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Rom in der Kaiserzeit: Von der Blütezeit zum Zerfall des Reiches

Wie stieg Octavian zum Alleinherrscher auf?

Das 2. Triumvirat, »zur Neuordnung des Staates« mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet, brachte erneut Schrecken über Rom: Den Proskriptionen fielen allein 200 Senatoren zum Opfer, unter ihnen Cicero. Nach dem Sieg über die Cäsarmörder bei Philippi (42 v.Chr.) und der machtpolitischen Ausschaltung des Lepidus (36 v.Chr.) kam es zum Kampf zwischen Antonius und Octavian um die Alleinherrschaft. Octavian gelang es, Antonius' Liaison mit Kleopatra VII. (69–30 v.Chr.) propagandistisch auszuschlachten und der ägyptischen Königin im Namen Roms den Krieg zu erklären, den er durch den Seesieg bei Actium 31 v.Chr. für sich entschied. Antonius und Kleopatra begingen Selbstmord, Ägypten fiel ans Römische Reich (30 v.Chr.).

Wie wurde Octavian zu Augustus?

Cäsars Schicksal vor Augen, bemühte sich Augustus, den Eindruck zu vermeiden, er strebe die Königswürde an. Im Januar 27 v. Chr. gab Octavian seine Vollmachten aus der Bürgerkriegszeit dem Staat zurück, wodurch er formal die Republik wieder aufleben ließ. Der Senat verlieh ihm daraufhin den Ehrennamen Augustus (»der Erhabene«) und übertrug ihm den Oberbefehl über das Heer und die Führung der Außenpolitik. Augustus selbst regierte als Princeps, also als Erster (unter Gleichen); die Regierungsform erhielt daher den Namen Prinzipat.

Was waren die größten Aufgaben für Augustus?

Nach einem Jahrhundert Bürgerkriege musste das Staatswesen neu geordnet und nach außen abgesichert werden. Dazu musste in Rom die Masse der Armen mit Getreide versorgt werden; zu ihrer Unterhaltung wurden immer spektakulärere Gladiatoren- und Tierkämpfe organisiert (panem et circenses = »Brot und Spiele«). Außenpolitisch stand für Augustus die Befriedung der Provinzen im Mittelpunkt. Eroberungskriege wurden nur noch geführt, um leichter zu verteidigende Grenzen zu erreichen. Für das römische Weltreich bedeutete die Herrschaft des Augustus eine Periode des Friedens (pax Augusta), die durch Wohlstand, Stabilität und kulturelle Blüte gekennzeichnet war. Daher wird diese Epoche auch Augusteisches Zeitalter genannt.

Wie regelte Augustus seine Nachfolge?

Um das Reich nicht erneut in Bürgerkriege zu stürzen, baute Augustus vor: Er adoptierte seinen Stiefsohn Tiberius (42 v. Chr. – 37 n. Chr.); der erfolgreiche Feldherr wurde nach Augustus' Tod 14 n. Chr. zweiter römischer Kaiser. Er folgte der Politik des Augustus, hielt die Verwaltung von Staat und Provinzen zu Sparsamkeit an und beschränkte sich weit gehend auf die Grenzverteidigung.

Wer setzte die Kaiser ein?

Die Prätorianer, eine Elitetruppe und Leibgarde des Kaisers, ernannte oder setzte zunehmend eigenmächtig Kaiser ab. Erstmals traten die Prätorianer nach dem Tod des Tiberius bei der Nachfolgefrage in Erscheinung: Der Prätorianerpräfekt rief Tiberius' Großneffen Caligula (12–41 n. Chr.) zum neuen Kaiser aus. Als dieser sich als Willkürherrscher entpuppte, wurde er von den Prätorianern ermordet. Ihm folgte sein Onkel Claudius (10 v. Chr. – 54 n.Chr.), der zu einer geordneten Verwaltung zurückkehrte. Claudius wurde von Agrippina d. J., seiner vierten Frau, ermordet; sie brachte ihren Sohn Nero aus einer früheren Ehe auf den Thron.

Wie regierte Nero?

Geführt vom Prätorianerpräfekten Burrus (†62 n. Chr.) und angeleitet von seinem Erzieher, dem Philosophen Seneca (um 4 v.Chr. – 65 n.Chr.), regierte Nero zunächst umsichtig, doch wuchs sein Regiment zur Schreckensherrschaft aus. Nero wurde schließlich abgesetzt, woraufhin er Selbstmord beging (68 n. Chr.). Mit seinem Tod endete die iulisch-claudische Dynastie – seit Augustus (aus dem Geschlecht der Iulier) und Tiberius (Claudier) waren alle Kaiser miteinander verwandt oder verschwägert.

Wer begründete die flavische Dynastie?

