Lexikon

Sozildemokratie

Sozialdemokratische Parteien in Europa

Zur Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands SPD; zur Geschichte der österreichischen Sozialdemokraten Sozialdemokratische Partei Österreichs.
In der
Schweiz
begann der politische Zusammenschluss der Sozialisten um 1870; 1888 wurde die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP; frz. PS)gegründet; 1901 vereinigte sich mit ihr der 1838 gegründete Grütliverein. Deutlich marxistisch bestimmt war das Parteiprogramm von 1904, doch erklärte sich die Schweizer Sozialdemokratie 1920 gegen den Eintritt in die 3. (kommunistische) Internationale. Daraufhin bildete der linke Flügel 1921 die Kommunistische Partei. 1943 kam mit E. Nobs der erste Sozialdemokrat in den Bundesrat; 1950 wurde er Bundespräsident. Seit 1959 stellt die Sozialdemokratische Partei regelmäßig zwei der sieben Bundesräte. Sie gewann bei den Nationalratswahlen 2007 43 Mandate.
In
Großbritannien
entwickelte sich um 1900 eine Sonderform der Sozialdemokratie in Gestalt der Labour Party.
In
Frankreich
ist die Sozialdemokratie aus den verschiedensten Gründungen sozialistischer Parteien hervorgegangen (J. Guesde, A. Blanqui, É. Vaillant u. a.). Trotz persönlicher und ideologischer Rivalitäten vereinigte sich 1905 unter dem Einfluss der 2. Internationale ihre Mehrheit zur „Französischen Sektion der Arbeiter-Internationale“ (Section française de linternationale ouvrière, SFIO). Nach dem Austritt aus der 2. Internationale 1920 spaltete sich die Kommunistische Partei von ihr ab. 1936 war die SFIO führende Partei der Volksfront. In der 4. Republik (19441958) sowohl Regierungs- als auch Oppositionspartei, verloren die Sozialisten allmählich große Teile ihrer Anhängerschaft. Der Stimmenanteil der gemäßigten Linken des französischen Parteiensystems ging in der 5. Republik bis 1973 ständig zugunsten der Kommunisten und Gaullisten zurück. Im Juni 1971 kam es zur Neugründung einer „Sozialistischen Partei“ (Parti Socialiste) unter F. Mitterrand, die neben der alten SFIO die meisten nicht kommunistischen Linksparteien in sich vereinigte. Bei den Wahlen 1981 erreichte sie ihr bis dahin bestes Ergebnis; sie stellte mit Mitterrand in der 5. Republik erstmals den Staatspräsidenten und war bis zur katastrophalen Wahlniederlage 1993 (mit Unterbrechung 19861988) Regierungspartei. Nach den Wahlen 1997 kehrte sie in diese Funktion zurück. 2002 wurde der PS wieder Oppositionspartei. Er bestimmte 2006 mit S. Royal erstmals eine Frau zur Präsidentschaftskandidatin. Sie unterlag bei den Wahlen 2007 dem bürgerlichen Kandidaten N. Sarkozy.
Die 1882 gegründete Sozialistische Partei
Italiens
wurde 1926 von Mussolini aufgelöst. 1944 wurde sie neu errichtet. 1947 spaltete sie sich in die Sozialisten unter P. Nenni (später PSI) und die Sozialdemokraten unter G. Saragat (später PSU). Beide Parteien gehörten den von der Democrazia Cristiana (DC) geführten Koalitionskabinetten der linken Mitte an. Die PSI stellte mit B. Craxi 19831987 erstmals den Regierungschef. 1994 beschloss ein Parteitag die Auflösung der PSI. Eine kleinere sozialdemokratische Partei sind heute die Demokratischen Sozialisten Italiens (Socialisti Democratici Italiani, SDI).
In
Spanien
war die 1879 gegründete Spanische Sozialistische Arbeiterpartei (Partido Socialista Obrero Español, PSOE) von 1982 bis 1996 Regierungspartei und hatte in dieser Funktion erheblichen Anteil an der Modernisierung des Landes. Unter der Führung von J. L. Rodríguez Zapatero wurde sie 2004 erneut Regierungspartei. In
Portugal
wird die Sozialdemokratie von der 1973 gegründeten Sozialistischen Partei (Partido Socialista, PS) vertreten.
In den
skandinavischen Ländern
wie auch in
Belgien
und den
Niederlanden
entwickelten sich die sozialdemokratischen Gruppierungen zu staatstragenden Parteien, so z. B. die 1889 gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens (Socialdemokratiska Arbetarepartiet, SAP), die die schwedische Politik über Jahrzehnte dominierte, allerdings 2006 das schlechteste Wahlergebnis seit 1921 hinnehmen musste, oder die 1946 in den Niederlanden gegründete Partei der Arbeit (Partij van de Arbeid, PVA).
In den Staaten Osteuropas gingen die sozialdemokratischen Parteien nach dem 2. Weltkrieg unter Druck in den kommunistischen Parteien auf. Erst nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaftssysteme (seit 1989/90) konnte es dort zu einer Renaissance der Sozialdemokratie kommen.
Im Europäischen Parlament gehören die sozialdemokratischen Abgeordneten zur Fraktion Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament.
  1. Einleitung
  2. Historische Entwicklungslinien
  3. Formen der Regierungspraxis
  4. Sozialdemokratie im Zeichen der Globalisierung
  5. Sozialdemokratische Parteien in Europa
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