Warum manche Menschen das Risiko lieben: Die Psychologie des Sensation Seeking
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Warum manche Menschen das Risiko lieben: Die Psychologie des Sensation Seeking

Foto: Janilson Furtado / Unsplash

Der eine steht am Rand einer Klippe und schnallt sich in aller Ruhe das Gleitschirmgeschirr um, während der andere schon beim Gedanken daran feuchte Hände bekommt. Manche Menschen suchen geradezu nach Nervenkitzel und Risiko, andere meiden ihn. Dieses Persönlichkeitsmerkmal wird in der Psychologie als Sensation Seeking bezeichnet.

Was steckt hinter dem Begriff Sensation Seeking?

Der Begriff geht auf den amerikanischen Psychologen Marvin Zuckerman zurück, der ihn bereits 1964 prägte. Er beschreibt die Suche nach vielfältigen, neuartigen, komplexen und intensiven Reizen und Erlebnissen, verbunden mit der Bereitschaft, dafür Risiken einzugehen. Sensation Seeking gilt heute als eigenständiges Persönlichkeitsmerkmal mit messbarer biologischer Grundlage.

Zuckerman unterschied dabei vier Ausprägungen, die zusammen das Merkmal ergeben:

  • Nervenkitzel und Abenteuer, etwa durch Extremsport oder schnelles Autofahren
  • Erfahrungssuche, also die Lust auf Reisen, Musik und ungewohnte Eindrücke
  • Enthemmung, die sich in wilden Partys und geselligen Exzessen zeigt
  • Anfälligkeit für Langeweile, wenn Routine und Wiederholung schwer auszuhalten sind

Wie stark diese vier Bereiche ausfallen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch teils erheblich.

Warum reizt manche Menschen das Glücksspiel besonders?

Glücksspiel gilt in der Forschung als eine Form der Risikosuche und zieht Menschen mit hohem Stimulationsbedürfnis häufig an. Bereits Ende der 1990er-Jahre beschrieben Breen und Zuckerman, dass Personen mit einer erhöhten Anfälligkeit für Langeweile im Glücksspiel eine Möglichkeit sehen können, der empfundenen Eintönigkeit zu entkommen. Der Reiz entsteht dabei unter anderem durch den schnellen Wechsel zwischen Anspannung und Auflösung, wie er insbesondere bei Automatenspielen zu beobachten ist. Die kurzen Spielzyklen sorgen für eine Abfolge kleiner Erregungsspitzen, die für sogenannte High Sensation Seeker besonders stimulierend wirken können. Einen Überblick über entsprechende Angebote bietet beispielsweise dieses casino online in der Schweiz.

So unterhaltsam der Nervenkitzel für die meisten bleibt, birgt er auch ein Risiko. Warum Glücksspiele süchtig machen können, hängt von der Person, den Lebensumständen und der Gestaltung des Spiels ab. Nach Daten des ISD Hamburg gelten in Deutschland rund 5,7 Prozent der Erwachsenen als riskant Spielende und etwa 2,3 Prozent als von einer Glücksspielstörung betroffen, Männer häufiger als Frauen.

Wie entsteht die Lust am Risiko im Gehirn?

Ein guter Teil der Antwort steckt im Belohnungssystem des Gehirns. Eine tragende Funktion übernimmt dabei der Botenstoff Dopamin, der bei neuen und aufregenden Erlebnissen ausgeschüttet wird und ein Gefühl von Vorfreude und Euphorie erzeugt. Studien deuten darauf hin, dass Unterschiede in bestimmten Dopamin-Rezeptoren mit der Risikobereitschaft zusammenhängen. Auch das Enzym Monoaminooxidase, kurz MAO, das solche Botenstoffe wieder abbaut, wird immer wieder mit dem Merkmal in Verbindung gebracht. Menschen mit niedriger MAO-Aktivität weisen häufig höhere Sensation-Seeking-Werte auf.

Hinzu kommt eine erbliche Komponente. Zwillingsstudien schätzen den genetischen Anteil je nach Untersuchung auf 40 bis 60 Prozent, was Sensation Seeking zu einem der am stärksten vererbten Merkmale der Persönlichkeitsforschung macht.

Gut zu wissen

Auch das Gruseln im Kinosessel zählt zum Nervenkitzel. Forschende der Universität Aarhus befragten rund 1.000 Besucher eines Halloween-Horrorhauses und beschrieben drei Typen von Grusel-Fans: Adrenalin-Junkies, die den intensivsten Nervenkitzel suchen, White Knucklers, die lieber die Augen zukneifen, und Dark Copers, die mit dem Grusel ihre eigenen Ängste besser verarbeiten.

Wie lässt sich die Suche nach dem Kick gesund kanalisieren?

Sensation Seeking hat einen zwiespältigen Ruf, dabei steckt darin auch eine Menge Antrieb. Fachleute betonen, dass dieses Merkmal nicht zwangsläufig zu riskantem Verhalten führen muss. Entscheidend ist, in welchen Lebensbereichen sich die Suche nach dem Kick abspielt und ob es gelingt, kalkulierbare Risiken von schädlichen Impulsen zu unterscheiden.

Tipp

Für ein gesund ausgelebtes Stimulationsbedürfnis bietet der Alltag viele Ventile:

  • Neue Sportarten wie Klettern, Tauchen oder Bouldern ausprobieren
  • An unbekannte Orte reisen und bewusst ungewohnte Eindrücke suchen
  • Kreative Projekte angehen, die immer wieder Neues verlangen
  • Beim Glücksspiel feste Zeit- und Geldgrenzen setzen und Pausen einhalten

Auf diese Weise lassen sich Reiz und Erfahrung mit vertretbarem Risiko verbinden.

Was die Risikolust über den Menschen verrät

Die Suche nach dem Kick ist weder gut noch schlecht, im Grunde gehört sie einfach zur Vielfalt menschlicher Persönlichkeiten. Wer sie kennt und bewusst nutzt, kann daraus Antrieb, Freude und Lernerfahrungen ziehen. Entscheidend bleibt, dass das Belohnungsgefühl eines wagemutigen Augenblicks nie zum Zwang wird und dass Risiken bewusst gewählt sind.

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