Lexikon

Luther

Luthers Theologie und kulturhistorische Wirkung

Luthers Theologie hat ihr Zentrum in der Rechtfertigungsverkündigung: Gnade und Gerechtigkeit Gottes können durch keinerlei Verdienste des Menschen erreicht werden, sondern allein durch seinen Glauben. Da jeder Mensch in direktem Verhältnis zu Gott steht, bedarf es keiner Mittlerschaft der Kirche. Somit besitzt auch nicht der Papst mit seinen Lehrentscheidungen, sondern allein das göttliche Wort vermittelt durch die Heilige Schrift die höchste Autorität. Dem geweihten Priester tritt das allgemeine Priestertum der Gläubigen gegenüber. In Konsequenz forderte Luther daher die Aufhebung des Mönchtums und des Zölibats sowie die Aufgabe des Herrschaftsanspruches der Kirche über den Staat.
Die von ihm ausgehenden religiösen und sozialen Impulse wurden für die gesamte Geistesgeschichte der Neuzeit fruchtbar. Seine Schriften und Bibelübersetzungen trugen wesentlich zur Entwicklung und Verbreitung der neuhochdeutschen Schriftsprache bei. Grundlage der Werke war das Schriftdeutsch der sächsischen (oberdeutschen) Kanzleisprache, die Luther jedoch um umgangssprachliche Elemente erweiterte. Dadurch erfuhren seine Schriften eine große Volkstümlichkeit und weite Verbreitung in allen Schichten. Noch heute gehen viele Wörter unseres Gegenwartsdeutsch auf Luther zurück. So bereicherte er u. a. den Wortschatz durch Neuprägungen (z. B. gastfrei, Herzenslust, übertünchen) und durch die Übernahme von Mundartwörtern in die Hochsprache (z. B. Lippe, schüchtern).
  1. Einleitung
  2. Kritik am Papsttum
  3. Wartburgaufenthalt und Bauernkriege
  4. Weitere Ausbreitung der reformatorischen Ideen
  5. Luthers Theologie und kulturhistorische Wirkung
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