Lexikon

Völkerwanderung

Kultur

Gesellschaft und Kultur der Völkerwanderungszeit sind nur z. T. aus schriftlichen Quellen zu erschließen; ihre genauere Kenntnis vermitteln die archäologischen Hinterlassenschaften der germanischen Völker, insbesondere Grabausstattungen. Archäologisch endet die Völkerwanderungszeit erst mit dem Ende der Reihengräberzivilisation im fränkischen Bereich, als man im 8. Jahrhundert vom Brauch der Grabbeigaben abkam.
Der Fall Roms und die Völkerwanderung
Der Fall Roms und die Völkerwanderung
Augustinus (354-430), einer der wichtigsten abendländischen Kirchenväter, über die Eroberung Roms im Jahr 410 als Hintergrund für sein Hauptwerk "Der Gottesstaat":

Unterdessen wurde Rom durch das Eindringen der Goten unter Alarich und durch einen furchtbaren Zusammenbruch zu Fall gebracht, und die Verehrer der falschen und vielen Götter, die wir Heiden zu nennen pflegen, begannen, indem sie diesen Fall Roms mit der christlichen Religion in Verbindung zu bringen wagten, heftiger und bitterer als sonst, den wahren Gott zu schmähen. Da entbrannte ich von Eifer für das Haus des Herrn und nahm mir vor, wider ihre Schmähungen und Irrtümer die Bücher über den Gottesstaat zu schreiben. Diese Arbeit hielt mich einige Jahre hin ... Endlich aber wurde das große Werk über den Gottesstaat in 22 Büchern abgeschlossen."

Der gallische Bischof Orientius (Mitte 5. Jahrhundert) über die Endzeitstimmung, die sich im Zeichen der Völkerwanderung ausbreitet:
"Müde erwartet alles das greisenhafte Ende der Welt, und schon läuft ab die Zeit am letzten Tage. Siehe, wie rasch der Tod die ganze Welt bezwungen und welch starke Völker die Wucht des Krieges zu Boden geworfen hat! ... Nicht dichter Wald, nicht die Unwirtlichkeit eines hohen Gebirges, nicht die reißenden Strudel mächtiger Flüsse, nicht feste Burgen, nicht Städte im Schutze ihrer Mauern, ... waren im Stande, die barbarischen Horden zu hintergehen ... Ganz Gallien rauchte als einziger Scheiterhaufen ...
Doch was soll ich den Leichenzug der hinsinkenden Welt beschreiben, der ohne Unterbrechung seine gewohnte Bahn zieht? ..."
Im 5. und 6. Jahrhundert zeigt die Kultur der Völkerwanderungszeit in Europa mehrere Formengruppen, die sich im Kern den führenden germanischen Stämmen zuschreiben lassen. Vom 6. bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts ist sie, besonders in den westlichen germanischen Gebieten, von der merowingischen Kultur bestimmt. Sie ist vorwiegend aus den Funden der Reihengräber bekannt, der allgemein üblichen Bestattungsart in völliger Bekleidung, die Frauen mit Schmuck, die Männer mit Waffen versehen. Die Gräber des hohen Adels heben sich durch ihre prächtige Ausstattung von den übrigen ab (z. B. das Childerichgrab).
Schwerter und Schwertscheiden, Helme, Gürtel- und Riemenschnallen, Fibeln, Ringe und Armreifen sind oft kunstvoll gearbeitet und vielfach mit flächenbedeckenden Ornamenten in Guss- und Treibarbeit verziert unter Verwendung von Halbedelstein-(Almandin-)Einlagen, Zellverglasung und Granulation. Die oft halbplastisch angebrachten Tierornamente wurden im Lauf der Zeit immer mehr ornamental bis zur Unkenntlichkeit aufgelöst (Tierstil). Aus der Holzschnitzerei (Kerbschnitt, Drechselei) wurde eine kerbschnittartige Oberflächengestaltung auf das Metall übertragen. Die besonders in westlichen Gebieten (auf den Britischen Inseln) weiter tradierten keltischen Muster gewannen für die Buchmalerei des Mittelalters große Bedeutung.
  1. Einleitung
  2. Entwicklung
  3. Kultur
  4. Kunst
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