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LEXIKON

Calonne

[
kaˈlɔn
]
Charles Alexandre de, französischer Politiker, * 20. 1. 1734 Douai,  29. 10. 1802 Paris; von 1783 bis 1787 Generalkontrolleur der Finanzen; trug durch höhere Staatsanleihen und größere Verschuldung zu einer Verschärfung der Finanzkrise des französischen Staates bei; sein Vorhaben, die Steuerprivilegien des Adels zu beschneiden, scheiterte auf der Notablenversammlung 1787.
Revolution von oben scheitert
Revolution von oben scheitert
Der königliche Finanzverwalter Charles Alexandre de Calonne appelliert am 22. 2. 1787 vor der französischen Notabelnversammlung an Adel und Klerus, auf ihre Privilegien zu verzichten und eine große Reform des Staates mitzutragen. Er scheitert mit seinem Aufruf und wird im April entlassen. Die letzte Chance des Absolutismus vor dem Ausbruch der Revolution ist vertan:

Was bleibt, um einen schrecklichen Fehlbetrag zu decken und das ersehnte Gleichgewicht im Staatshaushalt herzustellen? Was bleibt uns, um aufzukommen für alles, was uns fehlt, und herbeizuschaffen, was wir zur Wiederherstellung der Finanzen brauchen?

Die Missbräuche.
Ja, meine Herren, in den Missbräuchen selbst liegt ein Schatz von Reichtümern, die der Staat für sich in Anspruch zu nehmen hat, und der dazu dienen muss, die Ordnung wiederherzustellen. In der Ächtung der Missbräuche liegt das einzige Mittel, alle Bedürfnisse zu erfüllen.
Die Missbräuche werden verteidigt durch persönliche Interessen, Einfluss, Vermögen und überkommene Vorurteile, aber was vermag ihre Verbrüderung gegen das öffentliche Wohl und die Notwendigkeiten des Staates? ...
Die Missbräuche aber, die es heute dem allgemeinen Wohl zuliebe abzuschaffen gilt, sind die, die am stärksten ins Auge fallen, die sich des kräftigsten Schutzes erfreuen, und die die tiefsten Wurzeln und die breitesten Äste haben.
Es handelt sich dabei um die Missbräuche, die auf der arbeitenden und erwerbenden Klasse lasten, die Missbräuche der Geldprivilegien, die Befreiungen vom gemeinen Recht und all die ungerechten Steuerfreiheiten, die einen Teil der Steuerpflichtigen dadurch entlasten, dass sie das Los der anderen erschweren. Dazu gehören die allgemeine Ungleichheit in der Erhebung der Abgaben, das ungeheure Mißverhältnis in den Steuerleistungen der verschiedenen Provinzen und den Lasten der Untertanen ein und desselben Souveräns; ... die Zollämter im Innern, die die einzelnen Teile des Königreiches einander fremd werden lassen; die Abgaben, die den Gewerbefleiß entmutigen, deren Erhebung maßlose Kosten und unzählige Angestellte erfordert, die zum Schmuggel geradezu herausfordern und jedes Jahr Tausende von Bürgern unglücklich machen ...
Wenn so viele Missbräuche, Gegenstand ständigen Tadels, bis jetzt der öffentlichen Meinung ... sowie den Anstrengungen der Administratoren, die nach Abhilfe gesucht haben, widerstanden haben, so rührt das daher, dass man geglaubt hat, man könne die Unordnung überwinden, ohne deren Ursachen zu behelligen. Durch einen teilweisen Eingriff hat man erreichen wollen, was nur im Rahmen einer allgemeinen Operation gelingen konnte; man wollte die Verwaltung des Staates verbessern, ohne ihre Unstimmigkeiten zu korrigieren und ohne die Verwaltung auf den Grundsatz der Einheitlichkeit zurückzuführen, der allein alle Schwierigkeiten im Einzelnen Entfernen und den ganzen Körper des Königreiches neu beleben kann."
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