Nachdem der vom Senat ernannte Galba (3 v. Chr.–69 n. Chr.), der von den Prätorianern unterstützte Otho (32–69) sowie die von ihren jeweiligen Heeren zum Kaiser erhobenen Vitellius (um 12–69) und Vespasian (39–81) einander abgelöst hatten (»Vierkaiserjahr«), setzte sich schließlich Vespasian, zuletzt Oberbefehlshaber in Palästina, durch und begründete die flavische Dynastie, die seine Söhne Titus (39–81) und Domitian (51–96) fortführten. Die flavischen Kaiser schlugen die im Reich schwelenden Aufstände nieder und eroberten weitere Gebiete, vor allem in Britannien (84). Domitian, dessen Regierungszeit mit erfolgreichen Feldzügen begonnen hatte und dessen Verwaltung als vorbildlich galt, regierte zunehmend despotisch und ließ zahlreiche Senatoren töten. Der Umstand, dass Domitian den Titel »Dominus et Deus« (»Herr und Gott«) für sich in Anspruch nahm, provozierte eine von weiten Kreisen getragene Verschwörung, der er am 18. September 96 zum Opfer fiel.

Wer waren die Adoptivkaiser?

Mit Domitians Nachfolger Nerva (30–98), den der Senat zum Princeps bestimmt hatte, begann die Zeit der Adoptivkaiser, die versuchten, mittels der Adoption einen geeigneten Nachfolger aufzubauen.

Der von Nerva adoptierte Trajan (53–117) agierte als Herrscher durch den Ausbau des römischen Straßennetzes und durch sozialpolitische Maßnahmen gleichermaßen vorausschauend und populär. Seine größten Erfolge feierte er auf militärischem Gebiet mit der Eroberung Dakiens (101–106) und dem Krieg gegen die Parther (113–117). Zum Zeitpunkt seines Todes hatte das Römische Reich seine größte Ausdehnung erreicht. Als einziger Kaiser erhielt Trajan vom Senat den Ehrennamen Optimus (»der Beste«) zuerkannt (114).

Wie regierten die Nachfolger Trajans?

Unter Hadrian (76–138), Antoninus Pius (86 –161) und Marc Aurel (121–180) erfolgte erneut eine Abkehr von der Expansionspolitik zugunsten der Grenzsicherung. Für das Reich bedeutete dies eine Zeit inneren und äußeren Friedens, obwohl die Grenzen im Norden (durch Aufstände in Germanien und Britannien) und Osten (Partherkrieg 161–166) zunehmend unter Druck gerieten. Marc Aurel brach schließlich mit der Tradition des Adoptivkaisertums und ernannte seinen Sohn Commodus (161–192) zum Nachfolger. Dessen Willkürherrschaft endete mit seiner Ermordung; der vakante Kaiserthron stürzte den Staat in neue Wirren (Fünfkaiserjahr 193).

Warum gelangten Soldatenkaiser an die Macht?

Aus den Kämpfen um den Kaiserthron ging Septimius Severus (146–211) als Sieger hervor. Doch die von ihm begründete Dynastie der Severer war nicht von Dauer. Nach dem grausamen Herrscher Caracalla (188–217) und den beiden 14-jährigen Kaisern Elagabal (204–222, Reg. seit 218) und Severus Alexander (208–235) endete die Dynastie.

Nun übernahmen die meist von ihren Heeren ausgerufenen »Soldatenkaiser« das Kommando: Von 235 bis 284 lösten mehrere Dutzend Kaiser und Gegenkaiser einander ab. Das Reich, das sich gegen Germaneneinfälle und die persische Dynastie der Sassaniden behaupten musste, wurde durch innenpolitische Kämpfe und Herrscherwechsel zusätzlich geschwächt.

Was geschah unter Diocletian und Konstantin?

Kaiser Diocletian (um 240–313 oder 316) konsolidierte das Reich wieder durch umfangreiche Reformen: Er stellte das Kaisertum auf eine neue Stufe und machte aus dem Prinzipat das Dominat (aus der Anrede »dominus« = Herr) mit dem System der Tetrarchie. Die Macht teilten sich nun vier Kaiser, die jeweils über einen Teil des Reiches (mit eigener Hauptstadt) regierten. Durch hohe Steuern und wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen wurde Geld beschafft, das für die Aushebung neuer Truppen gebraucht wurde.

Kaiser Konstantin (der Große, nach 280 bis 337) erkämpfte sich erneut die Alleinherrschaft (seit 324), die er durch eine Wende in der Religionspolitik sicherte: Er förderte das Christentum, das immer wieder blutig verfolgt worden war, und band dadurch einen erheblichen Teil der Bevölkerung an das Imperium und vor allem an seine Person. Als Gegenpol zum »heidnischen« Rom gab er dem Reich 330 mit der Gründung von Konstantinopel eine neue, »christliche Hauptstadt«.

