Lexikon

Thọmas von Aquịn

Thomas von Aquin
Thomas von Aquin
bedeutendster Theologe und Philosoph des Mittelalters, „Doctor communis“, „Doctor angelicus“ genannt, Heiliger, * um 1225 Roccasecca bei Aquino, † 7. 3. 1274 Fossanova; Grafensohn, Dominikaner, studierte u. a. bei Albertus Magnus in Köln; lehrte 1252–1259 in Paris, 1259–1268 in Italien, 1269–1272 erneut in Paris, seit 1272 in Neapel.
Thomas von Aquin war in erster Linie Theologe. In der Bibelerklärung bemühte er sich um ein sachliches Verständnis der Hl. Schrift unter Einbeziehung der Überlieferung der Kirchenväter. In der systematischen Theologie versuchte er, zur Klärung der Glaubensgeheimnisse die natürliche Vernunft, insbesondere das philosophische Denken des Aristoteles, heranzuziehen und der Theologie den Charakter einer Wissenschaft zu geben: Die Offenbarung ist nicht wider-, sondern übervernünftig. Die Verteidigung dieses Versuchs zwang ihn zur Auseinandersetzung mit einem gewissen „unweltlichen“ Augustinismus einerseits und dem naturalistisch orientierten lateinischen Averroismus andererseits. Diese Diskussionen nötigten ihn, das gesamte vielschichtige theologische wie philosophische Gedankengut der antiken und christlichen Vorzeit aufzunehmen und neu zu durchdenken. Grundlegend ist das Verhältnis von Form und Materie: Die Einzeldinge entstehen, indem die Formen von Raum und Zeit bis hinauf zur Gottheit die Materie bestimmen. Gott ist absolute Form, seine Wesenheit und sein Dasein sind eins; bei den endlichen Wesen tritt das Dasein zu ihrem Wesen im Schöpfungsakt hinzu. Natur und Vernunft sind hingeordnet auf Gott. Das sittliche Ziel des Menschen liegt in der Entwicklung seiner vernünftigen Natur. Sein freier Wille muss sich von seiner Vernunft leiten lassen (Intellektualismus). Als politisches Wesen ist der Mensch von Natur aus auf Geselligkeit und Verbindung in Familie, Gemeinde und Staat angelegt. Der Staat ist eine rein weltliche Einrichtung. Die beste Staatsform ist die durch aristokratisch-demokratische Garantien gegen Despotismus geschützte Monarchie. Jedoch ist der weltliche Staat nur Vorbereitung auf den in der Kirche bereits sinnbildlich gegenwärtigen himmlischen Staat.
Hauptwerke: „Summa contra gentiles“ 1258–1264 (Auseinandersetzung mit dem nichtchristlichen, besonders islamischen Denken); „Summa theologica“ 3 Teile 1266–1274 (System der Theologie und Philosophie); „Quaestiones disputatae“ (Niederschriften der akademischen Disputationen); Kommentare zur Bibel, zu Aristoteles und den Sentenzen des Petrus Lombardus. – Erhebung zum Kirchenlehrer 1567. Fest: 28. 1.
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