Lexikon
Wallensteins Konspiration
Die geheimen Machenschaften Friedlands [= Wallenstein] wurden endlich am 12. Januar als Verschwörung erkennbar. Er wollte den Kaiser verderben, das Haus Österreich ausrotten, die österreichischen Königreiche und Provinzen an sich reißen und die Güter und Herrschaften der kaisertreuen Minister an seine Mitverschworenen aufteilen. So hatte er den kaiserfeindlichen und besonders den ketzerischen und wegen Rebellion und Häresie in vergangenen Jahren aus Böhmen und den Erbländern emigrierten Offizieren die weit gehendsten Versprechungen gemacht, aber immer mit solcher Vorsicht, dass er nur wenigen seine geheimsten Absichten entdeckte, nämlich nur denen, deren Treue er durch Zusage ganzer Fürstentümer gewonnen zu haben glaubte. Der kaiserlichen Majestät gegenüber heuchelte er indessen eine ganz andere Gesinnung. Sobald aber der Kaiser im tiefsten Geheimnis von denen, die er [Wallenstein] ins Vertrauen gezogen hatte, die Treulosigkeit dieses ruchlosen und undankbaren Menschen erfuhr, versuchte er, ganz im Verborgenen seine Machenschaften zu vereiteln und zunichte zu machen. Zunächst nahm er demütig seine Zuflucht zur Hilfe Gottes und ließ, ohne den Anlass seines Ersuchens anzugeben, den Ordensleuten anbefehlen, um Versöhnung Gottes bemüht zu sein... Dann gab er einigen Getreuen, nämlich Gallas, Aldringen, Piccolomini und Coloredo, die sich den Anschein gaben, als seien sie für Friedland, Vollmacht und Befehl, die Obersten und die Soldaten von ihrem Irrweg, der den meisten nicht bewusst war, abzurufen bzw. im Gehorsam und in der Pflicht gegenüber dem Kaiser zu erhalten; ferner aber das Haupt und die wichtigsten Teilhaber der Verschwörung, so es sich irgend tun lasse zu verhaften und nach Wien zu bringen oder als Überführte aus der Zahl der Sterblichen zu tilgen.
Dieser Befehl wurde am 24. Januar gegeben, und es gefiel der göttlichen Majestät, die Pläne des Kaisers gedeihen zu lassen. Die ganze Sache blieb geheim bis zum 22. Februar...
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