Lexikon
ägyptische Religion
Bezeichnung für die antike polytheistische Religion des ägyptischen Volkes von der Herausbildung des pharaonischen Staates (Altes Ägypten) im 4. Jahrtausend v. Chr. bis zu ihrer Verdrängung durch das Christentum ca. im 4. Jahrhundert n. Chr. Die ägyptische Religion war eine gewachsene Religion. Geoffenbarte, kanonische Schriften existierten nicht, stattdessen entstanden religiös heilige Texte wie Hymnen, Gebete oder Jenseitsschilderungen zu allen Zeiten neu. Die verehrten Götter repräsentierten alle einen bestimmten Lebens- und Erfahrungsbereich. Sie hatten vielfach Tiergestalt und waren durch bestimmte Schriftzeichen, Pflanzen oder die Sonnenscheibe gekennzeichnet. Neben lokalen Gottheiten wurden bedeutende Götter wie Amun, Re, Osiris oder Isis in ganz Ägypten verehrt. Eine Rangfolge der Götter gab es nicht. Jeder Gott stand im Mittelpunkt von mythischen Erzählungen, die nicht nur seine Eigenschaften veranschaulichten, sondern zugleich Erklärungen für Welt- und Lebensprozesse wie Tod, Krankheit, Geburt, die Entstehung der Welt usw. boten. Durch Opfer, Gebet, Tempeldienst und Feste suchte man die Götter gnädig zu stimmen. Viele Gottheiten verehrte man besonders wegen ihrer Orakel, durch die sie den Gläubigen Antworten auf ihre Lebensfragen erteilten. Im Zentrum der ägyptischen Religion stand der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode. Osiris galt als Herrscher und Richter im Jenseits. Er befand über den Aufstieg ins himmlische Lichtreich oder den Abstieg in die lichtlose Unterwelt. Die gewaltigen Grabanlagen der Ägypter (Pyramiden), die Mumifizierung ihrer Toten und ihre umfangreiche Totenliteratur bezeugen die Bedeutung des ägyptischen Totenglaubens und die Intensität ihrer Bemühungen um ein glückliches Fortleben in der Nähe Gottes. Der König (Pharao) wurde sowohl als sterblicher Mensch als auch als Beauftragter der Gottheit angesehen. Er hatte die von Gott gewollte Schöpfungsordnung zu bewahren, Tempel zu bauen und sein Volk zu einer gottgefälligen Lebensweise anzuleiten. Nur Pharao Echnaton (1351–1334 v. Chr.) proklamierte sich selbst als gottgleich, indem er allein den Glauben an den Sonnengott Aton zuließ, als dessen einziger Mittler er fungierte. Echnatons religiöse Reform hatte jedoch keinen Bestand, der traditionelle Polytheismus der Ägypter wurde nach seinem Tod wiederhergestellt. Im Zuge der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen (um 322 v. Chr.) und der Verstärkung des Einflusses der griechischen Kultur schwand die Bedeutung der ägyptischen Gottheiten und Kulte. Einzelne Götter lebten jedoch in Mysterienkulten fort, z. B. Isis und Osiris.
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