eukalyptus nur in Australien?

Nein, inzwischen hat er mit menschlicher Hilfe alle Kontinente erobert. Lange Zeit schien der Eukalyptus die ideale Lösung zu sein, um den globalen Problemen Abholzung von Regenwäldern, Brennstoffmangel und Trockenlegung von Malariasümpfen zu begegnen. Denn viele Eukalyptusarten sind anspruchslos, wachsen schnell und kommen sowohl mit Trockenheit als auch sumpfigen Böden gut zurecht. In Italien wurden Eukalyptusbäume deshalb in Sumpfgebieten angepflanzt und verdrängten so die Malaria. Da die Bäume große Wassermengen verbrauchten, legten sie die Sümpfe trocken und damit auch die Brutstätte der die Malaria übertragenden Anopheles-Mücke.

Auch in Äthiopien wurden sie als wahrer Segen empfunden; dort retteten sie Ende des 19. Jahrhunderts sogar die Hauptstadt. In deren Umgebung waren nämlich alle heimischen Bäume gefällt und Keimlinge von Ziegen und anderen Weidetieren abgefressen worden. Ohne Brennholz konnte die Stadt aber nicht existieren, und so begann man gerade rechtzeitig mit dem Anbau des rasant wachsenden Eukalyptus.

Ist Eukalyptus ein Unkraut?

Botaniker der Mittelmeerregion und Kaliforniens sind mittlerweile jedenfalls zu diesem Schluss gekommen. Seit 1880 pflanzte man Eukalyptus auch in Kalifornien an, ebenfalls zur Malariabekämpfung und zur Brennholzversorgung. Vor allem der Blaugummibaum oder Blaue Eukalyptus (Eucalyptus globulus) breitete sich übermäßig aus. Gute Böden durchzog er mit seinen wuchernden Flachwurzeln und verhinderte den Aufwuchs von Unterholz. Außerdem senkte er den Grundwasserspiegel und entzog den Böden ihre Nährstoffe.

Wofür verwendet man Eukalyptusöl?

Vornehmlich für Hustenbonbons, aber auch für andere medizinische Anwendungen. Das Öl mit dem typischen Aroma gewinnt man durch Destillation von Eukalyptusblättern. Für medizinische Anwendungen sind vor allem Blätter des Blaugummibaums (Eucalyptus globulus) geeignet, die bis zu 3,5 Prozent des Öls enthalten. Das Öl ist antiseptisch, auswurffördernd und wirkt sich positiv auf die Blutzirkulation erkrankter Organe aus. Als Tee, Inhalationsmittel, Salbe, Badezusatz oder Bonbon lindert es die lästigen Symptome von Erkrankungen der oberen Atemwege. Als Duftstoffe für die Kosmetikindustrie sind die Öle von Zitroneneukalyptus (Eucalyptus citriodora) und Pfefferminzeukalyptus (Eucalyptus dives) begehrt.

Das vielseitige Eukalyptusöl wird auch als Kraftstoff im Gemisch mit Benzin erprobt; allerdings gilt diese Methode noch als unwirtschaftlich. Eukalyptusholz zur Energiegewinnung einzusetzen ist dagegen ergiebiger.

Wussten Sie, dass …

zur Gattung Eucalyptus die größten Laubbäume der Welt gehören? Den Rekord hält Eucalyptus regnans, der über 110 Meter hoch wird.

das Holz vieler Eukalyptusarten zu den härtesten und widerstandsfähigsten Hölzern zählt? Allerdings »arbeitet« es recht stark und reißt leicht ein, so dass es nur eingeschränkt verwendet werden kann.

HR_Schuelerlabor1.jpg
Wissenschaft

Die Quanten-Arena

Wo die Gesetze der Quantenmechanik das Zepter führen, stoßen klassische Experimente und selbst die leistungsstärksten Supercomputer an ihre Grenzen. Doch es gibt einen anderen Weg, um neue Erkenntnisse über den Mikrokosmos zu gewinnen: das Konzept der Quantensimulation. von RALF BUTSCHER Wenn Johannes Zeiher die Steuerung für...

Stickstoffdioxid, Feinstaub, Luft, Lunge
Wissenschaft

Kleine Teilchen mit großer Wirkung

Mit dem Atem gelangt nicht nur lebenswichtiger Sauerstoff in den Körper: Stickstoffdioxid und Feinstaub gefährden Lunge, Herz und Gehirn. von CLAUDIA EBERHARD-METZGER Täglich atmet ein Erwachsener mindestens 10.000 Liter Luft ein und wieder aus, nimmt dabei Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. Nichts im Körper funktioniert...

Mehr Artikel zu diesem Thema

Weitere Lexikon Artikel

Weitere Artikel aus der Wissensbibliothek

Weitere Artikel aus dem Wahrig Synonymwörterbuch

Weitere Artikel aus dem Wahrig Fremdwörterlexikon

Weitere Artikel aus dem Wahrig Herkunftswörterbuch

Weitere Artikel aus dem Vornamenlexikon