Großes Wörterbuch der deutschen Sprache

der Mund – die Mund/Munt:
Es gibt im Deutschen Wortbildungen und Redewendungen, in denen das Wort
Mund/mund
enthalten ist (wie zum Beispiel
Vormund
oder
nach dem Munde reden
). Sie gehen ursprünglich jedoch auf zwei verschiedene Substantive zurück.
1. die
Mund/Munt
, aus althochdeutsch
munt
, ist mit dem lateinischen
manus
„Hand“ verwandt und bedeutet „Hand“, „Schutz“, „Schirm“. Der Bedeutung „Schutz“ liegt im übertragenen Sinn „Hand, die schützend über jemanden gehalten wird“ zugrunde. Der Ausdruck ist weitgehend aus dem Sprachschatz verschwunden, allerdings noch in zahlreichen Ableitungen und Redewendungen lebendig:
Vormund
– jemand, der rechtliche Verantwortung für eine andere Person übernimmt (aus althochdeutsch
foramundo
„Beschützer“, „Fürsprecher“);
mündig
– ursprünglich jemand, der für seinen eigenen Schutz sorgen kann;
Mündel
– jemand, der unter die rechtliche Verantwortung eines anderen gestellt ist;
bevormunden
– unter Vormundschaft stellen, nicht selbständig entscheiden lassen;
mundtot machen
– jemanden zum Schweigen bringen (ursprünglich:
entmündigen
).
2. der
Mund
, aus althochdeutsch
mund/munt
(zu gotisch
munt
), als Bezeichnung für den Körperteil. Die genaue Herkunft dieses Worts ist unklar. Möglicherweise ist es mit dem lateinischen
mentum
„Kinn“ oder dem kymrischen
mant
„Kinnlade“ verwandt oder geht auf die indogermanische Wurzel
menth
„kauen“ zurück. Neben seiner Grundbedeutung wird
Mund
vor allem im übertragenen Sinn für „Sprechen“, „Sprache“ und „Nahrungsaufnahme“ gebraucht. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es auch die Ableitung
münden/Mündung
. Zudem gibt es noch die abgeleiteten Formen:
mündlich
– gesprächsweise, nicht schriftlich;
von Mund zu Mund
– weitererzählt werden;
nicht auf den Mund gefallen sein
– schlagfertig sein;
sich etwas vom Munde absparen
– sich etwas unter Opfern absparen.
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