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Rosa Luxemburg – umstrittene Vorreiterin des Sozialismus

"Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern" – dieses bekannte Zitat stammt von Rosa Luxemburg, einer prägenden Figur der europäischen Arbeiterbewegung und des Kommunismus. Die umstrittene Sozialistin kämpfte für mehr Gleichheit und gegen Nationalismus, Militarismus und Kapitalismus. Am 15. Januar 1919 wurde sie gemeinsam mit Karl Liebknecht in Berlin misshandelt und ermordet.

Porträtaufnahme Rosa Luxemburgs, zw 1895 und 1905
Rosa Luxemburg um 1900
Rosa Luxemburg wird am 5. März 1871 in der polnischen Kleinstadt Zamosc geboren – als Tochter eines jüdischen, aber nichtreligiösen Holzhändlers. Ihre Eltern sind nicht reich, sehen aber eine gute Bildung als wichtigen Grundstein für den Lebensweg ihrer Kinder an – auch der Töchter. Damit diese gute Schulen besuchen können, zieht die Familie schon bald nach Warschau. Rosa besucht dort das Gymnasium, lernt schon früh mehrere Fremdsprachen, liest klassische Literatur und interessiert sich auch für Naturwissenschaften.

Von Warschau nach Zürich

Am Gymnasium kommt Rosa Luxemburg erstmals in Kontakt mit den Ideen von Karl Marx, dem "Vater des Kommunismus". Dessen Werke sind im damaligen Polen verboten, so dass Rosa sich die Schriften illegal durch Kontakte zu einer marxistischen Gruppe verschafft. Die Ideen einer gerechteren Verteilung der Güter und der Auflösung der Klassengesellschaft überzeugen sie schon bald. Rosa beginnt noch zu Schulzeiten, sich politisch zu engagieren – und bekommt schon bald die Folgen zu spüren: Nach ihrem Abitur, das sie mit Eins besteht, muss sie wegen ihrer Mitgliedschaft in einer verbotenen "proletarischen" Gruppe aus Polen fliehen.

Eine neue Heimat findet Rosa Luxemburg in Zürich. Dort schreibt sie sich gemeinsam mit vielen anderen Emigranten aus Osteuropa zum Studium ein – zunächst in Naturwissenschaften und Philosophie, später wechselt sie zu Rechtswissenschaften, Staatswissenschaften und Wirtschaft. Während ihrer Zeit an der Universität knüpft sie Kontakt mit vielen kommunistisch orientierten Mitemigranten. Einer von ihnen, der litauische Revolutionär Leo Jogiches wird ihr Mentor und Lebenspartner. Von ihm lernt Rosa Luxemburg das politische Arbeiten - auch mit konspirativen Methoden.

Gemeinsam mit Jogiches und anderen Mitstreitern gründet Rosa Luxemburg 1893 die kommunistische Exilzeitung "Arbeitersache", wenig später dann die Partei Sozialdemokratie des Königreiches Polen (SDKP).

Rosa Luxemburg (rechts) mit Clara Zetkin, 1910 in Magdeburg
Im deutschen Kaiserreich zählt Rosa Luxemburg, hier mit Clara Zetkin auf dem Weg zum SPD-Kongress von 1910 in Magdeburg, bald zu den bekanntesten und umstrittensten politischen Persönlichkeiten.
Gegen das Establishment

Doch Rosa bleibt nicht lange in Zürich: 1898 zieht sie nach Berlin – und wird dort zu einer der umstrittensten Personen der deutschen Geschichte. Die überzeugte Kommunistin engagiert sich zunächst in der SPD und wird dort schnell Wortführerin des linken Flügels. Statt eines allmählichen Wandels hin zu einer parlamentarischen Demokratie mit sozialen Reformen vertritt Rosa Luxemburg  jedoch einen radikalen Wechsel – eine Revolution "von unten", durch die eine sozialistische Räterepublik entstehen sollte. Außerdem wollte Luxemburg das Zeitalter der Nationalstaaten überwinden – ganz im Sinne von Marx' kommunistischer internationale.

Damit allerdings stößt Rosa Luxemburg schnell an die Grenzen des im deutschen Kaiserreich gesellschaftlich akzeptierten und zulässigen. Dies verschärft sich mit Beginn des Ersten Weltkriegs noch. 1914 wird sie wegen ihrer Antikriegs-"Propaganda" verurteilt und sitzt von Juli 1916 bis November 1918 in Breslau in Haft.

Der Spartakusaufstand

Als dann nach Ende des Krieges der deutsche Kaiser gestürzt und die Weimarer Republik ausgerufen wird, ist Rosa Luxemburg gerade wieder entlassen – und stürzt sich sofort in die Opposition. Gemeinsam mit Karl Liebknecht gründet sie die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD und ruft die Arbeiterschaft zur Revolution auf.

Im November 1918 und vor allem in Januar 1919 kommt es zu Massendemonstrationen und Aufständen. In Berlin besetzen bewaffnete Arbeiter am 5. Januar das Zeitungsviertel und mehrere Bahnhöfe. Doch der auch als Spartakusaufstand bekannte Aufstand wird blutig niedergeschlagen: Sie Polizei geht mit Gewehren, Granaten und Minenwerfern gegen die Besetzer vor, rund 200 Menschen sterben. Die führenden Köpfe der Arbeiterbewegung, darunter auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden verfolgt und mussten untertauchen.

Rosa-Luxemburg-Denkmal am Landwehrkanal
An dem Ort, an dem ihr Leichnam in den Landwehrkanal geworfen wurde, erinnert heute ein einfaches Denkmal an die Ermordung Rosa Luxemburgs.
Brutale Ermordung

Doch schon am 15. Januar werden Luxemburg und Liebknecht in ihrem Unterschlupf, einer Wohnung in Berlin-Wilmersdorf aufgespürt und gefasst. Beide werden zum Hauptquartier einer Freikorps-Truppe gebracht und dort verhört und schwer misshandelt. Anschließend sollen die beiden Kommunistenführer ins Gefängnis überführt werden – doch sie kommen nie dort an.

Die Leiche von Karl Liebknecht wird noch am gleichen Abend gefunden, die Überreste von Rosa Luxemburg jedoch findet man erst vier Monate später im Berliner Landwehrkanal. Die Kommunistin war noch am 15. Januar 1919 unweit des Kanals erschossen und dann ins Wasser geworfen worden. Seit 1987 erinnert eine Gedenktafel am Landwehrkanal an den Tod von Rosa Luxemburg.

Grab Rosa Luxemburgs auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin
Das Grab Rosa Luxemburgs ist heute Teil der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin.
Umstritten bis heute

Bis heute sind die Ziele und Ideen von Rosa Luxemburg und ihr Handeln stark umstritten. In der DDR wurde ihr Todestag durch offizielle Gedenkfeierlichkeiten geehrt. In der Bundesrepublik dagegen galt sie je nach Partei entweder als Wegbereiterin des Linksextremismus oder aber als wichtige Figur der Sozialdemokratie.

"Rosa Luxemburg ließ und lässt niemanden gleichgültig. Kompromisslos und stimmgewaltig vertrat sie ihre Überzeugungen", konstatiert die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie betont, dass Luxemburg zwar radikale Ziele vertrat, aber diese nicht mit Gewalt erreichen wollte. "Die proletarische Revolution bedarf für ihre Ziele keines Terrors, sie hasst und verabscheut den Menschenmord. Sie bedarf dieser Kampfmittel nicht, weil sie nicht Individuen, sondern Institutionen bekämpft…", schrieb Rosa Luxemburg.

NPO, 15.01.2018
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