Lexikon

Ontologie

[
griechisch
]
„Lehre vom Seienden“
philosophische Disziplin neben der Logik, Erkenntnistheorie, Ethik und Anthropologie; die Bezeichnung setzte sich in der Scholastik und in der rationalistischen Schulphilosophie des 17. Jahrhunderts nur langsam durch, erst C. Wolff („Ontologia“ 1730) bestimmte sie als Wissenschaft von den „Dingen“ (entia; Ens) überhaupt, d. h., soweit sie „möglich“, widerspruchsfrei sind, also nicht als Wissenschaft von den wirklichen Dingen. I. Kant bestritt, dass sich Dinge an sich allgemein gültig erkennen lassen; er ersetzte die Ontologie durch eine „bloße Analytik des reinen Verstandes“. Im deutschen Idealismus, z. B. bei G. W. F. Hegel, wurde die Ontologie als „Logik des Seins“ wieder eingeführt, aber unter idealistischen Voraussetzungen, d. h. vom Selbstbewusstsein aus.
Nachdem die Ontologie im 19. Jahrhundert an Bedeutung verloren hatte, wurde sie auf dem Weg über A. Meinongs Gegenstandstheorie und E. Husserls Phänomenologie erneuert. Doch ist die Bezeichnung Ontologie heute nicht eindeutig. Während M. Heidegger (Fundamentalontologie) die Sinnfrage nach dem Sein des Seienden stellt, ist diese Frage für die realistische Ontologie von N. Hartmann gegenstandslos, da der Begriff Sein der allgemeinste ist. Während es wiederum für N. Hartmann verschiedene Seinsarten gibt, ist für G. Jacoby (* 1881, † 1969) Ontologie die Lehre allein vom wirklichen Sein. K. Jaspers lehnte die Ontologie ab und ersetzte sie durch Periechontologie („Lehre vom Umgreifenden“). Neue Bedeutung erhält die Ontologie im modernen Neopositivismus und in der Semantik, wo es vor allem um das Problem des Verhältnisses von „Wörtern und Sachen“ geht.
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