Lexikon

tschechische und slowakische Kunst

Malerei

In Böhmen und Mähren sind Buchmalereien aus dem 11. Jahrhundert erhalten; die ältesten romanischen Wandgemälde stammen jedoch erst aus dem 12. Jahrhundert. Der Übergang zur Gotik vollzog sich in der Pfeilerbemalung der Mariageburtskirche in Pisek aus dem 3. Viertel des 13. Jahrhunderts. Die Blütezeit der besonders in Prag beheimateten böhmischen Malerschule fiel in das 14. Jahrhundert. Ein Hauptwerk der damaligen Miniaturkunst ist die Wenzelbibel (13801390), deren Farbgestaltung bereits auf burgundisch-flämische, auch im Altar von Wittingau (gegen 1380) zu Tage tretende Einflüsse schließen lässt. Die durch Theoderich von Prag ausgeführten Wandgemälde in der Kreuzkapelle der Burg Karlstein (um 1365) zeigen eine expressive Unruhe der Formen.
In Renaissance und Barock wurden zahlreiche fremde Künstler nach Prag berufen. Hofmaler Rudolfs II. und Maximilians II. war Arcimboldo aus Mailand; die Brüder Asam schufen die Dekorationen des Speisesaals im Brezewnower Stil, F. A. Maulbertsch erhielt 1794 den Auftrag, die Bibliothek des Prämonstratenserklosters in Strahov auszumalen. Die wenigen tschechischen Maler jener Zeit hatten nur lokale Bedeutung. Eine entscheidende Wende trat erst im 19. Jahrhundert mit J. Manés und M. Aleš ein, den Hauptmeistern der tschechischen Historienmalerei. Der Übernahme des Impressionismus (A. Slaviček) und dem weiteren Einstrom französischer Einflüsse in der Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg und dem Beginn der abstrakten Malerei (begründet von dem in Frankreich lebenden F. Kupka) und des Kubismus (Bohumil Kubišta) folgte nach 1945 eine Entwicklung, in der der sozialistische Realismus allmählich abgelöst wird von einer teils aus der Folklore, teils von neueren westeuropäischen Stilrichtungen angeregten Experimentierfreudigkeit. Künstler wie der Theaterbildner J. Svoboda und der Maler und Dichter J. Kolař genießen heute internationalen Ruf.
  1. Einleitung
  2. Architektur
  3. Plastik
  4. Malerei

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