Daten der Weltgeschichte

Der sozialfaschistische Irrtum
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erneuerte Leo Trotzki seine Kritik an der stalinschen, in Deutschland von Ernst Thälmann umgesetzten Sozialfaschismusthese (in einem Artikel vom 10.3. 1933):
... Der Sieg der Partei der Verzweiflung war nur möglich, weil der Sozialismus, die Partei der Hoffnung, sich als unfähig erwies, die Macht zu ergreifen. Das deutsche Proletariat war sowohl an Zahl wie an Kultur stark genug, sein Ziel zu erreichen, aber die Führer der Arbeiterschaft haben sich als unfähig erwiesen.
Die Sozialdemokraten hofften in ihrer eigenartigen, konservativen Beschränktheit, zusammen mit den anderen parlamentarischen Parteien den Faschismus allmählich erziehen zu können. Die Stellung des Drilloffiziers gaben sie Hindenburg; sie stimmten für ihn. Die Arbeiter hatten den richtigen Instinkt, sie wollten kämpfen. Aber die Sozialdemokraten hielten sie zurück, indem sie ihnen versprachen, ihnen dann das Signal zu geben, wenn Hitler endlich die legalen Methoden verlassen sollte...
Die Politik der Kommunistischen Partei war zutiefst irrig. Ihre Führer gingen von dem absurden Standpunkt aus, dass Sozialdemokratie und Nationalsozialismus zwei Varianten des Faschismus darstellen, dass sie, nach Stalins unseliger Formel, nicht Gegensätze, sondern Zwillinge sind. Es ist ohne Zweifel wahr, dass sowohl die Sozialdemokratie wie der Faschismus die bürgerliche Herrschaft gegen die proletarische Revolution verteidigen. Aber die Methoden der beiden Parteien sind äußerst verschieden. Die Sozialdemokratie ist undenkbar ohne parlamentarische Regierung und ohne gewerkschaftliche Massenorganisation. Die Aufgabe des Faschismus ist aber, beides zu zerstören. Auf der Grundlage dieses Gegensatzes musste ein Defensivbündnis zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten geschlossen werden. Aber die blinden Führer haben sich geweigert, diesen Weg zu gehen.
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