Lexikon
Genf
Hauptstadt des schweizerischen Kantons Genf, am Ausfluss der Rhône aus dem Genfer See, 178 000 Einwohner, Agglomeration 464 000 Einwohner; kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Westschweiz von internationaler Bedeutung; Universität (1559), mehrere Museen, Geburtshaus von J.-J. Rousseau; Sitz der Europazentrale der UN und deren Organe, z. B. der Weltgesundheitsorganisation, der Meteorologischen Weltorganisation, der Internationalen Fernmeldeunion, ferner Sitz der WTO, des Internationalen Roten Kreuzes, des Ökumenischen Rats der Kirchen des Lutherischen und des Reformierten Weltbundes. Am linken Ufer der Rhône erstreckt sich die Altstadt (La Cité) mit der romanischen Kathedrale St.-Pierre (1160) und den Kirchen La Madeleine, St.-Germain, St.-Gervais (15. Jahrhundert), dem Rathaus (15.–17. Jahrhundert) und Bürgerhäusern (13.–18. Jahrhundert). Wahrzeichen der Stadt ist die Fontäne Jet d'Eau im Genfer See.
Genf ist Zentrum der schweizerischen Uhren- und Schmuckwarenindustrie; wichtig ist auch die Nahrungsmittelindustrie sowie die feinmechanische und chemische Industrie; Handels- und Finanzzentrum, wichtige Kongress- und Messestadt, jährlicher Autosalon; Tourismus; das Europäische Kernforschungszentrum (CERN) und internationaler Flughafen Cointrin nordwestlich der Stadt.
Geschichte
Genf war im Altertum nördlichste Stadt der keltischen Allobroger und kam 121 v. Chr. unter römische Herrschaft; es fiel im 5. Jahrhundert an die Burgunder; seit dem 4. Jahrhundert war Genf auch Sitz eines Bischofs, der vom frühen 10. Jahrhundert an als Stadtherr fungierte. 1032 fiel Genf an das Deutsche Reich. 1387 wurde der Stadt vom Bischof kommunale Selbstverwaltung eingeräumt. Im 16. Jahrhundert verbündete sich Genf mit mehreren Städten der Eidgenossenschaft gegen Savoyen. 1536 fand die Reformation in Genf Eingang. J. Calvin machte als Ratgeber der Behörden Genf zum „protestantischen Rom“. Nachdem die Stadt im Dezember 1602 beinahe im Handstreich durch Herzog Karl III. von Savoyen erobert worden wäre (Escalade von Genf), anerkannte dieser 1603 die Unabhängigkeit der Stadtrepublik, in der sich im 17. Jahrhundert eine aristokratische Geschlechterherrschaft entwickelte. 1798 wurde Genf von Frankreich besetzt, 1814 wurde es wieder unabhängig. 1815 trat Genf als 22. Kanton der Eidgenossenschaft bei.
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