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David Ben Gurion: Der größte jüdische Staatsmann

Woher kam Ben Gurion?

In hebräischer Sprache bedeutet der Name Ben Gurion »Sohn des Löwen«. Diesen Namen gab sich der 1886 als Sohn eines Rechtsanwalts und Zionisten in Polen geborene David Grün selbst. Er kam 1906 während der zweiten jüdischen Einwanderungswelle nach Palästina und betrieb dort den Aufbau einer jüdischen Organisationsstruktur. Bekannt in aller Welt wurde David Ben Gurion, als er am 14. Mai 1948 als erster Ministerpräsident und Verteidigungsminister einer provisorischen Regierung den Staat Israel ausrief.

Welche Ideale bewegten den jungen Staatsmann?

Wie die meisten seiner Kameraden hatte Ben Gurion große Träume. Er war beseelt von den sozialistischen Gesellschaftsentwürfen der revolutionären Bewegung Russlands. Ihm schwebte eine klassenlose, sozial gerechte Gesellschaft vor. Seine Hauptaktivität in den zwanziger und dreißiger Jahren war der Aufbau einer jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina. Lange Jahre saß er der großen nationalen Gewerkschaftsbewegung Histadrut und der sozialistischen Arbeiterpartei Mapai vor. Ben Gurion lebte den damaligen »Mythos Israel«: Pioniergeist, Selbstbewusstsein, Mut und soziale Gerechtigkeit.

Welche politische Rolle übernahm der Zionist?

Als Vorsitzender der jüdischen Selbstverwaltung, der Jewish Agency, vertrat Ben Gurion die Interessen seines Volks gegenüber der britischen Mandatsmacht. Besonders nach der Veröffentlichung des britischen Weißbuchs 1939, das die jüdische Einwanderung und den jüdischen Landkauf drastisch limitieren sollte, organisierte er die illegale jüdische Einwanderung und den bewaffneten Widerstand gegen die Mandatsmacht.

Weshalb billigte der Politiker den Teilungsplan der Vereinten Nationen?

Ben Gurion war in erster Linie Realpolitiker. Sein Ziel war es, Israel den Weg zur Staatlichkeit zu ebnen, darum blieb ihm gar nichts anderes übrig, als den Teilungsplan der Vereinten Nationen vom November 1947 zu billigen. Natürlich war er nicht glücklich über die Aufteilung Palästinas zwischen Juden und Palästinensern, er war vielmehr davon überzeugt, dass die Ziele von Zionisten und Palästinensern langfristig unvereinbar seien.

Nachdem es der israelischen Armee im Unabhängigkeitskrieg 1948/49 gelungen war, weite Teile Galiläas und der Negevwüste zu erobern, die ursprünglich dem palästinensischen Staat zugeteilt waren, dachte Ben Gurion nicht an die Rückgabe dieser Gebiete und strebte einen Frieden mit den Arabern unter Anerkennung der Gebietsgewinne an. Die Parole »Land gegen Frieden«, die heute den Nahost-Friedensprozess bestimmt, lehnte Ben Gurion ab.

Wie kam es zur Aussöhnung mit Deutschland?

Ben Gurion hatte den großen Vorteil, aus einer Position der Distanz heraus verhandeln zu können, obwohl er selbstverständlich entsetzt und erschüttert über die nationalsozialistischen Verbrechen an den Juden war. Er hatte aber nicht, wie viele jüngere Politiker, den persönlichen Bezug zum Holocaust, da er schon in jungen Jahren nach Palästina ausgewandert war. Aus diesem Grund befürwortete Ben Gurion trotz des starken Widerstands in Israel die Aussöhnung mit Deutschland.

Es war das gemeinsame Verdienst von Ben Gurion und Konrad Adenauer, dass Deutschland und Israel Kontakt aufnahmen, verhandelten und schließlich ein Wiedergutmachungsabkommen ratifizierten. Das Luxemburger Abkommen von 1952 legte schließlich die erste Zahlung von 3,5 Milliarden DM durch Westdeutschland an den Staat Israel und jüdische Organisationen als Wiedergutmachung fest, die dank Ben Gurions Einfluss auch von der Knesset, dem israelischen Parlament, angenommen wurde.

Wovon träumte Ben Gurion?

Sein großer Traum war die Urbarmachung der Wüste. Ein Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1960 in New York führte dazu, dass Deutschland ab 1963 günstige Kredite an Israel überwies, um zur Besiedlung und Urbarmachung der Wüste Negev beizutragen. Heute hat man selbst in Israel erkannt, dass diese Vision in eine wirtschaftliche Sackgasse führt.

Wussten Sie, dass …

Ben Gurion seine Ideale selbst vorlebte, indem er 1953 dem Kibbuz Sede Boqer inmitten der Negevwüste beitrat und dafür sogar 14 Monate lang alle Regierungsämter niederlegte?

Ben Gurion die Neueinwanderer, die er mit seiner Vision in die Wüste rief, in eine wirtschaftliche und soziale Sackgasse schickte? Die Kultivierung der Wüste ist nur durch hohe staatliche Subventionen möglich und somit unökonomisch.

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