Wann kam es zur Teilung des Römischen Reiches?

Am Ende des 4. Jahrhunderts, in dessen Verlauf das Reich mal in West und Ost geteilt, mal vereint war, wurde es nach dem Tod des Kaisers Theodosius (347–395) unter seinen Söhnen aufgeteilt– eine Teilung, die sich als endgültig erweisen sollte. Rom und Konstantinopel wurden Hauptstädte des west- bzw. oströmischen Reichsteils. Beide litten unter der seit 375 einsetzenden Völkerwanderung, die vor allem Westrom bedrohte. Zweimal wurde Rom geplündert, 410 von den Westgoten unter Alarich I. (um 370–410) und 455 von den Wandalen, deren Name damals zum Inbegriff der Zerstörungswut wurde.

Im Jahr 476 wurde der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus (um 461 bis nach 476) von Odoaker (um 430 – 493), einem germanischen Heerführer in römischen Diensten, abgesetzt. Das Oströmische Reich bestand fast tausend Jahre weiter bis zur Eroberung Konstantinopels durch die muslimischen Osmanen (1453).

Wussten Sie, dass …

Augustus ein aktiver Förderer der Wissenschaften und Künste war? Zu seinem Freundeskreis zählten zum Beispiel die Dichter Ovid, Horaz und Vergil.

Nero einen Brand in Rom im Jahr 64 n.Chr. zum Anlass für die erste Christenverfolgung nahm?

die Prätorianergarde, die eigenmächtig Kaiser ernannte oder absetzte, das Amt später sogar meistbietend verkaufte? So geschehen 193 n. Chr. an Didius Iulianus.

Was bedeuten römische Namen?

Ursprünglich führten die Römer einen einzigen Namen. Daneben trat früh ein Familien- oder Gentilname, etwa Cornelius oder Iulius für Mitglieder des Geschlechts der Cornelier bzw. Iulier. Weil es nur wenige Geschlechterverbände gab und zudem die Anzahl der Vornamen gering war – oft wurde einfach der Name des Vaters gewählt, oder die Söhne wurden nach Zahlen benannt, wie Quintus (der Fünfte) oder Sext(i)us (der Sechste) – wurde ein Beiname hinzugefügt. Dieser benannte oft Eigenschaften, wie Cato („der Schlaue“). Die meisten Römer aus der Zeit der Republik sind uns unter ihrem Beinamen geläufig, so etwa (Marcus Tullius) Cicero oder (Gaius Iulius) Cäsar.

Zu welchem Zweck ließ Kaiser Hadrian den Limes erbauen?

Statt wie seine Vorgänger auf dem Kaiserthron auf Expansion, setzte Hadrian auf die Konsolidierung des Reiches: Unter Verzicht auf die eroberten Gebiete schloss er Frieden mit den Parthern und befestigte besonders umkämpfte Grenzen, etwa in Germanien (Ausbau des Limes) und Britannien (Hadrianswall). Hadrian (eigentlich Publius Aelius Hadrianus) wurde am 24.1.76 in Spanien geboren und wuchs im Haus seines Großonkels, des späteren Kaisers Trajan auf. Er bewährte sich in militärischen und politischen Ämtern und wurde nach Trajans Tod 117 zum Kaiser ausgerufen. Zu diesem Zeitpunkt besaß das Römische Reich seine größte Ausdehnung, war jedoch finanziell erschöpft und von inneren Unruhen wie äußeren Invasoren bedroht. Hadrian kodifizierte das Recht und ordnete die Verwaltung neu. Er starb am 10.7.138 in Baiae in der Nähe von Neapel.

Wussten Sie, dass …

Marc Aurel der Philosoph unter den Kaisern war? Seine auf Griechisch verfassten »Selbstbetrachtungen« waren ein in der Antike und im Mittelalter viel gelesenes Werk.

Augsburg (Augusta Vindelicorum), Mainz (Mogontiacum), Koblenz (Confluentes), Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensis) und Neuss (Novaesium) römische Stützpunkte waren? Wichtigste römische Stadt auf deutschem Boden war das 16 v. Chr. gegründete Trier (Augusta Treverorum), das zwischen 293 und 395 Kaiserresidenz war.

Welche Befestigungen hinterließen die Römer in Deutschland?

Zur Befestigung römischer Gebiete östlich des Rheins wurde seit 83 der Limes errichtet, ein mit Wachtürmen versehener Wall (von Lorch bis zur Donau als Mauer), der vom Rhein südlich von Bonn (lateinisch Bonna) bis zur Donau westlich von Regensburg (Castra Regina) verlief.

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