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LEXIKON

Geburt einer Nation

  • Deutscher Titel: Geburt einer Nation
  • Original-Titel: THE BIRTH OF A NATION
  • Land: USA
  • Jahr: 1915
  • Regie: David Wark Griffith
  • Drehbuch: David Wark Griffith, Frank Woods
  • Kamera: Gottfried Wilhelm Bitzer
  • Schauspieler: Lillian Gish, Henry B. Walthall, Mae Marsh, Ralph Lewis, Donald Crisp
Mit seinem Bürgerkriegsepos »Die Geburt einer Nation« sichert David Wark Griffith die Vormachtstellung der US-Filmbranche.
Der drei Stunden lange Film gliedert sich in vier Teile: Während der Prolog die Vorgeschichte von Sklavenhandel und Antisklavereibewegung umreißt, schildert der erste Hauptteil den Bürgerkrieg zwischen den Nord- und den Südstaaten von 1861 bis zur Ermordung Lincolns 1865. Der zweite Hauptteil behandelt die Periode der »Rekonstruktion«, d.h. des Wiederaufbaus des unterlegenen Südens, sowie die Versuche der dort lebenden Weißen, ihre Vorherrschaft gegen die befreiten Sklaven zu behaupten. Der Epilog feiert das Wiedererstarken der Südstaaten als die »Geburt einer Nation«.
Die historischen Ereignisse werden in die Schicksale zweier Familien, der Stonemans aus Pennsylvania und der Camerons aus South Carolina, eingebettet. Der Krieg, dem mehrere Mitglieder beider Clans zum Opfer fallen, zerreißt die Bande zwischen den Familien. Nach dem Sieg des Nordens engagiert sich ein Stoneman für die Verwirklichung der Rassengleichheit in den Südstaaten, während sich ein Cameron, dessen Schwester von einem schwarzen Soldaten in den Tod getrieben wurde, dem Ku-Klux-Klan, der rassistischen Organisation der Weißen, anschließt. Da aber die Ideale der Stonemans angesichts der Lynchjustiz der Schwarzen zerfallen, finden die Familien wieder zusammen.
Griffith nimmt eindeutig Partei zugunsten der weißen Südstaatler. Die Schwarzen erscheinen als instinktgeleitete Menschen, die der Gängelung bedürfen. Diese Darstellung führt zu heftigen Protesten von Anti-Rassismus-Organisationen und zu massiven Kontroversen im gesamten Land.
Künstlerisch wird das Werk dagegen einhellig positiv beurteilt, gelingt es dem Regisseur doch, eine dem Medium Film angemessene Sprache zu finden. Die vielschichtige Handlung wird durch kluge Schnitte und eine ausgefeilte Montagetechnik in eine suggestive, dem Inhalt angepasste rhythmische Form gebracht. Typisch für die Schlachtenszenen sind z.B. Einstellungswechsel, Schwenks sowie Wechsel von extremen Totalen zu Nah-, Groß- und Detailaufnahmen: So werden die Ereignisse sowohl von außen wie auch aus dem individuellen Erleben des einzelnen Soldaten heraus geschildert. Das organisatorisch und logistisch überaus aufwändige Werk wird ein großer finanzieller Erfolg.
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