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Sexuelle Begegnung: Die erregendste Nebensache

Welche Bedeutung hat die sexuelle Begegnung?

Vom biologischen Standpunkt aus brauchen wir Menschen einen Anreiz, uns dem Geschlechtsverkehr hinzugeben, so dass es zur Zeugung der nächsten Generation kommen kann. Dieser Anreiz besteht in einem angeborenen Geschlechtstrieb oder der Libido. Es ist der Wunsch nach sexueller Vereinigung, nach den angenehmen und stimulierenden Gefühlen der sexuellen Begegnung. In Wirklichkeit kommt es bei den meisten geschlechtlichen Vereinigungen nicht zur Zeugung eines Kindes.

Wie verläuft der sexuelle Reaktionszyklus?

Bei der sexuellen Begegnung zwischen Mann und Frau gibt es eine erkennbare Abfolge körperlicher und gefühlsmäßiger Veränderungen, die während und unmittelbar nach dem Geschlechtsakt stattfinden und vom Nervensystem gesteuert werden. Der sexuelle Reaktionszyklus durchläuft verschiedene Phasen und folgt trotz einiger geschlechtstypischer Unterschiede bei Mann und Frau nach dem gleichen Schema.

Die Erregungsphase: In der Erregungsphase wird der Körper sexuell »eingeschaltet«. Nervenimpulse initiieren eine Reihe von Reflexhandlungen, die durch Druck und Berührungen ausgelöst werden, die von zahlreichen Sensoren in verschiedenen dafür empfänglichen Körperbereichen, den erogenen Zonen, wahrgenommen werden. Auch Gedanken und Erinnerungen an sexuelle Erlebnisse, visuelle und akustische Reize oder der individuelle Duft des Sexualpartners können zur Erregung führen. In der Erregungsphase erhöhen sich auch Herz- und Atemfrequenz sowie der Blutdruck. Durch die verbesserte Durchblutung kann es zu Hautrötungen kommen (so genannter sex flush).

Die Plateauphase: Die Plateauphase kann Sekunden, Minuten oder sogar Stunden dauern. In dieser Zeit prägen sich die Merkmale der Erregungsphase weiter aus, so dass das Erregungsniveau bis zum Erreichen der nun folgenden Orgasmusphase, die den Höhepunkt des sexuellen Reaktionszyklus darstellt, aufrechterhalten wird.

Die Orgasmusphase: Der Höhepunkt der sexuellen Stimulation ist bei beiden Geschlechtern der Orgasmus. Er ist ein Gefühl intensivsten körperlichen Wohlbefindens und Genusses begleitet von wellenartigen Muskelkontraktionen im Bereich des Beckenbodens und einem Spannungsabbau.

Die Rückbildungsphase: Nach dem Orgasmus bilden sich die zuvor vergrößerten Geschlechtsorgane wieder zu ihrer ursprünglichen Größe zurück. Herz- und Atemfrequenz gehen zurück und die Anspannung der Skelettmuskulatur lässt nach. Fast alle Männer und Frauen genießen in der Rückbildungsphase, dem letzten Abschnitt des sexuellen Reaktionszyklus, ein Gefühl der Gelöstheit und der Entspannung. In diesem Stadium ist der Mann für eine bestimmte Zeit – je nach Stimmung und Alter für Minuten, Stunden oder Tage – nicht mehr erregungsfähig. Die Frau kann jedoch mehrere aufeinanderfolgende Orgasmen erleben.

Wie reagiert der Körper der Frau?

Bei der Frau zeigt sich die sexuelle Erregung in der Erektion der Klitoris und ihrem Hervortreten aus der Klitorisvorhaut, in der Vergrößerung der großen und kleinen Schamlippen, der Entspannung und Erweiterung der Scheide und schließlich in der Vergrößerung der Brüste, die meist mit der Aufrichtung der Brustwarzen einhergeht. Die Scheide selbst besitzt keine Drüsen. Sobald sie sich jedoch erweitert, tritt Flüssigkeit aus den Blutkapillaren der Scheidenwand aus und mischt sich mit den Sekreten des Gebärmutterhalses und der Drüsen im Scheidenvorhof, so dass eine gleitfähige Flüssigkeit entsteht.

Während der Plateauphase verengt sich das untere Drittel der Scheide, so dass sie während des eigentlichen Geschlechtsakts den eingedrungenen Penis enger umschließen kann. Gleichzeitig hebt sich die Gebärmutter und der obere Teil der Scheide erweitert und verlängert sich.

Während des Orgasmus erfolgen rhythmische Kontraktionen der Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur. Zu Beginn der Rückbildungsphase senkt sich die Gebärmutter nach unten ab. Dadurch wird der Gebärmutterhals in die Samenflüssigkeit eingetaucht, die sich nach dem Samenerguss im hinteren Scheidenbereich angesammelt hat (Spermapool).

Was geht bei der sexuellen Begegnung im Körper des Mannes vor?

Die Erregungs- und Plateauphase beim Mann bezieht sich hauptsächlich auf die Erektion des Glieds. Die Orgasmusphase wird von der Ejakulation bestimmt. In der Erregungsphase richtet sich das Glied langsam auf, die Hoden werden größer und von den Muskeln am Hodensack nach oben in Richtung Penis gezogen. Während der Plateauphase kommt es nochmals zur Vergrößerung der Eichel und zur zunehmenden Versteifung des Penisschafts.

