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Mars, der taumelnde Unglücksbote

Dr. Dirk Soltau

Rätselhafte Schnörkel

Heutzutage ist es selbst-verständliches Allgemein-wissen, dass die Planeten die Sonne umkreisen.

Wir wissen nicht wirklich, wie Menschen beim Betrachten des Sternen-himmels in früheren Zeiten gedacht und gefühlt haben. Ehrfurcht vor dem ewig gleichen und scheinbar unveränderbaren Muster der Sterne am Himmel mag eine bestimmende Einstellung gewesen sein, die durch die religiöse Verehrung der Sterne in vielen Kulturen nahe gelegt wird. Doch außer den ca. 6000, mit bloßem Auge sichtbaren Fixsternen, die als Symbole der Ewigkeit gelten können, gibt es sieben Himmelskörper, die zwischen den Sternen zu wandern scheinen. Sie bekamen im Altertum die Bezeichnung Planeten.

Am schnellsten bewegt sich der Mond zwischen den Sternen. Er rückt jeden Tag nach Osten vor, braucht für die Durchquerung eines Tierkreissternbildes zwei bis drei Tage.
Die Sonne ist der zweitschnellste Wanderer am Himmel. Sie braucht von der Erde aus gesehen immerhin einen Monat, um von einem Tierkreissternbild zum nächsten zu gelangen und läuft dabei dem Mond entgegen.
Merkur und Venus sind nie sehr weit von der Sonne entfernt und daher nur am Abend oder am Morgen zu sehen.

In dunkler Nacht kann man nur drei Planeten sehen: Mars, Jupiter und Saturn. Jupiter und Saturn bewegen sich langsam und gravitätisch in den Sternbildern des Tierkreises. Jupiter braucht ein bis zwei Jahre, um ins nächste Sternbild zu kommen, Saturn lässt sich für diese Strecke bis zu fünf Jahre Zeit. Ihr gelbliches Licht strahlt ruhig und Vertrauen erweckend.

Aber dann ist da noch Mars: sein rötliches Licht, das die Menschen an Blut erinnerte, kann seine Helligkeit im Laufe von Monaten um den Faktor 60 (!) ändern, sodass aus einem unscheinbaren Lichtpunkt das hellste Objekt am Himmel wird. Zum Beispiel ging Mars Ende Dezember 2002 am frühen Morgen zwischen 4 und 5 Uhr auf und war nur so hell wie einer der Sterne des Großen Wagens. Acht Monate später im August 2003 ist er dann das hellste Objekt am Abendhimmel und überstrahlt alle Sterne bei weitem. Doch nicht nur seine schwankende Helligkeit sondern auch seine Bewegung zwischen den Sternen machte den Menschen im Altertum Sorgen: Unberechenbar eilt der rote Planet durch die Sternbilder des Tierkreises. Meistens bewegt er sich nach Osten, doch manchmal bleibt er an einem Ort am Himmel stehen und bewegt sich dann zurück nach Westen, um es sich dann einige Tage später wieder anders zu überlegen. Das Ergebnis sind rätselhafte Bahnschnörkel, die Mars auf seiner Bahn an den Himmel zeichnet. Auch Jupiter und Saturn zeigen solche Schnörkel, aber die von Mars sind am auffälligsten.

Kein Wunder also, dass Mars von allen Planeten die schlechteste Reputation erhielt. Für die Griechen und Römer symbolisierte er den Kriegsgott und in der Astrologie steht er u.a. für Unheil und Aggressivität.

Die rätselhaften Bahnschleifen stellten für die Astronomie jahrtausendelang das größte Rätsel am Himmel dar. Viele Generationen von Babyloniern hatten den Mars beobachtet, aber erst dem großen antiken Ptolemäus gelang es, eine Berechnungsmethode zu entwickeln, die es erlaubte, die Position des Mars am Himmel einigermaßen genau vorauszuberechnen. Aber was heißt "genau"? Der Unterschied zwischen berechneter Stelle am Himmel und der tatsächlich beobachteten betrug in der Regel einige Grad. Wobei der Fehler für Mars immer am größten war. Kann man sich mit solchen unerklärlichen Fehlern abfinden? - Offenbar hängt es von der herrschenden Kultur ab, ob man "fünfe gerade sein lassen" kann oder ob dieser Fehler schmerzt.

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