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Ortsnamen: Vaskonisch - die Ursprache der Europäer?

Eine Theorie überholt sich selbst.

Wer zuerst kommt, der vergibt die Namen. Das war schon in der Bibel so und so muss man sich das auch für Ortsnamen vorstellen. Kein Wunder also, dass sich schon die Gelehrten der Antike Gedanken über die Ursprache der Menschheit machten. Entsprechend groß war die Begeisterung der Sprachforscher im 19. Jahrhundert, als sie auf Parallelen zwischen auf den ersten Blick so unterschiedlichen Sprachen wie Sanskrit, Persisch, Griechisch, Französisch und Deutsch stießen. Deren Gemeinsamkeiten führten sie zurück auf eine gemeinsame, inzwischen untergegangene Protosprache namens Indoeuropäisch bzw. Indogermanisch (eigentlich: Indo-irano-armeno-graeco-latino-slavo-balto-romano-celto-Germanisch). Geschätztes Alter: etwa 5.000 Jahre. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass der Mensch nicht erst seit 5.000, sondern seit mindestens 20.000, wenn nicht sogar mehreren hunderttausend Jahren seine Umwelt benennt, wird klar, warum sich kaum ein Ortsname mithilfe indogermanischer Wortbausteine erklären lässt.

Deshalb verwundert es nicht, dass eine neue Theorie aufkam, die vehement vom Münchner Linguistik-Professor Theo Vennemann vertreten wurde. Nach Vennemann weist einiges darauf hin, dass Vaskonisch - der Vorläufer des heutigen Baskisch - die Ursprache der Europäer war. Also ausgerechnet eine Sprache, die nicht ins indoeuropäische Schema passt. Die Erklärung ist simpel: das Vaskonische - benannt nach Vascones, der römischen Bezeichnung für die Basken - ist um einiges älter als das Indogermanische. Nicht zuletzt archäologische Funde aus der spät-eiszeitlichen Kultur des Magdalénien und Forschungen zum genetischen Stammbaum der Europäer beweisen: die Wiederbesiedelung Europas nach der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren kann nur von der damals einzigen eisfreien Zone, nämlich der iberischen Halbinsel aus erfolgt sein.

Inzwischen ist die Wissenschaft schon wieder einen Schritt weiter und hat Vennemanns Theorie verworfen, da es etwa für deutsche Gewässernamen kaum Parallelen im südlichen und südwestlichen Europa finden lassen. Bis tatsächlich eine akzeptierte Theorie in den Ring geworfen wird, darf also jeder weiter an seine Lieblingstheorie glauben. Vielleicht sind wir ja doch alle ein bisschen baskisch?

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