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LEXIKON

Hussein

Saddam, irakischer Politiker, * 28. 4. 1937 Al Ouja bei Tikrit,  30. 12. 2006 Bagdad (hingerichtet); floh nach einem missglückten Anschlag auf General Kassem 1959 nach Kairo, wo er ab 1962 Rechtswissenschaften studierte. Nach Sturz und Hinrichtung Kassems 1963 kehrte Hussein nach Irak zurück und war dort nach einem Gegenputsch 1964 bis 1966 in Haft. Nach der neuerlichen Machtübernahme durch die Baath-Partei 1968 avancierte er in der Folgezeit zum maßgeblichen irakischen Politiker und wurde 1979 Staats- und Regierungschef, Generalsekretär der Partei sowie Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Hussein errichtete einen totalitären Überwachungsstaat, in dem Regimegegner rücksichtslos ausgeschaltet wurden. Er verwickelte Irak in die beiden Golfkriege, die zum wirtschaftlichen Niedergang des Landes führten. 1991 bis 1994 verzichtete Hussein auf das Amt des Ministerpräsidenten. Trotz fehlgeschlagener Putschversuche und familieninterner Machtkämpfe konnte er sich als uneingeschränkter Diktator behaupten. 1995 und 2002 wurde er per Referendum im Amt des Staatspräsidenten bestätigt. Sein langjähriger Widerstand gegen das Rüstungskontrollregime der UNO führte schließlich zur Konfrontation mit den USA, die mit dem Irak-Krieg 2003 seine Herrschaft beendeten. Nach seinem Sturz konnte Hussein sich zunächst verstecken, im Dezember 2003 wurde er von US-Soldaten aufgespürt und verhaftet. 2005 begann vor einem irakischen Sondertribunal ein Prozess gegen den Diktator. Er wurde 2006 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet.
Saddam Hussein als "Retter der arabischen Welt"
Saddam Hussein als "Retter der arabischen Welt"
In seinem Buch "Der Golf - Vom Garten Eden zur Weltkrisenregion" schildert Gerhard Konzelmann die Wende im 1. Golfkrieg. Der irakische Staatspräsident Saddam Hussein hatte zunächst mit einem siegreichem Ausgang des Krieges fest gerechnet. Im Sommer 1982 durchkreuzte die Offensive des Iran diese Pläne. Konzelmann hielt sich lange als Korrespondent der ARD im Iran und Irak sowie in Kuwait und den anderen Ländern des Nahen Ostens auf.

Nach dem Verlust von Khorramschahr war die Illusion nicht mehr aufrechtzuerhalten, das Land Irak mit seinen damals 14 Millionen Menschen könne ohne spürbare Auswirkungen auf die Bewohner Krieg führen gegen den Iran, der eine Bevölkerung von nahezu 50 Millionen besaß. Immer mehr Familien trauerten um Tote. Die irakische Regierung musste bald zugeben, dass die monatliche Verlustrate um die 1500 Mann betrage. In Wahrheit starben weit mehr Menschen an der Front. Saddam Hussein hatte den Krieg begonnen im Gefühl, seinen Staat abgesichert zu haben. Die Finanzreserve des Irak hatte im Jahr 1980 rund 35 Milliarden Dollar betragen. Doch das Bauprogramm für die Hauptstadt [Bagdad] und die Kriegskosten verschlangen das Geld. Als Khorramschahr verloren ging, war die Reserve auf 10 Milliarden Dollar geschrumpft. Der Vorsitzende des Revolutionären Kommandorats war gezwungen, die reichen Ölstaaten darauf vorzubereiten, dass sie ihren finanziellen Beitrag zum Krieg zu leisten hätten, denn schließlich werde die Auseinandersetzung zum Schutz aller Staaten der Arabischen Halbinsel geführt. Die Abwehr der schiitischen Expansionspolitik müsse, so meinte Saddam Hussein, von allen Betroffenen gemeinsam getragen werden. In seinen Gesprächen mit den Monarchen der arabischen Halbinsel erklärte er, dass der Irak diesen Krieg im Interesse der Araber nicht verlieren dürfe. Bräche die irakische Front zusammen, dann würde die schiitische Flut über die östliche Flanke Arabiens hinwegfegen. Die Gesprächspartner nickten bedächtig. Sie konnten es sich nicht leisten, das Schutzangebot Saddam Husseins abzulehnen."

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