Lexikon

Sozildemokratie

Formen der Regierungspraxis

Sozialdemokratische Parteien unterscheiden sich in ihrer jeweiligen Regierungspraxis. Diese ist abhängig von der Wettbewerbslage im Parteiensystem, von unterschiedlichen ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedingungen und von den politischen Institutionen der Regierungssysteme. Systematisch lassen sich erstens Strategien unterscheiden, die betont auf eine Ausweitung des Wohlfahrtsstaates, die Einebnung gesellschaftlicher Ungleichheit und die Sicherung der Vollbeschäftigung setzen und dabei eng mit den Gewerkschaften zusammen arbeiten. Eine zweite Richtung strebt nur kleinere Kurskorrekturen zu mehr sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit auf der Basis dessen an, was konservative, christdemokratische oder liberale Vorgängerregierungen gerade noch zulassen. Eine solche Variante findet sich vor allem in Ländern mit Zweiparteiensystemen (Großbritannien) oder dort, wo gesellschaftlich und politisch stark wirksame Gegenkräfte (Vetospieler) existieren, z. B. in der Schweiz, Belgien oder den Niederlanden. Eine dritte Variante, bekannt geworden als „Neue Sozialdemokratie“, will mit Strategien des „Dritten Weges“ oder einer Politik der „Neuen Mitte“ die wohlfahrtsstaatlichen Leistungen reduzieren und je nach sozialen Gruppen stärker differenzieren. Auch wird die Gestaltungsrolle des intervenierenden Staates in der Weise reformiert, dass dieser nur noch in Zusammenarbeit mit den wichtigen gesellschaftlichen Akteuren als Moderator oder Makler tätig wird. Zusätzlich wird die Selbstaktivierung der Gesellschaft favorisiert und die Eigenverantwortung der Einzelnen gefordert und gefördert.
  1. Einleitung
  2. Historische Entwicklungslinien
  3. Formen der Regierungspraxis
  4. Sozialdemokratie im Zeichen der Globalisierung
  5. Sozialdemokratische Parteien in Europa
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