Lexikon
Algẹrien
Der unabhängige Staat
Nach inneren Machtkämpfen setzte sich Ben Bella als Staatspräsident durch, wurde aber bereits 1965 durch den Armeechef Houari Boumedienne gestürzt. Er etablierte die Herrschaft der Einheitspartei FLN und verfolgte einen islamisch geprägten Sozialismus, ohne die Zusammenarbeit mit Frankreich aufzukündigen.
Nach dem Tode Boumediennes wurde 1979 Bendjedid Chadli Präsident. Er verfolgte einen Kurs der politischen Liberalisierung. Die neue Verfassung von 1989 brachte das Ende des Einparteiensystems und die Aufgabe des Sozialismus als Staatsdoktrin. Wirtschaftliche Probleme trugen zum Erstarken des islamischen Fundamentalismus bei.
Als sich bei den Parlamentswahlen 1991 ein Sieg der Islamischen Heilsfront (FIS) abzeichnete, trat Chadli zurück. Ein vom Militär beherrschter Oberster Staatsrat übernahm die Macht und annullierte die Wahl. Die FIS wurde verboten und bekämpfte das Regime aus dem Untergrund. In den nächsten Jahren weiteten sich die Auseinandersetzungen zu einem bürgerkriegsähnlichen Konflikt aus, der weit über 100 000 Opfer forderte.
Nach einer Verfassungsreform fanden 1997 Parlamentswahlen statt, die von der neu gegründeten Nationaldemokratischen Sammlungsbewegung (RND) gewonnen wurden. Aus vorgezogenen Präsidentschaftswahlen ging 1999 der gemäßigte Abdelaziz Bouteflika (FLN) als Sieger hervor. Er leitete eine Politik der nationalen Versöhnung und der innenpolitischen Stabilisierung ein. Die von der Opposition teilweise boykottierten Parlamentswahlen 2002 gewann die FLN mit absoluter Mehrheit. 2004 wurde Bouteflika durch Wahl im Präsidentenamt bestätigt. Im folgenden Jahr stimmte die Bevölkerung für die Annahme einer Charta für Frieden und Nationale Versöhnung. die u. a. die Möglichkeit der gesellschaftlichen Eingliederung von reuigen Terroristen beinhaltete. Die Bedrohung durch radikale Islamisten blieb allerdings bestehen. Mehrere schwere Anschläge wurden von der Terrororganisation Al Qaida im Islamischen Maghreb verübt. Bei den Parlamentswahlen 2007 verlor die FLN die absolute Mehrheit, blieb aber stärkste parlamentarische Kraft. Die bisherige Regierungskoalition aus FLN, RND und MSP konnte ihre Arbeit fortsetzen. Im November 2008 billigte das Parlament eine Verfassungsänderung, die Bouteflika die Kandidatur für eine dritte Amtszeit ermöglichte. Er gewann die Präsidentschaftswahlen im April 2009. Ein starker Anstieg der Lebensmittelpreise sowie die hohe Arbeitslosigkeit lösten im Januar 2011 Unruhen unter der Bevölkerung aus. Die Regierung reagierte mit einer Preisgarantie für Grundnahrungsmittel. Angesichts der Forderungen nach einer politischen Liberalisierung beschloss das Kabinett Im Februar 2011 die Aufhebung des seit 1992 bestehende Ausnahmezustandes. Bei den Parlamentswahlen am 10. 5. 2012 konnte der FLN 208 der 462 Mandate Mandate gewinnen.
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