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Nordsee-Urlaub mal anders: Auf den Spuren alter Schiffswracks

Holzplanken ragen aus dem schlickigen Boden, ein halbverwitterter Mast zeugt von vergangener Größe: Im Nordsee-Watt kann man noch heute einige alte Schiffswracks besichtigen. Bei Ebbe tauchen sie wie Geisterschiffe aus dem Meer auf. Ihre Geschichte und die geheimnisvollen Relikte selbst kann man bei Wattführungen hautnah erfahren – ein spannendes Urlaubs-Erlebnis.

Die von Sandbänken und Inseln durchsetzten Wattgebiete der Nordsee sind für Schiffe ein gefährliches Gebiet. Wer sich nicht auskennt, ist hier schnell auf Grund gelaufen. Das tückische Terrain wurde früher vielen Schiffen zum Verhängnis – davon zeugen bis heute ihre Wracks. Bei Ebbe gibt das Meer einige dieser gestrandeten Schiffrelikte wieder frei und man kann sie aus der Nähe besichtigen.

Wrack der City of Bedford
Das Wrack der "City of Bedford"
Tragödie im Watt

Der Wind jagt die Wolken über das Meer, die verbliebenen Wasserflächen im Watt sind beinahe kabbelig, in den Prielen läuft das Wasser ab. Eine kleine Gruppe von Besuchern marschiert schweren Schrittes durch diese wilde Wattenwelt, scheinbar unterwegs von Irgendwo nach Nirgendwo. Tatsächlich sind sie unterwegs von Amrum nach Föhr und wollen ein Wrack besichtigen: die "City of Bedford".

Nationalpark-Wattführer Dark Blome erzählt ihre Geschichte, während er zwischen den Holzspanten des Unglückschiffes steht: "Die ,City of Bedford´ verunglückte am 2. Februar 1825. Sie war unterwegs von England nach Dänemark und hatte vermutlich Salpeter geladen. Das Schiff geriet jedoch in einen Sturm und konnte offenbar nicht dagegen an manövrieren." Sturm und Strömung trieben Schiff und Besatzung ins Verderben.

Als das Schiff in das Labyrinth aus Prielen und Sandbänken zwischen den Inseln Amrum, Föhr und Sylt getrieben wurde, hatte es keine Chance – ein Freisegeln war nicht mehr möglich. "Drei Seeleute kamen ums Leben, sie sind auf dem Friedhof in Süderende auf Föhr bestattet. Drei Männer der Besatzung und ein Passagier haben das Unglück überlebt", erzählt Blome. Ein paar kümmerliche Überreste des Wracks hier draußen lassen das Schiff erahnen und erinnern an diese Tragödie.

Warack der Ulpiano am Süderoogsand
Zum Jahreswechsel 2012/2013 wurden am Süderoogsand gleich drei Wracks fereispielt, darunter auch das der spanischen Bark "Ulpiano", die am Heiligabend 1870 auf ihrer Jungfernfahrt gestrandet war.
Vor Nordstrand gesunken

Auch im Watt vor Nordstrand liegt ein Wrack, das im Rahmen geführter Touren von Mai bis Ende September besichtigt werden kann: Es geht über die Wattfläche nach Westen, Christine Dethleffsen führt ihre Gruppe bis an den Priel. Links liegt die Hallig Südfall, rechts die Insel Pellworm. Start der Wanderung war Nordstrand. Diese Gegend birgt manches Geheimnis im Wattboden – hier soll einst das legendäre Rungholt untergegangen sein.

Und hier liegt noch mehr: knietief das Wasser im Priel und plötzlich ragen ein paar Holzspanten wie ein Gerippe aus dem Wasser – ein unbekanntes Wrack. "Das gehört zum Bug eines Lastenseglers", berichtet Dethleffsen. "Der lief um das Jahr 1900 hier während eines Sturms auf Grund oder ging unter." Das Wrack liegt quer zum Priel, es geht mal unter und taucht dann wieder auf. "In manchen Jahren kannst Du das Wrack kaum erkennen, dann ist es total eingesandet", so die Wattführerin. "In anderen Jahren liegt es wieder deutlich zu erkennen im Priel – mal zeigt es sich, mal nicht."

Auch die Geschichte dieses Schiffes, den Namen und das genaue Datum der Havarie kennt niemand so genau. Das Schiff soll aber mit Schleusentoren beladen gewesen sein und war unterwegs von Husum zu den Halligen. Dann geschah das Unglück. "Den Schiffsjungen oder seine Leiche hat niemand gefunden. Der Kapitän aber kannte dieses Seegebiet: Als das Wasser stieg, hat er sich an den Mast gebunden und so das Hochwasser unbeschadet überstanden", erzählt Dethleffsen. "Bei Niedrigwasser ist er dann nach Nordstrand zurückgegangen."

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Nordsee-Tourismus-Service, 15.03.2017
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