Was genau passiert bei der Erektion?

Sie führt dazu, dass sich die Hohlräume in den drei länglichen Schwellkörpern des Glieds mit Blut füllen. Gliedschaft und Eichel verlängern sich und dehnen sich aus. Durch die Ausdehnung des Schwellkörpers wird die Vene, aus der normalerweise das Blut wieder abfließt, abgedrückt. Der Blutabfluss aus dem Glied ist somit behindert und die Erektion wird verstärkt. Zugleich stimulieren parasympathische Signale die Cowper-Drüsen an der Peniswurzel zur Abgabe ihres Sekrets, so dass Harnsamenröhre und Eichel befeuchtet werden.

Die Erektion (Aufrichtung) des Penis ist das erste äußerlich sichtbare Zeichen der männlichen sexuellen Erregung. Sie ist eine Reflexhandlung, die vom Parasympathikus des vegetativen Nervensystems gesteuert wird. Die direkte Stimulierung der Tast- und Druckrezeptoren am Glied und besonders an der höchst sensiblen Eichel kann der Auslöser für eine Erektion oder von sexueller Erregung überhaupt sein. Männer erleben beim Aufwachen oft eine Erektion, die entweder durch Träume oder durch den Druck einer vollen Blase hervorgerufen wurde. Auch nicht erotische Stimuli können – hauptsächlich bei Heranwachsenden – manchmal zu einer ungewollten Erektion führen.

Wie kommt es zum Samenerguss?

Während des Samenergusses (Ejakulation) wird der Samen aus dem Glied und – bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr – direkt in die Scheide entleert. Während der Phase der Samen- und Sekretabgabe veranlassen Nervenimpulse (diesmal aus dem sympathischen Bereich) die rhythmische Kontraktion der Muskeln in den Wänden der Samenleiter, wodurch der Samen durch peristaltische Bewegungen in Richtung Harnsamenröhre transportiert wird. Zur gleichen Zeit kontrahieren Samenbläschen und Prostata und schütten ihre Sekrete aus. Samen und Sekrete mischen sich zur Samenflüssigkeit, die in die Harnsamenröhre an der Peniswurzel gepresst wird. Der Schließmuskel am Blasenhals kontrahiert und verhindert das Austreten von Urin aus der Blase heraus oder den Rückfluss des Samens in die Blase hinein.

Nach Bereitstellung der Samenflüssigkeit stellt sich beim Mann das Gefühl der unmittelbar bevorstehenden Ejakulation ein. An diesem Punkt ist kein Zurück möglich und der Samenerguss kann nicht mehr verhindert werden. Die Muskeln im Bereich der Gliedwurzel kontrahieren in Intervallen von etwa 0,8 Sekunden und pressen die Samenflüssigkeit in ein bis fünf Stößen durch die Harnsamenröhre und durch die Harnröhrenöffnung nach außen. Der Samenerguss wird von einem Gefühl intensiven körperlichen Genusses begleitet, dem Orgasmus. Bei einer Ejakulation werden durchschnittlich fünf Milliliter – das entspricht etwa einem Teelöffel – Samenflüssigkeit ausgestoßen, die ungefähr 500 Millionen Samenzellen enthalten. Nach beendeter Ejakulation lässt die Erektion nach.

Nach dem Samenerguss bewegen sich die Samen sehr schnell vorwärts und schwimmen schon 90 Sekunden später in dem Schleim, der den Eingang zur Gebärmutter verschließt. Von den vielen Millionen freigegebenen Samenzellen wird es nur ein paar 100 gelingen, den Schleimpfropf des Gebärmutterhalses zu durchdringen und sich auf die Reise durch die Gebärmutter zu den Eileitern zu begeben.

Was bezeichnet man als Geschlechtsakt?

Im Geschlechtsakt (Koitus) finden sexuelle Aktivitäten ihren Höhepunkt, die auch zur Befruchtung einer Eizelle und zur Zeugung eines Kindes führen können. Bei heterosexuellen Geschlechtspartnern kommt es nach ausreichender Erregung beider Partner zur Penetration, also zur Einführung des erigierten Penis in die Scheide. Dazu sind die verschiedensten Körperstellungen denkbar. Rhythmische Bewegungen stimulieren den Penis so stark, dass beim Mann der Samenerguss und der Orgasmus ausgelöst werden. Bei der Frau kommt es jedoch nicht immer zum Höhepunkt, da die erotisch sensibelste Stelle, die Klitoris, durch die Bewegung des Penis kaum oder gar nicht stimuliert wird.

Was versteht man unter …

Dyspareunie? Dies ist eine Sammelbezeichnung für »Missempfindungen der Frau beim Geschlechtsverkehr«. Meist bezieht sich der Ausdruck auf Schmerzen beim Koitus.

Priapismus? So wird die ungewollte, meist schmerzhafte »Dauererektion des Penis«, z. B. bei neurovegetativen Störungen, einer Thrombose oder als Nebenwirkung von Medikamenten, bezeichnet (z. B. nach Überdosierung eines Potenzmittels).

Impotenz? Dieser Begriff bezeichnet sowohl die »Unfähigkeit des Mannes, den Geschlechtsakt auszuführen«, als auch das »Unvermögen, Kinder zu zeugen«.

Anorgasmie? Die »Unfähigkeit zum Orgasmus« hat meist seelische Hintergründe.

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