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Scharpings schnelles Aus

Zweifelhafte Geschäfte mit dem PR-Unternehmer Hunzinger führten zur Entlassung

Am Ende ging alles ganz schnell. Anfang vergangener Woche berichteten die Süddeutsche Zeitung und Bild, Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) sei in eine Honoraraffäre verwickelt. Während im Kanzleramt die Alarmglocken schrillten, gab sich der Urheber der Aufregung gewohnt gelassen - Scharping setzte seine Sommerbesuche in Bundeswehrkasernen fort, so als sei nichts geschehen. Am Mittwochabend lud Gerhard Schröder dann die SPD-Spitze zum Krisengespräch in sein Privathaus nach Hannover. Parteivize Scharping hatte zuvor einen freiwilligen Rücktritt abgelehnt. Dass er von der Frankfurter PR-Agentur Hunzinger Honorare in Höhe von 140.000 Mark erhalten habe, sei kein Grund, das Amt aufzugeben. Schröders Herrenrunde befand: Der Mann muss endlich gehen.

Kanzler Schröder entließ daraufhin den uneinsichtigen Parteifreund, der weiter auf seiner Unschuld beharrte. Als Nachfolger stand SPD-Fraktionschef Peter Struck bereit. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, wird sich der Kanzler 65 Tage vor der Bundestagswahl gedacht haben, als er dem scheidenden Minister vor laufenden Kameras im Bundespräsidialamt die Hand reichen musste. Am Donnerstag platzte dann mit der detaillierten Enthüllungsgeschichte im Stern die Bombe: Die Hamburger Journalisten berichteten auf neun Seiten, dass PR-Berater Moritz Hunzinger, 43, für Scharping ein Konto angelegt habe und dafür sogar mit einer Vollmacht ausgestattet gewesen sei. Die Vorwürfe, Scharping habe für Vorträge und Buchverträge Honorare erhalten, sind nach Ansicht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwar nicht justiziabel, haben aber das Fass zum Überlaufen gebracht: „Sie bestätigen nur ein lange bekanntes Persönlichkeitsbild: das eines Politikers, der seine Fähigkeiten in grotesker Weise überschätzt; eines Menschen, dem es nicht nur an politischer Urteilskraft mangelt, sondern auch an Instinkt und Stilsicherheit, was das Verhältnis von öffentlichem Amt und privater Sphäre angeht.“

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